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Ob Apple, WhatsApp oder Swatch: Google legt sich mit allen an

Amazon, Facebook, WhatsApp, Microsoft, Sonos – ihnen allen will Google Konkurrenz machen. Der Tech-Gigant drängt sich immer tiefer in den Alltag der Menschen.

Matthias Kremp, mountain view / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Die Stimmung war ein bisschen wie bei einem Open-Air-Konzert. Bevor es losging schwappten La-Ola-Wellen durchs Publikum, am Eingang wurden Sonnenmilch, Kopftücher und Sonnenbrillen verteilt. Es herrschte eine Rock'n-Roll-Atmosphäre, wie man sie von einer Konferenz, bei der es um Software, das Internet und ein paar nette Gadgets geht, nicht erwartet.

People rush to their seats after the gates opened to hear the keynote address of the Google I/O conference, Wednesday, May 18, 2016, in Mountain View, Calif. Google unveils its vision for phones, cars, virtual reality and more during its annual conference for software developers. (AP Photo/Eric Risberg)

Journalisten stürmen die Google-Keynote.
Bild: Eric Risberg/AP/KEYSTONE

Fast zwei Stunden lang präsentierten Googles Topmanager neue Technologien und neue Geräte, mit denen sie die Konkurrenz angreifen wollen. Viele erinnerten frappierend an Produkte, von denen man anderswo schon gehört hatte.

Eine Neuerung erwähnte Google-Chef Sundar Pichai in seiner Keynote immer wieder: Google Assistent. Dieser soll Fragen interaktiv im Gespräch mit dem Anwender beantworten können. «Wer hat im Film ‹The Revenant› Regie geführt?» kann von der Frage gefolgt werden: «Und welche Filme hat er noch gedreht?» Das erinnert an Ankündigungen für Apples Siri und Microsofts Cortana. Abzuwarten bleibt, ob Google das vollmundige Versprechen auch einlösen kann.

Google CEO Sundar Pichai delivers his keynote address during the Google I/O 2016 developers conference in Mountain View, California, U.S. May 18, 2016.  REUTERS/Stephen Lam

Google-Chef Sundar Pichai.
Bild: STEPHEN LAM/REUTERS

Die Ich-kann-alles-Box

Mit Google Home versucht der Konzern, noch viel tiefer als bisher in den Alltag der Menschen einzudringen. Das Gerät selbst ist ein WLAN-Lautsprecher, so wie die Geräte von Sonos. Zusätzlich enthält es Funktionen zur Haussteuerung, kann die Heizung und vernetzte Lampen steuern. Ausserdem soll es beispielsweise Verkehrsinformationen liefern, den Kalender verwalten, Restaurants reservieren oder Essen bestellen können.

Noch ist das allerdings nur ein Versprechen. Erst Ende des Jahres soll Google Home auf den Markt kommen. Ob nur in den USA oder auch in anderen Ländern, liess Google-Chef Pichai offen. Klar ist: Mit der Ankündigung setzt der Konzern den Rivalen Amazon unter Druck, dessen sprachgesteuertes Heimsteuerungsgerät Echo möglichst bald in mehr Ländern auf den Markt zu bringen.

epa05315465 An undated handout made available by Google on 18 May 2016 shows Google Home (C) a voice-activated home product that will allow users to get answers from Google, stream music, and manage everyday tasks. Google announced the product which will be available in 2016, during the Google I/O conference taking place in San Francisco, USA, on 18 May 2016.  EPA/GOOGLE / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Google Home ist ein WLAN-Lautsprecher. Zusätzlich enthält es Funktionen zur Haussteuerung, kann die Heizung und vernetzte Lampen steuern. Bild: EPA/GOOGLE

Allo und Duo: Die WhatsApp und Skype Alternativen

Allo ist eine Messenger-App, die WhatsApp und dem Facebook-Messenger Konkurrenz macht. Sie bietet beispielsweise die Möglichkeit, emotionale Äusserungen in unterschiedlicher Grösse zu senden, um deren Betonung zu ändern. Zudem gibt es vorgefertigte Schnellantworten, die sich konkret auf den Inhalt des Chats beziehen. Googles Text- und Bilderkennung soll hier zu sinnvollen Antworten verhelfen.

Als Beispiel für die Integration des Google-Assistenten wurde gezeigt, wie man im Chat mit dem virtuellen Assistenten ein passendes Restaurant für den Abend findet und ihn auch gleich eine Reservierung vornehmen lässt. Das erinnert sehr an die Chatbots, die Microsoft gerade auf seiner Build-Konferenz vorgestellt hat.

Zum Schutz der Privatsphäre bietet Allo eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an, so wie es sie bei WhatsApp seit Kurzem gibt. Hier ist sie aber nicht immer aktiv, sondern wird nur auf Wunsch eingeschaltet.

