Charlie Hebdo
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Terror in Paris

Nach Terrorattacken in Paris

Die Angst des Westens vor neuen Anschlägen

Nach den islamistischen Anschlägen in Paris erwarten Frankreich und andere westliche Länder weitere Angriffe. Die Regierung in Paris will bei einer Notfallsitzung über mögliche Gegenmassnahmen beraten – und übt Kritik am Vorgehen der Behörden.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Die drei islamistischen Terroristen, die im Grossraum Paris Anschläge verübt haben, sind tot. Doch die westliche Welt fürchtet, dass das noch nicht das Ende der Attacken gewesen sein könnte.

Der französische Premierminister Manuel Valls deutete in einem Fernsehinterview an, dass sich die Behörden auf mögliche neue Anschläge einstellen. «Wir haben es mit einer gewaltigen Herausforderung zu tun», sagte Valls, «und mit festentschlossenen Personen». Laut der Nachrichtenagentur AP wollten sich Regierungsmitglieder am Samstagmorgen zu einer Notfallsitzung treffen und über mögliche Gegenmassnahmen beraten.

Auch Präsident François Hollande sagte am Freitagabend in einer Fernsehansprache, nach der Tötung der drei Täter bestehe die islamistische Bedrohung für das Land fort. Die Regierung in Washington warnte US-Bürger in aller Welt. Es sei weiterhin «ein hohes Mass an Wachsamkeit» nötig, erklärte das Aussenministerium. Amerikaner im In- und Ausland müssten «angemessene Schritte unternehmen, um ihr Sicherheitsbewusstsein zu erhöhen».

Al-Kaida-Ableger bekennt sich zu «Charlie Hebdo»-Anschlag

Der Ableger des Terrornetzwerks Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) drohte am Freitag bereits mit neuen Attentaten. «Ihr werdet nicht mit Sicherheit gesegnet sein, so lange ihr Allah, seinen Verkünder und die Gläubigen bekämpft», sagte der ranghohe AQAP-Vertreter Harith bin Ghazi al-Nadhari in einem Video, das von dem auf die Beobachtung islamistischer Websites spezialisierten US-Unternehmen Site veröffentlicht wurde. Frankreich gehöre zu den führenden Kräften des Unglaubens, sagte al-Nadhari. «Es beleidigt die Propheten, setzt die Religion herab und bekämpft die Gläubigen.»

«Charlie Hebdo»-Titelblätter

Ein Mitglied des Al-Kaida-Ablegers im Jemen sagte laut Nachrichtenagentur AP, AQAP habe den Angriff auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» gesteuert, bei dem am Mittwoch zwölf Menschen erschossen wurden. Es sei die «Rache für die Ehre» des Propheten Mohammed. Man habe das Ziel «sorgfältig ausgewählt», hiess es.

Die Brüder Chérif und Said Kouachi, die den Anschlag verübt haben sollen, wurden am Freitag von der Polizei getötet, nachdem sie sich in einer Druckerei in der Gemeinde Dammartin-en-Goële nahe dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle verschanzt hatten. Die Brüder sollen Verbindungen zu AQAP gehabt haben und wollten sich offenbar für Karikaturen des muslimischen Propheten Mohammed in «Charlie Hebdo» rächen. Chérif Kouachi sagte dem französischen Sender BFMTV, er sei von AQAP beauftragt und finanziert worden.

UNSPECIFIED - JANUARY 08:  Pictured in this composite of handout photos provided by the Direction centrale de la Police judiciaire on January 8, 2015 are suspect Said Kouachi, aged 34, (L) and suspect Cherif Kouachi, aged 32, who are both wanted in connection with an attack at the satirical weekly Charlie Hebdo. Twelve people were killed yesterday including two police officers as two gunmen opened fire at the offices of the French satirical publication on January 7, 2015.   On January 8 French police published photos of two brothers wanted as suspects over the massacre at the magazine. (Photo by Direction centrale de la Police judiciaire via Getty Images)

Brüder Chérif und Said Kouachi Bild: Getty Images Europe

Kritik an den Sicherheitsbehörden

Ein islamistischer Gesinnungsgenosse der beiden, laut Behörden der 32-jährige Amedy Coulibaly, hatte am Donnerstag am südlichen Rand von Paris eine Polizistin erschossen. Er nahm am Freitag in einem jüdischen Supermarkt im Osten von Paris mehrere Menschen als Geiseln. Bei der Erstürmung erschoss die Polizei den Mann. Vier Geiseln wurden laut Behörden vermutlich bereits getötet, als der Geiselnehmer am Mittag das Geschäft stürmte. Coulibalys Freundin konnte entkommen, nach ihr wird weiter gefahndet.

