Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Notify: Mit dieser Push-Nachrichten-App will Facebook die Apps von watson, Blick oder NZZ überflüssig machen

Medienberichten zufolge will Facebook eine Nachrichten-App auf den Markt bringen. Push-Meldungen diverser Medien sollen darin nach den Wünschen der Nutzer zusammengestellt werden. Das passt zu Facebooks Umarmungsstrategie gegenüber Medien.

Christian Stöcker / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Das mobile Internet krempelt so einiges um. Auch, schon wieder, die Art, wie Menschen Journalismus konsumieren. Ein zentrales Element in der Strategie vieler Medienunternehmen – auch bei watson – sind dabei die sogenannten Push-Nachrichten: Schlagzeilen, die ohne aktives Zutun des Nutzers auf dem Sperrbildschirm seines Smartphones landen, so er sie denn abonniert hat. Eine Push-Nachricht kann, wenn sie wirklich relevant erscheint, in kürzester Zeit Zehntausende Leser in eine App locken.

Deshalb gilt der Sperrbildschirm als heiliger Ort, nicht nur für Medienhäuser, sondern auch für andere App-Entwickler: Wer dort eingelassen wird, hat direkten Zugang zum Besitzer des Telefons, auch in privatesten Momenten. Eine App, die Mitteilungen auf den Sperrbildschirm schicken darf, hat bessere Chancen, im Leben des Nutzers über längere Zeit eine Rolle zu spielen: Schau mal hier, ein neuer Level in deinem Lieblingsspiel. Schau mal da, das von dir beobachtete Auktions-Angebot endet bald.

Push-Nachrichten bei watson

Natürlich können Push-Nachrichten leicht aufdringlich wirken. Nutzer der watson-App können daher in den App-Einstellungen entscheiden, ob sie nur Eilmeldungen oder zusätzlich News aus den Bereichen Sport und Picdump erhalten wollen. Gut konfigurierbare Push-Dienste sind für Nutzer und Medium gleichermassen wertvoll.

Andrew Phelps, der für die «New York Times» am Thema Push-Nachrichten arbeitet, sagte dem Branchendienst «Digiday» kürzlich: «Eine wachsende Zahl von Nutzern erreichen wir nur noch dann, wenn wir ihnen einen Push schicken.» Die NYT lässt derzeit ein elfköpfiges Team Strategien für den Sperrbildschirm entwickeln.

«Dutzende» Medien machen bei Notify mit

Facebook ist auf diesem Sperrbildschirm bei vielen seiner Abermillionen Nutzer schon jetzt vertreten, mit Nachrichten aus dem Netzwerk oder über den Facebook Messenger. Aber diversen Medienberichten zufolge soll es dabei nicht bleiben: Facebook arbeitet, berichten zum Beispiel die «Financial Times» und «The Awl», an einer eigenen App namens Notify, speziell für breaking news, aktuellste Nachrichten also.

In dieser App wird man, ersten veröffentlichten Screenshots zufolge, aus unterschiedlichen Medien auswählen können. Ausserdem soll es diesen Screenshots zufolge «Stations» und «Substations» auswählen können, im Beispiel etwa Push-Benachrichtigungen der «Huffington Post» zum Thema US-Wahl 2016.

Der «Financial Times» zufolge testet Facebook diese App gerade in Zusammenarbeit mit Dutzenden von Medienpartnern, darunter die «Vogue», die «Washington Post» und CBS.

Image

In der Facebook-App Notify kann man voraussichtlich Push-Nachrichten ausgesuchter Medien abonnieren...
bild: theawl

Image

und erhält entsprechenden die Breaking News verschiedener Medien – ohne die entsprechenden News-Apps installieren zu müssen.
bild: theawl

Für die Medienunternehmen, die sich an dem Projekt beteiligen, ist die Zusammenarbeit mit Facebook – wieder einmal – ein zweischneidiges Schwert. Ein Nutzer, der sich für Push-Nachrichten künftig auf die Facebook-App verlässt, wird womöglich kein Interesse mehr daran haben, die Push-Nachrichten einzelner Medien zu abonnieren. Die aber werden, wie gesagt, immer wichtiger.

Warum vier Mal die gleiche Nachricht verschicken?

Zwar sollen auch die Push-Benachrichtigungen in der Notify-App den Nutzer am Ende auf die Seiten der jeweiligen Medien leiten. Doch gleichzeitig gewinnt der Netzwerk-Konzern damit noch mehr Macht im globalen Mediensystem.

