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Kafi setzt ein Lachen auf den Wind. Als Liebeserklärung an die beiden Menschen, welche ihr persönliches Patchworkglück erst ermöglichen.  Bild: Kafi Freitag

FRAGFRAUFREITAG

Ich kenne meinen Lieblingsmann etwas länger, als dass wir wirklich zusammen sind. Jedenfalls so, dass er vor unserem Beziehungsstart noch ein Kind zeugen konnte. 

Zum Zeitpunkt der Geburt aber bereits seit Monaten mit mir liiert war. (Die Eltern haben das mit der Liebesbeziehung kurz und erfolglos versucht). Nun, geht die Ex mit der Kleinen (3.5J.) in die Ferien – und er will mit. Ich bin komplett dagegen. Er meint, es gehe nur um das Kind. Ich bin überzeugt, dass da aktuell nichts zwischen den beiden läuft. Nichts desto trotz kann ich nicht über meinen Schatten/mein Ego/meine Eifersucht springen, und die Ferien okay finden. Bin ich konservativ und engstirnig und müsste meine Position überdenken? (Dass ich mitfliege steht ausser Frage; er will nicht, dass sie und ich uns kennenlernen und Kontakt haben!) Sandra, 35

Liebe Sandra 

Ihre Bezeichnung «Lieblingsmann» ist zauberhaft, danke dafür! Ich kann sehr gut verstehen, dass Sie damit so Ihre Schwierigkeiten haben. Das Modell Patchwork ist ein unglaublich anspruchsvolles, ich rede da aus meiner eigenen Erfahrung und aus der Erfahrung, die ich mit meinen Paarcoachingkunden mache. Ich staune immer wieder, wie sehr der Aufwand dafür unterschätzt wird. Aber die Realität ist eine ganz andere. Dass ich mich heute als glücklich Geschiedene bezeichnen kann, die ein sehr erfolgreiches Patchworksystem unterhält, hat vor allem mit sehr viel harter Arbeit zu tun. Auf allen Seiten. Und unendlichem Goodwill und Nachsicht, Vertrauen und Verständnis. Mein ganz grosses Glück ist es, dass unsere Situation von zwei «neu dazugekommenen» Menschen mitgetragen wird, die mit offenem Herzen und ganz viel Liebe an die Sache herangehen. Tag für Tag.

Für einen neuen Partner / eine neue Partnerin ist es sehr herausfordernd, mit der bestehenden Situation zu leben. Der Preis ist manchmal wirklich furchtbar hoch. Ein Kind bestimmt den Alltag der Menschen. Ihr Lieblingsmann kann nicht mehr so frei entscheiden wie vor dem Kind. Er kann nicht von heute auf morgen in eine andere Stadt ziehen und bleibt als Vater auf Ewigkeit mit der Mutter als Teil der Elternschaft verbunden. Das wollen viele nicht wahrhaben. Aber es ist die Verantwortung und Konsequenz, die wir tragen, wenn wir Kinder in die Welt stellen, ohne garantieren zu können, auf Lebzeiten mit dem Partner zusammen zu sein. Mann kann sich trennen, ja sogar scheiden. Eltern bleibt man immer. Und das ist auch richtig so. Ich prügle das meinen Kunden regelrecht rein, wenn das Bewusstsein darüber offensichtlich fehlt.

Ihre Situation ist nun genau so eine, wie Sie in Zukunft noch tausendfach auf Sie zukommen wird. Eine gemeinsame Aktivität mit dem gemeinsamen Kind, die über einen Nachmittagsausflug in den Zoo weit hinausreicht. Darüber mag man denken, wie man will. Sie werden es Ihrem Partner kaum verbieten können, daher ist es sicher sinnvoll, wenn Sie sich mit der Idee möglichst arrangieren. Was ich allerdings mehr als alarmierend finde, ist die Tatsache, dass Sie die Frau nicht kennen und die Frau Sie nicht kennt. Sie wollen Teil des neuen Lebens Ihres Lieblingsmannes sein, die Mutter des Kindes ist Teil der Vergangenheit und wird auch in der Gegenwart und Zukunft Teil des Lebens Ihres Partners sein. Und somit auch Teil Ihres Lebens. Wie soll das Bitteschön funktionieren, wenn er diese beiden Lebensbereiche voneinander getrennt hält?

