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Gross, grösser, Argentinien – «Ich fahre nur 100 Kilometer in diese Richtung»

Die Ruta Nacional 16, quer durch Argentinien. Bild: Thomas Schlittler

Thomas Schlittler
Thomas Schlittler



Meine Freundin Lea und ich sitzen im Norden Argentiniens neben einer heruntergekommenen Tankstelle. Die gelben Parkfelder werden gerade frisch gestrichen, doch sonst ist alles am Verlottern und Verrosten. Die Luft ist trocken und jeder Lastwagen, der an uns vorbeidonnert, schleudert uns eine dicke Staubwolke ins Gesicht.

Nach einer halben Stunde Dreck fressen hält ein Pickup-Truck. Der Mann am Steuer ist gerade am Handy und ruft uns durchs offene Fenster zu: «Ihr könnt mitkommen, aber ich fahre nur 100 Kilometer in diese Richtung.» Es klingt, als würde er davon ausgehen, dass wir lieber auf eine andere Mitfahrgelegenheit warten, weil uns 100 Kilometer nichts nützen.

Die Aussage kommt nicht von ungefähr: Wir befinden uns auf der Ruta Nacional 16, einer 700 Kilometer langen argentinischen Nationalstrasse, die schnurgerade von West nach Ost führt. Kurven sind unnötig, denn es gibt hier weder Berge, Flüsse noch Seen, die umfahren werden müssten.

Alle 20 bis 30 Kilometer ein Dorf

Die nie enden wollenden Ackerflächen werden nur von ein paar tristen, schachbrettartig angelegten Ortschaften unterbrochen, die alle 20 bis 30 Kilometer aus dem Nichts auftauchen. 100 Kilometer bringen uns deshalb tatsächlich nur drei Dörfer weiter – bis zur nächsten Kreuzung. Wir laden unsere Rucksäcke aber trotzdem auf die Ladefläche und steigen gerne ein.

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Die Ruta Nacional 16 in Argentinien ist 707 Kilometer lang – und hat kaum eine Kurve. Bild: Wikipedia

Nachdem der Mann mit Hemd und Sonnenbrille sein Telefonat beendet hat, stellt er sich als Adrian vor. Ich sage ihm: «Wir kommen aus der Schweiz, für uns sind 100 Kilometer weit. In vier Stunden kann man das ganze Land durchqueren.» Adrian lacht und sagt: «Ich bin gerade auf dem Weg zu einer dreistündigen Sitzung und fahre dafür 650 Kilometer weit. Und danach die gleiche Strecke wieder zurück.»

Wir machen grosse Augen: «650 Kilometer für eine Sitzung? Das ist ja Wahnsinn! Wieso macht ihr das nicht via Skype?» Adrian, der für einen internationalen Agrarhandelskonzern arbeitet, antwortet gelassen: «Das ist normal. Meine Firma will, dass ich an der Sitzung persönlich anwesend bin. Und für Skype ist die Internetverbindung in Argentinien zu unzuverlässig.»

Adrian ist bei weitem nicht der Einzige im Norden Argentiniens, der aus beruflichen Gründen unglaubliche Distanzen zurücklegen muss. In dem riesigen Land, 67 Mal so gross wie die Schweiz, sammeln nicht nur Lastwagenfahrer fleissig Fahrkilometer.

Fagundo, bei dem wir einen Tag später im Auto sitzen, arbeitet als Verkäufer für Pharmakonzerne und klappert mit seinem Auto Woche für Woche die Spitäler in der Region ab. Der junge Familienvater sagt uns: «Ich lege wöchentlich rund 3000 Kilometer zurück.»

Etappe 109

Ich bin in der Schweiz zwei Jahre lang von Winterthur nach Aarau gependelt. Vor allem Abends kam mir die 70 Kilometer lange Strecke jeweils vor wie eine halbe Weltreise – und ja, ich habe gejammert. Wenn man das nun mit den Arbeitswegen in anderen Ländern vergleicht, erscheint das lächerlich.

Ich habe mir aber trotzdem geschworen, nach meiner Rückkehr in die Schweiz maximal eine halbe Stunde zur Arbeit zu pendeln. Schliesslich kann ich auch nichts dafür, dass das im Norden Argentiniens für viele nicht einmal reicht, um bis zur nächsten Tankstelle zu kommen.

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15
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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Randy Orton 06.07.2017 01:35
    Highlight Highlight Wie ist eigentlich euer Spanisch mittlerweile? Sprecht ihr noch Englisch mit den Fahrern?
    • Thomas Schlittler 07.07.2017 12:51
      Highlight Highlight Wir sind ganz zufrieden mit unserem Spanisch. Natürlich längst nicht perfekt, aber es reicht für lustige Abende mit den Latinos. ;-) Jetzt in Brasilien nützt uns das leider aber nicht mehr viel ...
  • pamayer 03.07.2017 14:03
    Highlight Highlight Lea und Thomas strahlen einfach immer wie MaikäferInnen. Wie macht ihr das bloss?
    • Thomas Schlittler 03.07.2017 18:23
      Highlight Highlight Auch bei uns ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen. Aber auf den Fotos reissen wir uns zusammen. ;-)
    • pamayer 04.07.2017 00:22
      Highlight Highlight Genau das schaffe ich nicht... ...
  • Firefly 01.07.2017 21:30
    Highlight Highlight Hauptsache Selfie
    • Thomas Schlittler 03.07.2017 18:23
      Highlight Highlight Und das ist dir erst jetzt aufgefallen? ... :-D
  • Pana 01.07.2017 16:45
    Highlight Highlight Mit 100km Trips pro Tag kommst du mit guten Timing im Oktober in Buenos Aires an, gerade rechtzeitig um die Toten Hosen live zu sehen :)
    • Thomas Schlittler 03.07.2017 18:20
      Highlight Highlight Echt jetzt? Die Hosen spielen im Oktober in Argentinien? Da wäre ich sehr gerne dabei gewesen. Haben auch Fahrer getroffen, welche die Hosen kennen.
    • Pana 03.07.2017 18:34
      Highlight Highlight Oh ja, das kenne ich. Als ich das letzte mal dort war, hat mich mein Taxifahrer auf dem Weg zum Flughafen gefragt, was ich denn so gemacht habe. Ich erzählte ihn von den Hosen Gigs, worauf er sein Handy zückte und mir ein Selfie von ihm mit Campino zeigte :D
  • Tan Long 01.07.2017 13:58
    Highlight Highlight Grüss die Tinier von mir. Und ojo.
    • Tan Long 02.07.2017 12:09
      Highlight Highlight Gestern Abend hab ich grad zwei Tinier getroffen und sie fanden meinen Tucumano Akzent so lustig. Das rrschrr in rico oder Comodore Rivadavia. hihi. Ten cuidado hijos
  • saugoof 01.07.2017 13:09
    Highlight Highlight Ich war vor einem Jahr auch bei den Iguazu Wasserfällen. Absolut einmalig! Das ist so ein Ort wo Fotos, so eindrücklich diese auch sind, nie den richtigen Eindruck vermitteln.
    • jellyshoot 09.07.2017 07:21
      Highlight Highlight und die abwasser der touri-resorts in einem nationalpark der weltnaturerbe ist, direkt unterhalb der fälle in den fluss geleitet werden ... bravo
  • loplop717 01.07.2017 12:57
    Highlight Highlight 🇨🇱 😢

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