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Die Facebook-Seite von Anonymous.Kollektiv verbreitet Verschwörungstheorien statt Anonymous-Informationen.

Polizei sucht mutmasslichen Betreiber der Verschwörungstheorie-Seite «Anonymous Kollektiv»

Anonymous.Kollektiv zählte zu den grössten Hetzseiten auf Facebook, seit Kurzem jedoch ist die Seite offline. Ihre Postings beschäftigen nun die Staatsanwaltschaft im Deutschen Erfurt.

Markus Böhm / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Im Zusammenhang mit der umstrittenen, mittlerweile vom Netz genommenen Facebook-Seite Anonymous.Kollektiv wird derzeit nach einem Erfurter gefahndet. Dabei könnte es sich um einen Unterstützer, laut Medienberichten vielleicht sogar um den Betreiber der Seite handeln.

Hannes Grünseisen von der Staatsanwaltschaft Erfurt bestätigte Spiegel Online am Mittwoch, dass nach einen Mann namens Mario Rönsch gefahndet werde – wegen des Verdachts auf Betrug, auf Volksverhetzung und auf öffentliche Aufforderung zu Straftaten, im Zusammenhang mit Internetseiten. Details zur Fahndung nannte Grünseisen nicht.

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Mario Rönsch gab dem «ZDF» Auskunft, nun ist er untergetaucht.

Hetze gegen Flüchtlinge

Anonymous.Kollektiv hatte auf Facebook unter der Flagge von Anonymous Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht, Russland glorifiziert, mit Pegida sympathisiert und gegen die angebliche «Lügenpresse» gewettert. Dabei wurde häufig auf Quellen wie das rechtspopulistische Magazin «Compact» verwiesen.

«Es wird Zeit, dass Polizei- und Bundeswehrführung die Mitglieder der Bundesregierung in Berlin verhaftet. Das Vorgehen von Merkel und ihrer Sippe lässt sich getrost als Putsch von oben bezeichnen.»

Aus einem Posting auf Anonymous.Kollektiv

Mitunter wurden Fakten aus Medienberichten auch verdreht, wie sich etwa im anonym betriebenen Watchblog «We Watch Fake Anonymous» nachvollziehen lässt, das immer wieder einzelnen Postings der Seite hinterherrecherchiert hat. Viele der ursprünglichen Anonymous-Aktivisten hatten sich seit Langem von der Seite distanziert, auf der fast jeder kritische Nutzerkommentar zeitnah gelöscht worden war (was nicht dazu passt, da Anonymous eigentlich für Meinungsfreiheit eintritt).

Die «Süddeutsche Zeitung» (SZ) hatte am Dienstag berichtet, dass der Grünen-Politiker Volker Beck Anfang des Jahres eine Anzeige gegen den Betreiber von Anonymous.Kollektiv gerichtet hatte, wegen Beleidigung, Bedrohung und dem Aufruf zu Straftaten. Dabei soll Beck auch Hinweise dazu geliefert haben, wer hinter der Seite stecken könnte.

Posting auf Anonymous-Kollektiv

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screenshot: anonymous.kollektiv

Der SZ zufolge nannte die Staatsanwaltschaft in ihrem Antwortschreiben an Beck Mario Rönsch als Beschuldigten. Die Ermittlungen gegen Rönsch seien am 19. Mai aber vorläufig eingestellt worden, wegen eines «unbekannten Aufenthaltes», heisst es im Artikel. Ein Haftbefehl soll im konkreten Fall nicht erlassen worden sein.

Anonymous-Aktivisten beschuldigen Mario Rönsch

Gefragt, ob die Staatsanwaltschaft Mario Rönsch für den Betreiber von Anonymous.Kollektiv hält, sagte Grünseisen gegenüber Spiegel Online, man halte es für möglich, «dass Einträge auf der Seite von Mario Rönsch stammen».

Mario Rönsch war erst kürzlich vom Magazin «Focus» mit der Facebook-Seite in Verbindung gebracht worden. «Viele Indizien sprechen dafür, dass Rönsch hinter der grössten Hetzseite im deutschsprachigen Netz stand», hiess es Montag in einem längerem Artikel auf der «Focus»-Website. Zuvor war bereits ein Print-Artikel erschienen.

Lange vor dem «Focus» hatten unter anderem Anonymous-Aktivisten berichtet, Rönsch sei Administrator der Facebook-Seite. Auf Anfrage von Spiegel Online bestritt Rönsch Anfang April 2014 jedoch, die Seite zu kennen. Vor Gericht scheiterte Rönsch später mit dem Versuch, Spiegel Online den Verdacht verbieten zu lassen, er sei Administrator der Seite.

Laut Staatsanwaltschaft laufen drei Verfahren

Mario Rönsch war im November 2015 in einem «Compact»-Video mit dem Titel «Merkel? Verhaften!» aufgetreten. Vorgestellt wurde er dort als «unser langjähriger Leser und einer der Initiatoren der bundesweiten Demonstrationen der sogenannten Montagsmahnwachen für den Frieden». «Frau Merkel muss ins Gefängnis», hatte Rönsch in dem Video unter anderem gefordert.

Nach Auskunft der Staatsanwalt Erfurt laufen gegenwärtig drei Verfahren gegen Rönsch, die derzeit jedoch alle ruhen, weil man nicht weiss, wo sich Rönsch aufhält.

Auf Facebook ist Anonymous.Kollektiv seit dem 21. Mai nicht mehr erreichbar. Facebook hat sich bislang nicht zu Medienanfragen geäussert, ob die Seite aufgrund von Nutzerbeschwerden gelöscht wurde und falls ja, was genau Anlass für die Löschung war. Ableger von Anonymous.Kollektiv mit deutlich weniger Öffentlichkeitswirkung sind derweil weiter online, einer davon etwa im russischen Netzwerk VK.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Nico Rharennon 01.06.2016 18:35
    Highlight Highlight Scheint wieder online zu sein... Erst 49 likes aber das muss ja nicht so bleiben.
    https://m.facebook.com/ANONYMOUS.KOLLEKTlV/
    • Nico Rharennon 01.06.2016 22:33
      Highlight Highlight Wenn ich auf eine Diskrepanz zwischen Artikel und Realität hinweise ist das also Werbung? Nach deiner Logik hätte der Artikel also nicht geschrieben werden sollen.
    • stiberium 02.06.2016 11:38
      Highlight Highlight Wichtig ist vor allem das "das Original" weg ist. Viele, auch Freunde von mir sind auf die sehr hohen Likezahlen reingefallen und haben daraus abgeleitet, dass es sich um das "echte" Anonymous handeln muss. Bei all den Ablegern mit wenig Likes schöpft in der Regel auch der DAU verdacht, es sei denn, er vertritt selbst diese Halbwahrheiten.
    • Nico Rharennon 02.06.2016 12:10
      Highlight Highlight Stiberium, Ich denke mal der "Nachahmer" wird leider wohl schnell ebenfalls eine höhere Anzahl likes haben. Was der Grund für meinen Post und den Link war.
      xlt, mit Link ist eben mit Sicherheit klar welche Gruppe gemeint ist. Könnten ja problemlos weitere mit leicht andere schreibweise (Gross- und Kleinschreibung etc) vorhanden sein. Bis auf ein paar ewig gestrige, wird wohl der durchschnittliche Watsonleser eher kein like platzieren, weshalb ich mich für den Post entschieden habe.

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