Googles neue Chat-App Allo 

Animiertes GIF GIF abspielen

Die Künstliche Intelligenz analysiert das Foto, erkennt ein Kleinkind und schlägt mögliche Antworten vor. Die KI lernt mit der Zeit, was du vermutlich antworten möchtest und schlägt immer bessere Antworten vor. gif: google

Als Ergänzung zu Allo wurde Duo angekündigt, eine Videochat-App. Duo zeigt, schon bevor man einen Anruf annimmt, das Videobild des Anrufers. So soll man sofort wissen, wer da anruft und warum. Die Bedienung scheint extrem einfach, die Benutzeroberfläche ist minimal.

Android n kommt im Sommer

Die Frage, wie Android n denn nun heissen soll, wälzt Google auf die Nutzer ab. Statt einen Namen bekannt zu geben, startete das Unternehmen eine Webseite, auf der jeder Vorschläge einreichen kann, wofür das n stehen soll.

Zu Android n wurde viel Bekanntes gesagt: Die neue Version des Mobilbetriebssystems soll schneller werden, Spiele besser abspielen, Apps flinker installieren. Die Verschlüsselungsfunktion der Software wurde verbessert. Vor allem aber lädt Android n automatisch im Hintergrund System-Updates herunter, sodass damit bestückte Geräte immer auf dem neuesten Stand sind, immer die neuesten Sicherheits-Patches bekommen.

Multitasking wird verbessert, indem beispielsweise lange nicht genutzte Apps automatisch aus der Liste aktiver Apps gelöscht werden. Die Funktion Splitscreen ermöglicht es, zwei Apps neben- oder übereinander zu nutzen. Das kennt man von aktuellen Samsung-Smartphones. Nachrichten lassen sich direkt in der Benachrichtigungszentrale schnell beantworten.

Android n soll «im Sommer» veröffentlicht werden. Ab sofort gibt es eine öffentliche Betaversion.

FILE - In this May 28, 2015, file photo, a Google employee gives a demonstration of Android Pay on a phone at Google I/O 2015 in San Francisco. Google’s mobile payment service, Android Pay, is coming to the U.K. on Wednesday, May 18, 2016, marking its first expansion outside the U.S. (AP Photo/Jeff Chiu, File)

Bezahlen mit dem Handy: Am Mittwoch ist Android Pay nach den USA auch in England gestartet. Die restlichen Länder Europas werden folgen. Bild: Jeff Chiu/AP/KEYSTONE

Mehr Virtual Reality

Unter dem Namen Daydream wurde ein System vorgestellt, das Virtual Reality mit Smartphones besser machen soll. Es umfasst Spezifikationen für Smartphones, ein Referenzdesign für VR-Brillen und einen VR-Controller sowie Vorgaben für VR-Apps. Offensichtlich will Google damit versuchen, das Thema VR bei sich zu behalten, statt es an die Hersteller der grossen teuren Systeme – HTC, Oculus (gehört Facebook), Sony – zu verlieren. Bis man das ausprobieren kann, wird es allerdings noch eine Weile dauern. Erst im Herbst sollen Daydream-Apps und -Geräte erscheinen.

Clay Bavor, vice president of virtual reality at google, speaks during the Google I/O 2016 developers conference in Mountain View, California May 18, 2016. REUTERS/Stephen Lam

Google präsentierte ein Referenzdesign für VR-Brillen, an dem sich Geräte-Hersteller orientieren können. Bild: STEPHEN LAM/REUTERS

Schlauere Smartwatches

Mit Android Wear 2.0 kündigt Google das erste grosse Update für seine Wearable-Plattworm an. Die Software ermöglicht eine stärkere Personalisierung der Benutzeroberfläche von Smartwatches. Ausserdem soll es leichter werden, Nachrichten per Uhr zu beantworten, sowohl mit vorgefertigten Antworten, als auch, indem man grosse Buchstaben auf den Bildschirm schreibt. Auch die Fitness-Funktionen wurden verbessert. Vor allem aber können Wear-Apps jetzt vollkommen autark vom Handy arbeiten.

MOUNTAIN VIEW, CA - MAY 18: Google vice president of engineering David Singleton speaks during Google I/O 2016 at Shoreline Amphitheatre on May 19, 2016 in Mountain View, California. The annual Google I/O conference is runs through May 20.   Justin Sullivan/Getty Images/AFP
== FOR NEWSPAPERS, INTERNET, TELCOS & TELEVISION USE ONLY ==

Android-Wear-Apps sind jetzt vollkommen autark vom Handy.
Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

Apps ohne Installation

Mit Instant Apps beseitigt Google ein Problem, das viele Nutzer nervt. Statt eine App erst installieren zu müssen, kann man Instant Apps sofort und ohne Installation benutzen, indem man auf einen Link klickt. Da solche Apps in viele kleine Module aufgeteilt sind, sollen sie quasi ohne Verzögerung starten.

Animiertes GIF GIF abspielen

Apps nutzen, ohne sie vorher zu installieren: Googles neue «Instant Apps» in Aktion. gif: google

Macht Google alles besser oder bloss alles nach?

