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Keine Gegner, keine Waffen, keine Rätsel – genau deshalb ist das Spiel «Everybody's Gone to the Rapture» ein Vergnügen

Keine Gegner, keine Waffen, keine kleinen Rätsel: Das Entwicklerstudio The Chinese Room spart sich fast alles, was Videospiele ausmacht. Gerade deshalb sind die Spiele ein Vergnügen – auch das neue «Everybody's Gone to the Rapture».

Tobias Hanraths / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Hübsche Häuser inmitten grüner Wälder unter blauem Himmel. Zwei Pubs, gepflegte Vorgärten, ein plätschernder Bach. Im englischen Shropshire ist die Welt noch in Ordnung. Dass hier etwas nicht stimmt, merken Besucher erst bei genauem Hinsehen: Autos stehen verlassen auf der Strasse, ein entgleister Zug liegt auf den Schienen, Plakate warnen vor einer Epidemie. Und nirgendwo ist eine Menschenseele zu sehen.

Was ist hier passiert? Das ist das zentrale Rätsel von «Everybody's Gone to the Rapture», dem neuen Spiel des britischen Entwicklerstudios The Chinese Room für die Playstation 4.

Der Spieler selbst hat nur sehr beschränkte Möglichkeiten, das Geheimnis zu enthüllen. Aus der Ego-Perspektive steuert er seine namenlose Figur durch Shropshire und die umliegenden Wälder. Rätsel gibt es keine zu lösen, nirgendwo lauert ein Gegner. Per Tastendruck lassen sich nur ein paar Türen öffnen und Telefone oder Radios bedienen.

Die Bewohner spuken weiter

Und doch wird mit der Zeit langsam klar, wohin Shropshires Einwohner verschwunden sind. Dafür sorgen erstens kleine Hinweise in der Umgebung, etwa zurückgelassene Koffer am Strassenrand, zweitens die Bewohner selbst. Als geisterhafte Lichtgestalten spuken sie weiter durch den Ort und durchleben die letzten Stunden vor der Katastrophe in einer Endlosschleife. Mit der Zeit enthüllt der Spieler so nicht nur Shropshires grosses Mysterium, sondern auch seine kleinen Geheimnisse. Eindrücke von der Spielwelt liefert unsere Fotostrecke.

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Die Welt von «Dear Esther»: Eine aufwühlende Reise. bild: dearesther

Wenig Interaktion, eine hübsche Spielwelt und eine in Schnipseln erzählte Geschichte: Das war auch die Idee hinter «Dear Esther», dem Erstlingswerk von The Chinese Room. Seitdem ist das Spielprinzip in den Titeln vieler Entwickler aufgetaucht, darunter das humorvolle «The Stanley Parable» von Galactic Café oder das mit Preisen überhäufte «Gone Home» von The Fullbright Company. Und auch der Indie-Hit «Journey» von Thatgamecompany kann seine Verwandtschaft zu «Dear Esther» nicht verleugnen.

Der Erfolg solcher Titel gefällt nicht allen Spielefans, das zeigt ein Blick in Nutzer-Bewertungen und einschlägige Foren. Als «Spaziergang-Simulator» werden die Spiele gern verteufelt, als verkopfte Kritikerlieblinge, die oft schon nach kurzer Zeit vorbei sind. Auch in «Everybody's Gone to the Rapture» ist nach etwa vier Stunden Schluss.

Besondere Erlebnisse

Wer sich auf die Spiele einlässt, erlebt dort aber Dinge, die es so nirgendwo gibt: «Journey» entfaltet mit toller Grafik und noch besserem Soundtrack fast meditative Qualität. «Gone Home» erzählt ein anrührendes Familiendrama, verpackt in viel 90er-Jahre-Nostalgie. Und so liebevoll und boshaft wie in «The Stanley Parable» werden die Konventionen der Spielewelt sonst nie auf die Schippe genommen.

In die Wildnis: Im Verlauf von „Everybody’s Gone to the Rapture“ erkundet der Spieler nicht nur ein Dorf, sondern auch die umliegenden Wälder und Felder.

Erkundungstour in «Everybody's Gone to the Rapture»: Was ist hier passiert? Bild: sony

«Everybody's Gone to the Rapture» begeistert derweil mit seiner Geschichte. Das grosse Weltuntergangsdrama rückt dabei schnell in den Hintergrund, die zentrale Rolle spielen die Sorgen einzelner Dorfbewohner: Der Priester, der über den Ereignissen verzweifelt. Die besorgte Mutter auf der Suche nach ihrem Sohn. Der Bauer, der um seine vor kurzem verstorbene Frau trauert. Untermalt werden die toll geschriebenen und gespielten Alltagsdramen von einem eindrucksvollen Soundtrack, der mit seiner Mischung aus Orchesterstücken und Chorgesang gut zu den religiösen Untertönen der Geschichte passt.

Der Spieler hat viel Freiheit

Ausserdem zeigt «Everybody's Gone to the Rapture», dass Spaziergang-Simulatoren nicht anspruchslos sein müssen: Welche Teile des Orts der Spieler zunächst erkundet, ist ihm weitgehend selbst überlassen. Da in der Fülle von Charakteren und Ereignissen den Überblick zu behalten, ist nicht immer einfach. Vor allem verlangt das Spiel aber viel Geduld. Denn die Spielfigur bewegt sich nur im Schneckentempo durch Shropshire.

Und auf den letzten Metern verliert The Chinese Room leider das Vertrauen in seine eigenen Erzählkünste: Statt vielsagender Dialoge gibt es plötzlich esoterische Monologe, die dem Spieler eine Interpretation der Geschehnisse vorkauen. Den positiven Gesamteindruck reissen die Briten damit aber nicht mehr ein, dafür haben sie in den ersten paar Stunden des Spiels zu viel richtig gemacht – ganz ohne Gegner und Waffen.

«Everybody's Gone to the Rapture», für Playstation 4, circa 20 Franken, ab 12 Jahren

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • arpa 16.08.2015 17:26
    Highlight Highlight ich game um virtuell etwas zu tun, was sonst nicht geht. sei es ein flugzeug fliegen oder terroristen töten. in einer schönen landschaft spazieren und die probleme der gesellschaft sehe kann ich real.
    ich sehe den sinn dieses spiels nicht ein..
    2 2 Melden
  • shivertrip 15.08.2015 18:01
    Highlight Highlight Das Spiel ist einfach nur Wunderschön!
    4 0 Melden
  • Nicosinho 14.08.2015 21:29
    Highlight Highlight schnaaaaaaarch.....
    11 12 Melden
    • Lil'Ecko 16.08.2015 08:19
      Highlight Highlight iverstande;) niemand zu killen, keine Tore zu schiessen?! laaangwweilig!
      7 0 Melden

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