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Wer gewinnt den Kampf Google versus Werbeblocker-Firma? «Das wird eine grosse Schlacht, ja ein Krieg, und es wird Opfer geben»

Ein werbefreies mobiles Internet verspricht das Unternehmen Shine. Über Technik, die direkt beim Mobilfunkanbieter aufgestellt wird, soll Reklame aus dem Netz gefiltert werden. Aber ist das legal? Und welche Provider machen mit?

15.05.15, 22:08 16.05.15, 09:10

Christian Stöcker



Ein Artikel von

Egal, ob Sie diesen Text auf einem mobilen Endgerät oder am Rechner lesen: Ohne Werbung gäbe es ihn nicht. Webseiten wie Spiegel Online und watson sind, wie die meisten Onlinemedien weltweit, werbefinanziert.

Gerade Werbung auf Mobilgeräten gilt als grosser Wachstumsmarkt. Das Marktforschungs-Unternehmen eMarketer zum Beispiel prognostiziert für 2016 im Bereich mobile Reklame weltweite Umsätze jenseits von hundert Milliarden Dollar. Damit würde Werbung auf Handys und Tablets schon im kommenden Jahr mehr Geld einbringen als alle anderen digitalen Werbeformen zusammen. All das könnte jedoch anders kommen, wenn es nach den Betreibern eines israelisch-kalifornischen Unternehmens namens Shine geht.

Shine plant, das berichtete die «Financial Times» am Freitag, Werbung auf Handys zum Verschwinden zu bringen. Aber nicht mit einem Werbeblocker auf dem Endgerät selbst: «Wir installieren bei den Providern Kisten mit unserer Technik», so Shines Vermarktungschef Roi Carthy auf Anfrage. Mit einer Reihe von Mobilfunkanbietern habe man bereits Vereinbarungen geschlossen, darunter auch europäische Unternehmen. Einer der Partner soll 40 Millionen Vertragskunden haben.

Was sagen die Internet-Provider?

Zum Vergleich: Die Telekom, in Deutschland Marktführer, hat knapp 40 Millionen Mobilfunkkunden. Weltweit allerdings waren es Anfang 2015 schon über 150 Millionen.

«Provider rund um die Welt» dächten bereits über Anzeigenblockaden auf Mobilgeräten nach, sagt Carthy. Welche das seien und mit wem man bereits Verträge geschlossen habe, könne er aber nicht verraten. Diese Entscheidung läge bei den jeweiligen Unternehmen. Provider hätten mit der Lösung seines Unternehmens die Chance, «Vorkämpfer für die Rechte der Verbraucher» zu werden.

Ob unter den Shine-Kunden auch deutsche Mobilfunkanbieter sind, ist derzeit unklar, wahrscheinlich ist es nicht. Vodafone und Telefonica (E-Plus und O2), erklärten auf Anfrage, man kommentiere den Bericht der «Financial Times» nicht. Von der Telekom heisst es: «Wir beobachten den Markt, haben aber derzeit keine Massnahmen geplant.»

Werbung bei Twitter und im Facebook-Feed bleibt erhalten

Im Browser, sagt Shine-Manager Carthy, habe man heute schon «ziemlich angemessene Möglichkeiten», Werbung zu blockieren. Gegen den Anbieter des grössten Herstellers von Adblocker-Plug-ins für Webbrowser laufen in Deutschland derzeit mehrere Klagen. Das Landgericht Hamburg hat im April zwar eine Klage von «Zeit Online» und dem «Handelsblatt» gegen solche Programme zur Werbeunterdrückung abgewiesen. Die beiden Unternehmen erwägen jedoch, in Berufung zu gehen, zudem sind weitere Prozesse vor anderen deutschen Gerichten anhängig oder geplant.

Dass Internetnutzer überhaupt Werbeblocker einsetzten, zeige doch, dass es einen Bedarf gebe, sagt Carthy: «Wir sind für eine Wahlmöglichkeit für die Nutzer, wir halten das für deren Recht.» Auf die Rückfrage, wie das offene Internet weiterbestehen könne, wenn Anzeigen flächendeckend ausgeblendet und damit Geschäftsmodelle zerstört würden, antwortet der Marketingchef, es gebe ja andere Möglichkeiten, online Geld zu verdienen. Etwa mit sogenanntem Native Advertising, also Werbung im redaktionellen Gewand. Ausserdem nennt er Abonnement-Modelle oder Werbung in personalisierten Nachrichtenfeeds wie bei Twitter, Facebook oder Snapchat. Werbeformate wie gesponserte Tweets soll die Shine-Technik nicht ausfiltern.

