Deutschland
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Auf dem Gelände der ehemaligen Sheridan-Kaserne in Augsburg steht hinter Stacheldraht ein Gebäude, aufgenommen am 21.10.2006. In dieser Halle 116 befand sich von 1944 bis Ende des zweiten Weltkriegs ein Außenlager des KZ Dachau, in dem rund 2000 Zwangsarbeiter untergebracht waren. Nach dem Krieg wurde die Halle von US-Streitkräften als Fahrzeughalle genutzt. Das ehemalige Gelände der Sheridan-Kaserne soll nun zivil genutzt werden. Historiker befürchten, dass die Halle 116 in ihrem Originalzustand verändert wird und wollen das Gebäude unter Denkmalsachutz stellen lassen, um dort eine Gedenkstätte einzurichten. Foto: Stefan Puchner (zu dpa/lby- KORR:

Die «Halle 116». Bild: dpa

Aufschrei in Deutschland

Ausgerechnet ein ehemaliges Aussenlager des KZ Dachau soll zum Asylbewerberheim werden

In Augsburg sollen 90 Flüchtlinge in einem ehemaligen Aussenlager des KZ Dachau unterkommen. Das hat die Stadt beschlossen. Der endgültige «Sieg über den Faschismus» oder «ein völlig indiskutabler Vorgang»?

Ein Artikel von

Spiegel Online

Die «Halle 116» ist ein Ort des Schreckens. In der NS-Zeit war der Bau in Augsburg ein Aussenlager des Konzentrationslagers Dachau. Hier mussten 2000 Zwangsarbeiter für den Flugzeugbauer Messerschmidt schuften.

70 Jahre später hat die Stadt eine neue Verwendung für die Halle. 90 Asylbewerber sollen hier eine Unterkunft finden. So hat es der Sozialausschuss des Augsburger Stadtrats einstimmig beschlossen. Angesichts der vielen Flüchtlinge, die untergebracht werden müssen, bestehe Handlungsbedarf, sagen Stadtvertreter.

«Die sensible Historie der ‹Halle 116› ist der Stadt selbstverständlich bewusst», betonte Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU). SPD-Sozialreferent Stefan Kiefer verwies darauf, dass die Unterkunft für die Asylbewerber nur im Obergeschoss der Halle geplant sei. Im unteren Teil solle eine Gedenk- und Begegnungsstätte an die Vergangenheit des Ortes erinnern. «Die Halle soll künftig ein Gedenkort, gleichzeitig aber auch ein belebter Ort werden», sagte Kiefer dem Bayerischen Rundfunk.

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A journalist films the main gate of the former concentration camp in Dachau near Munich where the door with the Nazi slogan

Der Haupteingang zum KZ Dachau. Bild: MICHAEL DALDER/REUTERS

Oberbürgermeister Gribl argumentierte, dass gerade dieser Ort Menschen in Not nicht verwehrt werden dürfe. Andernfalls wäre er «ein scheinheiliger Denkort», so der CSU-Politiker. Grünen-Stadträtin Antje Seubert sieht in dem Flüchtlingsheim im ehemaligen KZ-Aussenlager sogar einen «Sieg über den Faschismus». So wird die Politikerin von der «Augsburger Allgemeinen» zitiert. 

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Die Halle sei geeignet, weil die US-Armee das Gelände der KZ-Aussenstelle nach dem Krieg übernommen hatten. Die Amerikaner nutzten die Baracke als Fahrzeughalle und renovierten sie regelmässig. Deshalb ist das Gebäude in guten Zustand. Trotzdem soll der Umbau etwa 1,75 Millionen Euro kosten.

Karl Freller, Fraktionsvize der CSU im Landtag und Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, lehnt die Augsburger Pläne entschieden ab. «Da hätte es auch eine andere Möglichkeit geben müssen», sagte er der Abendzeitung. Die Leitung der Gedenkstätte Dachau habe erst aus den Medien von dem Vorhaben erfahren. 

Auch Charlotte Knobloch, ehemalige Chefin des Zentralrats der Juden in Deutschland und amtierende Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München und Oberbayern, ist entsetzt: «Das ist ein völlig indiskutabler Vorgang, das Ende der dringend notwendigen Erinnerungskultur», sagte sie. Alexander Mazo, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Augsburg, reagierte gelassener. Er sagte: «Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, Flüchtlinge unterzubringen, muss man es tun.»

Augsburg ist nicht allein: Auch im nordrhein-westfälischen Schwerte sollen Asylbewerber auf dem Gelände eines früheren KZ-Aussenlagers unterkommen. Doch das Gebäude, in dem die 21 Flüchtlinge wohnen sollen, wurde dort erst nach dem Krieg errichtet.

(syd/lue)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Michèle Seiler 01.02.2015 14:28
    Highlight Highlight Für mich wär's in Ordnung, diese Orte nicht als (reine) Mahnmale zu verwenden, wenn die Menschen aus der Geschichte gelernt hätten.

    Wenn man sich allerdings ansieht, wie viele mit Andersartigkeit im Allgemeinen und Flüchtlingen im Besonderen umgehen, scheint mir das Ganze mehr als unangemessen - passt aber gut zur Situation.
  • JJ17 01.02.2015 13:19
    Highlight Highlight Also ich sehe das Problem nicht!?
  • dnsd 01.02.2015 11:58
    Highlight Highlight Wieder 1,75 Millionen ohne ROI - ewig geht das nicht gut
    • kettcar #lina4weindoch 01.02.2015 12:44
      Highlight Highlight Stimmt, fürchterlich, dass Investitionen in Menschen nicht immer einen ROI geben. Und jetzt lieber dnsd gehen Sie schleunigst ins nächste Altersheim, ins nächste Pflegeheim und ins nächste Krankenhaus und erschiessen alle Alten und Kranken, die keinen ROI mehr bringen... hatten wir übrigens schon Mal vor ein paar Jahrzehnten.
    • dnsd 01.02.2015 13:27
      Highlight Highlight Die Alten haben Steuern gezahlt, die Kranken sind versichert... Da stimmt der ROI schon. Problematisch wirds wen den ärmsten Ländern die jungen Arbeitskräfte davon rennen und wir dies noch mit Milliarden fördern... Wer kümmert sich da um die Alten und Kranken?
    • Lowend 01.02.2015 15:37
      Highlight Highlight Und was ist ihr Return of Investment? Bei Menschen, die in solchen Kategorien über andere Menschen urteilen, scheint unsere Investition in die Bildung jedenfalls rausgeschmissenes Geld gewesen zu sein, weil offensichtlich die Empathie dabei auf der Strecke blieb.

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