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Die letzten sieben Jahre hat Microsoft im Geheimen an einer Hologramm-Brille gearbeitet. Wir konnten sie nun ausprobieren. Bild: microsoft

Das ist das abgefahrenste Gadget ever – wir haben Microsofts Hologramm-Brille ausprobiert

Bei seiner E3-Pressekonferenz hat Microsoft das Publikum mit einer Augmented-Reality-Version von «Minecraft» verzückt. Funktioniert das wirklich oder ist es nur geschicktes Marketing? 

markus böhm, Los Angeles 



Ein Artikel von

Spiegel Online

Von den diesjährigen E3-Pressekonferenzen hatte ich mir mehr Revolutionäres versprochen. Ich hoffte auf erste Virtual-Reality-Spiele, die mehr sind als kurze Demos mit simplem Spielprinzip. Zumindest hatte ich die Ankündigung erwartet, dass bekannte Serien wie «Assassin's Creed», «Mass Effect» oder «Mirror's Edge» VR-Ableger bekommen.

Die VR-Spiele, die ich bislang ausprobiert habe, erinnerten mich oft an Handy-Apps, mit Herausforderungen auf dem Niveau des ersten «Wii Sports». Dessen Spiele waren einige Runden lang beeindruckend, boten aber zu wenig, um langfristig interessant zu bleiben. Zu schnell hatte man raus, wie man erfolgreich bowlt und beim Tennis gegen seine Freunde besteht.

Während Sony bei seiner E3-Präsentation im Wesentlichen einen Drei-gegen-Drei-Shooter für sein Project Morpheus ankündigte, nahm sich Microsoft mehr Zeit für seine Datenbrillen-Experimente. Auf der Bühne wurde für einen Träger der HoloLens-Brille eine kleine «Minecraft»-Welt an eine Wand projiziert, ebenso auf einen Tisch. Für den HoloLens-Träger schien die Klötzchen-Landschaft zum Anfassen nahe, mithilfe von Sprachbefehlen interagierte er mit der virtuellen Welt. Ein originelles Konzept, bei dem aber unklar blieb, ob das Ganze mehr ist als eine nette Inszenierung.

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Mit dem Sprachbefehl «Create World» erhebt sich das Hologramm der «Minecraft»-Welt aus dem realen Tisch.

Hier lässt sich viel Zeit verbringen

Am E3-Stand von Microsoft hatte ich Dienstag die Gelegenheit, gut 15 Minuten lang selbst per HoloLens eine «Minecraft»-Karte zu erkunden. Mein erster Eindruck: Allein mit dem Anstarren der Welt hätte ich den Rest des Messetags verbringen können. Das Prinzip der sogenannten Augmented Reality besteht im Gegensatz zur virtuellen Realität darin, dass man weiter den echten Raum sieht, über das Brillendisplay können ins eigene Sichtfeld jedoch Figuren oder Gegenstände eingeblendet werden – die Realität wird gewissermassen erweitert.

Zunächst wurde mir erklärt, wie ich einen «Minecraft»-Spielbildschirm auf eine Wand projiziere, wahlweise in den Dimensionen eines Beamerbilds oder nur so gross, dass ich auf einen Blick alles erfassen kann. Mit einem Xbox-One-Gamepad konnte ich meine kleine Figur wie im normalen «Minecraft» durch die Welt bewegen, ein Mitspieler ohne HoloLens war dabei mein Guide.

Deutlich beeindruckender wurde es, als ich von der Wand auf einen Tisch blickte, wo per Sprachkommando eine virtuelle Welt erschien. Die wohl für die Präsentation vorgefertigte Karte konnte ich fortan per HoloLens aus jedem Winkel betrachten. Mit dem Wörtchen «Closer» zoomte ich heran, mit «Overview» landete ich wieder bei der anfänglichen Draufsicht.

Ich konnte aber natürlich auch einfach einen Schritt zurück oder in Richtung Tisch machen. Wenn ich so tue, als ob ich die Karte festhalte, lässt sich diese nach oben, unten oder zu den Seiten verschieben, woraufhin bis dahin nicht sichtbare Teile auftauchen – alles wie in der Microsoft-Präsentation.

«Minecraft»-Demo mit der HoloLens

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YouTube/Kotaku

Achtung, Blitzeinschlag!

Mit meinem Blick steuere ich einen kleinen Cursor und kann so zum Beispiel bestimmen, wo ein Blitz einschlägt, den ich per Kommando «Thunderstrike» auf den Weg bringe. Mit den Blitzen lassen sich Tiere attackieren, aber auch Sprengstoff-Kisten zur Explosion bringen. Die Cursor-Steuerung wirkte noch etwas hakelig, man muss aber bedenken, dass es sich um eine Alpha-Version von «Minecraft» für einen HoloLens-Prototypen handelte – beide Produkte sind also lange noch nicht marktreif.

