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Edvin Uncorked

Portwein, Sherry, Grappa – die wundersame Welt der Brand und Likörweine

Madelyne Meyer
Madelyne Meyer

Liebe Weinfreunde und Weinfreundinnen

Ich lehne mich jetzt weit aus dem Fenster, um euch keine Weine, sondern eher weinartige Getränke vorzustellen. Es herrscht nämlich wahnsinnig viel Verwirrung um Likörweine wie Sherry und Port...und um den Weinbrand Grappa. Man weiss wenig darüber, da sie halt nicht gerade täglich getrunken werden. Höchste Zeit, dies zu ändern? Ich rate: Nämed's easy.

Hier die gröbsten Unterschiede:

Definitionen: Brand und Likörwein

Es geht hier nicht um den Nachbrand

Likörwein: Bsp. Sherry, Port, Marsala, Madeira: Wein, der während der alkoholischen Fermentation mit Alkohol (Ethylalkohol) angereichert wird. Diese sind auch als «verstärkte Weine» oder «aufgespritete Weine» bekannt. Der Alkoholgehalt ist dementsprechend höher als bei «normalen» Weinen: 15-22% Vol. Auch weisen sie häufig eine hohe Restsüsse auf.
Weinbrand: Bsp. Grappa, Brandy: Weinbrände/ Branntweine sind Spirituosen, die mit oder ohne Zusatz von Weindestillat gewonnen werden. Der Alkoholgehalt des ursprünglichen Weindestillats befindet sich zwischen 52 und 86% Vol. Alkohol. Der Mindestalkoholgehalt muss 36 % Vol. betragen.

But now let's get down and dirty.

Portwein – der süssliche Likörwein aus Portugal

Portwein ist der Alleskönner schlechthin. Dank seinem etwas höheren Alkoholgehalt peppt der weisse, erfrischende Port jeden Aperitif auf. Der Ruby Port kommt beim Dessert zum Zuge und der Tawny Port gilt als der Digestif par excellence.

Herstellungsmethode

Portwein

Nach der Ernte der obengenannten Trauben wird der Most in Wein vergoren (alkoholische Fermentation). Der Port, wie auch Sherry, wird während dieser Gärung mit hochprozentigem Alkohol aufgespritet. Dies nennt man Fortifizierung. Das Aufspriten ist ein wichtiger Produktionsschritt. Durch das Hinzufügen von Weindestillat von ca. 77% Alkohol wird die Fermentation gestoppt. Dieser Unterbruch sorgt wiederum dafür, dass sich nicht der ganze Zucker in Alkohol verwandeln kann und somit bleibt eine gewisse Süsse im Portwein bestehen. Der Portwein reift schliesslich mindestens zwei bis höchstens sechs Jahre lang im Holzfass.

Grappa – der Hochprozentige mit italienischem Ursprung

Grappa polarisiert wie Koriander. Man liebt es zu allem oder kotzt fast deswegen. Entweder, man nippt daran wie an einem heiligen Gral oder man kippt es unauffällig hinter dem Hals weg.

Grappa ist als Weinbrand in der Schweiz sehr wichtig. Als Digestif kommt er fast immer in Frage.

Grappa ist ein delikat duftender Weinbrand/Tresterbrand auf Traubenbasis mit italienischem Ursprung. Der Alkohol beim Grappa liegt zwischen 35 und 60% Volumenprozent, welche aus den vergorenen, alkoholhaltigen Pressrückständen der Weinherstellung destilliert werden. Allerdings dürfen nur im italienischsprachigen Teil der Schweiz sowie in Italien produzierte Trester-Destillate als Grappa bezeichnet werden.

