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In this photo released by Lucasfilm, a developer demonstrates the Angry Birds Star Wars game, available on Nov. 8, at the game's reveal event at Toys

Bild: AP Lucasfilm

Big data-brother

«Angry Birds» spionieren Sie aus

Spiele, Karten-Apps und soziale Netzwerke: Die Geheimdienste NSA und GCHQ sammeln über Apps wie «Angry Birds» Alter und Aufenthaltsort der Nutzer – und sexuelle Präferenzen.

Ein Artikel von

Spiegel Online

New York – Die NSA und ihr britisches Gegenstück GCHQ haben laut Zeitungsberichten auch Daten im Visier, die von Apps über die Nutzer gesammelt werden. Als ein Beispiel nannte die «New York Times» am Montag das populäre Spiel «Angry Birds».

Die beiden Geheimdienste lauerten im Hintergrund, um auf Informationen wie Orte, Alter oder Geschlecht der Spieler zuzugreifen, hiess es. Der britische «Guardian», die «New York Times» und die Plattform «ProPublica» hatten dies am Montagabend übereinstimmend veröffentlicht - die Informationen stammen den Berichten zufolge aus Unterlagen von Edward Snowden.

Den Dokumenten zufolge haben die Geheimdienste gezielt Werkzeuge entwickelt, die es erlauben, einen Vorteil aus der lückenhaften Sicherheit vieler Apps zu ziehen. «Angry Birds» beispielsweise übertrage private Informationen der Nutzer über das Internet, wie die als streng geheim eingestuften Unterlagen belegen. Diese Daten reichen vom Modell des Smartphones und der Bildschirmgrösse bis hin zu persönlichen Informationen wie dem Alter, dem Geschlecht und dem Aufenthaltsort. Manche Apps teilten demnach sogar die sexuelle Orientierung und spezielle sexuelle Präferenzen der User mit.

«Jeder, der Google Maps nutzt, arbeitet für den GCHQ»

Doch nicht nur Spiele-Apps, sondern auch soziale Netzwerke und vor allem Kartendienste werden von den Geheimdiensten angezapft. Über Google Maps und andere Karten-Apps sollen die Geheimdienste Daten gesammelt haben. Und es soll eine Datenbank gebildet werden, die den Ort jedes Mobilfunkmasts auf der Welt kennt, so dass per Übermittlung der Masten-ID des Smartphones sofort auf dessen Standort geschlossen werden kann. In einem Dokument hiess es gar: «Das bedeutet im Endeffekt, dass jeder, der Google Maps auf dem Smartphone nutzt, für das GCHQ arbeitet.»

Zugleich bleibe das Ausmaß der Datensammlung mit Hilfe von Apps anhand der vorliegenden Dokumente unklar, schränkte die «New York Times» ein. In den internen Präsentationen würden Quellen wie «Social Apps», «Geo-Apps» oder Daten aus mobiler Werbung genannt. Dort heisse es auch, diese Daten könnten Fragen beantworten wie etwa: «Wo war meine Zielperson, als sie das gemacht hat?» oder »Wohin ist meine Zielperson unterwegs?»

Mit dem Einverständnis der Nutzer 

Dass vor allem kostenlose Apps nebenbei viele Daten über Nutzer erheben, ist schon lange ein Thema. Als klassisches Beispiel gilt eine Anwendung, die den Smartphone-Blitz als Taschenlampe leuchten liess – und nebenbei Informationen wie den aktuellen Ort und die Identifikationsnummer des Geräts abgriff. Die Android-App war mindestens 50 Millionen Mal heruntergeladen worden. Solchen datenhungrigen Anwendungen werden zunehmend Riegel vorgeschoben. Aber viele Apps sammeln die Daten auch mit ausdrücklichem Einverständnis der Nutzer, zum Beispiel die von sozialen Netzwerken oder Kartendiensten.

Dass die NSA gezielt Späh- und Schadsoftware für Mobiltelefone entwickelt, hatte der SPIEGEL bereits vergangenen Sommer berichtet. Ende Dezember 2013 veröffentlichten der SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE einen hausinternen Katalog der NSA, der neben vielen anderen Spähwerkzeugen auch eigens für bestimmte Smartphone-Betriebssysteme wie Apples iOS entwickelte Spionagesoftware enthält.

Ein weiterer Mosaikstein

Die neuen Enthüllungen fügen somit einen weiteren Mosaikstein zum Wissen über das grosse Überwachungssystem der NSA hinzu. Bereits bekannt geworden war, dass der US-Geheimdienst verschiedene Arten elektronischer Kommunikation abgreift, ebenso begleitende Informationen zu Telefonanrufen, sogenannte Metadaten, Inhalte von Adressbüchern und zumindest in der Vergangenheit auch den internen Datenverkehr zwischen Rechenzentren von Internet-Konzernen wie Google und Yahoo. 

Als US-Präsident Obama Ende vorvergangener Woche ans Rednerpult trat, um moderate Einschränkungen hinsichtlich der Möglichkeiten der NSA anzukündigen, war primär von Telefon-Metadaten innerhalb der USA die Rede. Die Internet-Ausspähmöglichkeiten der NSA erwähnte Obama hingegen kaum, von den zusätzlichen Informationen, die gerade Mobiltelefone über Nutzer in aller Welt liefern können, und erst recht den offensiven Cyberwar-Kapazitäten der NSA ganz zu schweigen.



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