Blogs
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Als Federer-Fan auf Weltreise – kein Zuckerschlecken!

Thomas Schlittler
Thomas Schlittler



In der mexikanischen Kolonialstadt Puebla ist es 5.30 Uhr morgens. Meine Freundin Lea, mein Kumpel Tschügge und ich haben die Nacht durchgemacht und sitzen seit fast drei Stunden bibbernd vor dem kleinen Tablet. Es läuft der fünfte Satz im Australian-Open-Halbfinale zwischen Roger Federer und Stan Wawrinka.

Bei jedem Punkt von Federer ballen wir die Faust und klatschen uns ab. In wenigen Momenten serviert King Roger zum Matchgewinn – doch dann, im dümmsten Moment, gerät die Internetverbindung ins Stocken und das Bild ist plötzlich völlig verpixelt.

Als Federer-Fan auf Weltreise – kein Zuckerschlecken!

Als Federer-Fan auf Weltreise hat man es nicht leicht. Bereits im Sommer 2015, in den ersten Reisemonaten, musste ich leiden: Bei den Finalniederlagen in Wimbledon und New York hatte ich nicht nur damit zu kämpfen, Novak Djokovics Überlegenheit zu akzeptieren. Nein, in den kleinen Hotelzimmern in Rumänien beziehungsweise Georgien machte mir zusätzlich die miserable Internetverbindung das Leben schwer.

Zudem hatte ich im Gegensatz zum jüngsten Halbfinale gegen Stan keine Leidensgenossen, mit denen ich Fachsimplen, Sprüche klopfen und Abklatschen konnte. Das führte teilweise dazu, dass mich die Leute um mich herum für verrückt hielten.

So geschehen beim Wimbledon-Halbfinale 2016. Damals sass ich in Südkorea ohne Begleitung in einer Sportbar und fluchte wie ein Rohrspatz, als sich Federers unnötige Fünfsatzniederlage gegen Milos Raonic abzeichnete. Da die anderen Barbesucher für Tennis offensichtlich nichts übrig hatten, quittierten sie meine emotionalen Ausbrüche mit verständnislosen Blicken. Für mich war das nichts Neues: Ein paar Monate zuvor bei Federers Australian-Open-Halbfinalniederlage gegen den Djoker ereilte mich in Laos das gleiche Schicksal.

Doch auch schon vor meiner Weltreise erlebte ich im Ausland ein paar bittere Federer-Momente. Meine ehemaligen Mitstudenten machen heute noch dumme Sprüche, weil ich mich 2011 auf der Studiums-Abschlussreise ein paar Stunden in mein Zimmer verkroch, nachdem der Maestro im Wimbledon-Viertelfinale gegen Jo Wilfried Tsonga eine Zweisatz-Führung verspielte.

Bei der schwer zu verdauenden Halbfinaleniederlage gegen Djokovic am US-Open 2011 war ich dann im Sprachaufenthalt in Frankreich. Und ich habe die Erklärung, wieso Federer dieses Spiel trotz zwei Matchbällen noch verlor: Es lag an meiner französischen Schlummermutter. Sie hatte mit Tennis nichts am Hut und wagte es, im wichtigsten Moment des Spiels in mein Zimmer zu kommen, um mir zu sagen, dass ich King Roger nicht mehr so lautstark anfeuern dürfe, weil es schon spät sei. Ab diesem Moment ging's bei Roger bergab. Ich nehme ihr das heute noch übel!

Meine grösste Niederlage als Federer-Fan musste ich aber 2008 beim epischen Wimbledon-Finale gegen Rafael Nadal einstecken. Damals war ich in einer Berghütte in Kanada. Zwar hatte es einen Computer mit Internetanschluss, aber die Verbindung war zu schlecht für einen Livestream. Ich musste das wohl beste Tennismatch der Geschichte deshalb per Liveticker verfolgen – inklusive den zahlreichen Unterbrechungen und dem unschönen Ende aus Schweizer Sicht.

Abergläubische Federer-Fans, die das lesen, werden jetzt sagen: Komm schnell nach Hause, Federer verliert ja immer, wenn du im Ausland mit ihm mitfieberst! Aber das stimmt nicht. Bei einem der schönsten Federer-Erfolge, dem Wimbledon-Sieg 2009 über Andy Roddick, war ich ebenfalls auf Reisen. Mein Kumpel Tschügge und ich verfolgten den nicht enden wollenden Krimi im französischen Carcassone. Und nach dem 16-14-Triumph im fünften Satz zogen wir hüpfend und singend durch die Gassen der bildschönen Altstadt.