Herstellungsmethode

Grappa

Grappa entsteht, indem man die vergorenen, alkoholhaltigen Pressrückstände aus der «normalen» Weinherstellung destilliert (wie einen Schnaps). Zuerst macht man also Rotwein, trennt nach der Fermentation/Maischestandzeit die Traubenschalen und Kerne vom Wein (Pressrückstände bzw. Trester genannt) und destilliert diese. Allerdings dürfen nur im Tessin sowie in Italien produzierte Trester-Destillate als Grappa bezeichnet werden. Tresterspirituosen, die nicht aus diesen Regionen kommen, nennt man in der Schweiz Aquavite di vinaccia oder in Deutschland Tresterbrand. In Frankreich würde man diesem Weinbrand «Marc» sagen. Vor dem Abfüllen muss Grappa mindestens ein halbes Jahr im Fass lagern und der Mindestalkoholgehalt beträgt 37,5% Vol.

Sherry – der Tausendsassa-Likörwein aus Andalusien

Sherry ist bekannt für seinen oxidativen Geschmack. Das riecht dann nach Hefe, Mandeln und Nüssen. Ein sogenannter in Schnaps aufgelöster Nussgipfel.

Pedro Ximenez ist übrigens der ultimative Partner für scharfe Gerichte und dunkle Schokolade.

Herstellungsmethode

Sherry

Jeder Sherry wird aus der Palomino-Traube hergestellt. Am Anfang wird jeder Sherry trocken ausgebaut (keine Restsüsse). Nach der Fermentation wird dem Wein Branntwein zugesetzt. Der Wein wird so von ca. 11 bis 13,5% Alkoholvolumen auf 15,5% aufgespritet. Danach reift der Sherry in in zu ca. vier Fünfteln gefüllten (meist 600-Liter-)Fässern an der Luft. Dies führt dazu, dass sich auf dem jungen Wein eine Florhefe (schaumartige Hefeschicht) bildet, die den Wein vor Oxidation schützt und den Zucker des Weines am Ende fast vollständig vergärt. Diesen Ausbau nennt man reduktive Reifung und wird für Fino, Manzanilla und Amontillado Sherry eingesetzt. Die Oloroso-Sherrys reifen hingegen oxidativ, also ohne Florhefe und werden auf etwa 17% Alkohol aufgespritet, um die Florhefe abzutöten. Diese Art Sherry hat mehr Alkohol, weist aber auch komplexere Aromen auf. Der Kellermeister bestimmt, ob ein Wein zum Fino oder Oloroso wird. Alle Sherry-Weine durchlaufen ein einzigartiges, meiner Meinung nach total gestörtes Reifesystem, das sogenannte Solera-System. Dabei handelt es sich um ein dynamisches System aus dutzenden Fässern, bei dem die Weine aus verschiedenen Phasen des Reifeprozesses miteinander vermischt werden. Das bedeutet auch, dass Sherry-Weine nicht jahrgangsdatiert sind, sondern aus einer Kombination von vielen verschiedenen Jahrgängen stammen.

So, ich habe fertig. Flasche leer.

Cheers, eure Edvin

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Madelyne Meyer

Die Weinwelt kann extrem elitär und exklusiv sein. Darauf hat Madelyne Meyer aber gar keine Lust. Mit ihrem unkonventionellen Weinblog Edvin hat sich die Aargauer Weinexpertin in der Schweiz einen Namen gemacht. «Meine Leser mögen wohl meine selbstironische Art. Ich nehme mich und die Weinwelt nicht todernst, zolle dem Wein aber immer genügend Respekt».

Madelyne arbeitet in ihrem Familienbetrieb für Marketing & Kommunikation und schreibt noch für den Gault Millau Channel. Das Ganze rundete sie im September 2019 mit ihrem ersten Buch «Endlich Wein verstehen» ab.
Für watson schreibt Madelyne ab sofort regelmässig exklusiv in ihrem Blog.

Weitere Infos über Madelyne und Wein findest du hier:
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28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Kolo 17.07.2020 20:01
    Highlight Highlight Sorry, für mich ist dad ein schlechter Artikel. Die gelobte Leichtigkeit von Madelyne Meyer findet gerade mal in der Einleitung statt, der Rest ist einfach eine Liste. Finde sogar den Wikipedia Eintrag flüssiger zu lesen.

