Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
An iPhone is seen in Washington, Wednesday, Feb. 17, 2016. A U.S. magistrate judge has ordered Apple to help the FBI break into a work-issued iPhone used by one of the two gunmen in the mass shooting in San Bernardino, California, a significant legal victory for the Justice Department in an ongoing policy battle between digital privacy and national security. Apple CEO Tim Cook immediately objected, setting the stage for a high-stakes legal fight between Silicon Valley and the federal government. (AP Photo/Carolyn Kaster)

US-Sicherheitsbehörden fordern eine «Hintertür» für Apple-Handys.
Bild: Carolyn Kaster/AP/KEYSTONE

Apple hat recht: Kein Zugriff auf iPhones von toten Terroristen

Der US-Konzern will und kann dem FBI keinen Zugriff auf gesperrte Geräte geben – auch wenn sie gefährlichen Extremisten gehören. Das Unternehmen handelt richtig.

18.02.16, 18:45 19.02.16, 09:21

Christian Stöcker



Ein Artikel von

Das Selbstverständnis der US-Sicherheitsbehörden zeigt eine Frage, die der damalige NSA-Chef Keith Alexander 2008 intern an die eigenen Leute richtete: «Warum können wir eigentlich nicht alle Signale immer abfangen?». So sehen Geheimdienste die Welt und ihre Rolle darin. Informationelle Allmacht, das ist der Anspruch.

Starke Verschlüsselung ist die Antithese zu diesem Anspruch, sorgt sie doch dafür, dass sich Inhalte nur derjenige ansehen kann, der den Schlüssel hat. Android- und iOS-Handys kann man, einmal gesperrt, nur mit dem richtigen Pin-Code oder Fingerabdruck entschlüsseln. Das versetzt die Chefs von FBI, CIA, NSA und so weiter schon seit Längerem in Rage.

Geheimdienstler betreiben ungeniert Lobbying über unkritische Medien

Geheimdienst-Lobbyisten planen deshalb, das ist sogar schriftlich belegt, das zu ändern, indem sie «im Fall eines Terroranschlags oder eines Verbrechens», die Stimmung in der Öffentlichkeit für sich nutzen.

Genau das passiert gerade, gewissermassen mit Ansage. Vor drei Tagen gab CIA-Chef John Brennan der US-Sendung «60 Minutes» ein Interview, in dem er behauptete, man habe Tage vor den Anschlägen von Paris gewusst, dass der IS etwas plane, aber verschlüsselte Kommunikation habe die Strafverfolger daran gehindert, Details herauszufinden. Wie üblich ohne Belege. Kurz darauf fordert das FBI von Apple, das Handy eines der Attentäter von San Bernardino zu entsperren.

Es ist bemerkenswert, wie ungeniert und konzertiert die US-Sicherheitsbehörden mittlerweile über die Medien Polit-Lobbyismus in eigener Sache betreiben, aber das ist nur ein Randaspekt.

Im Kern geht es um eine alte Frage: Darf es Orte, darf es Gespräche geben, die allen ungebetenen Gästen, auch der Staatsgewalt, in jedem Fall verschlossen bleiben? Schliesslich darf die Polizei mit einem Durchsuchungsbeschluss ja zur Not auch Türen aufbrechen. Darf man, um im Bild zu bleiben, digitale Häuser mit Türen bauen, die nur der Besitzer öffnen kann?

«Wenn Privatsphäre ungesetzlich wird, haben nur noch die Gesetzlosen Privatsphäre.»

Phil Zimmerman, Kryptologe und PGP-Erfinder.

Die Position der Dienste mit dem Allmachtsanspruch ist stets: Wir machen das ja nur im Rahmen des Rechts. Dieses Argument ist im Zeitalter globaler Kommunikation und Technologie schnell entkräftet: Die Snowden-Enthüllungen haben deutlich gemacht, dass die Rechte anderer den US-Behörden im Zweifel gleichgültig sind, im Fall der CIA gilt das auch für die Menschenrechte.

Die CIA – unter Brennan! – zapfte sogar die Rechner von US-Abgeordneten an, die an einem Bericht über CIA-Folterungen arbeiteten. Nicht-US-Bürger brauchen sich ohnehin keine Hoffnung auf rechtsstaatliche Behandlung durch NSA & Co. zu machen.

Jeder kann Verschlüsselung nutzen. Auch der «IS»

Es gibt aber noch wichtigere Argumente gegen den Allmachtsanspruch:

Wer wirklich will, der wird auch dann, wenn iPhones FBI-Hintertüren haben, ein unknackbares Telefon nutzen, verschlüsselte Mails verschicken, verschlüsselt chatten können. US-Smartphones aber werden dann unsicher sein.

Der Erfinder des Verschlüsselungsprotokolls PGP, Phil Zimmerman, hat es schon in den Neunzigerjahren für die Ewigkeit formuliert: «Wenn Privatsphäre ungesetzlich wird, haben nur noch die Gesetzlosen Privatsphäre.»

