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Arschloch, Ignorant oder Angsthase: Wie verhältst du dich, wenn du an Autostöpplern vorbeifährst?

Thomas Schlittler
Thomas Schlittler



Das Autostöppeln in Usbekistan und Kasachstan war mühsam. Das Problem: Es gibt dort unzählige Hobby-Taxifahrer, die ihre Dienste für sehr wenig Geld anbieten. Normale Auto- oder Lastwagenfahrer kommen deshalb gar nicht auf die Idee, anzuhalten, wenn ich mit ausgestrecktem Daumen am Strassenrand stehe.

Ich musste also darauf hoffen, dass sich einer der anhaltenden Hobby-Taxifahrer dazu bereit erklärt, mich kostenlos mitzunehmen. Das ist beinahe wie betteln und sehr unangenehm. Zudem widerspricht es der Idee des Trampens: Meinen Fahrern soll schliesslich kein finanzieller Nachteil entstehen, weil sie mich mitnehmen.

Wie erhöhe ich die Erfolgsquote?

Hilfe kam von Camille, einem 27-jährigen Franzosen. Der Strahlemann mit iranischen Wurzeln zeigte mir eine andere Autostopp-Variante: Er spricht Fahrer, die am Strassenrand oder an einer Tankstelle stehen, direkt an und fragt sie, ob er mitfahren darf.

Vor allem bei Lastwagenfahrern ist seine Erfolgsquote so beeindruckend, dass ich das Prinzip übernehmen werde. Denn auch in Kirgistan und in China, wo ich bald hinkomme, soll Trampen praktisch unbekannt sein.

Aber auch in Ländern, in denen die Idee des Trampens bekannt ist, rauschte die grosse Mehrheit der Fahrer an mir vorbei.

Es ist deshalb an der Zeit, die 7 Kategorien der Fahrer, die einem beim Trampen nicht mitnehmen, einmal vorzustellen:

Der Ignorant

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gif: thomas schlittler/watson

Der Ignorant ist eine sehr verbreitete Spezies. Sobald er mich am Strassenrand entdeckt, wendet er seinen Blick sofort ab und starrt hochkonzentriert geradeaus. 

Er tut so, als ob es dort in der Ferne etwas ganz, ganz Spannendes zu sehen gäbe – selbst wenn weit und breit kein anderes Auto in der Nähe ist.

Wenn der Ignorant von seinen Freunden gefragt wird, ob er Autostöppler jeweils mitnehme, beteuert er, dass er noch nie einen gesehen habe. Die Ignoranten-Technik ist übrigens auch sehr beliebt, wenn in einer Fussgängerzone ein Bettler seine Hand ausstreckt.

Der Schockierte

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gif: thomas schlittler/watson

Der Schockierte sitzt oft in einer schicken Karre und kann einfach nicht verstehen, wie man im 21. Jahrhundert nicht mit dem eigenen Auto unterwegs sein kann.

Er hält das Hochhalten des Daumens am Strassenrand für eine Art Geisteskrankheit, macht grosse Augen, runzelt die Stirn und scheint sagen zu wollen: «Was ist denn mit dir falsch gelaufen, was machst du da?!»

Manchmal ist in seinem Gesicht aber auch eine Spur von Bewunderung abzulesen für den Typen, der sich einfach treiben lässt und sich nicht nur in der Business-Class und in Fünf-Sterne-Hotels wohl fühlt.

Der Vollgestopfte

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gif: thomas schlittler/watson

Er würde eigentlich gerne anhalten, kann aber nicht, weil es in seinem Auto keinen Platz hat. Er hebt beide Hände in die Luft und macht ein Gesicht, das sagen soll: «Ich würde ja gerne, aber eben ...»

Die Vollgestopften-Technik wird oft als Vorwand benutzt. Denn die Erfahrung zeigt: Wenn der Wille vorhanden ist, findet sich fast immer ein Plätzchen.

