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Sektenblog von Hugo Stamm: Ist die Mutter Gottes an Maria Himmelfahrt tatsächlich zu Jesus aufgestiegen?

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Ist die Mutter Gottes an Maria Himmelfahrt tatsächlich zu Jesus aufgestiegen?

Maria soll in den Himmel aufgestiegen sein? Wie zum Teufel soll das funktioniert haben?
19.08.2017, 08:0919.08.2017, 14:28
Hugo Stamm
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Göttliche Wesen aus der christlichen Mythologie haben den Führer sehr inspiriert. ...
Maria und das Jesus-Kind.Bild: comments://876728056/629391

Am vergangenen Dienstag erlebte Zürich wieder einmal eine kleine Invasion von Autos mit Innerschweizer Kennzeichen. Der Grund: Die katholischen Kantone legten einen Feiertag ein zu Ehren der Mutter Gottes. Sie gedenken der Auffahrt ihrer verehrten Heiligen. Der Feiertag heisst denn auch bekanntermassen Maria Himmelfahrt.

Doch zurück zu Maria Himmelfahrt. Das religiöse Fest wirft Fragen auf, weil es sich um ein sonderbares Ereignis handelt. Die «Mutter Gottes» soll an diesem Tag aufgefahren sein, und zwar in ihrer ganzen Körperfülle.

Als kritischer Geist stellt man sich unweigerlich die Frage, wie das vor sich gegangen sein soll. Und: Warum ist Maria in menschlicher Gestalt in den Himmel disloziert, wenn dies doch bei gewöhnlich Sterblichen der Seele vorbehalten bleibt?

Warum verehrt man Maria?

Wenn sie mit Haut und Haaren aufgefahren ist, muss sich also der Himmel in materieller From irgendwo im Weltall befinden. Es ist somit kein virtueller Ort, sonst hätte Maria keinen Landeplatz gefunden.

Interessanter ist aber die Frage, weshalb die Katholiken Maria so sehr verehren und anbeten, dass sie ihr einen Feiertag widmen – ein Privileg, das nicht einmal Gott Vater bekommen hat, sieht man von den Sonntagen ab. (Diese sind keine Feiertage im eigentlichen Sinn, sondern primär Ruhetage.)

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Die Verehrung von Maria hat vermutlich historische Gründe. In früheren Kulturen fanden die Frauen noch Platz im Götterhimmel. Ihnen stand meist die Funktion als Fruchtbarkeitsgöttinnen zu, was nachvollziehbar ist. Die bekannteste ist vermutlich Isis. Sie wurde bis in die Zeit nach Christus hinein verehrt, nicht nur von Ägyptern.

Mit dem jüdischen und christlichen Monotheismus war im Himmel kein Platz mehr für weibliche Götter, respektive Göttinnen. Die Sehnsucht nach der beschützenden Urmutter – eine psychologisch leicht erklärbare anthropologische Grundkonstante – lebte im Bewusstsein der Menschen weiter.

Maria und der Himmel.
Maria und der Himmel.Bild: Stutterstock

Dieser Mangel oder Fehler im christlichen Konzept wurde beim Konzil von Ephesus 431 nach Christus korrigiert. Die Verehrung von Maria als Mutter Gottes wurde zum Dogma erhoben. Sie war nun nicht mehr nur die Christusgebärerin, sondern primär die Gottesgebärerin. Sie erhielt nun quasi einen göttlichen Status.

Wunder durch die Mutter Jesus?

Dieser konziliare Akt ist zwar aus psychologischer Sicht verständlich, schliesslich prägt die Mutter unser Leben wie keine andere Person, aus biblischer Perspektive ist er aber fragwürdig. Denn in der Bibel kommt Maria keine besondere religiöse Funktion zu.

Die Verehrung von Maria als Gottesgebärerin ist vor allem in traditionalistischen und konservativen katholischen Kreisen stark verbreitet. Ausdruck davon ist das Rosenkranz-Gebet, neben dem «Vater unser» die wichtigste oder häufigste Fürbitte.

Die darin zum Ausdruck kommende Verehrung nimmt wunderliche Züge an. Bei Strenggläubigen ist der Glaube weit verbreitet, dass Maria mit ihrer Fürbitte bei ihrem Sohn Wunder bewirken und Kranke heilen kann.

Auf der Internet-Plattform adorare.ch klingt das so: «Maria, deren Seele mit allen Tugenden geschmückt ist, ist selbst ein grosses Wunder! Was ist im Himmel grösser und herrlicher (ausser Gott selbst)? Nicht die Propheten, die Märtyrer und Jungfrauen. (…) Es ist nicht zufällig, dass allein im 20. Jahrhundert die Marienerscheinungen zugenommen haben: Über 400 Erscheinungsorte kann man zählen!

«Maria ist immer reinste Jungfrau geblieben»

Sie richtet als unsere Mutter dringende Appelle an uns: Es sind Aufrufe zur eigenen Bekehrung, zu Busse, und vor allem zum Gebet. Die Erscheinungen werden durch sichtbare Zeichen bestätigt, selbst durch kosmische Phänomene, durch weinende Madonnenfiguren, bezeugte Heilungen (z.B. über 10000 Heilungen allein in Lourdes, davon ca. 70 kirchlich anerkannt, über 8000 Heilungen bei Fratel Cosimo in Italien!) und Bekehrungen und Heilungen (z.B. in Medjugorje). Maria ist immer reinste Jungfrau geblieben.»

