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Leider nein. Bild: madelyne meyer

Edvin Uncorked

Nach diesem Artikel weisst du es, wenn ein Wein schlecht ist (und warum er dich «anfurzt»)

Madelyne Meyer
Madelyne Meyer

Eine der häufigsten Fragen, die mir in meinen Weinkursen gestellt werden, ist:

«Wie erkenne ich, ob der Wein einen Fehler hat?»

Wie du ihn erkennen kannst? Mit Riechen. Ob du ihn erkennen kannst, ist eine ganz andere Frage. Es gibt Menschen, die eine ganze Flasche Wein trinken können, ohne zu merken, dass der Wein gekorkt ist.

Nicht jeder Mensch ist mit einem Geruchsinn eines Jagdhundes gesegnet. Es gibt relativ viele Wale unter uns (diese Tiere riechen tatsächlich nichts, musste es zuerst googeln).

Im Prinzip ist das Vorgehen beim Weinverkosten ganz simpel. Der Wein riecht frisch, du nimmst Aromen wahr und du findest, er könnte dir noch Freude bereiten? Dann ist alles i. O. Kannst du aber kaum was riechen oder Düfte von feuchtem Keller und nassem Karton strömen dir entgegen? Dann ist was faul.

Also, riess dich zämme.

Korkfehler

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Illustration: madelyne meyer

Der Korkgeschmack stammt von einer chemischen Substanz mit dem unmöglichen Namen 2,4,6-Trichloranisol (TCA). Diese Chemikalie ist so stark, dass sie selbst in winzigen Mengen muffige Aromen und Geschmacksstoffe in Weinen verursachen kann. Die Verbindung entsteht durch das Zusammenwirken von Pflanzenphenolen, Chlor und Schimmelpilzen. Am häufigsten kommt sie in Naturkorken vor (TCA kann sich sogar auf Baumrinde bilden) und wird vor oder nach Abfüllung auf den Wein übertragen. Der Schimmel kann jedoch auch auf feuchten Oberflächen und chlorbasierten Reinigungsprodukten entstehen. Fässer, Holzpaletten, Holzbalken und Pappkisten sind auch Quellen von diesen Phenolen.

Der Geruch:

Schimmel, feuchter Keller, nasser Karton

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illustration: madelyne meyer

Oxidation

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illustration: madelyne meyer

Durch starke Sauerstoffzufuhr in die Flasche, sei es nach dem Öffnen oder in der noch geschlossenen Flasche, kann der Wein oxidieren; dadurch wird dem Wein die fruchtige Note genommen. Allgemein flachen die Aromen des Weins ab und diese nussigen, Sherry-ähnlichen Noten ersetzen diese frischen Aromen, die der Wein hatte. Wie ein angeschnittener Apfel an der Luft kann sich der Wein ebenfalls orange-bräunlich färben.

Für die Chemie-Nerds unter uns: Gewisse Phenole im Wein sind anfällig dafür, sich mit Sauerstoff zu verbinden. Dadurch beginnt sich das Ethanol zu zersetzen und wandelt sich in eine reduktive chemische Verbindung namens Acetaldehyd um.

Acetaldehyd kann übrigens Kopfschmerzen verursachen. Da hast du deinen Sündenbock.

Geruch:

Petrol, Sherry-artig, Mief

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illustration: madelyne meyer

Essignote

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illustration: madelyne meyer

Hast du schon einmal eine Flasche aus dem Keller oder Karton geholt und dann roch der Wein nach Essig oder Nagellackentferner? Flüchtige Säure!

Flüchtige Säure ist ein Sammelbegriff für alle im Wein vorhandenen Säuren und wie wir sie wahrnehmen. Der Übeltäter dieser Säuren ist aber Essigsäure, das Produkt eines Bakteriums (Acetobacter). Mit Hilfe von Sauerstoff wandelt Acetobacter Zucker und Alkohol in Essigsäure. Zu viel von dieser Essigsäure und du schmeckst es auf eine aufdringliche Art und Weise im Wein.

Bis zu einem gewissen Mass dient diese Säure als wichtiger Aromaträger für den Wein. Sobald dieses Mass jedoch überschritten wird, nimmt man die Säure als sehr stechend und störend wahr.

Der Geruch

Essigstich, Essigsäure

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illustration: madelyne meyer

Schwefel (Böckser)

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illustration: madelyne meyer

Schwefelnoten können bei frisch abgefüllten Weinen auftauchen, sollten aber nach ein paar Minuten an der Luft verfliegen. Schlimmer ist es, wenn der Wein einen sozusagen «anfurzt» (Böckser). Diese Fehlernote entsteht durch unsauberes Arbeiten während der Weinproduktion, zu starkes Schwefeln oder zu wenig Sauerstoffzufuhr.