Hintergrund-Storys zum «Islamischen Staat»

USA schicken 400 Soldaten in die Schlacht um die IS-Hochburg Rakka

Dutzende Tote: Terrormiliz Fateh al-Scham bekennt sich zu Anschlägen in Homs

Hipster im Irak: Bart in der Menge

Über 100 Beamte im Tessin im Einsatz – und sie fassen EINEN mutmasslichen Islamisten

«IS» verkündet Tod ihres Sprechers Abu Mohammed al-Adnani

Nein, Herr Trump, Obama ist NICHT der Gründer des «IS» – aber ganz unschuldig ist er auch nicht

Die jungen Soldaten des «IS»: Kindheit, Jugend, Selbstmordattentat

«IS»-Vorwurf gegen muslimische Schüler in Therwil fällt in sich zusammen

«Für präzise Angriffe»: US-Luftwaffe schickt erstmals B-52-Bomber gegen «IS»

US-Soldaten in Syrien: Obama will Kontingent versechsfachen

«IS» soll syrischen Piloten nach Kampfjet-Abschuss gefangen genommen haben

Kampf gegen «IS»: Deutschland richtet «Tornado»-Basis in der Türkei ein

Der «IS» funktioniert wie eine Sekte – das erklärt auch, warum die Terroristen so grausam sind

Der «IS» verliert und verliert – setzt die Terrormiliz jetzt auf Giftgas?

Der «Islamische Staat» wirbt im Darknet – zu Besuch bei der Terror-Propaganda-Abteilung

ETH-Sicherheitsexperte: «Es bringt dem ‹IS› nichts, Schweizer zu töten»

Die derzeit 6 populärsten Antworten auf den Terror – und warum sie alle in die Sackgasse führen

6 Indizien dafür, dass der IS schwächer ist, als wir dachten

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

Abonniere unseren Daily Newsletter

13
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • HansHoni 19.02.2016 13:04
    Highlight Ich musste grad etwas lachen. "Die Haltung von Apple ist bewundernswert..." mit der Fortsetzung ...und die Firma schützt die Daten nur, weil der NSA nix dafür bezahlt. Herrjeh... Apple der grosse Datenschützer. Eigenartige Sicht der Dinge.
    2 1 Melden
  • efrain 19.02.2016 12:32
    Highlight Für mich ist der Ansatz 'Überwachung' reine Symptombekämpfung - und das zum Preis der Gefahr, dass diese Macht misbraucht wird. Terroranschläge werden sich dadurch nie komplett verhindern lassen.

    Man sollte sich darauf konzentrieren, dass Menschen diese terroristische/kriminelle Energie gar nicht produzieren. Am erwähnten Beispiel des Rechtes auf Waffenbesitz lässt sich das schön illustrieren: "Guns don't kill people, people do." (So leid es mir tut, rechtskonservativen Amis recht zu geben.) - Und das geht nur durch Chancengleichheit, Durchmischung und Integration - was nun gobal wird.

    1 1 Melden
  • Madison Pierce 18.02.2016 22:25
    Highlight Es geht Apple übrigens mehr um ihren Ruf als um die Sache an sich, denn in der Vergangenheit haben sie häufiger iPhones für die Behörden entsperrt: http://www.thedailybeast.com/articles/2016/02/17/apple-unlocked-iphones-for-the-feds-70-times-before.html

    Dies einfach als interessante Anmerkung. Dem Konsumenten kann es schlussendlich egal sein, aufgrund welcher Motivation seine Daten geschützt sind.
    15 10 Melden
  • Madison Pierce 18.02.2016 21:49
    Highlight «Wenn Privatsphäre ungesetzlich wird, haben nur noch die Gesetzlosen Privatsphäre.»

    Den Spruch gab es wohl vorher schon als "Wenn Waffen ungesetzlich werden, haben nur noch die Gesetzlosen Waffen."

    Im Grunde geht es bei beiden Dingen um das Gleiche: "Recht des Einzelnen auf persönliche Freiheit" gegen "Recht der Gesellschaft auf Sicherheit".

    Interessant ist, dass in den USA das Recht auf Waffenbesitz höher bewertet wird als das Recht auf Privatsphäre. Waffe nicht offen tragen? Skandal, Präsident ist ein Kommunist! Abhörskandal der NSA? Ist halt so wegen dem Kampf gegen den Terror.
    32 3 Melden
  • flyingdutch18 18.02.2016 21:44
    Highlight Die Haltung von Apple ist bewundernswert. Es würde mich nicht erstaunen, wenn der Fall vor dem Supreme Court endet und Apple recht bekommt. Dann müsste der Kongress mit einem Gesetz die "Hintertür" verlangen, wozu aber - hoffentlich - die Mehrheit fehlt.
    21 5 Melden
  • Yelina 18.02.2016 19:27
    Highlight Es ist schlicht ein Abwägen zwischen "Schutz der Gesellschaft" gegenüber dem "Schutz der Privatsphäre jedes Einzelnen". Da es wohl mehr unbescholtene Bürger gibt als potenzielle Gewaltverbrecher, wähle ich den Schutz der Privatsphäre.
    65 6 Melden
    • InfinityLoop 18.02.2016 20:44
      Highlight Genau.Leider setzt sich niemand in den USA so vehement gegen die Waffenlobby ein.Bei allem Respekt für die Opfer der Terroranschläge noch die Frage,wieviele Tote gibt es jährlich durch Schusswaffen?Amokläufe,Familientragödien usw.
      14 7 Melden

Apple stellt das neue iPhone XS am 12. September vor – so sieht es aus

September ist traditionell die Zeit für neue iPhones. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die nächste Präsentation des Konzerns in knapp zwei Wochen.

Apple lädt für den 12. September zu einem Event in seinem Hauptquartier in Cupertino ein. September ist die Zeit, in der traditionell die neuen iPhone-Modelle rechtzeitig für das Weihnachtsgeschäft präsentiert werden. Der Konzern selbst machte in den Einladungen für die Keynote wie gewohnt keine Hinweise darauf, was zu erwarten ist.

Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg und des Branchenanalysten Ming-Chi Kuo will Apple für alle Preisklassen der nächsten iPhone-Generation das Design …

Artikel lesen