DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Öffentliches Stillen in Kopenhagen: Was wollt ihr? Ewig stillende Mütter oder arbeitende Frauen?<br data-editable="remove">
Öffentliches Stillen in Kopenhagen: Was wollt ihr? Ewig stillende Mütter oder arbeitende Frauen?
Bild: EPA
Wir Eltern

Stillen bis zum Alter von zwei (!) Jahren. Das ist doch Blödsinn​

Langzeit-Stillen ist gut für Mutter und Kind. Ohne Zweifel. Das wäre Nicht-Autofahren auch. Beides ist nicht immer praktikabel.
13.02.2016, 21:1314.02.2016, 08:48
nathalie sassine-hauptmann / wir eltern
Ein Artikel von
Branding Box

Es ist wieder soweit. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat im «The Lancet» eine neue Studie über das Langzeitstillen publiziert. Neu daran ist einzig die extreme Dringlichkeit, mit der uns die Organisation ermahnt, unsere Kinder möglichst lange zu stillen:

«Die WHO empfiehlt eine ausschliessliche Ernährung durch Muttermilch während der ersten sechs Lebensmonate und ein teilweises Stillen bis zum Alter von bis zu zwei Jahren. Muttermilch enthält nicht nur alle nötigen Nährstoffe, sondern schützt das Baby auch vor Kinderkrankheiten.»

Will heissen: Wenn du nicht stillst, läuft dein Kind Gefahr, öfter krank zu sein. Und dein Risiko, Brust- oder Eeierstockkrebs zu haben, ist ebenfalls viel grösser (ebenfalls ein Thema in der Studie). Es wäre also für beide viel gesünder, unsere Kinder bis zu zwei(!) Jahren zu stillen.

Mag sein. Es gäbe ja auch sonst viel, das gesünder ist: Nicht-Autofahren. Besser essen. Weniger essen. Mehr Sport treiben. Mehr Sex haben. Weniger Kaffee trinken. Weniger Alkohol konsumieren.

Vieles davon ist aber – gerade als frisch gebackene Mutter – nicht sonderlich praktikabel, findet ihr nicht?

Jetzt auf

Soll eine übermüdete Mutter ohne Kaffee auskommen?

Wir fahren unsere Kinder schon im jüngsten Altern stundenlang durch die Gegend. Statistisch gesehen ein sehr hohes Risiko, dies nicht zu überleben. Essen tun wir möglichst gesund, aber wenn wir ehrlich sind, klappt auch das nicht immer. Dasselbe gilt für Kaffee und Alkohol. Doch wie soll eine übermüdete Mutter ohne Kaffee auskommen? Und die gestresste ohne ein Gläschen Wein abends? Sport? Sex? Wollt ihr mich veräppeln?

Wisst ihr noch, wie das ist, einen Säugling zu haben, der sprichwörtlich den ganzen Tag an dir hängt? Und dann soll ich auch noch auf sexy machen, weil es gesünder ist?

Die WHO will, dass wir noch länger stillen

Aber zurück zum Stillen. Gemäss der regelmässigen Schweizerischen Gesundheitsbefragung werden 95 Prozent der Kinder in der Schweiz gestillt. Das finde ich schon enorm viel, wenn man bedenkt, wie oft wir dazu ermahnt werden! Die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie und die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung empfehlen «ausschliessliches Stillen während der ersten (vier bis) sechs Lebensmonate. Beikost kann ab dem fünften schrittweise und sollte ab dem siebten Monat eingeführt werden.»

Nun will die WHO, dass wir unsere Kinder noch länger stillen. Die wissen aber schon, dass Mami nicht nur zu Hause rumsitzt und auf das nächste «Wäääähhhh!!!» ihres Babys wartet, oder?

Einerseits will die Weltgesundheitsorganisation mehr Frauen zurück in den Beruf holen. Andererseits sollen sie aber bitte schön ihre Kinder bis sie alle Zähne haben stillen. Und wer sagt das den – immer noch vorwiegend – männlichen Chefs, wenn Mami alle paar Stunden abpumpen muss? Ist das realistisch?

Stillen bis zwei Jahre ist nicht realistisch

Bereits vor 30 Jahren beklagte sich Elisabeth Badinter, die Gesellschaft hole die Frauen zurück an den Herd mit dem ganzen Mutter-Instinkt-Wahn und dass nur Mami die Richtige für die Kinder ist. Und vor ihr schon Simone de Beauvoir.

Beklagten, dass die Frauen zurück an den Herd sollen: Simone de Beauvoir ...<br data-editable="remove">
Beklagten, dass die Frauen zurück an den Herd sollen: Simone de Beauvoir ...
Bild: G37568
... und Elisabeth Badinter.<br data-editable="remove">
... und Elisabeth Badinter.
bild: wikimedia

Ein Mutter-Leben wird diktiert vom schlechten Gewissen, welches entsteht, wenn wir nicht alles unter einen Hut kriegen. Entweder leidet die Familie (vermeintlich) oder der Job oder die Ehe. Alle wollen etwas von Mami und sie teilt sich in drei Teile, um alle Bedürfnisse zu befriedigen. Langzeit-Stillen hilft da sicherlich nur in zwei von drei Fällen ...

Was hältst du von der WHO-Empfehlung?

Stillende Mütter: Eine Fotografin verwandelt sie in stolze Göttinnen

1 / 23
Stillende Mütter: Eine Fotografin verwandelt sie in stolze Göttinnen
quelle: catersnews / / 1086237
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Selbstverschuldet im Spital – bleibe ich auf der Rechnung sitzen?
In aller Regel nicht. Möglich ist jedoch aufgrund der sozialversicherungsrechtlichen Schadenminderungspflicht eine Kürzung von Taggeldern oder Renten.

Ob bei Selbstverschulden auch die Heilungskosten überwälzt werden können – darüber diskutieren Politik und bisweilen Gerichte nicht erst seit Corona und der Frage, ob Ungeimpfte ihre Behandlungskosten selber zahlen müssen.

Zur Story