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Red Star OS 3.0: Das Betriebssystem made in Nordkorea sieht aus wie Apples Mac OS X, basiert aber auf Linux.
bild: Grunow/Schiess

Nordkorea hat Apples Mac-Betriebssystem geklont. So funktioniert die Kopie​

Es basiert auf Linux und sieht aus wie Apples Mac OS X: Deutsche Sicherheitsforscher haben Red Star untersucht, ein Betriebssystem aus Nordkorea. Beim Hackertreffen 32C3 präsentieren sie ihre Erkenntnisse.

Markus Böhm / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Wenn die IT-Sicherheitsforscher Florian Grunow und Niklaus Schiess über ihr vielleicht exotischstes Untersuchungsobjekt sprechen, klingen sie mitunter beeindruckt. «Da ist schon viel Hirnschmalz reingeflossen», sagt Niklaus Schiess, «das waren nicht die typischen Amateure, die mit einer Technologie von vor 15 Jahren arbeiten.»

Grunow und Schiess haben gemeinsam ein Betriebssystem namens Red Star OS 3.0 (Red Star) analysiert, eine Software des staatlichen Korea Computer Centers mit Hauptsitz in Pjöngjang. Nordkoreas Staats-Windows könnte man vereinfacht sagen, wobei der Vergleich doppelt hinkt: einerseits, weil Red Star auf Linux basiert. Anderseits, weil die Version 3.0 optisch und von der Bedienung her unverkennbar Mac OS X ähnelt, dem Betriebssystem von Apple. Einige Eindrücke vermittelt unsere Fotostrecke.

So funktioniert Nordkoreas Apple-Kopie

Dass Nordkorea ein eigenes Betriebssystem entwickelt hat, ist seit einigen Jahren bekannt - und für Grunow und Schiess so faszinierend wie konsequent. Denn während Nordkoreas Bürgern wohl vor allem Windows XP oder 7 im Einsatz haben, ist bei Regierungsrechnern vermutlich mehr Vorsicht nötig.

«Nordkorea muss sich wohl immer die Frage stellen, wo seine Windows-Versionen gekauft oder heruntergeladen wurden», sagt Grunow, und ob es in der entsprechenden Version vielleicht Hintertüren für die amerikanische Regierung gibt. Aus diesem Grund ergebe es «total Sinn, selbst ein System zu bauen, in das die Regierung vollen Einblick hat oder das sie zumindest so abschotten kann, dass sie ihm mehr trauen kann als Windows oder Mac OS».

Internetsurfen ist möglich

Vor gut einem Jahr ist erstmals eine Installationsdatei von Red Star 3.0 im Netz aufgetaucht: Experten schätzen, dass das System zwischen 2011 und 2013 gebaut wurde. Der Installationsdatei widmete unter anderem das deutsche IT-Portal «Golem» einen Artikel. «Obwohl Red Star OS einige Eigenarten hat, konnten wir das System weitgehend so anpassen, dass wir damit sogar in englischer Sprache im weltweiten Internet surfen konnten», schrieb das «Tech-Magazin» im Januar.

«In den meisten Berichten und Blogposts ging es vor allem darum, wie das System aussieht und was man damit machen kann», erinnert sich Florian Grunow, der wie Schiess beim Heidelberger IT-Sicherheitsdienstleister ERNW arbeitet. «Wir wollten aber tiefer hineingucken und Fragen beantworten wie: Ist da was zur Überwachung oder zur Nachverfolgung eingebaut?»

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Red-Star-Wallpaper: Keine Sternstunde der professionellen Bildbearbeitung
bild: Grunow/Schiess

Geschätzt einen Monat Arbeitszeit haben Grunow und Schiess mittlerweile mit dem Analysieren von Red Star OS verbracht, daraus ergab sich unter anderem ein Blogpost. In Hamburg stehen die Forscher jetzt beim Hackertreffen 32C3 auf der Bühne, um von ihrer Arbeit zu berichten.

«Red Star ist ein vollumfängliches Desktop-Betriebssystem.»

Die grundsätzlichen Erkenntnisse ihrer Arbeit haben die Forscher watson-Partner SPIEGEL ONLINE bereits vorab verraten:

Von einer Nutzung der Software über die Forschung hinaus raten die Experten trotzdem ab. «In meinem privaten Freundkreis sagten einige Leute, in Red Star gebe es doch bestimmt keine NSA-Hintertüren», erzählt Florian Grunow. «Man muss jedoch bedenken, dass an dem System viel verändert worden ist: Es ist durchdrungen von Code, den die Nordkoreaner geschrieben haben. Da lässt sich nicht einfach so sagen, dass alles gut und sauber ist; wir können ja nicht in den Quellcode schauen. Benutzen würde ich es daher auf keinen Fall.»

Mit ihrem Vortrag beim 32C3 wollten die Forscher nun auch andere Experten und Hacker motivieren, sich mit dem Betriebssystem zu beschäftigen - etwa im Hinblick auf Hintertüren, die sich noch tiefer im System verstecken könnten, im sogenannten Kernel. Damit der Einstieg leichter fällt, werden Grunow und Schiess ihre bisherigen Ergebnisse online zur Verfügung stellen.

LesetippDas ist das Betriebssystem, ​das Windows in China ersetzen soll

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