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Ein HCD-Fan mit Bier auf dem Weg zu seinem Platz, am Samstag, 12. Oktober 2013, in Davos. (KEYSTONE/Arno Balzarini)

Bild: KEYSTONE

Briefe von der Heimatfront

Warum Schweizer kein Bier trinken sollten

Der 25. April ist der Tag des Schweizer Bieres, ein seltener und wenig erforschter Feiertag, dessen Ursprünge im Nebel der Zeit verloren gegangen sind, ähnlich Fronleichnam, dem britischen Tag der Zahnhygiene oder dem großen FKK-Wochenende der Vereinigten Arabischen Emirate. Ein Feiertag, der gleichwohl nötig ist: Kaum ein Deutscher könnte auf Anhieb eine Schweizer Biersorte benennen, geschweige denn trinken, und die schweizerische Bierwirtschaft, so zeigt's die Kollegin, arbeitet nicht nur unter den Bedingungen der hawaiianischen Skisportindustrie, sondern demonstriert darin zugleich zentrale helvetische Tugenden – Zärtlichkeit fürs verschwindend Kleine, Einsiedlermentalität, Beharren im Angesicht des Absurden. Man verstehe mich nicht falsch: Es ist gut und richtig, dass sich die Schweiz diesen Luxus leistet; wie man ja auch versucht hat, mit dem Zürcher Hafenkran ein mit dem Berliner Flughafen vergleichbares Grossbauprojekt zu initiieren – dann aber, man kommt eben nicht aus seiner Haut heraus, trotzdem pünktlich fertig wurde.

Nein, das Schweizer Bier ist deshalb zu einer Nischenexistenz verdammt, weil es dem Schweizer Wesen einfach nicht entspricht. Der Schweizer ist nämlich ganz einfach kein Biertrinker, sondern – Schnapstrinker. Bier ist in seiner Wirkung einfach etwas sehr Deutsches: Ewige Zeit brütet man dumpf vor sich hin, konsumiert apathisch, um dann, wenn das Mass voll ist, plötzlich durchzudrehen, nur mehr Freund und Feind zu unterscheiden; sich entweder tränenreich verbrüdert oder lachhaft begründeten Zank anfängt – bis man schliesslich, Opfer des eigenen Übermuts, zerschlagen am Boden liegt. Und Penisse ins Gesicht gemalt bekommt.

Schnaps hingegen führt die Menschen nach oben! Es ist zwar anstrengend, oft unwegsam, viele Pausen müssen gemacht werden, doch geht es munter aufwärts. Die Welt wird immer kleiner, der Himmel immer blauer – bis endlich die Gipfel von Transzendenz, Schönheit und innerem Seelenfrieden erreicht sind. Unter Einfluss von Schnaps verwandeln sich Schweizer, ich war vielfach begeisterter Zeuge, in seltsame Fabel- und Feenwesen, tänzelnde Berg- und Waldgeister, die mit der Wendigkeit des Steinbocks ganze Treppen überspringen und sich mit der Urgewalt eines Bergquells in die Badewanne übergeben. Ein beispielloses Naturschauspiel! Das Bier, das die Schweizer zu solchen Höchstleistungen führt, muss erst noch gebraut werden.

Leo Fischer

Der ehemalige Chefredaktor vom Satiremagazin «Titanic» schreibt jede Woche einen «Brief von der Heimatfront». Er liefert den deutschen Invasoren in der Schweiz Schlachtpläne, wie sie die deutsche Dominanz in den Universitäten oder dem Gesundheitswesen noch stärker durchsetzen und festigen können. Er wird aber auch seinen Landsleuten mit ordentlich Humor grob aufs Dach hauen.

Mehr von Leo Fischer gibts bei Titanic



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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • weissichnicht 26.04.2014 19:16
    Highlight Highlight welche Poesie in diesen Worten!
  • weissichnicht 26.04.2014 19:15
    Highlight Highlight welche Poesie!
  • Statler 26.04.2014 13:38
    Highlight Highlight Zum Glück ist ja die Rothaus Brauerei nicht weit, sodass man auch hier ab und zu ein Tannzäpfle trinken kann… *schlürf*
    (das Zäpfle ist den meisten Schweizern ja zu bitter, drum hat sich Feldschlösschen entschieden, ein Bier zu brauen, das nicht mehr bitter ist. Womit ein Bier erschaffen wurde, das mehr an Sirup erinnert… *graus*)
    • slash 27.04.2014 18:05
      Highlight Highlight Zum Glück gibt's in einigen Lokalen das noch bitterere «Jever».
      Skål
    • küde333 28.04.2014 11:40
      Highlight Highlight Jever forever, ein richtig herbes Bier wie man es in der Schweiz leider nicht bekommt)...(gezwungen durch diese Umstand bin ich zu wohl einem der grössten JEVER-Schmuggler geworden...)
  • Chaose 25.04.2014 23:22
    Highlight Highlight Schweizer sollten auch kein Bier brauen,...... weil sie es einfach nicht können. Siehe Feldschlösschen.
    • Pete85 26.04.2014 09:56
      Highlight Highlight Gleich das schlechteste Bier als repräsentativ zu nennen, zeugt von mangelnder Bierkenntnis.
    • zeromg 26.04.2014 12:12
      Highlight Highlight Deshalb lokale Biere geniessen. 1000x besser als der Industriemüll.
    • Chaose 27.04.2014 21:26
      Highlight Highlight Ja, natürlich gibts auch viele andere und gute Schweizer Biere die auch ich gerne trinke. Feldschlösschen hab ich erwähnt, weil es nun mal das "Bier der Nation" ist - also der Massengeschmack. Und wenn das beliebteste Bier zugleich das schlechteste ist, sagt das auch einiges aus über die Bierkultur im Land.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Oberon 25.04.2014 19:29
    Highlight Highlight Cool geschrieben, der letzte Absatz erinnert mich irgendwie an meinen letzten grossen Crash. ;)

Briefe von der Heimatfront (1)

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