Geschwefelt wird vor allem, um den Wein vor dem Oxidieren (Punkt 2) zu schützen. Natürlich ist das Credo bei der Weinherstellung: Je weniger Schwefel (-dioxid), desto besser.

Hier lang für mehr Schwefelthemen.

Der Geruch:

Stechender Geruch, Knoblauch, Faule Eier

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Cheers, eure Edvin

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Madelyne Meyer

Die Weinwelt kann extrem elitär und exklusiv sein. Darauf hat Madelyne Meyer aber gar keine Lust. Mit ihrem unkonventionellen Weinblog Edvin hat sich die Aargauer Weinexpertin in der Schweiz einen Namen gemacht. «Meine Leser mögen wohl meine selbstironische Art. Ich nehme mich und die Weinwelt nicht todernst, zolle dem Wein aber immer genügend Respekt».

Madelyne arbeitet in ihrem Familienbetrieb für Marketing & Kommunikation und schreibt noch für den Gault Millau Channel. Das Ganze rundete sie im September 2019 mit ihrem ersten Buch «Endlich Wein verstehen» ab.
Für watson schreibt Madelyne ab sofort regelmässig exklusiv in ihrem Blog.

Weitere Infos über Madelyne und Wein findest du hier:
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28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • So oder so 25.04.2020 17:57
    Highlight Highlight Wein Pfui Teufel - Wein schmeckt immer Scheusslich. Da kann man Lange Gründe dafür suchen , ja auch Kreativ sein - das gleich wie wenn sie Gründe suchen das er nach was Bestimmtes schmecken soll , bringt gar nichts - seht es ein, das zeug schmeckt so oder so Hässlich und verdorben. Sie merken nicht das er Würg ist - Ha Ha , ja wenn wunderts.
    • Jamaisgamay 26.04.2020 01:21
      Highlight Highlight Dasch mol e Meinig. Und du hast eigentlich Recht. Zu 98% Industrie-Plörre und aufgedunsenes Weinkenner-Geprolle 🤣🤣🤣



