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Microsoft co-founder Bill Gates listens to a question during an interview in New York February 22, 2016. The Bill and Melinda Gates Foundation has turned its attention to the Zika virus outbreak, and its founders said the response to the crisis, which may be linked to devastating birth defects in South America, has been better than for the 2014 Ebola outbreak in Africa. REUTERS/Shannon Stapleton

Was geht im Kopf des reichsten Mannes der Welt vor?
Bild: SHANNON STAPLETON/REUTERS

Warum eiert der Microsoft-Gründer herum und fällt Apple in den Rücken?

Bill Gates findet, der iPhone-Hersteller solle mit dem FBI kooperieren und die starke Verschlüsselung umgehen. Nicht zum ersten Mal stellt sich der reichste Mann der Welt auf die falsche Seite.

24.02.16, 12:09 24.02.16, 14:34


Die Kraftprobe zwischen Apple und dem FBI treibt seltsame Blüten. Während die Chefs von Facebook, Twitter und Google dem iPhone-Hersteller öffentlich Rückendeckung geben und sich für eine starke Verschlüsselung aussprechen, sieht Microsoft-Gründer Bill Gates offenbar die US-Behörden im Recht.

Wenn Apple beim Entsperren des iPhones eines Terroristen helfen müsse, sehe er darin keinen Präzedenzfall, der in Zukunft die Privatsphäre gefährden würde, sagte der reichste Mann der Welt in einem Interview mit der «Financial Times». «Das ist ein konkreter Fall, in dem die Regierung nach Zugang zu Informationen fragt.»

Welche Agenda hat der Microsoft-Gründer?

Gates argumentiert, das FBI verlange keinen generellen Zugriff (auf alle iPhones). Die Situation sei nicht anders als bei einer Telekom-Firma oder einer Bank. «Sagen wir mal, die Bank hätte ein Band um die Festplatte gewickelt und gesagt: Zwingt mich nicht, dieses Band durchzuschneiden, weil ihr mich dann dazu bringt, es immer wieder zu tun», argumentierte der 60-Jährige.

Das sei falsch, kritisieren US-Kommentatoren. Apple habe keinen einfachen Zugang zu den Informationen, die das FBI wolle. Von daher sei der Banken-Vergleich nicht zutreffend.

Er rudert und rudert

Die Äusserungen des Microsoft-Gründers haben rund um den Globus für Aufsehen gesorgt. Gates sah sich prompt veranlasst, die gemachten Aussagen zu präzisieren. Seine Interview-Antworten seien von der «Financial Times» nicht richtig wiedergegeben worden.

Das Problem: Wie der folgende bei YouTube veröffentlichte Gesprächsmitschnitt zeigt, eierte Gates im Interview ziemlich herum. Eine deutliche Stellungnahme klingt definitiv anders. So weicht er beispielsweise der Frage des Journalisten aus, ob er grundsätzlich für staatliche «Hintertüren» sei, ob bei Apple oder Microsoft.

Bleibt die Frage: Welche Agenda hat der Microsoft-Gründer? Gibt es persönliche und/oder wirtschaftliche Gründe, sich nicht zu 100 Prozent für Apple und eine starke Verschlüsselung auszusprechen?

Der auf Microsoft-News spezialisierte US-Blog Win Beta ist solchen Fragen nachgegangen und hat keine einfache Antwort gefunden. Über die Gründe, warum sich Microsoft als einziger grosser Tech-Konzern nicht klar äussere, könne man nur spekulieren.

Es wird daran erinnert, dass Microsoft ebenfalls in einen Rechtsstreit mit der US-Justiz verwickelt sei. Dabei geht es um die Grundsatzfrage, ob ein von der US-Justiz ausgestellter Durchsuchungsbefehl die US-Ermittler ermächtigt, auch auf Firmen-Server im Ausland zuzugreifen. Microsoft wehrt sich mit seinen Anwälten dagegen – und tritt damit für den Schutz der Privatsphäre der Kunden ein.

Snowden? «Kein Held»

Gates ist bei dem von ihm mitgegründeten Windows-Konzern nicht mehr ins operative Geschäft involviert. Der reichste Mann der Welt will mit einer privaten Stiftung die Welt verbessern und äussert sich immer wieder öffentlich zu brennenden gesellschaftlichen Themen.

