Charlie Hebdo
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Wurde bei der Erstürmung des Supermarkts getötet: Geiselnehmer Amedy Coulibaly. Bild: AP/Prefecture de Police

Vom Gangster zum Coca-Cola-Angestellten

Der dritte Mann: Wer ist der Supermarkt-Terrorist Coulibaly?

War es das gemeinsame Werk einer Terrorzelle? Die französische Polizei glaubt, dass sich der Supermarkt-Geiselnehmer Amedy Coulibaly und die Charlie-Hebdo-Attentäter kannten. Der 32-Jährige stand seit Langem in Verbindung mit Extremisten.

09.01.15, 20:58 10.01.15, 16:11

Raniah Salloum

Ein Artikel von

Um 17.13 Uhr griff die Polizei zu: Eine Spezialeinheit stürmte den Supermarkt im Osten von Paris, in dem sich seit dem Morgen der 32-jährige Amedy Coulibaly verschanzt hatte und tötet den Geiselnehmer. Wer war der Mann? Die Polizei geht davon aus, dass er die Charlie-Hebdo-Attentäter, die Brüder Kouachi, kannte – und dass er es war, der am Donnerstag im Süden von Paris das Feuer auf eine Gruppe von Polizisten eröffnet hatte. Dabei wurde eine Polizistin tödlich verletzt. Da konnte Coulibaly zunächst entkommen.

Im Fall der tödlichen Schüsse auf die Polizistin sucht Frankreich seit Freitag auch nach einer vierten Person. Die 26-jährige Hayat Boumeddine soll an dem Mord der Polizistin beteiligt gewesen sein. Nach unterschiedlichen Berichten handelt es sich bei ihr entweder um die Ex-Freundin oder die Freundin von Coulibaly. Zur Stunde ist unklar, wo sie sich befindet.

Coulibaly wird in Haft vom Dealer zum Islamisten

Strenggläubige Islamisten halten eigentlich nicht viel von wilder Ehe. Coulibaly sei ein später Konvertit, schreibt die Zeitschrift «L'Obs».

Dort heisst es, Coulibaly habe seit 2001 immer wieder bewaffnete Raubüberfälle begangen. 2004 wurde er dafür zu sechs Jahren Haft verurteilt. Als er aus dem Gefängnis kam, fing er als Dealer an. Es folgten noch einmal eineinhalb Jahre Haft.

Für eine kurze Zeit schien es, als bekäme Coulibaly sein Leben in den Griff. Der damals 24-Jährige begann eine Ausbildung bei Coca-Cola. Dabei hat er sogar dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy die Hand schütteln dürfen, als dieser beim Unternehmen vorbeischaute, berichtete damals, 2009, die Zeitung «Le Parisien». In dem Artikel heisst es über Coulibaly, er stamme aus Grigny, einem Vorort südlich von Paris. Er sei eines von zehn Kindern, der einzige Junge.

Als er Sarkozy die Hand schüttelte, habe Coulibaly allerdings bereits angefangen, sich dem Islamismus zuzuwenden, schreibt «L'Obs». Während seines letzten Gefängnisaufenthalts sei er zum Islam übergetreten. Anfang 2010 fährt er einmal im Monat nach Südfrankreich, um Djamel Beghal zu besuchen, einen Qaida-Veteranen, der dort unter erweitertem Hausarrest steht: Er darf die Region nicht verlassen. Europas Geheimdienste vermuten, Beghal sei einer von Al-Qaidas Anschlagsplanern in Europa.

An dieser Stelle schliesst sich der Kreis mit den Brüdern Kouachi. Denn auch Cherif Kouachi besucht Djamel Beghal im April 2010 in Südfrankreich. Zusammen gehen sie Fussball spielen.

Im Mai 2010 plante der Qaida-Mann Beghal, einen zu lebenslanger Haft verurteilten Terroristen aus der Haft zu befreien. Die Planung der Radikalen flog auf: Coulibaly wurde

als Mittäter verhaftet. Als seine Wohnung untersucht wurde, fanden sich 240 Kugeln Munition. Er wurde zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Erst vor wenigen Monaten kam er frei. Auch Chérif Kouachi gerät damals in das Visier der Ermittler. Doch er wird wieder freigelassen. Zu unsicher scheint es den Ermittlern, dass sie Kouachis Beteiligung an dem Plan hieb- und stichfest beweisen können.

Die jüngsten Entwicklungen könnten bedeuten, dass der Anschlag auf «Charlie Hebdo» die Tat einer ganzen Zelle war: den Anhängern des Qaida-Manns Djamel Beghals.

Sicher lässt sich dies bisher jedoch noch nicht sagen. Vieles spricht dafür. Doch eine andere Möglichkeit lässt sich bisher noch nicht ausschliessen: Theoretisch möglich ist auch, dass es sich nicht um eine konzertierte Aktion handelte, sondern dass Boumeddine und Coulibaly von sich aus handelten, als sie erfuhren, was ihre Freunde taten.

Bei der Klärung dieser Frage könnte möglicherweise Hayat Boumeddine helfen. Der Fahndungsaufruf der französischen Polizei beschreibt sie als schwer bewaffnet und gefährlich.



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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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