Dass das Geschäftsmodell seines Unternehmens auf heftigen Widerstand stossen dürfte, ist Carthy klar. «Ich bin sicher, dass man das juristisch anfechten wird», sagt er, die juristischen Implikationen seien aber «von allen Beteiligten geprüft worden», die Rechtsabteilungen der kooperierenden Provider eingebunden. Es sei klar, dass es hier «um ein Spiel mit hohem Einsatz» gehe, sagt Carthy: «Das wird eine grosse Schlacht, ja ein Krieg, und es wird Opfer geben.»

Selbst werben und Werbung der anderen ausblenden?

Auf die Frage, ob das Shine-Modell, das ja einen Eingriff der Provider in den Internet-Datenstrom darstellt, nicht gegen Regeln zur Erhaltung der Netzneutralität verstosse, antwortet Carthy ausweichend: Man kämpfe schliesslich für die Rechte der Nutzer. Die EU steht derzeit kurz davor, die Netzneutralität verbindlich festzuschreiben, auch in den USA wird es Internetprovidern wohl verboten, in den Datenverkehr einzugreifen.

Gerade für Mobilfunkanbieter, die selbst Geld mit Werbung verdienen – etwa auf den Webseiten ihrer Webmail-Angebote – könnte die Einbindung eines providerseitigen Werbeblockers auch ansonsten heikel sein: Das Ausblenden der Reklame der Konkurrenz könnte als Wettbewerbsverzerrung gedeutet werden.

Ein deutscher Branchen-Insider sagt, er könne sich nicht vorstellen, dass sich die grossen Provider an solch einem Projekt versuchen – allein schon, weil sie sich mit einer solchen Blockade rechtlich auf dünnem Eis bewegen würden. Vielleicht wolle jemand einfach ausprobieren, wie die mediale Reaktion auf solch einen Vorstoss ausfiele.

Als der französische Provider Free Anfang 2013 begann, Onlinewerbung bei seinen Kunden routinemässig über eine Einstellung im Router auszublenden, hatte das umgehend Folgen: Sogar die Ministerin für digitale Wirtschaft protestierte damals öffentlich gegen das Vorgehen. Nur wenige Tage später stellte Free die Werbeblockade wieder ein.

Zusammenfassung: Das Unternehmen Shine will providerseitig Werbung aus mobilen Webseiten und Apps herausfiltern. Für den deutschen Markt wollen Vodafone und Telefonica das nicht kommentieren, die Telekom erklärt, man habe derzeit keine derartigen Pläne. Grosse Teile des mobilen Internets sind werbefinanziert. Werbefiltern direkt bei den Anbietern stehen mehrere juristische Hindernisse entgegen.

Mitarbeit: Markus Böhm

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Matthias Studer 17.05.2015 03:03
    Highlight Also verlange ich in Zukunft vom Heizöllieferanten von jedem Liter Öl einen Betrag. Denn ich installiere schließlich Heizungen.
    Ich frage mich schon wem es ins Hirn g.....en hat.
    3 1 Melden
  • Nosgar 17.05.2015 01:40
    Highlight Altavista war gut - die hatten eine eigene Pornosuche.
    7 2 Melden
  • Saftladen 16.05.2015 12:54
    Highlight Problematisch ist es, wenn der Provider sich einmischt, welche Inhalte der Kunde sehen soll und welche nicht. Ob es sich dabei nur um lästige Werbung handelt, ist eigentlich egal. Wenn ich als Kunde die Werbung nicht sehen will, blockiere ich diese bewusst. Wenn der Provider das für mich übernimmt, habe ich keinen Einfluss mehr darauf, welche Inhalte ich eigentlich sehen möchte und welche nicht. Ein solches Verhalten spricht den Kunden ihre Mündigkeit ab und gehört deshalb meiner Meinung nach boykottiert.
    23 2 Melden
    • Xi Jinping 01.06.2015 12:46
      Highlight Das wäre dann die erste Stufe von Zensur... resp. die Netzneutralität ist dann nicht mehr gewährleistet...
      0 0 Melden
  • Commodore 16.05.2015 00:36
    Highlight Für das Verschwinden von Werbeanzeigen würde ich nichts zahlen. Was endlos lästig ist, sind Pop-ups und dieser Mist der einem direkt zum App-Store bringt. Um die loszuwerden würde ich gerne bezahlen.
    20 0 Melden
  • Likos 16.05.2015 00:24
    Highlight Die amerikanischen Provider sind doch schon viel weiter. Die filtern die Werbung von Websites und setzten dafür ihre eigene rein :D.

