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Per Autostopp um die Welt

Politik oder Party? Feiern oder für Gerechtigkeit kämpfen? Beides ist ein Teil der Wahrheit – auch in Myanmar

Thomas Schlittler
Thomas Schlittler



Letzte Woche habe ich euphorisch darüber berichtet, wie ich das Wasserfest in Myanmar erlebt habe. Es ging um freundliche, feuchtfröhlich feiernde Menschen, eine Street-Parade auf Myanmar-Art. Daraufhin empörte sich ein Leser: 

«Warum steht da kein Wort über die Rohingya? Weisst du es nicht, oder ist es dir egal?»

Weder noch. Ich weiss, dass die Rohingya eine muslimische Minderheit in Myanmar sind, die seit Jahrzehnten verfolgt und unterdrückt werden. Und es ist mir nicht egal, dass sie schon seit vielen Generationen in Myanmar leben und trotzdem als illegale Einwanderer gelten, denen die Staatsbürgerschaft und grundlegende Rechte verweigert werden.

Schicksal der Rohingya bleibt uns verborgen

Doch der Punkt ist: Ich habe lediglich darüber gelesen. Auf unserer bisherigen Autostopp-Reise durch Myanmar haben mein Kumpel Tschügge und ich vom Schicksal der Rohingya nichts mitbekommen – obwohl wir letzte Woche an der Westküste unterwegs waren, also genau dort, wo die meisten Rohingya leben.

Auch dass in Myanmar die Militärregierung, die das Land seit 1962 mit eiserner Hand regierte, einen Teil ihrer Macht abgegeben hat, ist eine aufsehenerregende Entwicklung. Doch vom Triumph der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi und ihrer Partei, der in der westlichen Presse gefeiert wurde, haben wir hier ebenfalls nichts bemerkt.

Ob die Masseneinwanderungs-Initiative nun angenommen oder die Durchsetzungs-Initiative abgelehnt wird – die Chinesen knipsen auf dem Jungfraujoch so oder so unbeschwert ihre Fotos.

Der Grund liegt auf der Hand: Die meisten Menschen führen ihr ganz normales Leben fort, egal, was passiert. Bauern beackern Felder. Händler verkaufen Waren. Lehrer unterrichten Schüler. Taxifahrer transportieren Leute. Sie müssen Geld verdienen, unabhängig davon, ob in einigen Teilen des Landes Jagd gemacht wird auf religiöse Minderheiten oder ob in der Hauptstadt politisches Tauwetter herrscht.

Die Chinesen knipsen so oder so

Als Tourist bekommt man deshalb von scheinbar grossen, einschneidenden Veränderungen in einem Land in der Regel nichts mit. Man kann das auch auf die Schweiz münzen: Ob die Masseneinwanderungs-Initiative nun angenommen oder die Durchsetzungs-Initiative abgelehnt wird – die Chinesen knipsen auf dem Jungfraujoch so oder so unbeschwert ihre Fotos. Selbst wenn sie per Autostopp durch die Schweiz reisen würden, würden sie von der politischen Spaltung des Landes nichts mitbekommen.

Die Medien berichten meist nur über politische Veränderungen, die Verfolgung von Minderheiten, Flüchtlingswellen, Umweltkatastrophen und Terroranschläge. Solche Ereignisse dominieren die internationalen Schlagzeilen und prägen das Bild eines Landes in der Welt – obwohl meist nur eine bestimmte Region sowie ein kleiner Teil der Bevölkerung betroffen sind.

Wir sollten uns bewusst sein, dass die Schlagzeilen immer nur einen Teil der Wahrheit abbilden – und dass in Myanmar nicht nur die Rohingya verfolgt werden, sondern dass dort auch gelacht, getrunken und getanzt wird.

Die Einheimischen tanzen, trinken und feiern

Diese Diskrepanz zwischen medialer Wahrnehmung und Wirklichkeit ist mir auf meiner Reise schon in vielen Ländern aufgefallen:

Die Liste liesse sich beliebig verlängern. Ich will damit nicht sagen, dass es falsch ist, über Grossereignisse zu berichten. Nein, solche Entwicklungen sind relevant und es ist die Aufgabe der Medien, diese Dinge zu thematisieren.

Doch um ein korrektes Bild von einem Land zu bekommen, sollten wir uns bewusst sein, dass die Schlagzeilen immer nur einen Teil der Wahrheit abbilden – und dass in Myanmar nicht nur die muslimischen Rohingya verfolgt werden und ein Kampf um die Macht im Gange ist, sondern dass auch gelacht, getrunken und getanzt wird, wenn das Wasserfest auf dem Programm steht.

Tempel, Mönche und das Alltagsleben in Myanmar: Meine Bilder der Woche

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