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Apples Streamingdienst verschlägt der Konkurrenz die Sprache

Es kommt wie erwartet, und doch ist die Branche in Aufruhr: Bei der Entwicklerkonferenz WWDC hat Apple seinen neuen Streamingdienst Apple Music angekündigt. Umfang und Art des Angebots dürften der Konkurrenz das Leben schwer machen.

Matthias Kremp, san francisco / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Die Reaktion von Daniel Ek war denkbar knapp: «Oh Ok» twitterte der Spotify-Chef wortkarg und verblüfft, nachdem Apple angekündigt hatte, in sein Geschäft einzusteigen: Der Konzern geht mit Apple Music an den Start.

Nachdem Eks Tweet binnen Minuten vielfach weiterverbreitet worden war, löschte der Spotify-Manager ihn wieder.

Kein Wunder, dass es Ek erstmal die Sprache verschlägt: Ende Juni will Konkurrent Apple mit seinem Streaming-Angebot in hundert Ländern starten. Der Monatspreis, der den unbegrenzten Zugriff auf 30 Millionen Songs sichert, beträgt 9.99 Dollar, ist damit derselbe wie bei Spotify und Co. Allerdings hat Apple noch ein attraktives Zusatzangebot: Für 14.99 Dollar gibt es ein Abo für Familien mit bis zu sechs Mitgliedern.

Der Schwerpunkt von Apple Music liegt klar auf kuratierten Inhalten. Von Musikexperten zusammengestellte Playlisten sollen es Anwendern leicht machen, neue Musik zu finden, die zum ihrem Geschmack passt. Das Konzept erinnert ein wenig an das, was früher einmal Radiostationen gemacht haben, wenn sie, statt nur Top40-Songs zu spielen, ihren Zuhörern neue Platten, neue Künstler vorgestellt haben.

SAN FRANCISCO, CA - JUNE 08:  Apple's senior vice president of Internet Software and Services Eddy Cue (R) greets Apple CEO Tim Cook (L) during the Apple WWDC on June 8, 2015 in San Francisco, California. Apple annouced a new OS X, El Capitan, iOS 9 and Apple Music during the keynote at the annual developers conference that runs through June 12.  (Photo by Justin Sullivan/Getty Images)

Apple setzt auf kuratierte Inhalte. Bild: Getty

Dazu passt auch, dass Apple mit Apple Music auch eine neue Live-Internetradiostation einführen will. Der Sender trägt die Bezeichnung Beats One und soll mit verschiedenen DJs aus New York, Los Angeles und London ein Live-Programm liefern, das 24 Stunden am Tag läuft und neben Musik beispielsweise auch Interviews mit Künstlern beinhalten soll.

Apps für iOS und Google-Smartphones

Statt für Apple Music eine eigene App zu programmieren, sind die neuen Funktionen in eine übrarbeitete Version der Musik-App von iOS integriert worden, die mit der Einführung des Dienstes ausgeliefert werden soll. Vieles in dieser App erinnert an Funktionen, die man schon in der App von Beats Music nutzen konnte.

Zur Erinnerung: Vor einem Jahr hatte Apple Beats Electronics für drei Milliarden Dollar übernommen. Jetzt bestätigen sich Vermutungen, dass Apple es dabei vor allem auf den Streamingdienst Beats Music abgesehen hatte. Für Googles Android allerdings wird Apple eine eigene Apple-Music-App herausbringen. Sie soll im Herbst erscheinen.

In der Android-App wird man aber eines der charmanten neuen Features von Apple Music nicht verwenden könne: Die Siri Integration. Apples sprachgesteuerte Assistenzfunktion versteht mit der neuen Musik-App jetzt auch Befehle wie: «Spiel ‹Born to run›», «Spiel den Top-Titel von März 1968», «Spiel die Alternative-Top10.»

SAN FRANCISCO, CA - JUNE 08:  Apple's senior vice president of Internet Software and Services Eddy Cue speaks about Apple Music during Apple WWDC on June 8, 2015 in San Francisco, California. Apple annouced a new OS X, El Capitan, iOS 9 and Apple Music during the keynote at the annual developers conference that runs through June 12.  (Photo by Justin Sullivan/Getty Images)

Apple Music kommt im Herbst sogar auf Android. Bild: Getty 

Ein «Wendepunkt»

Doug Morris, Chef von Sony Music, bezeichnete die Einführung des neuen Angebots schon am Sonntag als «Wendepunkt», der das Wachstum von Streamingangeboten beschleunigen werde. Damit hat er unzweifelhaft recht. Marktführer Spotify hat es seit seiner Gründung 2006 auf 60 Millionen Nutzer gebracht, von denen 15 Millionen Bezahlabos gebucht haben.