Ein echter Tramper ist nicht anspruchsvoll, er nimmt seinen 20-Kilo-Rucksack gerne auf den Schoss oder legt sich zur Not in den Kofferraum.

Der Abbieger und der Einheimische

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gif: thomas schlittler/watson

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gif: thomas schlittler/watson

Der Abbieger signalisiert mit hektischen Handbewegungen, dass er nicht lange auf dieser Strasse bleibt und gleich nach rechts oder links muss. Der Einheimische wiederum deutet auf den Boden, das heisst, er bleibt in dieser Ortschaft. Beide geben mir damit zu verstehen, dass sie mich gerne mitnehmen würden, es aber keinen Sinn macht.

Auch das ist wohl oft eine faule Ausrede. Wer wirklich helfen will, hält kurz an und fragt, wohin es denn gehen soll. In der Regel hilft nämlich schon eine Fahrt bis zur nächsten Kreuzung oder ans Ende des Dorfes.

Der Empörte

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gif: thomas schlittler/watson

Er findet es eine Sauerei, dass sich da jemand die Freiheit herausnimmt, etwas zu tun, das heutzutage nicht mehr viele Leute tun. Für ihn widerspricht Trampen jeglicher Sitte und Ordnung, er sieht darin geradezu einen Angriff auf die abendländische Kultur. Der Empörte wedelt deshalb streng mit den Fingern, um mir zu verstehen zu geben, dass ich hier verschwinden soll. Manchmal hupt er gar, um seinen Frust abzulassen.

Die Scheue und der Aufmunternde

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Diese beiden Nicht-Anhalter tun am meisten weh, da sie sehr sympathisch wirken, ich sie aber nicht kennenlernen darf. Ich kann richtiggehend sehen, wie es in ihren Köpfen arbeitet, wie sie sich überlegen, ob sie ausnahmsweise einen Tramper mitnehmen sollen – doch dann siegt die Angst und sie fahren mit einem scheuen oder aufmunternden Lächeln an mir vorbei.

Bei den Scheuen – meist junge Frauen – kann ich das verstehen: Wer sich nicht hundertprozentig wohl fühlt dabei, sollte keinen fremden Mann ins Auto lassen. Doch den Aufmunternden kann ich nur sagen: Probiert es aus, ihr werdet es nicht bereuen!

Das Arschloch

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gif: Thomas Schlittler/watson

Das Arschloch winkt mir beim Vorbeifahren mit einem süffisanten Grinsen im Gesicht zu, macht das Victory-Zeichen oder hupt laut lachend. Im Sinne von: «Hey Hippie, schau her, ich habe einen tollen Mercedes. Und wie gehts dir so am Strassenrand?»

Oft handelt es sich beim Arschloch um einen jungen Mann, der mit seiner Geste bei den anderen jungen Männern punkten will, die bei ihm im Auto sitzen.

Wenn es sich um ein ganz trauriges Exemplar handelt, hält das Arschloch gar 50 Meter nach mir an, wartet bis ich mit meinem Gepäck zu seinem Auto gerannt bin – und fährt dann hupend davon. Letzteres ist mir in fünf Monaten aber zum Glück nur zweimal passiert.

Nachtrag

Das Drehen der Kurzvideos wäre eine eigene Kolumne wert gewesen. Der kasachische Taxifahrer hat die Welt nicht mehr verstanden, als ich ihm zu erklären versuchte, dass ich nur kurz hinters Steuer sitzen aber nirgendwo hinfahren will.

Als ich dann anfing, meine Kamera aufzubauen und Faxen zu machen, dachte er definitiv, ich sei nicht ganz sauber. Aber er hat nicht weiter nachgefragt – schliesslich konnte er sich drei Dollar dazuverdienen, ohne etwas dafür tun zu müssen.

