Blogs
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der 3. Klaessler Berkant aus Kirchberg haelt die kleinste Schafsorte der Welt, ein Ouessantschaf, waehrend dem Unterrichtsangebot

Schule auf dem Bauernhof: Ist ja ok, aber warum nicht mal Kunst und Kultur? Oder das Flüchtlingsproblem?
Bild: KEYSTONE

Wir Eltern

Katze, Hund, Bauernhof, Loch – die Themen in unserer Schule: Echt jetzt?

Soll die Schule unsere Kinder auf das Leben vorbereiten? Sicher. Wie sie das mit gewissen Themen tun will, ist mir jedoch schleierhaft.

nathalie sassine-hauptmann / wir eltern



Ein Artikel von

Eines vorneweg: Ich finde unsere Schule super. Die Lehrer geben sich viel Mühe und unsere Kinder sind da sehr gut aufgehoben. Nun flatterten letzte Woche – bei euch sicherlich auch – wieder tonnenweise Mitteilungen aus der Schule in unser Haus: Semestertermine, Eislaufen (wo sich Mami eintragen kann, um die Kids zu fahren), Gsunde Znüni (...) und das neue Thema für die Monate nach den Sportferien.

Basteln, backen oder sonst etwas tun...

Unsere Schule hat jedes Jahr solche Themen. Bisher (soweit ich mich erinnern kann): Katzen, Hunde, Bauernhof, Loch (echt!) und unser Dorf. Das Dorf-Thema wird jetzt offenbar weitergezogen, denn der Zettel, den wir erhielten, lautete «Offene Häuser». Darin werden die Dorfbewohner aufgefordert, ihre Häuser für die Klassen (bis Mittelstufe) zu öffnen, mit den Kindern zu basteln, backen oder sonst etwas zu tun, das uns gefällt oder woran uns etwas liegt.

Ich habe das Kästchen lange gesucht, bei dem ich «wir nehmen nicht teil» ankreuzen konnte. Es war ganz weit unten und ganz klein gedruckt...

Auch mein Mann gewinnt dem nichts ab

Wieso wir da nicht mitmachen wollen? Na ja, einerseits bastle und backe ich nicht sonderlich gerne und was mir am Herzen liegt, ist für Kinder einfach nicht spannend genug, denke ich. Sogar mein Mann, der viel interessanter weil kreativer wäre, gewinnt dem Projekt nichts ab.

Und das ist eben unser zweites Problem. Auf das Risiko hin, elitär zu klingen, aber: Was bringt das den Kindern? Inwiefern erweitert es ihren Horizont, wenn sie in unserem 800-Seelen-Dorf, in dem sie sowieso schon fast jeden persönlich kennen, auch noch Häuser sehen, die sooo unterschiedlich voneinander nun auch nicht sind. Abgesehen von dem einen oder anderen Bauernhaus und den wenigen Design-Häusern, die es hier gibt.

Mit der Diversität ist es nicht weit her

Wäre der Fokus auf unterschiedliche Architektur gerichtet, könnte ich es noch nachvollziehen, davon steht aber im Schreiben der Schule nichts. Auch hätte ich verstanden – und sehr unterstützt – wenn es darum ginge, verschiedene Lebensweisen kennenzulernen. Doch bei einer Ausländerquote von gerade mal 7 Prozent und keinen anderen Religionen als der christlichen (meines Wissens), ist es mit der Diversität nicht weit her.

Auf meinen Einwand hin, wieso die Schule nicht lieber mit den Kids ins Theater oder ins Museum geht, meinten Bekannte, vielleicht wäre das zu teuer. (Dass bei der Bildung gespart wird, ist ja nichts Neues). Aber ich wäre durchaus bereit, etwas beizusteuern (und im Dorf können sich das viele, wenn nicht alle, leisten). Natürlich sollten wir Eltern auch selber mit unseren Kindern ins Museum und ins Theater, aber die Schule steht doch für Chancengleichheit. Für ALLE Kinder.

Wo bleiben Kunst und Kultur?

Generell fällt mir auf, dass Kunst und Kultur – auch andere als die unsere – in den Schweizer Schulen nicht besonders berücksichtigt werden, das war zu meiner Zeit schon so. Aber auf dem Land scheint das noch extremer zu sein: Katzen, Hunde, Bauernhof, Loch. Wobei die Klasse meiner Tochter bei letzterem wenigstens ins Museum ging, da eine Ausstellung zum Thema stattfand.

Gehört denn Kunst und Kultur in der Schweiz nicht dazu, wenn man das Leben kennenlernen will?

Oder auch das Weltgeschehen?

Man muss ja nicht politisch argumentieren, aber könnte man den Kids die Flüchtlingskrise nicht etwas näherbringen?

Oder mit den drei Asylanten im Dorf diskutieren?

Und vielleicht ein echtes Hilfsprojekt daraus entstehen lassen?

Lernen für's Leben ist übrigens der Slogan unserer Schule.

Wirklich?

Was meint ihr? Verlange ich zu viel? Oder das Falsche? Diskutiert mit in der Kommentarspalte!

