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Auschwitz

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quelle: x03034 / pawel ulatowski
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70 Jahre Auschwitz-Befreiung

Konservatoren von Auschwitz: Nicht das Schöne, sondern das Grauen bewahren

22.01.2015, 07:3022.01.2015, 07:39

Sie könnten Madonnen restaurieren – doch die Konservatoren von Auschwitz erhalten das grösste Vernichtungslager der Nazis. Damit folgen sie dem Willen der Überlebenden. Andere der grossen Todeslager waren im Januar 1945 schon längst zerstört: Sobibor und Belzec etwa. Die Spuren der deutschen Verbrechen sollten beseitigt werden, über den Massengräbern hatte die SS neue Bäume pflanzen lassen.

«Wenn sich ein Ort an das Gewissen der Menschheit im 21. Jahrhundert wendet, dann ist dieser Ort Auschwitz», sagt Piotr Cywynski, der Leiter der heutigen Gedenkstätte. Der Erhalt des authentischen Ortes Auschwitz sei auch wichtig «für die Arbeit an einer besseren, friedlicheren Welt.»

Doch vor wenigen Jahren schlugen die Mitarbeiter der Gedenkstätte Alarm: Auschwitz drohe zu verfallen, die Dokumente, die Alltagsgegenstände der ermordeten Häftlinge seien nach Jahrzehnten von Schimmel oder bröckelnder Bausubstanz bedroht.

120 Millionen Euro Spende

Weltweit wurde um finanzielle Hilfe gebeten, die Stiftung Auschwitz-Birkenau gegründet. Insgesamt sollten 120 Millionen Euro Stiftungskapital aufgebracht und aus Zinserträgen jährlich vier Millionen Euro in Konservierungsarbeiten investiert werden.

«Kurz vor dem 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz sind wir dem Ziel nahe», sagt Pawel Sawicki, Sprecher der Gedenkstätte. Noch fehlen zwölf Millionen Euro, doch in den vergangenen Tagen haben Einzelspender jeweils eine Million Euro bereitgestellt - etwa Ronald Lauder, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, und Steven Spielbergs Stiftung «Righteous Persons».

Zu den Spendern gehören aber auch Holocaust-Überlebende wie der australische Unternehmer Frank Lowy. Viele seiner Angehörigen wurden in Auschwitz ermordet.

«Wir wollen Auschwitz als historischen Ort möglichst authentisch erhalten», betont Sawicki. «Wenn aus Gründen der Bausicherheit Gebäudeteile ausgetauscht werden müssen, machen wir dies auch optisch deutlich».

Vor allem die noch verbliebenen Holzbaracken in Birkenau seien problematisch. «Das Lager wurde damals ja nicht für die Ewigkeit gebaut», sagt Sawicki. Obendrein liegt das Lager über Bergbaugelände. Unterirdische Einstürze beeinträchtigen auch die Stabilität der Baracken.

Schwierige Arbeit

Die Konservatoren in Auschwitz betonen die Wichtigkeit, Distanz zu den Gegenständen aufzubauen. Doch das ist manchmal leichter gesagt als getan. Die Konservatoren wissen, dass scheinbar banale Gegenstände wie Rasierpinsel oder Zahnbürsten den mehr als 1.1 Millionen in Auschwitz Ermordeten gehörten.

Koffer mit Adressen aus ganz Europa sind stumme Zeugen des Ausmasses der nationalsozialistischen Verbrechen, ihre einstigen Besitzer haben nicht einmal ein Grab.

«Am schlimmsten ist es, wenn ich mit Kindersachen zu tun habe», sagt eine Restauratorin. «Neulich habe ich ein Kleid bearbeitet, das ganz ähnlich geschnitten war wie ein Kleid meiner kleinen Tochter. An solchen Tagen ist die Arbeit sehr schwer.»

Eine andere Restauratorin nickt - sie säubert die Dokumente des Lagerspitals, darunter wohl auch Zeugnisse der grausamen medizinischen Experimente. «Ich denke manchmal, es ist gut, dass ich kein Deutsch spreche und diese Texte nicht verstehe. So weiss ich nicht, womit ich hier zu tun habe.» (feb/sda/dpa)

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