Ein fiktives Beispiel: Ein Nutzer abonniert die Top-Nachrichten von drei oder vier grossen Nachrichtenmedien, sagen wir, der «New York Times», von CNN, der «Washington Post» und NBC News. Dann passiert auf der Welt etwas, das nach einer Push-Benachrichtigung verlangt. Es wäre ein Dienst am Nutzer, ihm vier verschiedene, aber im Endeffekt gleichlautende Push-Meldungen zum Thema «Erdogan gewinnt die absolute Mehrheit in der Türkei» zu ersparen. Warum also nicht drei der vier gleichlautenden Meldungen weglassen? So etwas könnte ein Algorithmus mit Leichtigkeit erledigen. Bleibt die Frage, welche Meldung, welches Medium dann durchkommt.

Nach den sogenannten Instant Articles, also Artikeln von Medienunternehmen, die direkt innerhalb der Facebook-App angezeigt werden, ist Notify der nächste Versuch Facebooks, sich zum allgegenwärtigen Vermittler zwischen Medien und ihren Nutzern zu machen. Auch der watson-Partner Spiegel Online zum Beispiel veröffentlicht ausgewählte Artikel als Instant Articles.

Natürlich spräche aus Facebooks Sicht auch nichts dagegen, Nutzer aus der Notify-App über eine Schlagzeile lieber zum Instant Article in der eigenen Facebook-App zu leiten als auf die Website des jeweiligen Mediums.

Notify soll allen bisherigen Berichten zufolge eine Stand-alone-App sein, also unabhängig von der Facebook-App. Für diejenigen Medien, die Herr ihrer eigenen Push-Nachrichten bleiben möchten, ist das eine gute Nachricht: Facebooks Extra-App-Versuche waren bislang selten von Erfolg gekrönt. Der Snapchat-Klon Slingshot zum Beispiel floppte, das von Flipboard inspirierte Paper ebenfalls. Die Apps Poke und Camera sind sogar schon wieder beerdigt.

Sollte Notify aber ein Erfolg werden, wird die App im Konzert mit Instant Articles Facebooks Machtposition gegenüber Medienunternehmen weiter stärken.

Umfrage

Wo möchtest du News am liebsten lesen?

  • Abstimmen

2,177 Votes zu: Wo möchtest du News am liebsten lesen?

  • 2%Facebook
  • 54%News-App
  • 19%Webseite
  • 25%Zeitung (kleiner Scherz)

Wie Apple, Google und Facebook entscheiden, was wir lesen – und was nicht

Jetzt kannst du News direkt auf Facebook lesen. 8 Gründe, warum dies mehr Spass macht als auf Newsportalen – und 8 Gründe, warum das stinkt​

Link to Article

Die digitale Medienrevolution hat erst gerade begonnen und das sind die 3 wichtigsten Trends

Link to Article

Facebook erklärt seine Spielregeln: Pobacken und Brustwarzen nein, die Vagina von Courbet ja

Link to Article

Darum muss Google zerschlagen werden

Link to Article

Wie die Popstars aus den Kinderzimmern mit YouTube Millionen verdienen

Link to Article

Facebook macht jetzt Journalismus: Warum wir uns der Realität nicht verweigern können

Link to Article
Alle Artikel anzeigen

Die Krux mit den Hasskommentaren auf Facebook

Wegen dieses Bildes hat Facebook meinen Account gesperrt #JeSuisCharlie

Link to Article

«Hier löschten Fachkräfte» – so reagiert das Internet auf die Facebook-Sperre von Mörgeli

Link to Article

Der Herr gibt, der Herr nimmt: Was kann man gegen die Sperrung seines Facebook-Kontos machen? NICHTS

Link to Article

Du bist im Besitz von männlichen Nippeln? Glück gehabt, dann darfst du dich auf Facebook und Instagram brüsten (haha)

Link to Article

Abonniere unseren Newsletter

23
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Daniel Caduff 09.11.2015 15:47
    Highlight Highlight Schaut Euch mal das Schweizer Konzept von "deshit.ch" an. Innovatives Konzept, dass (zumindest für Schweizer Medien) eine komplett personalisierbare Mediennutzung ermöglicht.
  • imo 07.11.2015 13:49
    Highlight Highlight Aber im Endeffekt sind die Medien auch ohne FB nicht frei!