Angesichts der jüngsten Äusserungen kommt einem unweigerlich die Attacke von Gates auf den US-Whistleblower Edward Snowden in Erinnerung. Snowden habe das Gesetz gebrochen und sei für ihn mit Sicherheit kein Held, sagte er 2014 in einem Interview.

Kommentatoren erinnern daran, dass Microsoft unter Gates dem Geheimdienst NSA Zugang zu verschlüsselten Kundendaten verschafft habe. So hätten die US-Schnüffler dank technischer Hintertüren auf den Mail-Dienst Outook.com und auf Skype zugreifen können.

Umfrage

Auf welcher Seite steht Bill Gates?

  • Abstimmen

452 Votes zu: Auf welcher Seite steht Bill Gates?

  • 42%FBI
  • 4%Apple
  • 53%Schwer zu sagen, er ist ein Micro-Softie

* Die vorgeschlagenen Umfrage-Antworten sind von der Online-Umfrage des US-Techportals The Verge übernommen worden.

Protesters carry placards outside an Apple store Tuesday, Feb. 23, 2016, in Boston. Demonstrators are expected to gather in a number of cities Tuesday to protest the FBI obtaining a court order that requires Apple to make it easier to unlock an encrypted iPhone used by a gunman in December's shooting in San Bernardino, Calif. (AP Photo/Steven Senne)

«Knackt nicht unsere Handys»: Vor Apple Stores kam es am Dienstag zu Protesten gegen das FBI.
Bild: Steven Senne/AP/KEYSTONE

Apple hat zurecht Angst vor einem Präzedenzfall

Apple weigert sich, der US-Bundespolizei FBI die geforderte technische Hilfe beim Entsperren des iPhones eines toten Terroristen zu leisten. Konzernchef Tim Cook erklärt, dafür müsste erstmals eine Software geschrieben werden, die es möglich macht, den Passwort-Schutz auszuhebeln.

Die US-Behörden betonen zwar, das Programm solle nur auf dem einen Gerät laufen können und könne danach auch gelöscht werden. Apple befürchtet jedoch, dass daraus ein Präzedenzfall wird, und dass die Software in falsche Hände geraten könnte.

Nicht zu unrecht, wie die jüngsten Medienberichte aus den USA zeigen. So ist mittlerweile bestätigt, dass die Ermittler noch mehr iPhones knacken wollen. Und der ehemalige NSA-Direktor kritisiert öffentlich, es gehe dem FBI um «eine Hintertür für alle Geräte weltweit».

Die Terror-Angst ausnutzen

Wer sich für die technischen Details rund um die iPhone-Verschlüsselung interessiert, wird in diesem lesenswerten FAQ der Electronic Frontier Foundation (EFF) fündig.

Die US-Bürgerrechtsorganisation bezieht klar Stellung für Apple. Der iPhone-Hersteller dürfe nicht gezwungen werden, Spezial-Software zu entwickeln, um die eigenen Geräte zu knacken. Dies wäre zu riskant und würde der heute üblichen Sicherheits-Praxis widersprechen.

Es ist ein politisch heikler Fall, denn das FBI hat sich für das Vorgehen gegen Apple einen Fall ausgesucht, bei dem die Ermittler mit einer breiten Unterstützung der Öffentlichkeit rechnen können, weil es um die Angst vor Terroranschlägen geht: Das iPhone 5C wurde von Syed Rizwan Farook genutzt, der mit seiner Frau Anfang Dezember im kalifornischen San Bernardino 14 Menschen erschoss.

Die Chefs von Facebook, Twitter, Google oder WhatsApp stellten sich dennoch hinter Apple. Auch Microsoft unterstützte – wenn auch indirekt – über eine Industriegruppe die Position von Apple.

Gegen Drogenhändler

Unterdessen arbeiten US-Ermittlungsbehörden laut einem Zeitungsbericht an Anträgen vor Gerichten, um Apple in etwa einem Dutzend weiterer Fälle zur Hilfe beim Entsperren von iPhones zu zwingen. Dabei gehe es nicht um einen Terror-Verdacht, schrieb das «Wall Street Journal» am Dienstag unter Berufung auf informierte Personen, sondern unter anderem um Drogenhandel.

Die Ermittler beschweren sich schon länger, dass sie mit der unknackbaren Verschlüsselung von Apple und Google zum Teil nicht in Geräte von Verdächtigen reinkommen, auf denen sich Beweise finden können. Apple hatte am Montag vorgeschlagen, das Problem mit allen seinen Auswirkungen sollte statt einer gerichtlichen Auseinandersetzung von einer Experten-Kommission analysiert werden.

