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Hanspeter G. beim Ausschenken von Tomatensaft, den am Boden kein Passagier je freiwillig trinken würde. 
Hanspeter G. beim Ausschenken von Tomatensaft, den am Boden kein Passagier je freiwillig trinken würde. Bild: Keystone
DER ENTHÜLLER

Flugbegleiter outet sich als heterosexuell

15.05.2014, 16:4015.05.2014, 17:05
Buzz Orgler

Es ist eine Geschichte, die berührt. Der 33-jährige Hanspeter G.* arbeitet seit 2008 als Flugbegleiter. Jahrelang täuscht der Kölner seinem Umfeld vor, homosexuell zu sein. Hanspeter G. kauft sich CDs von Kylie Minogue, zupft sich die Augenbrauen oder ruft «Stösschen», bevor er mit seinen Freunden Sekt trinkt. Doch am 15. Februar dieses Jahres bricht die Scheinwelt des Schwulen-Schwindlers zusammen. 

Muss in Zukunft jemand anders aufblasen: Schwimmweste.
Muss in Zukunft jemand anders aufblasen: Schwimmweste.Bild: shutterstock

In einer Diskothek wird G. von einem Arbeitskollegen beim Herumknutschen mit seiner Freundin gesehen. «Möglicherweise hätte ich das Versteckspiel noch etwas länger aufrecht erhalten können, aber ich hatte schlicht keine Kraft mehr dafür», sagt ein den Tränen naher G. Der Flugbegleiter outet sich nach dem Partywochenende als heterosexuell.

Vom Blasen keine Ahnung

G.s Outing stösst bei den homosexuellen Kollegen auf grosse Akzeptanz. «Viele haben mir gesagt, sie hätten schon immer gespürt, dass ich irgendwie anders sei. Mittlerweile machen sie sogar Witze über meine Heterosexualität. Ein Kollege meinte kürzlich, ich müsse in Zukunft auf die Sicherheitsvorführung der Schwimmweste verzichten, vom Blasen hätte ich ja keine Ahnung. Auch G.s Befürchtung, dass er nach seinem Outing während den Übernachtungen im Ausland nur noch mit den spiessigen Heteros aus dem Cockpit rumhängen muss, bleibt unbestätigt. «Die Flugbegleiter nehmen mich nach wie vor mit in die Clubs.» 

Nicht nur G. profitiert von der neuen Situation, auch seine Freundin Claudia* sieht klare Vorteile. «Ich musste mich in der Vergangenheit immer als Hanspeters beste, fette Freundin ausgeben. Das hat mich total gestresst. Ich bin von Natur aus nämlich schlank und habe mir für die Rolle der Fag-Hag dreissig Kilogramm angefressen.» Die 32-Jährige verlor darum 2011 ihren Job als Fitnesstrainerin und lebt seither von Hartz IV. «Aber was tut man nicht alles für die Liebe? Jetzt kann ich die überflüssigen Pfunde ja wieder loswerden, dann reicht in Zukunft auch ein Sitz in der Economy.»

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Queer-Quitten und Homo-Himbeeren

Enttäuscht sind lediglich die Eltern von Hanspeter G., die einen Bauernhof in der Nähe von Dormagen betreiben. «Wir waren so stolz auf unseren Jungen und haben überall im Dorf rumerzählt, dass er schwul ist. Die Nachbarn sind oft rübergekommen und haben sich bei uns Fotos von Hanspeters Reisen angeguckt», erzählt G.s 64-jährige Mutter. Die Bäuerin schlug sogar Profit aus der Homosexualität ihres Sohnes. «Für den Wochenmarkt habe ich die Marmeladengläser jeweils mit Regenbogenfarben bemalt und mit ‹Queer-Quitten› oder ‹Homo-Himbeeren› beschriftet. Seit sich im Dorf jedoch herumgesprochen hat, dass Hanspeter nur eine gewöhnliche Hete ist, sind die Umsätze total eingebrochen.» 

Die 64-Jährige hadert nach wie vor mit dem Outing ihres Sohnes. Besonders zu schaffen macht ihr, dass sie den Sonderstatus im Dorf verloren hat. «Die Leute waren immer total interessiert, wie das denn so sei mit einem schwulen Sohn zuhause. Jetzt spricht mich niemand mehr an, weder in der Metzgerei noch beim Bäcker. Als ich kürzlich im Reisebüro nach einem Flug nach Mykonos fragte, sagte man mir sogar ins Gesicht, ich solle meine Ferien lieber auf Malle verbringen, da würden Heteros gerne hinfahren, um sich stillos zu besaufen.» Um nicht weiterhin dem Spott des Dorfes ausgesetzt zu sein, spielt die 64-Jährige mit dem Gedanken einen schwulen Sohn zu adoptieren. Ernstgemeinte Angebote schicken Sie bitte an: 

redaktion(at)der-enthueller.ch

*Namen vom Praktikanten geändert

Der Enthüller
Hart recherchierte Fakten, fundierte Kritik und realistische Analysen? Die gibt es anderswo. Chefredaktor Buzz Orgler und sein Praktikant Pavel Kulicka decken auf, was keiner wissen will. Ob Berichte über einen Schwangerschaftstest fürs iPhone oder mit Zwiebeln verunreinigte Kebabs, die beiden gescheiterten Journalisten sind sich für keine satirische Schlagzeile zu schade. Und schneller als die Wahrheit sind sie noch dazu.



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