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epa04480107 Singer-songwriter Wolf Biermann (L) performs during a memorial event on occasion of the 25th anniversary of the fall of the Berlin Wall in the German Bundestag, Berlin, Germany, 07 November 2014. The 25th anniversary of the fall of the Berlin Wall will be celebrated in Berlin on 09 November 2014.  EPA/WOLFGANG KUMM

Scharfer Wortwechsel in der Feierstunde im deutschen Bundestag zum Mauerfall. Bild: EPA/DPA

Deutscher Bundestag

Eklat bei Mauerfall-Gedenkfeier: Liedermacher Biermann nennt Linke «Drachenbrut»

Der Liedermacher Wolf Biermann teilt im deutschen Bundestag kräftig gegen die Linke aus. Bei der Feierstunde zum Mauerfall bezeichnet er die Partei als «Drachenbrut». Deren Abgeordnete sind empört.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Scharfer Wortwechsel in der Feierstunde: Der Liedermacher Wolf Biermann hat die Linke in der Gedenksitzung des Bundestags zum Fall der Mauer vor 25 Jahren frontal angegriffen. Die Linke sei «der elende Rest dessen, was zum Glück überwunden ist», sagte Biermann am Freitag im Reichstag, in den er eigentlich zum Singen eingeladen worden war. Der «Ironiker» Norbert Lammert habe ihn eingeladen, um der Linken ein paar Ohrfeigen zu verpassen. 

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Mit Verweis auf seine Bezeichnung als «Drachentöter» sagte der Liedermacher, er könne «nicht die Reste der Drachenbrut» niederschlagen, «die sind geschlagen». Es sei «Strafe genug» für die Linken, «dass sie hier sitzen und sich das anhören müssen».

Eine Wahl ist doch «kein Gottesurteil»

Auf Einwurf aus der Linksfraktion, sie seien gewählt, erwiderte Biermann, eine Wahl sei doch «kein Gottesurteil». Die Linke sei in Wahrheit «reaktionär». Im Anschluss an den Schlagabtausch trug Biermann sein Lied «Ermutigung» vor, das vor allem bei den Oppositionellen in der damaligen DDR populär war. Biermann selbst nannte es «ein Stück Seelenbrot» insbesondere für die Insassen von DDR-Gefängnissen.

Bundestagspräsident Lammert sagte zu Biermanns ungewöhnlichem Auftritt mit einem Hinweis auf die Geschäftsordnung: «Sobald Sie für den Bundestag kandidieren und gewählt werden, können Sie auch reden. Jetzt sind sie hier, um zu singen.» Biermann entgegnete: «Das Reden habe ich mir in der DDR nicht abgewöhnt und werde das hier schon gar nicht tun.» An die Adresse der Linken sagte er: «Ihr seid dazu verurteilt, das hier zu ertragen. Ich gönne es Euch.»

Linken-Fraktionschef Gregor Gysi ignorierte in seiner Rede Biermanns Attacken. Er beklagte Versäumnisse bei der deutsch-deutschen Wiedervereinigung, es habe keine echte Vereinigung der beiden deutschen Staaten gegeben. Er betonte, in der DDR habe eine Diktatur und grobes Unrecht geherrscht - blieb aber bei seiner Haltung, die DDR nicht pauschal als Unrechtstaat zu bezeichnen. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring Eckardt sagte: «Natürlich war die DDR ein Unrechtstaat.»

Die Linke fühlt sich übergangen

Der Auftritt des 1976 aus der DDR ausgebürgerten Biermann hatte bereits vor der Veranstaltung für Ärger gesorgt. Die Linke - als SED-Nachfolgepartei immer wieder von Biermann kritisiert - fühlte sich bei der Festlegung des Programms übergangen. Sie verlangte, dass er seinen Auftritt nicht für Parteienkritik nutzt.

Lammert kritisierte in der Gedenkstunde auch den Diebstahl von 13 Gedenkkreuzen für die Opfer der Berliner Mauer: «Sie sind vor einigen Tagen gestohlen worden mit einer heldenhaften Attitüde und einer pseudohumanitären Begründung, die man für blanken Zynismus halten muss». Aktivisten eines «Zentrums für politische Schönheit» wollen die Kreuze an die Grenzen Europas bringen, um auf die Situation von Flüchtlingen aufmerksam zu machen. Nach dem Mauerfall-Jubiläum wollen die Diebe alle Kreuze zurückbringen, die Polizei ermittelt wegen «besonders schwerem Diebstahl».

Mit dem Gedenken im Bundestag hat eine Reihe von Veranstaltungen zur Erinnerung an den 9. November 1989 begonnen. In Berlin findet bis Sonntag ein umfangreiches Festprogramm statt. Am Nachmittag eröffnet Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) in der Nähe des Reichstags eine Installation mit etwa 8000 leuchtenden Ballons. Sie zeichnen auf rund 15 Kilometern einen Teil der einstigen Grenze in Berlin nach. Zudem wird der frühere sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow am ehemaligen Grenzkontrollpunkt Checkpoint Charlie eine Ausstellung zum Kalten Krieg besuchen.

(ler/mxw/AFP/dpa)



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    Alle Leser-Kommentare
  • poesie_vivante 08.11.2014 01:04
    Highlight Highlight Traurig auf welches tiefe Niveau Biermann gesunken ist. Ein persönlicher Rachefeldzug im deutschen Bundestag. Und die Parlamentarier (ausser die Linke) applaudieren auch noch. Erbärmlich anzusehen.
    • poesie_vivante 08.11.2014 12:06
      Highlight Highlight Die Linken sind die letzte Partei im Deutschen Bundestag, die keine kriegstreiberische Politik betreibt und sich Friedensbemühungen als oberste Priorität ihrer Politik gesetzt haben. Was soll daran erbärmlich sein, wenn eine solche Partei in einem Bundestag sitzt?
    • goschi 08.11.2014 13:22
      Highlight Highlight Die Linke fordert gerade ein militärisches Eingreifen zu Gunsten der Kurden, soviel zum thema "Friedenspartei"
      Ausserdem ist das Programm der linken schlicht auf den Punkt zu reduzieren "Dagegen!" Egal, was andere Parteien wollen, man ist einfach aus Prinzip dagegen, rein mit dem Ziel der populistischen Aufmerksamkeitshascherei.
      Dazu kommt ein Parteiprogramm, das zuweilen bedenklich Ur-sozialistisch ist und die komplette Weigerung der Vergangenheitsbewältigung.
      Dies alles zusammen ist hoch bedenklich für eine Partei, die staatstragend sein will.
    • Diva65 09.11.2014 07:56
      Highlight Highlight Irrtum: Das Niveau Biermanns ist gestiegen! Er spricht aus, was viele deutsche Bürger denken. Bis jetzt sind aus den totalitären Systemen die besten Agenten ins nächste System übernommen worden.



  • quark 07.11.2014 21:07
    Highlight Highlight Das Schlechteste was Biermann je geboten hat, was allerdings auch eine satte Leistung ist. Vielleicht wars am Zuviel des ersten Teil seines Namens am Vorabend.

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