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Briefe von der Heimatfront (36)

Briefe von der Heimatfront

Nach der Abercrombie-Pleite: Was wird jetzt aus den ganzen Nacktverkäufern?



Keine schönen Zahlen für die Marke der schönen Menschen: Das Modelabel Abercrombie & Fitch erlebt heftige Verluste – um fast 15% ging der Absatz zurück, und das allein in Europa. Die Nachricht schockiert vor allem Fans, die frühzeitig in den Kult investiert haben: z.B. Kaythleen, 14. Das junge Not-yet-It-Girl steht seit sechseinhalb Monaten in der Warteschlange vor der A&F-Filiale in Frankfurt, ernährt sich von Luft und Bulimie. Tagsüber erhält sie Makeup-Spenden von Touristen, nachts deckt sie sich mit einer Louis-Vuitton-Einkaufstüte zu. Wie viele andere Wartende muss sie jetzt befürchten, dass die Filiale schliessen könnte, bevor sie überhaupt den Eingang erreicht. «Wenn ich wenigstens zur Frühjahrskollektion reinkomme! Dann würd' ich das Zeug noch so retro-ironie-mässig auftragen.»

Pause ohne Ende, Die Welt als Witz

Den Nacktverkäufern droht ein harter Winter.  Bild: EPA

Ein Sprecher der UNO-Hilfswerke warnt bereits vor Tausenden orientierungslosen A&F-Flüchtlingen, die nach einer möglichen Pleite in die Innenstädte zurückströmen könnten: «Syrer können wir versorgen – aber tausende Hipster mit tausenden verschiedenen Ernährungsfimmeln? Soviel glutenfreie Brennesselbratlinge sind auf dem Markt doch niemals verfügbar!» Viele Fans wollen das Risiko, vor verschlossenen Türen zu stehen, gar nicht erst eingehen: Sie verbinden sich die Augen und inhalieren Deodorant, bevor sie ganz normal in den H&M gehen.

Der Rückgang in den Verkäufen ist zum Teil selbstverschuldet. Einerseits setzte das Label auf Jugendliche – doch seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1892 sind viele der ehemals Jungen nun deutlich älter, z.T. sogar verstorben. Dann die Öffentlichkeitsarbeit: A&F wirbt vor allem mit nackter Haut, auch in den Filialen werden die Kunden von halbnackten Models bedient. So blieb in der Öffentlichkeit der Eindruck zurück, man müsse einfach nur nackt auf die Strasse gehen, um die neuesten A&F-Trends aufzutragen. Ein peinliches Eigentor! Auch die missglückten PR-Auftritte von Ex-Firmenchef Michael Jeffries («ich möchte, dass man in diesem Land hässliche Menschen endlich wieder auf der Strasse niederschiessen darf, ohne sich dafür ständig entschuldigen zu müssen» – so ähnlich hat er das gesagt) nagten am Image, Jeffries' immenser Botoxkonsum zudem an der Gewinnspanne.

Die Nacktverkäufer selbst müssen jetzt um ihre Existenz bangen: Meteorologen kündigen für 2014 einen harten Winter an. Wenn die Models nicht rechtzeitig von anderen Firmen aufgefangen werden, könnten sie zu Hunderten in den Fussgängerzonen erfrieren oder an Raststätten ausgesetzt werden. Grosse Discounter wie Lidl und Denner kündigten bereits an, die freigesetzten A&F-Schönlinge notfalls zu übernehmen. Dort will man ohnehin stärker die A&F-Verkaufsprinzipien umsetzen: Gedämpftes Licht und Parfüm in der Luft sollen den Supermarktkunden verwirren; nacktes Fleisch ist noch zusätzlich geeignet, neueste Preiserhöhungen vergessen zu lassen.

Leo Fischer

Leo Fischer

Der ehemalige Chefredaktor vom Satiremagazin «Titanic» schreibt jede Woche einen «Brief von der Heimatfront». Er liefert den deutschen Invasoren in der Schweiz Schlachtpläne, wie sie die deutsche Dominanz in den Universitäten oder dem Gesundheitswesen noch stärker durchsetzen und festigen können. Er wird aber auch seinen Landsleuten mit ordentlich Humor grob aufs Dach hauen.
Mehr von Leo Fischer gibt's bei Titanic

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