      Für die anderen 2% gehe ich aber weite Wege.
  • Knety 24.04.2020 18:07
    Highlight Highlight Das Bild ist ja absolut genial. Arme Madelyne mit dem riesen Lätsch. 😂🤣👍
  • -thomi- 24.04.2020 17:34
    Highlight Highlight Zu TCA lässt sich zur Illustration noch sagen, dass auch bei Leuten mit sehr viel Erfahrung sich letztlich darauf verlassen müssen, was ihnen die Natur als Geruchssinn mitgegeben hat (nicht jeder hat die gleiche Schwelle). So durfte ich schon dabei sein, als sich zwei Masters of Wine uneins darüber waren, ob ein 1984er Ducru Bataillou jetzt Zapfen hat, oder nicht... Soviel dazu. Mir fehlt in der Aufzählung übrigens Brett (Brettanomyces). Finden viele toll, ist m.E. aber einfach ein Fehler wegen unsauberer Kellereinrichtung. Note: Schweiss (spez. von Pferden, wer das mal gerochen hat).
    • Jamaisgamay 25.04.2020 10:08
      Highlight Highlight Ein bisschen Brett ist ganz nett. Die Agroscope hat mal eine Korrelation von Brett und Paker-Punkten gemessen:-))
      TCA ist ein Sauhund. Fieser und häufiger als die (mehr oder weniger) offensichtlichen Korkfehler, sind die unterschwelligen Schleicher, wo die fehlende Frucht/Stumpfheit erst im Vergleich mit einer sauberen Zweitflasche festgestellt werden kann.
    • So oder so 25.04.2020 18:00
      Highlight Highlight Wieso Trinkt man etwas wenn man erst mit einer Zweit Flasche feststellen kann ob das Gut ist ?
    • Jamaisgamay 25.04.2020 20:51
      Highlight Highlight @so: weil die Menscheit zwar zum Mond fliegen kann, aber nicht fähig ist, eine Flasche ordentlich zu verschliessen 🤣
  • yanoi 24.04.2020 16:01
    Highlight Highlight eine gute flasche wein ist so etwas unglaublich genussvoll schönes, eine echte lebensqualität.
    den blog hier finde ich super, vielen dank und ich freue mich auf weitere artikel :-)
  • Tobi Totsch 24.04.2020 15:48
    Highlight Highlight Was mich interessiert: Wann darf ich einen Wein (im Restaurant) zurückweisen? Wenn er einen dieser Fehler hat? Ich bin da manchmal unsicher, weil die Wahrnehmung dieser Fehler so individuell ist. Vielleicht ist es einfach ein Wein, den ich nicht mag?
    • fools garden 25.04.2020 17:10
      Highlight Highlight Eine Flasche Wein wird vor Dir geöffnet. Du kannst Deine Bedenken beim Degustieren Kund tun.
      Es gilt allerdings zu Bemerken, falls Dir der Fehlerfreie Wein nicht schmeckt, ist das eher Dein Problem.
      Ein guter Wirt ersetzt sie Dir dennoch.
  • what's on? 24.04.2020 13:58
    Highlight Highlight In einem Weinkurs hatten wir mal einen Wein mit Gummibären-Note. Dieser Fehler entstand, weil er in einer Garage neben Autopneus gelagert war. Deshalb immer in "geruchsneutralen" Räumen lagern. Gratulation übrigens zu dieser gelungenen Rubrik!
    • Jamaisgamay 24.04.2020 15:30
      Highlight Highlight Ich komme mit deiner Beschreibung nicht ganz klar. Gummibärchen tönt nach diesen quietsch-kitschigen Fruchtaromen, die dank 'moderner Oenologie' entstehen. Mit Autopneu bringe ich eher eine brutale Reduktion in Verbindung.
      Mit dem geruchsneutral Lagern hast du aber natürlich Recht.
    • -thomi- 24.04.2020 17:30
      Highlight Highlight Gummibärchen oder diese Feuersteinbonbons kriegst Du auch in Beaujolais. Aber den meidet jamaisgamay ja wohl eh :-)
    • Jamaisgamay 24.04.2020 18:08
      Highlight Highlight @thomi: Carbonique-Aromen sind was anderes, Bananen, Zimt, aber ja, kann je nachdem auch kitschig sein. Und doch doch, ich liebe Beaujolais ❤️❤️
  • Nate Smith 24.04.2020 13:24
    Highlight Highlight Wenn man den Acetaldehydgeruch mal kennt, findet man ihn leider in jedem zweiten Wein :(
    • Jamaisgamay 24.04.2020 15:42
      Highlight Highlight Interessant ist ja, dass Weine, die während der ganzen Vinifikation wiederholt mit Schwefel vor Oxidation geschützt werden, eine Art Schwefel-Sucht entwickeln. Wenn man sie dann öffnet, kippen sie schon in relativ kurzer Zeit.
      Wird bei der Vinifikation zurückhaltender umgegangen mit Schwefel, wird der Wein eher stabiler gegen Oxidation, und kann sich im Glas / in der angefangenen Flasche während Tagen positiv entwickeln.
      https://daily.sevenfifty.com/how-sulfites-affect-a-wines-chemistry/
  • HugiHans 24.04.2020 13:16
    Highlight Highlight Sehr interessanter und anschaulicher Bericht!
    Leider gehöre ich auch zum Typus Wal ... aber immerhin stehe ich dazu und überlasse das Urteil kundigen Personen. Können leider noch lange nicht alle 😉
  • BerriVonHut 24.04.2020 13:03
    Highlight Highlight Was ist wenn der wein nach Hefe schmeckt? Ich hatte kürzlich einen Weisswein der stark nach Hefe schmekte. Bei der zweiten Flasche war dann das nicht mehr und er schmeckte viel besser. Weiss das jemand?
    • Grohenloh 24.04.2020 13:21
      Highlight Highlight Ich glaube wegen der Hefe
    • Jamaisgamay 24.04.2020 14:41
      Highlight Highlight Eine der letzten Flaschen bei der Abfüllung, noch das letzte bisschen Trub vom Tankboden abbekommen? Könnte man dann aber auch im Glas sehen, leichte Trübung.
    • Nate Smith 24.04.2020 19:09
      Highlight Highlight Es kann auch ein gewünschter Geschmack im Wein sein wie z.B. beim Champagner, Naturwein und Weissweinen sur lie (z.B. Muscadet)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Name_nicht_relevant 24.04.2020 11:42
    Highlight Highlight Tipp: Magst du einen Fruchtigen Weissweis dann probiere mal den Züriseewein, gibt es im Coop. Ich Liebe diesen Wein, da ich lieber Süsse und Fruchtige Weine mag. Kennst du ihn Madleyine?
    • Cirrum 24.04.2020 15:37
      Highlight Highlight Dann probier mal Heida Melodie:-) wird dir bestimmt auch munden;-)
    • Nate Smith 24.04.2020 19:08
      Highlight Highlight Oder Johannisberg Porte de Novembre
    • Lucaffe 24.04.2020 21:00
      Highlight Highlight Auch super: Räuschling, zum Beispiel aus Weiningen (ZH). Autochthone Rebsorte.
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Edvin Uncorked

Weinetiketten lesen UND verstehen – das musst du wissen

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