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Viele Frauen würden dahinschmelzen. Kafi eher davonrennen. Bild: Kafi Freitag

FRAGFRAUFREITAG

Liebe Kafi, eigentlich getrau' ich mich kaum diese Frage zu stellen, da mich wahrscheinlich sehr viele um diese Situation gar beneiden. 

Ich rede jetzt gar nicht gross drum rum, sondern komme gleich zum Punkt. Ich bin mit meinem Freund schon mehr als 2 Jahre zusammen und er kuschelt super gerne. Es ist jetzt nicht so, dass ich nicht auch gerne kuschle, aber er kuschelt einfach viel lieber als ich und manchmal wird mir das auch echt zu viel. Wie bring' ich ihm am besten bei, dass ich weniger kuscheln will, ohne ihn zu verletzen? Lg, Vivienne, 26 

Liebe Vivienne 

Diese Frage dürfen Sie ruhig stellen. Mag sein, dass sich viele Frauen einen Mann wünschen, der sie auf Händen trägt. Aber mich würde das auch killen. Die Menschen ticken unterschiedlich und das ist auch gut so.

Sie haben allerdings einen kapitalen Fehler gemacht, meine Liebe. Solche Dinge nach über zwei Jahren klären zu wollen, ist nämlich saumässig schwierig. Das macht man besser nach zwei Monaten oder, wenn es nach mir geht, nach zwei Wochen. Das ist fast, wie wenn man nach Jahren zugibt, nie wirklich einen Orgasmus gehabt, sondern immer nur gefakt zu haben. Oder dass man es nicht mag, wie der andere küsst. Gewisse Dinge kann man einfach nicht nach zu langer Zeit bringen, gopf! Ausser vielleicht, Sie hätten es am Anfang supertoll gefunden und jetzt plötzlich nicht mehr. Aber selbst die krasseste Verliebtheitsverschiebung dauert in der Regel nicht viel länger als neun Monate an. Sie haben es so lange schleifen lassen und jetzt soll ich für Sie die Kohlen aus dem Feuer holen, was?

Sie können anfangen, blähende Lebensmittel zu essen oder regelmässig mit ihm die dänisch-schwedische Kriminalserie «Die Brücke – Transit in den Tod» schauen. Die Beziehungsmacken der Kriminalkommissarin Saga Norén, die das Asperger-Syndrom hat, lassen jede noch so abweisende Freundin im Vergleich als Schmusekatze durchgehen.

Nein, ernsthaft, Sie werden nicht um ein ehrliches Gespräch kommen. Wichtig ist, dass Sie bei allem, was Sie sagen, bei sich bleiben. Das bedeutet, dass Sie streng drauf achten, dass Ihr Freund nicht das Gefühl bekommt, es sei etwas falsch mit ihm. Mit Ihnen ist auch nichts falsch, liebe Vivienne. Aber wenn man sich zu lange verbiegt und dann plötzlich merkt, dass man das nicht länger durchziehen kann, dann fühlt sich das Gegenüber eventuell verarscht. Er wird Sie fragen, warum Sie erst jetzt damit kommen. Es könnte drum eleganter sein, wenn Sie es so drehen können, dass Ihr Kuschelbedürfnis mit der Zeit etwas abnimmt. Das wertet die gelebte Vergangenheit weniger ab. Dass es vielleicht nicht ganz wahr ist, ist dabei nebensächlich. In einer Beziehung sollte man nicht um jeden Preis immer ehrlich sein.

Das wird Sie jetzt vielleicht erstaunen, weil ich sonst doch immer so auf Ehrlichkeit poche. Aber eben wie gesagt nur dort, wo es wichtig und richtig ist. Und hier dürfen Sie ruhig etwas schummeln, wenn es Ihren Freund weniger kränkt.

Wie genau Sie es anstellen sollen, kann ich Ihnen allerdings nicht sagen. Ich bin ein Mensch, der sich maximal 2 Stunden und 25 Minuten verstellen kann. Daher war ich selber noch nie in der besagten Lage. Und werde es vermutlich auch nie sein.

Ihnen wünsche ich aber die richtigen Worte und alles Liebe. Kafi.

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.ch.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes.

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Sälber tschuld! 

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Bild: Kafi Freitag



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Liebste Kafi. Zu allererst herzlichen Dank für die mindestens 1000 Fragen die du schon beantwortet hast, deine Sicht auf die Welt ist etwas sehr Wertvolles. :)  

Liebe LenaErst einmal 1000 Dank für das liebe Kompliment. Wow. 1000 Fragen sagen Sie? Äh ja ... Manchmal kommt es mir auch so vor. Aber in Tat und Wahrheit sind es, seit ich am 25. Dezember vor genau 4 Jahren mit dem Blog "Frag Frau Freitag" gestartet bin, genau 622 Antworten, die ich verfasst habe. Trotzdem Wahnsinn, nicht? Über die Hälfte davon werden im Frühjahr 2016 in einem Buch abgedruckt, das unter dem Titel «350 Antworten auf drängende Fragen des Lebens» erscheinen …

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