    Dabei wäre das Thema echt spannend und könnte mit vielen Anekdoten, konkreten Empfehlungen und funfacts eine gute Kolumne ergeben. Aber so, empfehle ich lieber:

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Weinbrand
  • rönsger 17.07.2020 19:42
    Highlight Highlight Schade, diesmal kein Spitzenjahrgang von Madelyne: Weshalb packst du Port/Jerez und Grappa ins selbe Fass? Die einen sind fortifiziert, der andere gebrannt. Beide Säfte hätten je einen Artikel verdient. Dann hätten wir erfahren, dass der "Fino" etwas völlig anderes ist als der "Oloroso", und wir wissen, ob der Porto nun 30 oder höchstens sechs Jahre im Fass bleibt (steht beides im Artikel). Und wir wüssten mehr über den Unterschied zwischen Grappa, Cognac, Marc oder (lecker!) Li. Stattdessen trinken wir nun 1 dl Grappa (zum Trost: aus der Tiefkühltruhe mit dickem Eismantel) und sind erstaunt.
  • Hosesack 17.07.2020 16:11
    Highlight Highlight Alles Kopfwehwasser
    • Kolo 17.07.2020 20:01
      Highlight Highlight Liegt dann wohl am Kopf und nicht am Wasser.
  • Platon 17.07.2020 16:09
    Highlight Highlight Ich mag Grappa sehr, aber 1dl ist sogar für mich zu viel 😅
    • Bort? 18.07.2020 18:43
      Highlight Highlight Nimmst halt 4x einen "kleinen" 😉😆
  • Lucaffe 17.07.2020 15:36
    Highlight Highlight Grappa: “1dl in ein kleines Weinglas”... und das bei vielleicht 40 Volumenprozent... nicht schlecht!
  • Joe Smith 17.07.2020 14:33
    Highlight Highlight «Tresterspirituosen, die nicht aus diesen Regionen kommen, nennt man in der Schweiz Aquavite di vinaccia.» Erzähl das mal einem Walliser. Oder vielleicht besser nicht.
  • nadasagenwirjetzteinfachmal 17.07.2020 14:23
    Highlight Highlight Grappa ist doch immer Tresterbrand und nie Weinbrand.
    Wenn Grappa aus der Schweiz kommt, dann ausschliesslich aus dem Tessin oder dem italienisch sprechenden Teil Graubünden.
    So viel Genauigkeit muss sein.
    • Kupetzky 17.07.2020 19:26
      Highlight Highlight Richtig ist: Grappa darf aus Wein, Trester oder Hefe gebrannt werden. Ist aber zumeist ein reiner Tresterbrand Reine Weinbrände nennt man Aquavite. Die Bezeichnung ist aber nicht geschützt. Geschützt ist hingegen die Bezeichnung Grappa. Sie darf ausserhalb Italiens nicht mehr verwendet werden.
    • fools garden 17.07.2020 21:35
      Highlight Highlight Das siehst Du richtig.
      Tresterbrand und Weinbrand sind nicht das Gleiche.
    • Bort? 18.07.2020 18:45
      Highlight Highlight @kupetzky