Apple dagegen meldete 2014 bereits 800 Millionen iTunes-Konten, «die meisten davon mit Kreditkarte». Mittlerweile dürften noch einige dazu gekommen sein. Das ist eine gewaltige Zahl potenzieller Streamingnutzer, für die der Zugang zu dem neuen Angebot nur ein paar Mausklicks weit entfernt ist.

Doug Morris glaubt, dass Apple sein Angebot ausserdem «wie verrückt bewerben wird.» Diese Werbung und die Berichterstattung über Apple Music werden dafür sorgen, dass das Thema Musikstreaming geradezu in die Köpfe der Menschen gehämmert wird. Bald wird jeder wissen, was Streaming ist, wie man es benutzt und was es kostet.

Zwar werden viele den Begriff dann auch mit Apple gleichsetzen, ähnlich wie iTunes lange synonym für Download-Musik stand. Doch Morris ist sicher, dass auch die anderen Musik-Streaminganbieter von Apples Markteintritt profitieren werden. «Wenn die Flut kommt, hebt sie alle Boote an», sagte er.

SAN FRANCISCO, CA - JUNE 08:  Apple's senior vice president of Internet Software and Services Eddy Cue speaks during the Apple WWDC on June 8, 2015 in San Francisco, California. Apple annouced a new OS X, El Capitan, iOS 9 and Apple Music during the keynote at the annual developers conference that runs through June 12.  (Photo by Justin Sullivan/Getty Images)

Der Preis ist gleich wie bei der Konkurrenz. Bild: Getty

Apple muss damit nicht reich werden

Allerdings sind die Ausgangspunkte sehr unterschiedlich. Bei einem Umsatz von 1,3 Milliarden Dollar machte Spotify im vergangenen Jahr 197 Millionen Euro Verlust. Mit dem Geldverdienen klappt es also nicht einmal beim Marktführer so richtig. Und trotzdem wird das schwedische Unternehmen mit acht Milliarden Dollar bewertet.

Für Apple aber ist es viel einfacher: Der kalifornische Konzern muss mit seinem Angebot gar kein Geld verdienen. Der iTunes Store und der App Store dienen in erster Linie dazu, Kunden an Apples Plattformen zu binden und damit den Verkauf der viel profitableren Apple-Hardware anzukurbeln. Genau so ist es auch mit Apple Music.

Wer profitiert davon noch?

Dass sich auch die Musikindustrie über Apples Markteintritt freuen wird, steht ausser Frage. Im März meldete der Bundesverband Musikindustrie, mit einer Steigerung um 78,6 Prozent seien Streamingangebote «entscheidend verantwortlich für das Wachstum des Musikmarktes 2014» gewesen. Musik-Downloads gingen im selben Zeitraum dagegen leicht zurück, ein Trend, den Apple deutlich zu spüren bekommen hat.

Fraglich bleibt bei all dem, ob Musiker einen Grund haben, sich über Apple Music zu freuen. Schon vor zwei Jahren beklagten Stars um Radiohead-Sänger Thom Yorke, dass vor allem weniger bekannte Bands bei Streaming-Angeboten finanziell schlecht wegkämen. Im Mai sagte Matt Bellamy von der Band Muse, dass digitale Musikangebote, gemeint sind Streaming- und Download-Anbieter, das Konzept des Albums zerstörten. Keine besonders originelle oder neue These, wohl aber eine richtige.