Auch jetzt in Mexiko ist Tschügge wieder mit mir unterwegs. Doch damit nicht genug: Wir werden das Finale in Oaxaca mitverfolgen, einer mexikanischen Stadt, die wie das französische Carcasonne bildschön sein soll – und sich hervorragend dazu eignet, hüpfend und singend durch die Gassen zu ziehen. Das muss ein gutes Omen sein! Come on, Roger! Für den 18. Grandslam-Titel würde ich sogar eine stockende Internetverbindung in Kauf nehmen ...

Best of Per Autostopp um die Welt

«Hier leben 320 Millionen Menschen, und wir finden nichts Besseres?»

Link zum Artikel

«Hemmungslos in Seattle» – Masturbieren im Lieferwagen

Link zum Artikel

Thanksgiving auf den Strassen Vancouvers: Wo Miniröcke auf Obdachlose treffen

Link zum Artikel

Wie alles begann – zurück am Geburtsort meines Autostopp-Traums

Link zum Artikel

Kanada absurd: Warum muss sich Charles als Ureinwohner den weissen Zuwanderern anpassen?

Link zum Artikel

Im Zelt in Alaska ist es kalt – doch bei Ex-Mormonin Ming im Auto wird mir wieder warm ums Herz

Link zum Artikel

Liebes Mami, ich erkläre dir jetzt, warum ich kein Heimweh habe

Link zum Artikel

Bären statt Burnout: Auf dem Weg nach Alaska treffe ich auf einen Aussteiger nach dem anderen

Link zum Artikel

1000 Kilometer mit einem komplett Andersdenkenden: Joe mag Donald Trump – und ich mag Joe

Link zum Artikel

Allein unter Seebären – per Frachtschiff über den Pazifik

Link zum Artikel

Seit einem Jahr an den Strassenrändern der Welt: Das A bis Z zum Jubiläum

Link zum Artikel

Dümmer geht's nicht: Wie ich in Japan Schlafsack und Flipflops verliere – und dafür noch belohnt werde

Link zum Artikel

Dieser Brief einer 17-jährigen Koreanerin zeigt, wieso Reisen immer noch die schönste Sache der Welt ist

Link zum Artikel

Bevor ich China Richtung Südkorea verlasse, verrät mir «Jack» sein Geheimnis: «Ich bin schwul»

Link zum Artikel

It's all about the money – ganz besonders beim Reisen

Link zum Artikel

Offener Brief an die Thailänder: Reisen in eurem Land ist langweilig (das ist ein Kompliment!)

Link zum Artikel

Das Autostopp-Experiment: Komme ich in Laos auf einer Strasse, die keine ist, überhaupt weiter?

Link zum Artikel

Per Autostopp um die Welt zu reisen ist mutig. Aber es braucht mindestens gleich viel Mut, als Freundin zurückzubleiben

Link zum Artikel

Er ist Chinese, er heisst Li – und trotzdem ist er einzigartig!

Link zum Artikel

Per Autostopp von Winti nach Ürümqi (China): Es ist Zeit für eine Halbjahresbilanz von A bis Z

Link zum Artikel

Arschloch, Ignorant oder Angsthase: Wie verhältst du dich, wenn du an Autostöpplern vorbeifährst?

Link zum Artikel

Ein Hoch auf das Smartphone! 7 Gründe, wieso Reisen im Jahr 2015 besser ist als zu Hippie-Zeiten

Link zum Artikel

Alleine in Kasachstan: So ist es, wenn in Paris schreckliche Dinge passieren – und du mit niemandem darüber reden kannst

Link zum Artikel

Die Frauen Istanbuls: Zwischen Burka, Bier und bösen Blicken

Link zum Artikel

Im 27. Kanton der Eidgenossenschaft – nirgends ist die Schweiz so präsent wie im Kosovo