Das gefällt dir bestimmt auch:

Kinder, Kinder! Die besten Storys dazu:

Das Leben ist sooo ungerecht: 45 (total bescheuerte) Gründe, warum Kinder weinen

Link zum Artikel

Diese Mutter schreibt ein Gedicht an alle anderen Mütter, die (auch) nicht perfekt sind

Link zum Artikel

19 Fälle, in denen uns unsere Eltern schamlos anlogen!

Link zum Artikel

Diese Reaktion einer alten Frau auf eine stillende Mutter erobert das Internet im Sturm

Link zum Artikel

Wenn Mama und Papa bei der Studienberatung anrufen

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

8
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Legendary Dave 17.01.2016 09:38
    Highlight Highlight Oh ja, (noch) mehr Kunst und Kultur! Stellt am Besten einen zusätzlichen Lehrer ein (damit teurer, denn sonst ist Kunst ja eh nichts wert), der den Kindern erklärt, dass z.B. ein einfarbiges oder gänzlich leeres Gemälde viel aussagen kann. Oder Ding in Bilder interpretieren, dies gar nie gab!
    Oder die Architekten-Schapsideen erläutern! ("Ich mache nur runde Räume, weil die das Leben symbolisieren. Ach die Möbel passen dann nicht? Mir doch egal, ich plane nur und ja nicht dort").
    Hintergrund: ich hatte genug lange absolut sinnlose Kultur-"Bildung", das möchte ich niemand anderem wünschen!
  • nele 16.01.2016 14:22
    Highlight Highlight vielleicht könnte man "offene häuser" in "offene Briefkästen" umformulieren - dort könnte etwas aus dem Haus deponiert werden, das Kind (oder die Eltern) können etwas dazu erzählen... - und weiter gehts, zum nächsten Briefkasten
  • nele 16.01.2016 14:20
    Highlight Highlight ich habe das Thema "Loch" auch schon mal im Kindergarten thematisiert und fands äusserst kreativ und unkonventionell was dabei entstanden ist!
  • Wilhelm Dingo 15.01.2016 05:27
    Highlight Highlight Ich finde das Besuchen der Häuser super, man kann den Kindern ja auch etwas zeigen was sie vermeintlich nicht interessiert. Das ist ja das Interessante im (Kinder)Leben: wenn man etwas überraschendes, neues erfährt! Erzählt den Kindern über Eure Weltreisen, Lieblingsmusiker, spielt Ihnen ihnen Ernst Jandl vor!
  • amberli 14.01.2016 23:07
    Highlight Highlight Ich habe auch Mühe mit dieser fordernden Selbstverständlichkeit mit der das Mitwirken der Eltern quasi diktiert wird. Für mich geht es entschieden zu weit, eine ganze Klasse mehrere Stunden zu mir nach Hause einzuladen. Sehr ich absolut auch nicht ein. Basteln, backen? Selbst wenn ich das noch gerne täte, aber wenn die 26 Nasen dann abdackeln, dann kann man unser Haus ja auch gleich renovieren. Zudem, auch wenn wir gastfreundlich sind, ich möchte gerne selber bestimmen, wen ich in unser privates Reich einlade und wen nicht. Und ich finde, das sollte die Schule respektieren.
  • Lichtblau 14.01.2016 22:28
    Highlight Highlight Katzen, Hunde, Bauernhof, Loch? Was ist bloss mit dem letzten Begriff gemeint? Evtl. das Heim einer Messie-Family? Bei dieser Aktion stört mich vor dieses Fordernde. Offene Häuser? Die meisten Eltern werden ohnehin oft Schulkameraden ihrer Kinder zu Gast haben. Aber hier soll offenbar das ganze Dorf Einblick erhalten. Wenn ich mir vorstelle, dass das Gesehene dann auch noch rege am Mittagstisch diskutiert wird. Schräg.
  • xBLUBx 14.01.2016 22:22
    Highlight Highlight Ich finde die beschriebenen Ideen sehr gut. Ich würde dies mit anderen Eltern bereden und anschliessend der Schulleitung mitteilen.
  • koks 14.01.2016 22:18
    Highlight Highlight ich schätze, in einer gemeinde, wo 40% svp wählen, sind das durchaus die gewünschten themen.

Money Matter

«Kann ich eine Mietzinssenkung wegen Kinderlärm verlangen?»

Ercan (48) : «Die Lärmbelästigung durch spielende Kinder in unserem Wohnviertel ist unerträglich. Kann ich eine Mietzinssenkung verlangen?»

Lieber Ercan

Spielen ist wichtig für die Entwicklung der Kinder. Im Spiel entfalten sie ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten. Dabei geht es ab und an auch laut zu und her. Lärmgeplagte Mieter müssen das hinnehmen – zumindest bis zu einem gewissen Grad.

Die Ruhezeiten sind bestmöglich einzuhalten. Sie sind in der Hausordnung geregelt. Wirst du dort nicht fündig, kannst du dich auf die Polizeiverordnung deiner Wohngemeinde stützen. Für die Stadt Zürich etwa gilt: Mittags von 12 bis 13 …

Artikel lesen
Link zum Artikel