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Men in historical costumes re-enact a battle at the Sehusafest medieval festival in Seesen, central Germany, on September 6, 2014. Organisers expect around 1,000 actors and more than 40,000 spectators to attend the Middle Age festival.            AFP PHOTO / DPA / PETER STEFFEN / GERMANY OUT

«Bewahrer des Mittelalters gegen die Überfremdung unserer Wahnvorstellungen.» Bild: DPA

Briefe von der Heimatfront

Briefe von der Heimatfront

Eine kurze Geschichte des Abendlands

Zu Tausenden gehen sie auf die Strasse, in immer mehr deutschen Städten: Bewegungen wie «Pegida» («Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands») versammeln engagierte Freunde und Verteidiger des Abendlands, die durch eine schleichende Islamisierung den Verlust europäischer Werte befürchten. Dabei berufen sie sich auf die reichhaltige Kultur und Geschichte, die das Abendland zu bieten hat.

1187 Nach einer durchzechten Nacht hat der Dorfpfarrer Hans Bierbichler aus Rettenberg auf freiem Feld eine Marienerscheinung – allerdings zeigt sich die Muttergottes als sogenannte Schwarze Madonna mit dunkler Hautfarbe. In mehreren Städten formieren sich daraufhin Bürgerproteste – die Bewegung «Bemigüwa» («Bewahrer des Mittelalters gegen die Überfremdung unserer Wahnvorstellungen») ist geboren. Kaiser Barbarossa erklärt, dass man die Sorgen der Bevölkerung sehr ernst nehme, und schickt die Demonstranten kurzerhand auf grosse Kreuzzugsfahrt ins Heilige Land, «auf dasz wir dies Gesindel entlich los seyen».

1712 Der englische Schmied Thomas Newcomen entwickelt eine erste primitive Dampfmaschine – ursprünglich, um damit Sexspielzeuge anzutreiben. Erst später machen ihm Historiker die Bedeutung seiner Erfindung für die gesamteuropäische Verständigung klar. Er nutzt die Maschine künftig, um Übersiedler aus Irland zu waschen.

1747 Der preussische König Friedrich bittet Johann Sebastian Bach um ein Musikstück, dessen zentrales Thema auch von einem grölenden Mob besoffener Rechter gesungen werden kann. Bachs Komposition «Du musikalisches Opfer» wird oft auf nächtlichen Zusammenkünften von Berlinern gespielt, die eine schleichende «Cöllnisierung» durch Zugereiste aus der Nachbarstadt fürchten.

1790 In seinem Buch «Kritik der Urteilskraft der verdammten Museln und ihrer Zeckenfreunde» schreibt Immanuel Kant: «Handle so, dass die Maxime deines Willens zugleich stets im Einklang stehen mit einer Horde abgehängter alter weisser Männer, die ihr gesamtes Wissen aus Verschwörungsblogs beziehen». Bei der Buchpremiere wird Kant von einer Gruppe besoffener Königsberger mit «olé, olé»-Rufen aus der Buchhandlung getragen.

1948 Auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen in Paris wird die «Allgemeine Erklärung der Menschenrechte» ausgerufen. Sie beginnt mit dem Satz «Wir sind keine Rassisten, aber man wird ja noch mal sagen dürfen ...».

2015 Mit der Schliessung der örtlichen Leihbücherei ist die thüringische Kleinstadt Zeulenroda-Triebes auf dem Höhepunkt ihrer mehr als 1000 Jahre langen Entwicklung angekommen. In Zeulenroda gibt es nun offiziell gar nichts mehr: keinen Handel, keine Infrastruktur, keinerlei messbare geistige Aktivität. Das gesamte öffentliche Leben spielt sich in «Manni's Dart-Pinte» ab – bis eines Tages ein salafistischer Missionar mit einem Packen Korane vorbeikommt. Zeulenroda erlebt eine Blütezeit: Innerhalb weniger Jahre entsteht das weitläufige Sultanat Al-Zeula, das durch prunkvolle Kuppelbauten, unsterbliche Poesie und die Erfindung des Sextanten durch den Gelehrten Al-Manni auf sich aufmerksam macht. Internationale Experten schätzen, dass die Vereinigten Emirate von Zeulenroda innerhalb weniger Jahre zur drittgrössten Wirtschaftsmacht Europas aufsteigen werden.

Leo Fischer

Bild:

Leo Fischer 

Der ehemalige Chefredaktor vom Satiremagazin «Titanic» schreibt jede Woche einen «Brief von der Heimatfront». Er liefert den deutschen Invasoren in der Schweiz Schlachtpläne, wie sie die deutsche Dominanz in den Universitäten oder dem Gesundheitswesen noch stärker durchsetzen und festigen können. Er wird aber auch seinen Landsleuten mit ordentlich Humor grob aufs Dach hauen. Mehr von Leo Fischer gibt's bei Titanic



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    Alle Leser-Kommentare
  • Baba 15.12.2014 11:48
    Highlight Highlight Tja Herr Fischer, meinem Verständnis von Humor entspricht dieser Artikel leider nicht für mich ist's auch keine gute Satire. Der Artikel ist in meinen Augen einfach nur eines: bemüht :-(.

    Ihre künftige Absenz bei watson würde mich nicht betrüben.

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