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Studie zu Islam in Deutschland

Tolerant gegenüber anderen Religionen – aber nicht, wenn es sich um den Islam handelt

«Von Muslimen bedroht» – ein Mann schwenkt anlässlich einer Pegida-Demonstration in Dresden die Deutschland-Fahne.
«Von Muslimen bedroht» – ein Mann schwenkt anlässlich einer Pegida-Demonstration in Dresden die Deutschland-Fahne.Bild: EPA/DPA
Die Deutschen halten sich gemäss einer jüngst publizierten Studie für tolerant. Geht es aber um den Islam, stösst diese Toleranz an ihre Grenzen.
08.01.2015, 13:3309.01.2015, 10:35

Der Zeitpunkt für eine Umfrage zur Einstellung gegenüber dem Islam als Religion hätte kaum ungünstiger sein können: Einen Tag nach dem kaltblütigen Anschlag auf die Redaktion der französischen Satire-Zeitschrift «Charlie Hebdo» publiziert die deutsche Bertelsmannstiftung die Studie «Die Wahrnehmung des Islam in Deutschland»

Obwohl die Hintergründe der Attacke in Paris noch nicht klar sind, wird davon ausgegangen, dass sie von islamistisch motivierten Einzeltätern verübt wurde. 

Ob und inwiefern die Ergebnisse der Umfrage anders ausgefallen wären, wenn sie nach den gestrigen Ereignissen erhoben worden wäre – darüber kann im Moment nur spekuliert werden. Allzu weit hergeholt ist die Annahme, dass Attentate wie dasjenige in Paris, der Anschlag auf die Londoner U-Bahn 2005 oder die Ermordung des Filmemachers Theo Van Gogh 2004 die öffentliche Meinung beeinflussen, aber wohl nicht.

Kaum Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus

Passend dazu unterscheiden die befragten Deutschen kaum zwischen Islam und Islamismus. Die Autoren führen das darauf zurück, dass der Islam kaum als Religion wahrgenommen wird, sondern als «demokratiefeindliche politische Ideologie». Dass eine überwiegende Mehrheit der Muslime (auch der hochreligiösen, siehe unten) in Deutschland gut integriert ist, wiegt anscheinend weniger schwer, als vereinzelte – wenn auch noch so tragische – Attacken von religiösen Fanatikern.

So sehen 57 Prozent der Deutschen im Islam eine Bedrohung. Gegenüber 2012 ist das eine Zunahme von vier Prozent. 61 Prozent sind der Meinung, dass der Islam nicht vereinbar sei mit der westlichen Welt. Und 40 Prozent fühlen sich durch die Anwesenheit von Muslimen wie Fremde im eigenen Land.

quelle: screenshot welt.de

Interessant ist, dass die Angst vor dem Islam quer durch alle Gesellschaftsschichten geht. Weder politische Orientierung, noch Bildungsniveau oder Sozialstatus beeinflussen das Bild der Deutschen vom Islam. Alter und persönlicher Kontakt hingegen scheinen die Wahrnehmung deutlicher zu prägen:

Von den über 54-Jährigen fühlen sich 61 Prozent durch den Islam bedroht, von den unter 25-Jährigen nur 39 Prozent.

Im Nordrhein-Westfahlen, wo ein Drittel der vier Millionen Muslime leben, fühlen sich 46 Prozent der Bürger bedroht. In Thüringen und Sachsen, wo der Anteil von Muslimen gerade mal 0,1 Prozent – 4000 Menschen – ausmacht, sehen 70 Prozent den Islam als Gefahr. 

Während die Pegida-Demonstrationen in der sächsischen Hauptstadt Dresden mit immer mehr Zulauf rechnen können (zuletzt waren es über 18'000 Personen), können ähnliche Aufrufe etwa in Köln nur einige Hundert Sympathisanten auf die Strasse treiben.

Muslime gut integriert

Die Autoren der Studie halten fest, dass Muslime in Deutschland eng verbunden sind mit Staat und Gesellschaft. So sagt Yasemin El-Menouar, Islam-Expertin der Bertelsmannstifung:

«Für Muslime ist Deutschland inzwischen eine Heimat.»

Neben Befragungen zur Wahrnehmung der Muslime wurden gleichzeitig auch deutsche Muslime selber befragt. Die Zahlen der Umfrage bestätigen die Einschätzung von El-Menouar:

  • 90 Prozent der hochreligiösen Muslime halten die Demokratie für eine gute Regierungsform.
  • 63 Prozent der eher stark religiösen Muslime reflektieren regelmässig ihre religiöse Einstellung.
  • 60 Prozent von ihnen stimmen einer Heirat unter homosexuellen Paaren zu.

Tolerant – aber nicht gegenüber Muslimen

Die von den Befragten hochgehaltenen Ideale der Toleranz – 85 Prozent gaben an, anderen Religionen verständnisvoll gegenüberzustehen – scheint für Muslime nicht zu gelten. 

Kai Hafez, Kommunikationswissenschaftler der Universität Erfurt und Co-Autor der Bertelsmann-Studie äussert sich in einem Interview mit der «Zeit» folgendermassen:

«Die Islamwahrnehmung hinkt eindeutig hinter der Akzeptanzfähigkeit der postmodernen liberalen Gesellschaft hinterher.»

Unabhängig davon, ob die Toleranz der Befragten real oder nur eingebildet sei, bleibe «eine Art Restfeindbild unserer aufgeklärten Gesellschaft», so Hafez.

Medien in der Pflicht

In der Pflicht seien nicht zuletzt die Medien, so Hafez in der Zeit. Die Konzentration von Themen wie IS, Scharia-Gesetze und die Gewalt von Salafisten verstärkten das Negativbild von Muslimen und kehrten die Tatsache, dass sich ein Grossteil der in Deutschland lebenden Muslimen zu demokratischen und rechtsstaatlichen Werten bekennt, unter den Teppich.

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Mit dem Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris hat alles begonnen. Es war der 7. Januar 2015 der Europa ein erstes Mal aufschreckte. Seither rissen nicht nur islamistisch motivierte Attacken hunderte Menschen in den Tod. Das letzte Mal zugeschlagen haben zwei Attentäter in Saint-Étienne-du-Rouvray am 26. Juli. Sie töteten einen Priester während der Messe. 

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