    "Die Aufgabe der Journalisten ist es, die Wahrheit zu zerstören, gerade heraus zu lügen, zu verdrehen, zu verunglimpfen, vor den Füßen des Mammons zu kuschen und sein Land und seine Rasse um sein tägliches Brot zu verkaufen. Sie wissen es und ich weiß es_"
    - John Swinton, (1830-1901), Herausgeber und Chefredakteur der New York Times, vor Redakteuren im Jahr 1889
  • Crecas 07.11.2015 12:38
    Highlight Highlight Wenn die App wirklich gut ist, dann würde ich sie sicherlich ausprobieren.

    Ich verstehe den Anti-Facebook Reflex der User hier nicht ganz. Ich bin jeweils froh, wenn die viel Geld in die Hand nehmen und neue Sachen entwickeln. Die grossen Tech-Giganten haben mehr Mittel und die besseren Köpfe, als jedes Medienhaus. Davon kann man als User profitieren (wie extrem viele Beispiele aus dem Google oder Microsoft Universum beweisen, gmail, google calendar, skype, google docs).

    Es geht ja nicht darum die News auf FB zu lesen... Mal abwarten und sehen, wie gut die App wird.

    • imo 07.11.2015 13:47
      Highlight Highlight Die Abneigung gegen Facebook ist total gerechtfertigt! Facebook wird die Medien kontrollieren und auch zensieren! Gewisse Artikel, z.B. Gegen die USA oder Facebook selbst,wirst du sicher nicht auf FB lesen... Das ist ein weiterer Schritt gegen "freie Medien" wenn es das überhaupt noch gibt... Und das die Verlage nichts von den Werbeeinahmen sehen ist nochmals ne andere Sachen.. Lieber viele kleine, unabhängige Medien als ein Facebook-Medien-Monopol!
    • Crecas 07.11.2015 15:34
      Highlight Highlight Hat natürlich nichts mit dem Produkt zu tun, dass sie am entwickeln sind. Und auch sonst ist es stuss.
  • Ritch 07.11.2015 10:11
    Highlight Highlight Bin der Meinung das man die App nicht nutzen sollte. Facebook hat schon genug Kontrolle über jeden Facebook-Benutzer, ausserdem wäre das wirklich der Tod jeder anderer News-App.
  • Zeit_Genosse 07.11.2015 09:30
    Highlight Highlight Interessant ist, dass Medien nicht fähig und willens sind sich selbst um Innovation der Branche zu kümmern und alles den Techkonzernen überlassen. Dann jammern FB und Google wollen einem überflüssig machen. Medienkonzerne lassen sich zunehmend in in ihrer Kernkompetenz angreifen. Das Race ist wer die News über die News strukturiert und organisiert inkl. Werbeeinnahmen. Die Medien werden von aussen "uberisiert". Disruptive Innovationen kommen nicht von den Medien, die kopfrunter den Abo-/Werbeerlösen hinterher rennen.
    • Hierundjetzt 07.11.2015 09:56
      Highlight Highlight Wenn man "Medien" als Firma nimmt, trifft Dein Gedanke zu. Leider verfällst Du, wie auch die akademische Welt einem Irrtum zum Opfer. Der Markt Medien ist sehr kleingeteilt. Im Durchschnitt erreicht ein Medium 50'000 Leser. Jede Zeitung, Radio und TV wird zudem staatlich subventioniert (und sei es nur via Schweizerische Post). Es ist daher ein Trugschluss zu glauben, dass unsere Medien-KMU plötzlich das das Geld für weltweite Innovationen haben. Das idt eben gerade nicht Ihre Kernkompetenz (zum Glück)
    • Zeit_Genosse 07.11.2015 17:34
      Highlight Highlight @Hierundjetzt
      Wenn Tamedia, Ringier, NZZ, AZ und Co. (als einige Beispiele) eine App rausgeben würden die Puschfunktion für die Schweiz gebündelt anbieten würden, dann wäre der CH-Markt abgedeckt. 2Mio. Nutzer über eine App. Eine Newsdesk der Newsdesks. Das ist es, was FB tun möchte. Die Schweizer Medien anzapfen, wie Google news und dann zur Medienplattform werden. Wenn da die Medienkonzerne nicht zusammen arbeiten wollen und dafür jeder einzelne mit der Datenkrake FB und co. kooperiert, ja dann...
  • Caturix 07.11.2015 09:29
    Highlight Highlight Habe ein Windows Phone und keine Watson App. Bitte bringt eine Watson App raus, mit dem Browser geht es auch aber ist umständlich und nicht Benutzerfreundlich.
    Facebook kommt bei mir nie auf ein Telefon oder Tablet.
    • Digichr 07.11.2015 09:51
      Highlight Highlight Was ist Windows Phone? :-)
  • flyingdutch18 07.11.2015 08:31
    Highlight Highlight Die Facebook-Umarmung endet für die Umarmten (sprich die Medien) meist tödlich. An der Online-Werbung soll nur noch Facebook verdienen. Und wir als User werden sogar mit unserem Leseverhalten datenmässig ausgebeutet. Da gibt's nur eines: Facebook meiden, die App deinstallieren und gleichzeitig den Akku schonen.
    • Madison Pierce 07.11.2015 18:09
      Highlight Highlight Allerdings! Vor ein paar Jahren hat man Apple gehypt als das einzig Wahre, die Zeitung auf dem iPad sollte die Verlage retten. Dann gemerkt, dass man bei im Store gekauften Abos nicht mal an die Kundenkontakte kommt. Danach wurden auch Android-Apps entwickelt. Sich mit FB einzulassen ist gefährlich. Das ist nur solange toll und gratis, wie man noch nicht davon abhängig ist.

