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In Zukunft soll der Google-Assistent für die User Coiffeur-Termine buchen ... Bild: AP

Das musst du über die wichtigste Google-Keynote des Jahres wissen

Wenn es nach Google geht, sollen Smartphone-Nutzer künftig nicht mehr, sondern weniger Zeit mit dem Handy verbringen. Die neue Android-Version P, ein verbesserter Assistant und sehr viel Künstliche Intelligenz sollen dabei helfen.

09.05.18, 06:55 09.05.18, 07:06

Matthias Kremp, mountain view



Ein Artikel von

Als Zweiter hat man es nicht leicht. Das gilt auch für Google. Einen Tag zuvor hatte Microsoft auf seiner Entwicklerkonferenz fast ausschliesslich über Cloud und Künstliche Intelligenz (KI) gesprochen, eigentlich Themen, die Google sich gerne auf die Fahne schreibt. Also musste der Internetkonzern die Schwerpunkte auf der Keynote seiner Entwicklerkonferenz Google i/o anders setzen. Die Lösung war es, den User in den Mittelpunkt zu stellen.

Google-Chef Sundar Pichai stellte das gleich zu Beginn der Veranstaltung klar, als er über die Verantwortung sprach, die grosse IT-Firmen heute tragen. Und über Fragen der Ethik im Informationszeitalter. Klar wurde dabei, dass er Google weg von der immer wieder auftauchenden Kritik an dem Megakonzern tragen will, das Image so aufpolieren möchte, dass Googler wieder als die Guten angesehen werden.

Nach ein paar Scherzen über das derzeit gute Wetter am Veranstaltungsort, gleich neben dem Google-Hauptquartier in Kalifornien, kam er zur Sache, sagte, es sei Googles Aufgabe: «Information nützlicher machen, leichter verfügbar und besser nutzbar.» Natürlich hatte er Beispiele parat, wie sein Unternehmen das machen kann. Und alle hatten irgendwas mit künstlicher Intelligenz zu tun.

KI soll Benachteiligten helfen

So zeigte der Google-Chef maschinenlernbare Systeme, die Retina-Scans besser und schneller interpretieren können als Menschen. So würden sich mögliche kardiovaskuläre Erkrankungen frühzeitig erkennen lassen. Im Anschluss wurde gezeigt, wie eine neue Funktion in Googles virtueller Tastatur Gboard körperlich Behinderten helfen kann, mithilfe von Morsezeichen zu kommunizieren, die sie etwa als Kopfbewegungen eingeben.

Ein wenig erinnerte das an Microsoft. Am Vortag hatte der Windows-Konzern seine Bemühungen betont, mit künstlicher Intelligenz Menschen mit Behinderungen zu helfen. Der Konzern hat dafür das mit 25 Millionen Dollar bestückte Förderprogramm AI for Accessibility gestartet. Soziales Engagement von Hightech-Konzerne scheint im Trend zu liegen.

Mit «OK Google» ist Schluss

Dann aber ging es im Schnelldurchlauf um die konkreten Neuerungen, die der Konzern verbreiten wollte. Viel Zeit wurde dabei dem Google Assistant eingeräumt, der einige beeindruckende Verbesserungen erfahren hat.

So wurden sechs neue Stimmen für den digitalen Assistenten vorgeführt, die helfen sollen, die Stimme der künstlichen Intelligenz realistischer wirken zu lassen. Eine davon wurde von der Stimme des R&B-Musikers John Legend adaptiert. Bei einer kurzen Vorführung wirkten alle sechs tatsächlich natürlicher als bisher. Unklar ist derzeit aber noch, wann und in welcher Form es auch für deutsche Nutzer neue Stimmen geben wird.

Viel wichtiger sind ohnehin die Verbesserungen, im direkten Umgang mit dem Google Assistant. So kann man künftig mit dem System Gespräche führen, ohne vor jedem Satz «OK Google» sagen zu müssen. Stattdessen kann das System erkennen, wenn man kontextbezogene Fragen stellt. Zudem wird der Assistant komplexe Fragen verarbeiten können, wie etwa: Wer war in dem Jahr, in dem der FC Basel das letzte Mal Schweizer Meister wurde, Bundespräsident?

