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Facebook founder and CEO Mark Zuckerberg speaks to reporters at Harvard University in Cambridge, Massachusetts in this November 7, 2011 file photo. Facebook CEO Mark Zuckerberg's 30th birthday will take place on May 14. Picture taken November 7, 2011. REUTERS/Brian Snyder/Files (UNITED STATES - Tags: BUSINESS EDUCATION SOCIETY ANNIVERSARY)

Bild: Reuters

Was plant das soziale Netzwerk als nächstes?

Hinter den Kulissen von Facebook: Grillen mit Mark Zuckerberg

Facebook will zum Technologieriesen in einer Liga mit Google oder Apple werden. Anders als die Konkurrenz lässt der Konzern dabei zunehmend auch überraschende Einblicke in sein Denken und Handeln zu.

Thomas Schulz, San Francisco / Spiegel Online

Ein Artikel von

Spiegel Online

Für die amerikanischen Internetkonzerne ist das mit dem öffentlichen Image so eine Sache. Es ist alles andere als gut. Trotz aller wirtschaftlichen Erfolge, trotz eines globalen Siegeszugs, wie ihn wohl kaum eine andere Industrie in so kurzer Zeit hingelegt hat. Die NSA-Affäre hat sicher nicht geholfen, genauso wie die Datensammelwut, die zum Geschäftsmodell gehört.

Aber es liegt auch daran, dass viele der Tech-Riesen arrogante Gipfelstürmer sind. Sie gehen äusserst aggressiv vor und sehen nur selten die Notwendigkeit, sich zu erklären, Einblicke in Pläne und Absichten zu gewähren. Apple etwa versucht alle Informationen rigoros zu kontrollieren. Das Innenleben des Konzerns und seiner Führungsriege ist ein schwarzes Loch, ganz bewusst. Amazon-Chef Jeff Bezos ist unzugänglicher als der Papst. Wenn der Konzern sich wie gerade jetzt eine Schlammschlacht mit den Buchverlagen liefert, tut er das weitgehend kommentarlos.

Auffallend ist jedoch, wie sehr seit einiger Zeit Facebook und Mark Zuckerberg dabei aus der Reihe fallen. Der Konzern und sein Gründer geben sich aussergewöhnlich zugänglich und diskussionsfreudig. Und manchmal sogar einsichtig.

Zuckerberg ist ambitionierter als je zuvor

Vor ein paar Tagen zum Beispiel hat Facebook eine kleine Runde von Journalisten zum Grillen auf eine Wiese hinter der Firmenzentrale am Rande der Bay von San Francisco eingeladen. Es gibt High-Tech-Eiscreme, die mit flüssigem Stickstoff angerührt wird, und Longdrinks mit Namen wie «Hacked Berry Lemonade». Rund zwei Dutzend Abteilungsleiter und Topingenieure sind da und erzählen davon, woran sie arbeiten und wie. Sheryl Sandberg, die rechte Hand von Zuckerberg dreht Runden. Schliesslich schlappt auch Zuckerberg selbst über den Firmenparkplatz heran. Wie immer in seiner Standarduniform: Jeans, Nike-Sneakers, T-Shirt. Er meidet Bier und Cocktails, aber er setzt sich zu kleinen Gesprächsrunden dazu, scherzt und plaudert, ist reflektiert und nachdenklich, nimmt kaum ein Blatt vor den Mund, sei es zur NSA-Affäre oder zur politischen Lage im Iran.

Es ist noch nicht lange her, da galt Zuckerberg als Vorzeige-Nerd, verschämt und ungeschickt in sozialen Situationen. Im Kinofilm «The Social Network», der Hollywood-Version der Anfangsjahre von Facebook, wurde er als ehrgeiziger Fiesling dargestellt. Seitdem hat Zuckerberg viel dafür getan, dieses Image zu korrigieren. Er spendete Milliarden von Dollar für Bildung, nahm Medientraining, nahm zu politischen Themen Stellung. Und lässt auch vereinzelt Einblicke in sein Denken, seine Pläne zu. Sehr ausgewählt natürlich.

Jesse Eisenberg, left, and Joseph Mazzello  in Columbia Pictures'

Links im Bild: Jesse Eisenberg als Mark Zuckerberg in «The Social Network». Bild: Columbia Pictures

Klar wird dabei: Zuckerberg, und damit auch sein Konzern, ist ambitionierter als je zuvor.

Vor ein paar Monaten etwa hat Zuckerberg ein Essay geschrieben. Darin habe er gesammelt, was ihn hauptsächlich beschäftigt in diesen Tagen, so erzählt er es an diesem Sommerabend. Wer wissen will, wohin die Reise geht, muss diesen Text lesen, das lässt Zuckerberg deutlich durchklingen. Der Titel des Essays lautet: «Ist Netzanbindung ein Menschenrecht?» Im Kern geht es dabei darum, was passieren muss «um die nächsten fünf Milliarden Menschen zu verbinden». Nicht nur mit dem Internet, sondern mit Facebook.

Was sind Zuckerbergs Pläne?

In der Folge hat Facebook inzwischen ein Labor gegründet, dass Drohnen, Satelliten und Ifnrarot-Lasersysteme entwickelt, mit dem Internetverbindungen auch in die entlegensten Winkel der Erde gebracht werden sollen. Ähnlich wie Google und Microsoft warb Facebook zuletzt bei der Nasa und Raumfahrtkonzernen verstärkt Personal ab.

Im Februar übernahm Facebook den Messenger-Dienst WhatsApp für rund 19 Milliarden Dollar. Wenig später kam für knapp zwei Milliarden Dollar Oculus VR hinzu, ein kleines Unternehmen, das Technologien für virtuelle Realität entwickelt. Auch dies lässt Zuckerberg zuletzt immer wieder erkennen: Geld spielt keine Rolle, wenn es darum geht, Facebook zu einem breit aufgestellten Technologiekonzern zu machen.

Paul Bettner, co-founder of Playful Corp which created the new

Die Oculus Rift war an der E3 an beliebtes Testobjekt. Bild: Reuters

In der vergangenen Woche hat der Konzern nun einen weiteren Scoop gelandet, personeller Art dieses Mal. Der langjährige Chef des Online-Bezahlsystems PayPal, David Marcus, wechselt zu Facebook. Marcus leitete bislang ein Unternehmen mit knapp 14.000 Mitarbeitern und 6,6 Milliarden Dollar Umsatz, und gibt sich nun damit zufrieden, bei Facebook den Messenger-Dienst zu verantworten. Das sagt viel darüber aus, wie hochfliegend die Zukunftsambitionen und wie gross die Erwartungen von Insidern an den Konzern in den kommenden Jahren sind.

Was also sind Zuckerbergs Pläne? Die Vereinbarung bei der Grillrunde ist, dass alle Unterhaltungen «off the record» sind, also nicht wörtlich zitiert werden können, damit Zuckerberg und die anderen Manager frei reden können. Aber soviel lässt sich zusammenfassend sagen: Kommunikation im weitesten Sinne steht im Mittelpunkt allen menschlichen Verhaltens, und Facebook will das technische Zentrum dieser Welt sein. Das berührt viele Geschäftsfelder: Telekommunikation, Finanzen, Home Entertainment. Sicher ist: Mit Status-Updates und Likes gibt sich Zuckerberg nicht mehr zufrieden und der Kampf um die Technologiehoheit wird sicher nicht mit Samthandschuhen ausgetragen. Aber wenigstens redet er darüber.



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