      Push ist IMHO sowieso überbewertet. Wenn ich Zeit habe, lese ich Nachrichten. Sie müssen sich mir nicht aufdrängen. Ausser vielleicht Sachen von der Börse muss ich nichts unbedingt sofort wissen.
  • G.Oreb 07.11.2015 00:14
    Highlight Highlight Waaaaaassss??? Man kann Pickdump per Push abonnieren? Wieso sagt mir das keiner...! 😳
  • Tilman Fliegel 06.11.2015 23:16
    Highlight Highlight Ich traue Facebook nicht wirklich zu, dass sauber hinzukriegen (die Gruppen App funktioniert z. B. nicht gut). Ausserdem ist Facebook für mich eher ein Ort für Privates, nicht für Nachrichten. Und ich will nicht noch mehr über Facebook machen. Also von mir aus wird das eher ein Rohrkrepierer.
  • gaba 06.11.2015 22:49
    Highlight Highlight Offenbar ist nur ein Medium in der Schweiz bei "Instant Articles" und Notify mit dabei. Zumindest wurde das am Web Summit so kommuniziert. Schade ist nicht auch watson mit dabei.
    • Stefan von Siegenthal 07.11.2015 09:16
      Highlight Highlight Instant Articles schnelleres Laden ist ein Vorwand um Content auf Facebook zu holen. In Kürze werden alle kommerziellen Websites massiv schnellere Ladezeiten bieten müssen. Es kann nicht sein, dass Facebook so viel Macht beanspruchen will, nur wegen einem technischen Problem.
  • 2sel 06.11.2015 22:26
    Highlight Highlight Meiner Meinung nach pusht auch Watson viel zu viele (unwesentliche) Meldungen, weshalb ich die Push Benachrichtigungen deaktiviert habe...
    • gaba 06.11.2015 22:46
      Highlight Highlight Ditto.
    • Saperlot 06.11.2015 23:33
      Highlight Highlight Dito
    • G.Oreb 07.11.2015 00:17
      Highlight Highlight Nö. Ich finde Watson macht das prima. Ich bin ja zum Glück fähig, für mich unwesentliche Pushmeldungen zu ignorieren. Einer der Vorteile die man als homo sapiens geniesst...
    Weitere Antworten anzeigen

Anti-Palmöl-Werbung wird im Fernsehen nicht zugelassen – der Shitstorm folgt prompt

Im April 2018 kündigte die britische Supermarktkette Iceland an, bis Ende 2018 alle Eigenprodukte aus dem Sortiment zu werfen, die Palmöl enthielten. Das Unternehmen wolle damit einen Beitrag zum Kampf gegen die umstrittene Zutat leisten.

Um dieses Vorhaben zu unterstreichen, wollte Iceland eine TV-Werbung schalten, in welcher darauf hingewiesen wird, welche zerstörerische Wirkung die Verwendung von Palmöl für den Regenwald hat. Im emotionalen Video ist ein junger Orang-Utan zu sehen, der im …

Artikel lesen
Link to Article