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Pole-Position: Model Moon und ihr Ehemann Jason haben die ersten Plätze ergattert - dafür sitzen sie seit einer Woche im Freien.

Pole-Position: Model Moon und ihr Ehemann Jason haben die ersten Plätze ergattert – dafür sitzen sie seit einer Woche im Freien. bild: spiegel online

Die spinnen, die Apple-Jünger

Warteschlange für das iPhone 6: Occupy Apple 

Das iPhone 6 kommt: In New York campieren ein Dutzend Menschen vor dem Apple-Store und geben Interviews im Minutentakt. Doch vielen geht es gar nicht um das Telefon. 

Ole Reissmann, new york

Ein Artikel von

Spiegel Online

Ein Stück Gehsteig in New York, direkt am Central Park in Manhattan, ist seit Tagen besetzt. Die neuen Bewohner haben Campingstühle und Schlafsäcke dabei, ihre Habseligkeiten verstauen sie in Koffern und Rucksäcken. Alle paar Minuten kommen Passanten vorbei, die mit dem Daumen nach oben zeigen, viel Glück wünschen oder ein Foto machen. 

Die Handvoll Leute sind nicht etwa der Überrest von Occupy Wall Street, dem Protest gegen die Finanzindustrie. An der 5th Avenue, vor dem gläsernen Kubus des Apple-Geschäfts, wartet die Gruppe Tag und Nacht auf neue iPhones, noch bevor das Unternehmen diese überhaupt angekündigt hat. 

Die Apple-Schlange gehört seit Jahren dazu, wenn der Konzern Neuheiten präsentiert. Aber am Montag, einen Tag vor der Apple-Show, sind erst 20 Klappstühle in New York aufgebaut. Die meisten davon sind nicht einmal besetzt. Statt richtiger Apple-Jünger trifft man am Montagabend auf Kommunikationsprofis, die vom Medienhype profitieren wollen. 

Moon und Jason sind beruflich hier 

Moon und Jason sind die ersten beiden in der Schlange, ein junges Ehepaar. Wenn am Dienstag die Produktshow beginnt, werden sie seit acht Tagen vor Ort sein. Moon ist Model, Jason Berater bei einem Start-up für Telemedizin. Sie sind beruflich hier, angereist aus Mississippi, tragen weisse T-Shirts mit Firmenlogo. 

Was passiert, wenn am Dienstag zwar etwas vorgestellt wird, was dann erst zehn Tage später in den Läden steht? «Wir bleiben trotzdem, das kann uns nur helfen», sagt Moon. Das Schlimmste sei der Regen, und manchmal würden sie beschimpft. «Die Polizei ist supernett zu uns, die hilft uns dann», sagt Jason. Occupy Wall Street machte da ganz andere Erfahrungen. 

Die roten Campingstühle neben Moon und Jason sind leer. Die beiden jungen Männer, die dort auch schon eine Woche ausharren, sind duschen gegangen. In der Nähe ist eine Jugendherberge, auf Toilette gehen sie in den umliegenden Geschäften. Die Belegschaft des Apple-Stores hilft mit Strom zum Akku-Aufladen aus. 

Klicken Sie auf die Bilder, um sie zu vergrössern und für weitere Infos.

Mit Firmenlogo vor dem Apple-Geschäft 

Jonah und Edward sind Nummer vier und fünf. Sie sind aus Hongkong angereist, ebenfalls beruflich: Sie haben ihren Arbeitgeber, einen Hersteller von Zusatzakkus, dazu überredet. Nun sitzen sie in grünen Pullovern mit Firmenlogo vor dem Apple-Geschäft, posieren für Kamerateams und zeigen ihre Produkte. 

Nachts klappen die Akku-Vertreter ihre Rechner auf und arbeiten, in Hongkong ist es dann Tag. «Der Lärm hier ist schon anstrengend», sagt Edward. Er kümmert sich um den Vertrieb in spanischsprachigen Ländern, ausserdem um Social Media. «Wir sind seit vier Tagen hier, direkt vom Flughafen gekommen», sagt er und zeigt auf seinen Koffer. 

Mehr als ein Dutzend Interviews haben sie schon gegeben, gerade baut sich ein Kamerateam des WDR auf. Die Stühle neben Edward sind leer, ein einsamer Rucksack wartet. «Wir passen gegenseitig auf, damit sich niemand vordrängelt», sagt er. Allerdings übertrifft das Interesse an den Wartenden bei Weitem die Nachfrage nach einem Sitzplatz vor dem Apple-Store. 

Manche wollen ihren Platz verkaufen 

Will denn niemand hier einfach nur ein iPhone? Edward lacht und deutet auf die leeren Stühle. «Einige sind hier und wollen später ihren Platz verkaufen, für 1000 Dollar» sagt er. Von denen ist aber gerade niemand da. Der nächste Campingstuhl, auf dem tatsächlich jemand sitzt, ist Nummer 15. Seit dem Vormittag sitzt hier Calen. 

Calen will gar kein neues iPhone kaufen. «Ich helfe einem Kumpel aus, der will das neue iPhone aber wirklich haben», sagt er. Um Mitternacht soll ihn sein Kumpel ablösen, er selbst geht dann schlafen. «Wir wechseln uns ab, dann ist es nicht so schlimm.» Die ganze Warteschlange ist ein bisschen so wie das iPhone: Früher mal spektakulär, mittlerweile ein Spiel mit der Erwartung. 



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    Alle Leser-Kommentare
  • oskar 11.09.2014 23:02
    Highlight Highlight naja, die religiöse Ekstase und die versprochene Glückseligkeit scheint mir vergleichbar. opium fürs volk
  • saukaibli 10.09.2014 15:59
    Highlight Highlight Naja, irgend einen Lebensinhalt muss doch jeder haben... und seien es nur Apple-Produkte.
    Und im Gegensatz zum christlich-muslimisch-jüdischen Gott gibt's Apple bewiesenermassen auch wirklich ;-)

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