Coulibaly soll vor seinem Tod ebenfalls mit dem Sender BFMTV gesprochen und seine Zugehörigkeit zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bestätigt haben, die eigentlich nicht mit Al Kaida zusammenarbeitet. Er habe die Angriffe gemeinsam mit den Kouachi-Brüdern geplant.

Solidarität mit «Charlie Hebdo» in aller Welt

Inzwischen wird auch darüber diskutiert, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Frankreichs Premierminister Valls übte Kritik an der Arbeit der Sicherheitsbehörden. Der Tod von insgesamt 17 unschuldigen Menschen zeige, dass offensichtlich Fehler begangen worden seien, sagte er. Marvin Hier, Direktor des Simon-Wiesenthal-Zentrums, das sich für den Kampf gegen Antisemitismus in der Welt einsetzt, kritisierte, die Vorgänge der vergangenen Tage seien ein «Desaster» für die französischen Geheimdienste.

Die Kouachi-Brüder waren den Sicherheitsbehörden schon seit langem bekannt. Chérif, der jüngere der beiden, war 2008 wegen seiner Zugehörigkeit zu einem Dschihadistennetzwerk zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Er wollte sich damals islamistischen Kämpfern im Irak anschliessen.

Nach Angaben eines US-Vertreters standen die Brüder zudem seit Jahren auf einer Terrorliste der USA und durften nicht in das Land einreisen. Said liess sich demnach im Jahr 2011 von Al Kaida im Jemen ausbilden. Auch der dritte getötete Terrorist, Coulibaly, sass bereits im Gefängnis und soll dort auch Chérif Kouachi kennengelernt haben. (stk/AFP/AP/Reuters)



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    Alle Leser-Kommentare
  • Wäscheklammer 10.01.2015 10:47
    Highlight Highlight Im ersten Satz steht islamistische Terroristen. Soweit ich weis besteht das Wort Islamist aus Muslimischer und Terrorist....somit reicht Islamist alleine.
    • Simone Kubli 10.01.2015 11:16
      Highlight Highlight Nein, das stimmt überhaupt nicht. Nicht jeder Islamist will sein Ziel mit Gewalt durchsetzen. Islamisten sind nicht automatisch Terroristen.
    • Raphael Bühlmann 10.01.2015 14:31
      Highlight Highlight Für jeden Begriff gibt es Definitionen! Wie wäre es, wenn ihr diese einfach mal nachschlagt und die Sache ein für alle Mal klärt? Islam ist eine Religion, deren Anhänger Muslime genannt werden. Islamismus ist eine politische Ideologie, deren Anhänger Islamisten genannt werden. Und sogar bei Islamisten muss man differenzieren, verschiedene Islamisten haben nämlich die Attentate verurteilt, so z. B. die Muslimbrüder und die islamistische Regierung im Iran.
      Danke, Simone.
    • Raphael Bühlmann 11.01.2015 13:04
      Highlight Highlight Ich habe deinem Kommentar mal keine Wertung gegeben, weil ich zwar verschiedenen Aussagen widersprechen würde, mir dein Ton aber ausnahmsweise sehr gefällt. Danke für deinen sachlichen Kommentar! Ich weiss, du kommentierst hier nicht, um Freunde zu finden, aber ich rate dir in Zukunft mehr solcher Kommentare zu schreiben.
      Mit deiner letzten Aussage bist du nicht alleine. Es gibt viele – auch "Intellektuelle" –, die finden, man könne das Phänomen "Islam" mit dem Begriff "Religion" nicht in allen seinen Facetten passend beschreiben.
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