Für die Verkehrssicherheit wichtig: Der Assistant kann ab dem Sommer auch in Google Maps genutzt werden, um beispielsweise jemandem mitzuteilen, wo man gerade ist und wie lange man noch braucht, um zu vereinbarten Treffpunkt zu kommen.

Google will auch für die User telefonieren

Das meiste Aufsehen erregte jedoch eine Technik namens Duplex. Sie wurde in Form eines Telefongesprächs gezeigt, die der Google Assistant mit einem Restaurant führte, um einen Tisch für mehrere Personen zu reservieren. Die Stimme der KI klang dabei so realistisch, dass die angerufene Mitarbeiterin offensichtlich nicht erkannte, dass sie nicht mit einem echten Menschen spricht. Sprechpause, unregelmässig eingestreute «Ahh»s und «Mhm»s halfen dabei.

Noch bezeichnet Google Duplex als Experiment. Im Sommer solle eine eingeschränkte Nutzergruppe anfangen, den Assistant damit zu nutzen, um Telefonate zu erledigen. Wer dazugehören wird und wann die Technik breiter verfügbar gemacht werden soll, ist vollkommen unklar. Klar ist aber, dass der Konzern damit einen spannenden Schritt nach vorne macht und zeigt, wie KIs künftig nutzbar und wie realistisch sie sein können.

Die Details gibts hier im Google-Blog.

Mit Android P soll mehr Ruhe einkehren

Die zweite grosse Neuheit war eine Vorschau von Android P, die nächste Version von Googles Smartphone-Betriebssystem. Sie soll ab heute als Vorabversion für jedermann zum Download bereitstehen. Sie sollte aber nur installiert werden, wenn man sich der damit zusammenhängenden Gefahren bewusst ist. Solche Beta-Software hat immer Fehler, kann immer zu Datenverlust führen. Als Belohnung für den Mut kann man unter anderem folgende Neuerungen ausprobieren:

The Verge fasst die Android-Neuerungen im Video (engl.) zusammen

Video: YouTube/The Verge

Vor allem aber hat sich Google Mühe gegeben, dafür zu sorgen, dass die Nutzer bewusster mit ihren Smartphones umgehen.

So gibt es beispielsweise einen Modus, indem das Smartphone zu einer definierten Abendzeit neu eingehende Nachrichten blockiert und den Bildschirm auf Schwarzweiss umschaltet, um den Nutzer zum Schlafengehen zu animieren.

Ebenso kann man die tägliche Nutzungszeit für bestimmte Apps einschränken, um beispielsweise ausufernde YouTube-Sessions zu verhindern. Wenn man das Telefon mit dem Bildschirm nach unten hinlegt, werden alle Hinweistöne und -vibrationen abgeschaltet.

KI bewertet Nachrichten

Eine weitere Neuerung, die für Aufsehen sorgen dürfte, ist das neue Google News. Beim ihm soll KI automatisch die wichtigsten Themen für den jeweiligen Nutzer aus dem Netz zusammensuchen. Welche das sind soll das System im Laufe der Zeit selbst lernen, indem es das Nutzungsverhalten des Users auswertet. Um einen schnellen Überblick zu aktuellen Themen zu ermöglichen, stellt das System dazu passende Artikel und Videos in Paketen zusammen, die aus denen man für den jeweiligen Geschmack relevanten auswählen soll.

Das Promo-Video erklärt, wie Google News funktioniert

Video: YouTube/Google

Um seine Auswahl treffen zu können, lese das System Millionen von Artikel, hiess es auf der Bühne. Unklar blieb dabei, nach welchen Kriterien Relevanz und Qualität der Artikel beurteilt werden. Sundar Pichai allerdings machte deutlich klar, wie wichtig ihm genau diese Frage ist als er sagte: «In Zeiten wie diesen ist es wichtiger denn je, Qualitätsjournalismus zu unterstützen.» Der nämlich sei, «das grundlegend für das Funktionieren unserer Demokratien.»

Genau wie Android P soll auch das neue Google News in den kommenden Tagen verfügbar werden. Anders als sonst oft soll das von einer künstlichen Intelligenz kuratierte Angebot nicht zuerst nur in den USA starten, sondern sofort in 127 Ländern verfügbar sein.