Dass man «Minecraft» mit der HoloLens so gut spielen kann wie am PC oder auf der Konsole, kann ich mir nach dem Selbstversuch nicht wirklich vorstellen. Gerade das Bauen geht vermutlich mit einem Gamepad und der üblichen Ansicht viel leichter von der Hand. Doch schon die Option, befreundeten Spielern in einer Mehrspieler-Partie mit der HoloLens von oben, unten oder von wo auch immer zuzuschauen, fasziniert mich.

Durch die HoloLens betrachtet, erinnert die «Minecraft»-Welt mehr denn je an echte Lego-Konstruktionen oder an das Hamburger Miniaturwunderland – ein wunderbarer virtueller Ort, um zu entspannen. Für Eltern, deren Kinder «Minecraft» spielen, wäre die HoloLens-Variante wohl der optimale Weg, dieses Hobby zu verstehen. Sie könnten zuschauen, wie ihre Kinder Stück für Stück die Welt verändern und wenn sie partout nicht zum Essen kommen wollen, schickt man einfach ein paar Blitze auf die Karte.

Mit HoloLens wird das Wohnzimmer zur Spielewelt 

Bild: microsoft

«Project X-Ray» fehlt der «Minecraft»-Charme

Neben «Minecraft» hat mir Microsoft ein weiteres HoloLens-Spiel vorgestellt, mit dem Arbeitstitel «Project X-Ray». In diesem Shooter wurde ich einige Minuten lang von ekligen Kreaturen attackiert, die durch simulierte Löcher aus den Wänden des Vorführungsraums kamen. Mit meinem Blick konnte ich sie ins Visier nehmen, mit einer Gamepad-Schultertaste auf sie schiessen.

Den Geschossen der Kreaturen konnte ich dadurch ausweichen, dass ich einfach auf die andere Seite des Raums lief. Ebenso konnte ich den Attacken durch ein rechtzeitiges Bücken oder Zur-Seite-Lehnen entgehen. Ab und zu hatte ich die Chance, mit einer Röntgen-Funktion durch die Wände zu schauen und so zu sehen, wo sich die Kreaturen gerade aufhalten.

«Project X-Ray» hat durchaus Spass gemacht – und war eher körperlich als spielerisch eine Herausforderung. Im Vergleich zur gezeigten «Minecraft»-Alphaversion fehlte dem Spiel der Charme des Bekannten, das Gefühl «So habe ich dieses Spiel noch nie gesehen».

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Microsofts Variante einer intelligenten Brille ist deutlich grösser, als wir es von Google Glass kennen. Sie kann allerdings auch weit mehr. bild: microsoft

Brille unter der Brille möglich

Der Brillen-Prototyp, den ich bei beiden Demos trug, war nicht gerade leicht, ich fühlte mich aber weniger eingeengt als unter VR-Brillen. Bei «Project X-Ray» hätte das Sichtfeld für meinen Geschmack gern ein wenig grösser sein dürfen. Gut fand ich auch, dass ich meine normale Brille aufbehalten konnte: Das HoloLens-Display wird dafür ein Stück weiter von meinem Gesicht weg geschoben.

Wann Microsoft die HoloLens auf den Markt bringt, ist bislang nicht bekannt. Auch mit welcher Plattform sie zusammenarbeitet – ist es Windows 10 oder vielleicht sogar die Xbox One? – behält Microsoft bis jetzt für sich.

Wie sich Microsoft unsere Zukunft mit HoloLens vorstellt 

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YouTube/Microsoft

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zettie94 17.06.2015 11:42
    Highlight Highlight Nettes Spielzeug für Leute mit zu viel Geld.
    Mehr aber auch nicht...
    • Hanjo 18.06.2015 13:30
      Highlight Highlight ... genauso wie 99% aller Artikel, die wir uns so leisten.

      Tut mir leid, aber wir haben halt leider immer noch so viel Geld dass es nicht nur zum reinen Überleben reicht. Viele von uns mögen diverse Arten von Spielzeug ausserdem bis ins hohe Alter. Spassbremsen, denen es nicht passt können dies aber auch gut einfach mal ignorieren und im Laden stehen lassen. Es lebe die freie Marktwirtschaft!
  • Ruffy 17.06.2015 11:04
    Highlight Highlight Frage an Markus Böhm, sind die Farben und der 3D Effekt so gut wie in den Demovideos? Wäre der Oberhammer :)

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