China
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In this photo released by Indonesian National Police, Erwiana Sulistyaningsih, left, an Indonesian maid who was allegedly tortured by her employer in Hong Kong, is interviewed by Hong Kong police investigators at a hospital where she is treated in Sragen, Central Java, Indonesia, Tuesday, Jan. 21, 2014. Hong Kong police officers arrived at the hospital Tuesday to interview Sulistyaningsih as Indonesia's President Susilo Bambang Yudhoyono expressed his concern and anger over the alleged brutality. (AP Photo/Indonesian National Police)

Die 23-jährige Erwiana Sulistyaningsih wurde mehr als ein halbes Jahr gequält. Bild: AP Indonesian National Police

Misshandelt, ausgebeutet

Darf Hongkong bald keine Haushälterinnen aus Indonesien mehr holen?

Viele Gastarbeiterinnen fristen in Hongkong ein trauriges Dasein zwischen Gewalt und Ausbeutung. Das Schicksal einer jungen Indonesierin könnte nun weitreichende Folgen haben.



Der Fall von Erwiana Sulistyaningsih könnte nicht nur für ihre Peinigerin ein böses Nachspiel haben. Diese steht seit einigen Tagen in Hongkong vor Gericht, weil sie ihre indonesische Haushälterin mehr als ein halbes Jahr gequält haben soll. 

Die 23-Jährige wurde so übel zugerichtet, dass sie nach Aussage ihres Arztes nicht gehen kann, geschweige denn scharf sehen kann. Ursache dafür sind unter anderem Schwellungen des Gehirns, die sie bei Schlägen auf den Kopf erhalten hat. 

Law Wan-tung, a 44-year-old woman accused of torturing her Indonesian maid as well as two other former domestic helpers, left, leaves a court in Hong Kong, Wednesday, Jan. 22, 2014.  Hong Kong police filed charges on Wednesday against Law, which include two counts of wounding, one of common assault and three of criminal intimidation.  (AP Photo/Vincent Yu)

Die 44-jährige Law Wan-tung verlässt das Gericht mit verdecktem Gesicht. Sie ist wegen den Misshandlungen angeklagt. Bild: AP

Doch verhandelt wird in diesen Tagen nicht nur über das Strafmass für eine abscheuliche Tat. Die Konsequenzen, die Indonesien zu ziehen gedenkt, könnten unter Umständen ganz Hongkong empfindlich treffen.

Indonesien will reagieren

Die Regierung in Jakarta möchte nach den jüngst publik gewordenen Misshandlungen künftig keine Hausangestellten mehr nach Übersee schicken. «Wir wollen das bis 2017 umsetzen», sagte der im indonesischen Aussenministerium zuständige Direktor, Tatang Budie Utama Razak, der Nachrichtenagentur dpa. 

Etwa die Hälfte der 320'000 Haushaltshilfen im wohlhabenden Hongkong sind Frauen aus Indonesien. Geht es nach dem Willen Jakartas soll sich das bald ändern. 

So berichtete die «South China Morning Post» kürzlich über Verhandlungen zwischen Vertretern Indonesiens und Hongkongs. Dabei sei es um die Möglichkeit gegangen, lieber qualifizierte Arbeitskräfte, etwa vom Bau, aus Indonesien zu entsenden.

Domestic helpers and their supporters attend a protest to support 23-year-old Indonesian maid Erwiana Sulistyaningsih in Hong Kong, Sunday, Jan. 19, 2014. The Indonesian maid who was allegedly brutally tortured by her employers for months has become the latest case to trigger outrage in Hong Kong over abuses commonly suffered by the city’s army of foreign migrant workers. Erwiana was allegedly assaulted for nearly eight months before the family she worked for sent her back to Indonesia. (AP Photo/Vincent Yu)

Rund 1000 Hausangestellte gingen in Hongkong auf die Strasse, um gegen den Fall zu protestieren. Bild: AP

Derweil ist Erwiana Sulistyaningsih vor drei Wochen nach Indonesien zurückgekehrt, wo sie in einem Spital behandelt wird. In einem Telefongespräch mit ihr und ihrem Vater berichtete der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono über seinen «Ärger» sowie seine «Besorgnis» über die Angelegenheit. 

Vor knapp einer Woche gingen rund 1000 Hausangestellte und ihre Unterstützer in Hongkong auf die Strasse. Es war bereits das dritte Mal, dass sie ihre Empörung über den Fall ihrer jungen Kollegin zum Ausdruck brachten.

Misshandlungen und verbale Angriffe

Erst im vergangenen Jahr offenbarte eine Studie der Hongkonger Behörden das ganze Ausmass des Problems. Demnach haben 58 Prozent der Haushaltshilfen verbale Angriffe erdulden müssen, 18 Prozent wurden körperlich misshandelt und sechs Prozent berichteten von sexuellem Missbrauch. 

Die Leiterin des Netzwerkes indonesischer Gastarbeiter, Eni Lestari, hält wenig davon, den Frauen aus ihrer Heimat die Arbeit im Ausland untersagen zu wollen. «Der Plan der Regierung ist eine Illusion. Die Regierung ist damit gescheitert, Arbeitsplätze bereitzustellen. Gleichzeitig war sie nicht in der Lage zu erkennen, dass die meisten Jobs im Ausland eben in Hausarbeit bestehen», sagt sie. 

Foreign maids display pictures of 23-year-old Indonesian maid Erwiana Sulistyaningsih during a protest outside the Indonesian Consulate in Hong kong Thursday, Jan. 16, 2014. The Indonesian maid who was allegedly brutally tortured by her employers for months has become the latest case to trigger outrage in Hong Kong over abuses commonly suffered by the city’s army of foreign migrant workers. Erwiana was allegedly assaulted for nearly eight months before the family she worked for sent her back to Indonesia. (AP Photo/Kin Cheung)

Stoppt den Menschenhandel, forderten die Haushälterinnen, die überwiegend aus Indonesien und von den Philippinen stammen. Bild: AP

Ein Verbot könnte womöglich zu einer Zunahme des Menschenhandels führen, gibt Robert Godden von Amnesty International zu bedenken. «Die Erfahrung zeigt, dass Verbote oft von Vermittlern umgangen werden und dabei Frauen auswandern, ohne dass dies amtlich erfasst wird. Das erhöht aber ihre Anfälligkeit für sexuelle Ausbeutung, Zwangsarbeit und Misshandlung», sagt Godden.

Hongkongs Behörden gelassen

Die Politik in Hongkong gibt sich angesichts der Diskussion betont gelassen und verkündet, ein Mangel an Haushälterinnen könne durch die Unterstützung Burmas ausgeglichen werden. Die aktuelle Berichterstattung würde die Arbeitskräfte dort jedenfalls nicht ängstigen, teilte der Abgeordnete Felix Chung Kwok-pan jüngst mit. 

Ausländische Helferinnen arbeiten seit dem wirtschaftlichen Aufschwung Hongkongs in den 70er Jahren in der Stadt. Neben dem Haushalt kümmern sie sich um die Kinderbetreuung oder pflegen alte Menschen. Ihr Mindestlohn liegt derzeit bei umgerechnet rund 160 Franken im Monat. (pbl/sda)

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