      Meines Wissens darf man im italienischsprachigen Teil der CH auch GRAPPA produzieren...oder nicht? 🤔
    Weitere Antworten anzeigen
  • -thomi- 17.07.2020 13:51
    Highlight Highlight Sorry, Sherry als Digéstif? Da würden Andalusier wohl protestieren. Ein Fino oder Manzanilla ist ein wunderbarer Apéro! Und was total vergessen ging sind Madeira, Maury, all die Muscat de irgendwo in Südfrankreich, Banyuls, Rivesaltes, Pineau des Charentes, Jurançon, und und und... Und für die Exoten ev. noch Marsala aus Sizilien. Diese Weine finden so schon zu wenig Beachtung. Wenn man Weinwissen vermitteln möchte, dann muss mindestens der Madeira noch rein.
    • Inflatio 17.07.2020 15:31
      Highlight Highlight Absolut gleicher Meinung. Madeira würde ich sogar noch über den klassischen Portwein stellen.
    • -thomi- 17.07.2020 17:38
      Highlight Highlight Definitiv. Ist Geschmackssache. So ein 75-jähriger Vintage ist halt unerschwinglich. Und was ein Vintage Ruby Port sein soll, weiss ich auch nicht.
  • Kolo 17.07.2020 12:54
    Highlight Highlight Verstehe die Logik des Artikels nicht. Wieso nicht grappa, cognac und brandy? Wieso crappa und sherry und port? Nix gegen port im Gegenteil. 🤔🤔🤔🤷‍♂️
    • fools garden 17.07.2020 21:39
      Highlight Highlight Cognac und Brandy ist beides Weinbrand. Cognac ist aber geschützt und darf nur als Solcher bezeichnet werden, wenn er auch aus ebendieser Region Stammt.
    • Kolo 17.07.2020 21:51
      Highlight Highlight Wieso steht tresterbrand dem sherry und dem port denn näher? Danke für deine Antwort. Aber meine Frage bleibt.
    • fools garden 18.07.2020 07:01
      Highlight Highlight Tresterbrand, ist ein Schnaps wie wir es nennen, meist ab min. 38% gegen oben varieren die Limiten je nach Land.
      Grappa, oder Marc wie selbes in Franreich genannt wird.
      Weinbrände sind in der Regel edler und teurer. Cognac, Armagnac, Brandy.
      Die Spanier brauchen meist Brandy als Bezeichnung, Grand Duce d'Alba ist so ein Produkt.
      Sherry, und Portwein sind Apperitivweine aus überreifen Trauben um 18%
      Die Gährung wird gestoppt durch die Beigabe von Bränden, die Restsüße bleibt erhalten. Hefen sterben ab in der Nähe von 15-16%
    Weitere Antworten anzeigen
  • Xonic 17.07.2020 12:53
    Highlight Highlight Weisser Portwein
    Tonic Water
    1 Schnitz Zitrone
    1 Stängel Minze
    etwas Eis

    voila, Port Tonic!

    10x besser als der langweilige Aperol Spritz...
    • mxpwr 17.07.2020 13:03
      Highlight Highlight Geschmäcker sind verschieden
  • Besser Wüsser 17.07.2020 12:02
    Highlight Highlight Toller Beitrag, ich sollte mich auch wieder vermehrt um den Konsum von Sherry und Port kümmern. Danke für die Erinnerung :-)
  • TBD 17.07.2020 11:51
    Highlight Highlight Ich hab einen ca. 30 Jahre alten Portwein im Keller, welchen ich vor einigen Jahren geschenkt bekommen habe.

    Geht der mit der Zeit kaputt oder kann der noch ein paar Jährchen im Keller bleiben?

    Ich trink drum nicht so oft...
    • nadasagenwirjetzteinfachmal 17.07.2020 17:26
      Highlight Highlight der geht in 1 Woche kaputt, darf ich dir meine Adresse geben und du schickst ihn mir zum vernichten :-)
      Und wenn nicht. Wenn es ein Port ist welcher dazu geeignet ist in der Flasche zu reifen, dann kann der auch noch 20 Jahr drin bleiben, wenn nicht, dann kannst du ihn vermutlich vernichten da er nach 30 Jahren nicht mehr viel Aroma haben wird.
    • Kupetzky 17.07.2020 19:31
      Highlight Highlight Was isses denn? Ein Vintage eines guten Jahrganges/Produzenten hält 30+ Jahre. Ein Ruby vom Discounter sollte schnellstmöglich getrunken werden.

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