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Schüsse in Kopenhagen

Attentatsserie

Was wir zu den Anschlägen von Kopenhagen wissen und was nicht: Der Überblick 

Zwei Anschläge, zwei Tote, fünf verletzte Polizisten, der mutmassliche Attentäter von der Polizei erschossen – Dänemarks Hauptstadt ist im Ausnahmezustand.

Ein Artikel von

Spiegel Online

«Ein Albtraum hat Kopenhagen getroffen», twitterte Lars Løkke Rasmussen, früherer dänischer Ministerpräsident und Vorsitzender der liberalen Partei Venstre. Zwei Anschläge, zwei Tote, fünf verletzte Polizisten und ein weiterer Toter nach einem Polizeieinsatz – Dänemarks Hauptstadt ist im Ausnahmezustand. Die Lage in der Stadt ist unübersichtlich, die Innenstadt teilweise abgeriegelt, an den Hauptausfallstrassen hat die Polizei Kontrollpunkte errichtet.

>>> Anschläge in Kopenhagen: Hier geht's zum Liveticker

Mikkel Westphal-Stephensen, Reporter des dänischen Rundfunks DR, berichtet von chaotischen Zuständen rund um den Bahnhof Nørreport: «Die Menschen dürfen ihre Wohnungen nicht verlassen, Radfahrer werden angehalten, die Leute sollen in den Bars bleiben. Polizisten rufen ‹Dreht um!› und ‹Ihr sollt weggehen›.»

Mittlerweile hat die Polizei bekanntgegeben, dass ein einzelner Täter für beide Anschläge verantwortlich gewesen sein soll. Der Mann wurde von den Einsatzkräften am frühen Sonntagmorgen erschossen. Zu den Attentaten gibt es viele Informationen, doch einige Fragen sind noch offen geblieben. Hier ein Überblick über die Faktenlage:

Was wir bisher wissen:

- In Kopenhagen fielen innerhalb weniger Stunden an zwei verschiedenen Orten Schüsse: In einem Kulturcafé und vor einer Synagoge. Bei beiden Angriffen gab es jeweils ein Todesopfer: In dem Café starb ein 55 Jahre alter Mann. Vor der Synagoge wurde ein Mann mit mehreren Kopfschüssen verletzt und ins Krankenhaus gebracht, dort erlag er seinen schweren Verletzungen.

- Der mutmassliche Attentäter, der für beide Anschläge verantwortlich sein soll, wurde von der Polizei in der Nähe des Bahnhofs Nørreport, unweit der Synagoge, nach einem Schusswechsel getötet. Er soll zuerst das Feuer eröffnet haben.

- Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf weitere Verdächtige.

- Die dänische Regierungschefin Helle Thorning-Schmidt geht davon aus, dass es sich bei den Schüssen auf das Café um ein politisch motiviertes Attentat handelt. Sie sprach von einem Terrorakt.



- Bei dem Angriff auf das Café wurden drei Polizisten verletzt, bei der Schiesserei vor der Synagoge zwei Beamte.

Fakten zum Anschlag auf das Kulturcafé:

- Die Polizei geht davon aus, dass der Angriff auf das Café dem schwedischen Zeichner Lars Vilks galt. Zum Zeitpunkt des Angriffs diskutierte er dort unter anderem mit François Zimeray, dem französischen Botschafter in Kopenhagen, und Inna Schewtschenko von der Feministinnen-Gruppe Femen über Kunst, Gotteslästerung und freie Meinungsäusserung. Vilks war schon mehrfach Ziel von Anschlägen: Eine Zeitung hatte 2007 eine Zeichnung von ihm veröffentlicht, die den Propheten Mohammed als Hund darstellt. Daraufhin wurde im Internet von einem al-Qaida-Ableger im Irak ein Kopfgeld von 150'000 Dollar auf ihn ausgesetzt.

- Vilks ist unverletzt. Er konnte sich gemeinsam mit der Mitorganisatorin der Veranstaltung, der Journalistin Helle Merete Brix, in einem Kühlraum in Sicherheit bringen. Auch Zimeray und Schewtschenko sind unverletzt.

- Der Attentäter schoss von aussen mit einer automatischen Waffe auf das Café. Er soll bis zu 30 Schüsse abgefeuert haben. In den Fenstern des Kulturzentrums sind zahlreiche Einschusslöcher zu sehen.

- Er flüchtete mit einem dunklen VW Polo, der später gefunden wurde. Die Ermittler veröffentlichten dieses Bild aus einer Überwachungskamera in der Nähe der Fundstelle. Die Aufnahme zeigt einen dunkel gekleideten Mann mit einer roten Mütze:

ALTERNATIVE CROP -  In this photo dated Saturday Feb. 14, 2015, issued by Copenhagen Police believed to show the suspect in a shooting at a freedom of speech event in Copenhagen, in a photo believed to be taken on a street camera near to where the getaway car was later found dumped. In what is seen as a likely terror attack against a free speech event organized by an artist who had caricatured the Prophet Muhammad, the police believe there was only one shooter in the attack on a Copenhagen cafe that left one person dead and three police officers wounded.  (AP Photo /Copenhagen Police) DENMARK OUT - NO SALES

Fahndungsfoto: «Wer ist dieser Mann?», fragt die dänische Polizei. Bild: AP/Copenhagen Police

Fakten zum Anschlag auf die Synagoge:

- Bei dem Toten vor der Synagoge handelt es sich offenbar um einen jungen jüdischen Wachmann: «Er war Mitglied der jüdischen Gemeinschaft und kontrollierte die Menschen, die in die Synagoge zur Feier einer Bar Mitzwa kamen», sagte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Kopenhagen, Dan Rosenberg Asmussen, dem Sender TV2 News. Dem Angreifer sei es nicht gelungen, in das Gebäude zu gelangen. Dort seien etwa 80 Menschen versammelt gewesen. Zu ihrem Schutz hatte die Gemeinde Sicherheitskräfte engagiert.

- Der Attentäter, der auf die Synagoge schoss, flüchtete zu Fuss.

- Es gab eine Festnahme nach der zweiten Schiesserei. Nach Angaben der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau soll der Mann aber nichts mit den Anschlägen zu tun haben.

Was wir bislang nicht wissen:

- wer der mutmassliche Täter war, den die Polizisten am Bahnhof Nørreport erschossen haben,

- was der Hintergrund der Attentate ist,

- wer der festgenommene Mann ist.

(vet/dpa/AP/AFP/Reuters)

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