    Wird langsam mal Zeit für ein "Spotify" für Newsportale. 20.- im Monat und der Verteilschlüssel nach Nutzung.
    Als Nutzer hat man dann eine grosse Menge potentieller Seiten ohne Werbung, aber da jeder User i.d.R. eh nur eine Handvoll Seiten nutzt verteilt sich das Geld automatisch gerecht an alle Anbieter.
    8 4 Melden
  • buco 15.05.2015 22:39
    Highlight Für jeden zwei Angebote:
    1. Selber Abo bezahlen -> werbefrei
    2. Gratis Angebot -> werbefinanziert (nicht ausblendbare Werbung)

    Werbung in Zeitungen, die online gelesen werden (ePaper, PDF Seiten etc. natürlich immer MIT der Werbung, die Content der Zeitung etc. ist)
    23 1 Melden
  • Der Tom 15.05.2015 22:27
    Highlight Mobilfunkanbieter werden spätestens mittelfristig verschwinden. Alternativen sind schon unterwegs.
    10 19 Melden
    • Blutgruppe 15.05.2015 22:37
      Highlight Als da wären?
      32 1 Melden
    • SanchoPanza 15.05.2015 23:18
      Highlight ja das nimmt mich also auch wunder? hoffst du auf die Google-Ballone? toll, als ob die uns nicht schon genug ausspionieren würdne...
      14 2 Melden
    • Der Tom 15.05.2015 23:25
      Highlight Die Liste ist lang und teilweise Abenteuerlich, kompliziert. 2 bescheidene Beispiele sind google fibre und google loom.
      5 18 Melden
    • The_Doctor 16.05.2015 00:05
      Highlight Was ist das für eine unlogische Argumentation? Sie behaupten, dass die Mobilfunkanbieter verschwinden und nennen als Beispiel zwei Projekte, welche es Google erlauben, selbst als Mobilfunkanbieter aufzutreten?
      11 1 Melden
    • PewPewPew 16.05.2015 00:20
      Highlight Inwiefern sind Google Fiber (nicht fibre) und Google Loon (nicht loom) Alternativen zu Mobilfunkanbietern?

      Fiber ist ein "fiber-to-the-premises" Glasfasernetz (vgl. Festnetz) und Loon arbeitet mit Mobilfunkanbietern zusammen, um Mobilnetz in abgelegene Regionen zu bringen.

      Meiner Meinung nach also beides keine Alternativen, sondern viel mehr Ergänzungen zum Mobilnetz und dessen Anbietern.
      16 0 Melden
    • sambeat 16.05.2015 00:36
      Highlight Tom, du beruhst Dich auf eine lange und teilweise abenteuerliche Liste... Grosse Worte!
      Mobilfunkanbieter werden verschwinden? Wohin? In den dichten, von feenhaften Gestalten besiedelten Wald?
      10 1 Melden
    • Der Tom 16.05.2015 08:38
      Highlight Die klassischen Mobilfunkanbieter werden verschwinden. Vielleicht in einen Feenwald... manche werden sich auch neu erfinden. Es gibt iMessage, FaceTime, Hangout, Skype und vieles mehr. Schon heute kann Mobilfunkanbieter frei kommuniziert werden. Diese Dienste sind schon ausgereift. Fehlt nur noch die nahtlose wlan oder was auch immer Abdeckung. Die oben genannten Google Techniken sind nur Beispiele.
      3 15 Melden
    • djangobits 17.05.2015 07:08
      Highlight Das "was auch immer" wird heute nur aber immer noch ausschliesslich von Mobilfunkprovidern geliefert. Wirkliche Alternativen sehe ich nicht mal am Horizont...
      6 0 Melden

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