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

9
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Pana 28.01.2017 15:03
    Highlight Highlight Oaxaca ist echt ne schöne Stadt. Einfach mal in einem Hotel mit Kabel TV übernachten und ihr könnt das Spiel problemlos verfolgen. Nur die Spielzeit ist echt beschissen. Tennis morgens um 4.. Ich weiss jetzt schon, dass ich einpennen werde ;)
    • Pasionaria 30.01.2017 05:58
      Highlight Highlight Bei diesem gigantischen Finale zwischen zwei Ausnahmekoennern ist aber wirklich kein Einpennen moeglich gewesen.
      Dass dann noch der (ein wenig) Genialere gewonnen hat, liess einem vor Freude nicht einmal danach rasch einschlafen!
      Ganz tolles Spiel und Respekt fuer beide....
    • Thomas Schlittler 04.02.2017 20:02
      Highlight Highlight Wir hatten Glück: Im Aufenthaltsraum des Hostels hatte es einen Fernseher, mit dem wir ESPN empfangen konnten. Uneingeschränkten Mitfiebern, Mitfluchen und Mitjubeln stand also nichts im Weg. A night to remember!
  • 2sel 28.01.2017 14:24
    Highlight Highlight Hast du eigentlich ein Zuhause? 😋😂
    Aber danke für deine interessanten wöchentlichen Einblicke, freue mich immer darauf!
    • Thomas Schlittler 04.02.2017 20:03
      Highlight Highlight Doch, doch. Dort habe ich alle anderen wichtigen Federer-Matches mitverfolgt ... ;-)
  • Mia_san_mia 28.01.2017 08:39
    Highlight Highlight Hoffentlich könnt ihr morgen herumhüpfen 😁
    • Pasionaria 28.01.2017 18:57
      Highlight Highlight Herrliche und verstaendliche Begeisterung fuer den einmaligen Tenniskuenstler Roger.
      Etwas weniger nachvollziehbar fuer mich, dass man sogar beim beim Schweizer Duell etwas (zu) parteiisch mit seinem Liebling derart 'bibbert'.
      Auch fuer mich ist Roger der Groesste, aber schlussendlich soll doch der Bessere einer Partie gewinnen. Nicht so bei Ihnen, Señ. Schlittler?
      Ich staune ob Ihrem Gedaechtnis betr. der vielen einmaligen Begegnungen.
      Funktioniert dieses ebenso fuer's Spanisch? Lo esperamos!
      Auch wir fiebern hier um 2.30h, aber der Bessere (Fitere) soll auch dieses Finale gewinnen!
      Go Rogi!
    • Pasionaria 28.01.2017 18:58
      Highlight Highlight ..... und muessen nicht singen: mia_san_raus.....!
    • Thomas Schlittler 04.02.2017 20:11
      Highlight Highlight @mia_san_mia: Wir sind herumgehüpft! ;-)

      @Pasionaria: Nein, bei mir muss nicht immer der Bessere gewinnen. Wenn die Schweizer Fussball-Nati im entscheidenden WM-Qualispiel gegen Portugal spielt, ist es mir auch egal, wer die bessere Mannschaft ist - Hauptsache, die Schweiz gewinnt! Da bin ich Fan - objektiv und diplomatisch bin ich bei anderen Gelegenheiten wieder ... ;-)

      Mit Stan fiebere ich auch immer mit. Aber wenn er gegen Roger spielt, unterstütze ich den Maestro. Federer hatte die Möglichkeit, Sportgeschichte zu schreiben. Und das wollte ich nicht verpassen. ;-)

«Darf ich meinen Christbaum auf dem Autodach transportieren?»

Sophie (23): «Ich kaufe mir in diesem Jahr zum ersten Mal einen eigenen Christbaum. Darf ich ihn auf dem Autodach transportieren? Und wie vermeide ich eine Busse?»

Liebe Sophie

Ja, du darfst deinen Christbaum auf dem Autodach transportieren. Allerdings ist äusserste Sorgfalt geboten. Am wichtigsten ist eine gute Sicherung. Denn bei einer Vollbremsung mit Tempo 50 wird ein 25 Kilogramm schwerer Christbaum schnell zum über 600 Kilogramm schweren Wurfgegenstand. Ein Gummiband genügt daher nicht. Für die Befestigung am Dachträger braucht es robuste Spanngurte. Ragt deine Ladung hinten mehr als einen Meter über das Heck hinaus, musst du das Baumende …

Artikel lesen
Link zum Artikel