Übrigens: Das Motiv der Auferstehung oder des lebendigen Auffahrens – müsste es nicht «Fliegen» heissen? – in den Himmel ist keine genuine Erfindung der Evangelisten und christlichen Chronisten. In früheren Religionen wurde dieser Mythos ebenfalls kultiviert.

Eigenartig mutet auch der Reinheitskult an, der in der christlichen Heilslehre eine grosse Bedeutung erlangt hat. Ein besonders ausgeprägter Ausdruck davon ist das Dogma der unbefleckten Empfängnis. Was um Himmels Willen soll bei der Empfängnis unrein sein? Die Erfinder der «unbefleckten Empfängnis» müssen schmutzige Gedanken gehabt haben, als sie auf diese Idee kamen.

Das erotische an Maria

Dieses Dogma wurde erst 1854 von Papst Pius IX. festgelegt. Es besagt auch, dass Maria frei von Erbsünde sei. Was die Erbsünde mit der unbefleckten Empfängnis zu tun haben soll, bleibt wohl das Geheimnis des guten Papstes. Dabei spielte auch die Bezeichnung «Jungfrauengeburt» eine Rolle. Man könnte den Begriff auch eine sprachliche Ausgeburt nennen.

Wenn fromme Mönche, traditionalistische Geistliche und hohe kirchliche Würdenträger von Maria schwärmen, schwingen oft erotische Aspekte mit. Das kann man durchaus verstehen, zeigen doch die Heiligenbilder und Statuen von Maria stets eine attraktive Frau.

Dass man nicht zwingend ein religiöser Banause oder Ignorant sein muss, wenn man die Marienverehrung eigenartig findet, beweist der Reformator Martin Luther. Er konnte sich überhaupt nicht damit abfinden und sprach von Aberglaube. Zwar verehrte er Maria auch, doch der Kult war ihm zuwider. Das Rosenkranzgebet nannte er das Plappern der Mäuler. Luther nahm Maria den göttlichen Glanz, weshalb sie in der protestantischen Kirche keine grosse Rolle mehr spielt.

Hugo Stamm; Religionsblogger
Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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212 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bronko
19.08.2017 13:46registriert April 2016
Das unkritische Glauben von Bibelinhalten u. Dogmen betrifft alle Kirchen. Auch Protestanten glauben nur an ihre Version. Und das ist teilweise genauso hanebüchen. Das Christentum wäre brauchbar, wenn man es runter bricht auf die Philosophie des neuen Testaments, als Kompass für soziale Verhaltensregeln. Der Rest ist meiner Meinung nach manipulativ ideologischer Hokus-Pokus. Klar, durchaus unterhaltsam, aber dafür haben wir ja heute TV, Internet etc.
Man soll nicht an Mythen glauben müssen, sondern die darin enthaltenen sinnvollen Werte für das Leben miteinander erkennen und anwenden können.
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Tepesch
19.08.2017 11:26registriert Oktober 2015
Beim Katholizismus frage ich mich immer, ob man diesen wirklich als monotheistische Religion bezeichnen kann. Die Engel- und Heiligenverehrung ist recht ausgeprägt. Und bei all den Wundern welche Engel und Heiligen nach gesagt werden, scheinen es eher mini Götter zu sein, mit Gott als Gottvater (ähnlich wie Zeus).
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Michael Bamberger
20.08.2017 09:46registriert Februar 2016
Maria und Josef suchen in Bethlehem eine Herberge.

Der Wirt: "Tut mir leid, nichts frei, alles belegt."

Josef: "Aber siehst du denn nicht, dass meine Frau hochschwanger ist?"

Der Wirt: "Ja und, was kann ich dafür?"

Josef: "Und ich etwa?!?"
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Dass man in Zürich nur mit viel Glück oder guten Beziehungen eine bezahlbare Wohnung findet, ist kein Geheimnis. Das gilt auch für andere Grossstädte. Eine 3,5-Zimmer-Wohnung kostete 2020 in Zürich oder Zug mit einem Mittelwert von 2500 Franken doppelt so viel wie in La Chaux-de-Fonds. Kann man deshalb in der Schweiz von Mietenwahnsinn sprechen? Markus Streckeisen, Leiter des Studiengangs Master of Advanced Studies in Real Estate Management an der HWZ, ordnet ein.

Markus Streckeisen, gibt es Mietenwahnsinn in der Schweiz?
Markus Steckeisen: Es kommt darauf an, was man unter Mietenwahnsinn versteht. Wenn Sie es wahnsinnig finden, dass ein Schweizer Haushalt im Schnitt gut ein Viertel des Einkommens fürs Wohnen ausgibt, dann ja. Das ist im europäischen Raum aber keine Besonderheit. Es sind höchstens einige wenige, bestimmte Einzelfälle, die den Begriff «Wahnsinn» rechtfertigen würden.

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