Vieles von dem, was gezeigt wurde, war schon bekannt, wenn auch teilweise nur als Gerücht. Überraschend war eher, dass Google sich bei vielen Projekten nicht auf Neuland wagt, sondern bekannte Konzepte anderer Unternehmen aufgreift und auf seine Weise neu entwickelt. Natürlich seien die Google-Adaptionen von Chat-Apps, Chat-Bots und Heimsteuerungsgeräten besser als die der Konkurrenz, sagen Googles Manager. Mal schauen, ob die Kunden das auch so sehen.

Die Google-Keynote im Video

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YouTube/Google Developers

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 20.05.2016 09:12
    Highlight Highlight Google verbreitet den American Way of Life, wo man sich ständig um Restaurants- oder Essensbestellungen kümmern muss und diese wie auch die Kommunikation automatisiert haben möchte oder ständig Fitness betreibt. Was früher Coca Cola, Mc Donalds und Hollywood als US-Lifestyle-PR-Schleudern waren und sämtliche Kulturen unterwanderten, sind es jetzt die Techgiganten, die uns vorschlagen wie ein modernes Leben auszusehen hat. Globalisierter Mainstream ist ein Massengeschäft und Google gestaltet diesen Markt aktiv. Nicht zum Nachteil der Menschen, doch Gleichmachen empfinde ich als Kulturverlust.
  • Sapere Aude 20.05.2016 01:17
    Highlight Highlight Finde es bedenklich, wie manche Firmen mit ihren Produkten versuchen, in jeden einzelnen Bereich des Lebens vorzudringen. Ausserdem begreif ich nicht, weshalb es toll sein soll, das ein Chatprogramm meine Nachrichten analysiert und mir Antworten vorschlägt. Sind wir langsam sogar zu faul, um selbst nachzudenken oder was? Uns wird es als Innovation verkauft. Eigentlich ist es lediglich der Versuch, uns zu kontrollieren.
  • C0BR4.cH 19.05.2016 13:14
    Highlight Highlight Allo per Default ohne End-to-End-Encryption? Fail.
    Schon nur das sich diese ausschalten lässt? Fail.
  • evand 19.05.2016 12:41
    Highlight Highlight android n. ich wäre für n = "nutty"
  • Scaros_2 19.05.2016 12:23
    Highlight Highlight Auf der einen Seite ist es schön wenn ein Unternehmen versucht in bekannte Märkte auch noch Fuss zu fassen. Das fördert den Konkurenzkampf was auch Produkte besser machen kann.

    Auf der andern Seite ist es irgendwo wirklich unheimlich wie extrem Google eine omnipräsenz schafft (ok tun auch andere Unternehmen). Die Frage ist irgendwo dann auch ob ich das will weil dinge wie "abhören" - "analysieren" usw. können auch ausgenutzt werden und ich meine so eine Technokratie in de rman dann von der Gunst abhängig ist?
  • Paraflüger 19.05.2016 11:00
    Highlight Highlight Fast schon unheimlich, wie gross und wichtig ein einstiges Suchmaschinen Unternehmen werden kann. Autos auf der Strasse werden bald von Google gesteuert sein, mein Haus wird von Google mit Musik beschallt und geheizt und auf dem Telefon und dem Pc ist Google sowieso. Natürlich sammeln alle Produkte fleissig Daten, welche dem Nutzer "dienen" sollen.
    • Alnothur 19.05.2016 11:20
      Highlight Highlight Dann nutz es nicht mehr, sonst bist du an deiner Dystopie mitverantwortlich... Ist gar nicht so schwer übrigens.
    • Paraflüger 19.05.2016 19:06
      Highlight Highlight Das würde mich wundern, wie Sie schon heute gänzlich ohne Google auskommen und mit welchem Aufwand dies Zusammenhängt. Und in Zukunft wird dies nicht einfacher werden, wenn bedacht wird, wie schnell und vielfälltig Alphabet wächst
    • Alnothur 20.05.2016 08:51
      Highlight Highlight Privacy Badger und DuckDuckGo, fertig. :-)
  • tschoo 19.05.2016 10:51
    Highlight Highlight Lustig an diesem Artikel finde ich die negative Konnotation. "Versucht noch tiefer in den Alltag der Nutzer einzudringen", "erinnern frappierend an andere Geräte" (so frappierend ist das nicht in der Branche), "abzuwarten bleibt, ob das vollmundige Versprechen...", "nicht auf Neuland wagt, sondern kopiert...", "mal schauen, ob das die Kunden auch so sehen"...

    Zudem sollen die Geräte "erst im Herbst erscheinen". Bei Apple heisst es jeweils erwartungsvoll, sie "erscheinen noch dieses Jahr" und jede kopierte Funktion ist eine Revolution und hundertmal besser als je gesehen.

    Böses Google halt.
    • Fumo 19.05.2016 11:19
      Highlight Highlight Wenn Apple etwas neues vorstellt ist es eigentlich nach max. einen Monat auf den Markt. Wenn es heisst "erscheinen noch dieses Jahr" geht es um Gerüchte.
      Bei Google muss man sich halt extrem anstrengen um keinen negativen Unterton zu erzeugen, was man auch nur tun muss wenn man auf ihrer Lohnliste steht. So wie hier geschrieben ist es einfach objektiv.

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