Mit den Ferien müssen Sie vielleicht leben müssen. Und die beiden Elternteile auch. Es wird nämlich mit ziemlicher Sicherheit ziemlich in die Hose gehen, dieser Versuch, die Vergangenheit als happy Family nochmals für einen Urlaub auferstehen zu lassen. Dieser Plan wird die Kongruenz der beiden Erwachsenen ziemlich tangieren und das geht in der Regel nicht ohne Konflikt über die Bühne. Aber das müssen die beiden selber wissen, davor können Sie Ihren Freund nicht schützen. Jeder Mensch muss seine eigenen Erfahrungen machen dürfen.

Auf ein gegenseitiges Kennenlernen müssen Sie aber bestehen. Das Kind ist nicht vorgestern geboren und die Beziehung nicht seit gestern zu Ende. Wie auch immer die Umstände für die Trennung und Ihr Zusammenkommen auch gewesen sein mögen, die Schonzeit ist um! Wenn Ihr Partner nicht bereit ist, Sie einander vorzustellen, dann steht er nicht wirklich zu Ihnen, oder aber die Sache ist noch nicht wirklich so gelaufen, wie er Ihnen weiszumachen versucht. Was aufs Gleiche rauskommt. Und dann können Sie die Beziehung und den Lieblingsmann vergessen.

Sie waren 3,5 Jahre geduldig und haben diesen Kontakt nicht eingefordert. Mit jedem Tag, den Sie länger warten, wiegen Sie sich in einer Scheinsicherheit, die es in Tat und Wahrheit nicht gibt. Sie sind 35 Jahre alt, Sandra. Sie wollen nicht mehr nur chäsperlen, sondern einen Mann, mit dem Sie etwas aufbauen, dem Sie vertrauen können. Ist er das wirklich? Er soll es beweisen! Jetzt und hier.

Ganz herzlich. Ihre Kafi.

Fragen an Frau Freitag? ​ 

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.ch.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes.

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Sälber tschuld! 

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Bild: Kafi Freitag



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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Claudia Napolifan 26.02.2015 01:22
    Highlight Highlight Das kenne ich, ein Ex übernachtete bei seiner Ex die ihn noch gerne für gewisse Stunden gehabt hätte..., sowas zum kotzen!!! Da hatte er mich halt endgültig gesehen...!So was dulde ich nicht! Würde der Dame empfehlen mit zugehen oder den Typ in den Wind zu schiessen!
    11 8 Melden

Kafi, wie gehe ich mit Sexismus um?

Liebe Frau Freitag. Im Februar war ich an einem Fest und wurde dort von einem fremden Mann auf mein Äusseres bezogen beleidigt. Die ganze Situation lässt mich bis heute nicht los. Mir geht es dabei nicht darum, dass mich jemand nicht schön findet, sondern um die Tatsache wieso verletzende Worte so oft und so schnell ausgesprochen werden (meist genau von Unbekannten). Wie reagiere ich in solchen Situationen richtig? Und wie gehe ich mit Freunden um, die ebenfalls Beleidigungen an Andere richten? Mia, 24

Liebe MiaWas Sie erfahren haben, erleben sehr viele Frauen. Ich selber kann mich an x solche Situationen in meinem Leben erinnern. Wenn einem das passiert, fühlt man sich wahnsinnig reduziert und erniedrigt. Ich kann Ihnen sehr gut nachfühlen, dass diese Beleidigung nicht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus ist. Wie Sie ganz richtig sagen, geht es nicht darum, dass Sie jemandem nicht gefallen. Es geht um die Reduktion. Und darum, dass man bewertet wird, als müsste man gefallen.

Leider …

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