Zusammengefasst: Apple startet ab 30. Juni einen Streaming-Dienst in gut 100 Ländern. Der Monatspreis, der den unbegrenzten Zugriff auf 30 Millionen Songs sichert, beträgt 9.99 Dollar. Ein Familienpaket für bis zu sechs Personen kostet 14.99 Dollar.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Heimatlos 09.06.2015 20:29
    Highlight Highlight Wenn AppleMusic nachhaltiger arbeitet wie Spotify, dann werde ich wechseln. Die von Spotify arbeiten ja nicht mit sauberem Strom. Apple hingegen zum grossen Teil schon..
    2 1 Melden
  • Menel 09.06.2015 11:01
    Highlight Highlight Ich hörte Musik über Grooveshark, leider wurde der Dienst Ende April eingestellt 😔
    3 1 Melden
  • The Writer Formerly Known as Peter 09.06.2015 10:29
    Highlight Highlight Ich nutze Google Musil all access... hab bisher nichts gesehen, was mich von da wegbringen könnte. Keine Killer features... die moderierten Playlist bietet Google auch. Ausserdem wird der Algorithmus laufend verbessert. Da macht Google niemand etwas vor. Wahrscheinlich wird der Apple Dienst sowieso im völlig überfrachteten iTunes gespielt. Für mich ein no go... ich will nie mehr dieses Schrottprogramm nutzen müssen.
    18 11 Melden
  • Xi Jinping 09.06.2015 10:28
    Highlight Highlight Die Frage ist, ob die selbe DB wie bei iTunes benutzt wird. Da zurzeit bei Spotify z.B. Rammstein nicht verfügbar ist resp. nur sehr eingeschränkt, könnte ich mir vorstellen wenn die iTunes DB benutzt wird als Android Benutzer auf Apple Music zu wechseln....
    5 1 Melden
    • Julian Peter 09.06.2015 18:41
      Highlight Highlight Rammstein ist doch schon lange bei spotify verfügbar
      1 0 Melden
    • Xi Jinping 10.06.2015 08:00
      Highlight Highlight Auf das wurde ich gestern hingewiesen :D
      1 0 Melden
  • fischbrot 09.06.2015 10:00
    Highlight Highlight Erstaunlich, dass Google Music so kaum existent ist.. dabei dürfte der Preis im Verhältnis zur Anzahl verfügbarer Songs am besten sein.. Oder sehe ich das falsch? Lasse mich gerne belehren..
    13 0 Melden
    • dokugamer 09.06.2015 11:02
      Highlight Highlight Gute Frage :) Bekanntlich hat Apple einfach sehr gute Verträge mit der Musikindustrie. Gerade Spotify hat damit zu kämpfen. Z. B. AC DC fehlt. Laut Apple soll ja die ganze iTunes Store Musik erhältlich sein. Welche Vor- oder Nachteile gegenüber dem Google Dienst vorhanden sind, wird sich vermutlich noch zeigen ;)
      2 0 Melden
  • Durtydawg 09.06.2015 09:09
    Highlight Highlight Könntet ihr vielleicht mal anzeigen wieviele Leute bei Umfragen mitgemacht haben? Ist sonst nicht besonders repräsentativ.
    19 0 Melden
    • azim 09.06.2015 10:39
      Highlight Highlight +1
      3 1 Melden
    • Laurent 09.06.2015 10:42
      Highlight Highlight vielen dank für den input, marco. wir nehmen's gerne auf.
      5 0 Melden
  • _mc 09.06.2015 09:02
    Highlight Highlight ist wohl eher ein belächelndes "oh ok"... ein wahrer spotify-killer wird es nur wenn wirklich der gesamte itunes-katalog gestreamt werden kann, aber das ist ja trotz spiegel-hype noch nicht klar...
    17 4 Melden
  • Blissfully 09.06.2015 08:47
    Highlight Highlight Ich bin noch skeptisch.
    1. Offline-Modus darüber ist kein Wort gefallen.
    2. Musikangebot, reiner Mainstream?

    Ich werde die 3 Monate kostenlos testen danach weiterschauen
    10 2 Melden
    • EinePrieseR 09.06.2015 10:27
      Highlight Highlight Offline Modus ist gemäss Apple Homepage möglich:
      http://www.apple.com/chde/music/membership/
      Da steht: "Save for offline listening"
      Das Musikangebot wird sich zeigen. Bei 30 Mio. Songs dürfte aber nicht nur Mainstream dabei sein und Apple hat ja auch angekündigt, dass man unbekannte Künstler fördern will. Hast du ausserdem Songs auf dem Mac/PC die Apple Music nicht kennt, so werden diese in die iCloud geladen und auch eingebunden.
      14 1 Melden

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