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Briefe von der Heimatfront (12)

Bankertötungen sind nicht die richtige Antwort auf die Krise

11.04.2014, 19:3914.04.2014, 15:16

Nach etwas unglücklichen Vorfällen in der letzten Zeit ist ein altes Mittel der politischen Auseinandersetzung wieder ins Gespräch gekommen: Soll man Banker, Analysten und Finanzberater im Sinne einer auf Nachhaltigkeit orientierten Volkswirtschaft präventiv terminieren, sprich: abmurksen? Hier sagen neuerdings vielerlei Menschen, übrigens vor ganz unterschiedlichen Lebenshintergründen, ganz entschieden und vorbehaltlos «Ja!». Wo vorher verlegenes Schweigen herrschte oder alternative Heilmethoden wie Fussfesseln oder chemische Kastration empfohlen wurden, wird die «Liquidation der Liquiden» (Jean Ziegler) wieder ganz offen diskutiert.

 «Ich jedoch sage: Nein! Bankertötungen sind nicht die richtige Antwort auf die Krise.»

Sollten Bankertötungen wieder in Mode kommen, könnten Kandidaten für Finanzberufe zuzüglich zum Honorar eine Gefahrenzulage verlangen. Dies würde den Beruf deutlich attraktiver machen. Nicht nur hätten die Banker noch mehr Geld als ohnehin schon, das ganze Berufsbild bekäme etwas Abenteuerliches, wie Feuerwehrmann oder Elitesoldat. Dadurch hätten Banker auch mehr Erfolg bei potentiellen Sexualpartnern, hätten mehr Spass am Leben, könnten sich mit grösserem Erfolg fortpflanzen und noch mehr Banker in die Welt setzen. Ein Teufelskreis!

Das erhöhte Gefahrenpotential hätte bei den Bankern eine Banker-, Quatsch, Bunkermentalität zur Folge. Sie würden sich noch stärker als Kontrahenten der Mehrheitsgesellschaft wahrnehmen, die Aussenwelt als noch feindseliger imaginieren. Dadurch hätten sie aber noch weniger Skrupel, riskante Finanzprodukte und faule Kredite zu verkaufen - nach dem Motto: Die wollen mir sowieso ans Leder, wieso sollte ich da auf sie Rücksicht nehmen? Aus dieser Rücksichtslosigkeit erwüchse dann wiederum neuer Hass auf die Banker, es käme zu noch mehr Tötungen etc. Teufelskreis zwo!

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In der stark computerisierten Bankenwelt ist der Mensch weitgehend obsolet geworden. Die meisten Stellen sind Altlasten und werden nach dem Ausscheiden des Mitarbeiters nicht mehr neu ausgeschrieben, sondern durch eine App ersetzt. Konsequenz: Wer Banker tötet, zerstört dabei nolens volens auch Arbeitsplätze! Deswegen: Bankertötung nur zur Selbstverteidigung oder zur ökologischen Ausdünnung der Population (Jagdvorbehalt), in jedem Fall aber nur mit gesetzlicher Handhabe. Sonst trifft es bald auch die Kieferorthopäden, die Billetkontrolleure und die Steuerhinterzieher.

Leo Fischer
Der ehemalige Chefredaktor vom Satiremagazin «Titanic» schreibt jede Woche einen «Brief von der Heimatfront». Er liefert den deutschen Invasoren in der Schweiz Schlachtpläne, wie sie die deutsche Dominanz in den Universitäten oder dem Gesundheitswesen noch stärker durchsetzen und festigen können. Er wird aber auch seinen Landsleuten mit ordentlich Humor grob aufs Dach hauen.

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