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • StealthPanda 21.11.2015 13:50
    Highlight Highlight Neben der Autobahnraststätte stehen zum Trampen?! Ja kann man blöd nur dass ich mit 120km/h komme und mich mit mehr als 30m/s bewege. bis ich dich sehe in der Trendy schwarzen Mammut Jacke in 300m entfernung brauchts nochmals 3-4s bis ich realisiere das der Daumen draussen ist ~120m verloren, ich werde dich mustern ca. 2s wieder 60m verloren, ich muss mich entscheiden 2-3s ~90m verloren, sollte noch die Spur zu dir wechseln....zagg und schon vorbei. Jänu solltest dich halt besser sichtbar machen. Wieso können Tramper nicht Orange leuchten mit Karton bis wo ihr mitwollt?! Aber so...selberschuld
    • Thomas Schlittler 28.11.2015 19:42
      Highlight Highlight Weiss nicht, wo du in der Schweiz Tramper findest, die mitten auf der Autobahn stöppeln. Ich stehe in Europa immer an der Autobahneinfahrt. Meist versuche ich Autobahnen aber ganz zu vermeiden. Auf Nebenstrassen machts mehr Spass. Ich nehme an, dort hältst du an, richtig? :-D
  • Dä Brändon 20.11.2015 13:41
    Highlight Highlight Man verhält sich wie es sich gehört: Man hält an...




    ...und gibt dann Gas wenn seine Hand an der Tür ist mmmuuuhahahahahaha
    • Thomas Schlittler 28.11.2015 19:37
      Highlight Highlight Also Kategorie 7 und stolz darauf? Ich hoffe dann immer, dass diese Typen eine Panne haben (nur was Kleines) und ich mit meinem nächsten Fahrer an ihnen vorbeibrausen kann - natürlich inklusive Victory-Zeichen! Fair enough, oder? ... ;-)
    • Dä Brändon 28.11.2015 23:50
      Highlight Highlight Hihi ich fahre den unzerstörbaren Nissan Micra 1.2 jhg. 89. no way dude!! ✌🏻️🚗
    • Dä Brändon 29.11.2015 00:16
      Highlight Highlight Mein Gott, das war ja nicht ernst gemeint....
    Weitere Antworten anzeigen
  • sheshe 19.11.2015 08:26
    Highlight Highlight Ich hatte gerade gestern einen vom Bodensee nach Ffeld mitgenommen. War ganz amüsant :-)
    • Thomas Schlittler 28.11.2015 19:30
      Highlight Highlight freut mich, das zu hören! *daumenhoch*
  • Rafaela Roth 18.11.2015 23:33
    Highlight Highlight jeeee! well done schlittleer!
    • Thomas Schlittler 28.11.2015 19:29
      Highlight Highlight merci! :-D
  • Tortejäger 18.11.2015 22:18
    Highlight Highlight Ich nehme eigentlich immer einen Tramper mit (geschah jedoch auch erst 2-3 Mal). Jedoch haben uns auf einem Roadtrip 2 Tramper um eine Mitfahrt gebeten und wir haben ihnen abgesagt, da dann jemand zuviel im Auto gewesen wäre. Haben wir später total bereut, da es sicherlich sehr interessant gewesen wäre :(
  • Arya Underfoot 18.11.2015 18:50
    Highlight Highlight Hach, das ist ja schon fast wie 2x Picdump an einem Mittwoch mit diesen GIF's 😄
    Ich muss zugeben ich wäre wohl die Variante scheu, da junge Frau....

Kanada absurd: Warum muss sich Charles als Ureinwohner den weissen Zuwanderern anpassen?

Das Symbol Kanadas kennt jedes Kind: Ein rotes Ahornblatt auf weissem Grund. Eigentlich müsste es umgekehrt sein. Es waren schliesslich die (weissen) Europäer, die sich auf dem Boden der (roten) Ureinwohner ihr Kanada eingerichtet haben.

Noch passender wäre es gar, wenn die beiden Farben durch einen dicken schwarzen Strich voneinander getrennt wären. Denn es gibt nach wie vor einen grossen Graben zwischen den weissen Kanadiern und den 1,4 Millionen Aboriginals im Land.

Selbst für mich als …

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