Du hast noch etwas Zeit? Bei The Verge gibts die Keynote in 14 Minuten

Video: YouTube/The Verge

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • #bringhansiback 09.05.2018 19:29
    Highlight Entweder wirklich ein schlechter Übersetzungsfehler oder so aber falls nicht ist Android für mich gestorben:
    Android notiert nun genauer, welche Apps man wie lange nutzt und was man in der App macht. Nutzer können in einem Dashboard verfolgen, womit sie ihre Zeit verdaddeln oder nutzen – und auch den App-Entwicklern sollen diese Informationen teils zur Verfügung gestellt werden.

    Quelle: https://m.heise.de/newsticker/meldung/Android-P-Beta-ist-erhaeltlich-neue-Gesten-kommen-4045195.html

    Alternative: Purism LibreM 5. Hoffe das kommt bald
    2 1 Melden
  • HansHoni 09.05.2018 10:39
    Highlight Ich finde, Google geht mit der möglichst menschenähnlichen Stimme (eingestreute ahhs) in die falsche Richtung. Es braucht (auch hier...) grösstmögliche Transparenz. Ich fühle mich verar... wenn ich erst am Schluss merke, dass ich mit einer Maschine gesprochen habe und nicht mit einem richtigen Menschen. Aufschlussreich: "Uncanny Valley" als Ausdruck googeln. Menschen mögen sowas instinktiv nicht.
    7 2 Melden
    • djangobits 09.05.2018 12:21
      Highlight Yep. Deklaration von Bot Interaktionen ist mE Pflicht und schützt beide Seiten. Ausserdem, wenn am anderen Ende auch ein Bot sitzt können sie sich ja auf bottisch unterhalten... ginge evt schneller...
      5 0 Melden
    • sebi25 09.05.2018 12:25
      Highlight Teile deine Meinung. Ich fände es deitlich fairer wenn zu Beginn des Gesprächs ein "KI Erkennungston" läutet, um darauf hinzuweisen dass es sich um keinen Menschen handelt!
      Ich will selber darüber informiert werden ob ich mit einem echten Mensche spreche oder nicht, denn man kann es bald nicht mehr auseinanderhalten
      0 0 Melden
    • Der Tom 09.05.2018 12:55
      Highlight Wählen sie bitte 1 für Deutsch. Es handelt sich um einen Bot. bitte wählen sie 1 um falls sie das nicht stört oder legen sie auf. Der Anruf wird augezeichnet bitte wählen sie 1 falls sie das nicht stört oder legen sie auf. Wünschen sie nach dem Anruf eine Kopie der Aufnahme?. Wir weisen sie darauf hin... bla bla und dann immer so weiter. Es wird wohl trotz Bot immer komplizierter.
      3 0 Melden
  • User03 09.05.2018 09:14
    Highlight Ich mag dieses Personalisieren von News und Interessen überhaupt nicht. Wie soll man eigentlich noch etwas Neues entdecken, wenn eine KI alles zusammensucht, dass mit den bisherigen Interessen zu tun hat.

    Ich vergleiche dies mit Radio hören. Da kommen alle möglichen Genres zusammen für alle möglichen Menschen. (Jedenfalls die Genreunabhängigen) Eines Tages hörst du ein Lied einer Musikrichtung, bei der du gar nie gedacht hast, dass du sie magst und Zack vertiefst du dich darin.
    Wie sollen solche Erfahrungen noch möglich sein, wenn eine KI alles "unpassende" für mich rausfiltert?
    23 1 Melden
    • sebi25 09.05.2018 12:27
      Highlight Geht mir auf Spotify so. Wenn ich nur die Musik hören soll, die ich schon höre, finde ich nie etwas neues.
      Wobei Spotify hier viele alternativen Vorschlägt (über Genre suche), benutze ich sie aus bequemlichkeit nie...
      2 0 Melden
  • Matti_St 09.05.2018 07:56
    Highlight Ich vermisse noch Google Lens im Artikel. Ob man das braucht ist Ansichtssache, aber cool ist die App.
    12 0 Melden
    • @schurt3r 09.05.2018 08:10
      Highlight Ja, guter Punkt.

      Google habe sich «vergleichsweise lange mit Smartphone-Kameras» befasst, konstatiert heise.de. Die automatische Bildanalyse werde in der Zukunft eine grössere Rolle spielen.

      https://bit.ly/2K8sMKp
      9 0 Melden

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