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • bingo75 26.02.2016 08:17
    Highlight Ich finde es sehr schade dass die Medien versuchen die Leser von ihrer persönlichen Meinung zu überzeugen.

    Es sollte objektiv berichtet werden und nicht auf eine Partei eingeschossen werden und eine andere in den Himmel gelobt werden.
    Es steckt viel mehr dahinter, als hier beschrieben wird. Es geht auch nicht darum das Bill Gates der Böse ist und Apple die Guten.
    9 1 Melden
  • bingo75 26.02.2016 08:16
    Highlight Ich finde es sehr schade dass die Medien versuchen die Leser von ihrer persönlichen Meinung zu überzeugen.

    Es sollte objektiv berichtet werden und nicht auf eine Partei eingeschossen werden und eine andere in den Himmel gelobt werden.
    Es steckt viel mehr dahinter, als hier beschrieben wird. Es geht auch nicht darum das Bill Gates der Böse ist und Apple die Guten.
    6 1 Melden
  • InfinityLoop 24.02.2016 18:44
    Highlight Irgenwie glaube ich das nicht alle kapieren um was es geht.Seit iOS 8 ist die Verschlüsselung drin,also fast eineinhalb Jahren.Weder Apple noch sonst irgendwer kann den Entsperrungscode umgehen da sich das Telefon mit jedem falschen Code immer länger zusperrt.Oder eben je nach Einstellung nach zehn Versuchen ganz die Daten löscht.Das FBI will das Apple beim nächsten Update das wieder ändert.Es geht gar nicht um das einzelne Telefon der Terroristen.Das kriegt niemand wieder hin.Ist einfach eine günstige Gelegenheit um dem Volch wieder Angst zu machen.Ich hoffe das Apple hart bleibt.
    22 5 Melden
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 24.02.2016 15:29
    Highlight Typisch für wenig tech-versierte Medien, die wollen immer alles Schwarz-Weiss sehen, die Realität ist aber oft komplexer. Bill hat eine differenzierte Meinung und geht scheinbar davon aus, dass die Verschlüsselung auf dem Gerät nicht relevant ist, da die Daten sicher auch noch bei Apple gelagert sind.

    Zudem hat Tim bewusst die Situation als ein Publicity Stunt genutzt und spielt auf wie wichtig ihnen angeblichen der Datenschutz ist. Das sich Tim gegen den FBI stellt, anstatt versucht in Kooperation eine Lösung zu finden, verstehe ich nicht.
    19 17 Melden
    • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 25.02.2016 10:55
      Highlight Es ist immerhin im Gesetz verankert, dass die Regierung per Gerichtsbeschluss Einsicht in die Kundendaten bekommen kann. Wenn einem das nicht passt, musst man das Gesetz anpassen.

      Wie kann man von Demokratie reden, wenn man selber nicht bereit ist, das Gesetz zu befolgen?

      Das Sie die NSA und die FBI in den gleichen Topf werfen und nicht verstehen, wie die Gewaltentrennung in einer Demokratie funktioniert, zeigt wie undifferenziert und oberflächlich Ihr Weltbild diesbezüglich ist.
      4 3 Melden
    • Alex_Steiner 25.02.2016 11:15
      Highlight Wurde mein Kommentar nicht aufgeschalten?

      Apple kooperiert mit dem FBI und hat ihnen alle Daten aus der iCloud ausgehändigt. Einzig was fehlt sind die Daten auf dem Handy - ja moment, warum gleicht sich das iPhone nicht automatisch ab? Weil das FBI das Passwort geändert hat - WHOOPS.

      Böse Leute könnten behaupten sie haben absichtlich so einen Anfänger Fehler begangen damit sie Apple zwingen können die Verschlüsselung aufzuheben.

      Wenn China nach einem Tool fragen würde um alle iPhones zu Hacken - würden sie es ihnen geben? Nein? Warum dann dem FBI?!
      5 2 Melden
  • DailyGuy 24.02.2016 14:44
    Highlight Tragisch ist, dass die Propaganda Maschine des FBI ohne Probleme laufen. Die Leute sind sich nicht bewusst, was ein Hintertürchen bedeuten würde und stellen sich deshalb auf die Seite des FBI. Wenn man das ganze verfolgt hat, weiss man ja, dass der FBI Chef seit Monaten gegen Apple wettert. Und das iPhone vom Terroristen kommt ihm jetzt nur recht. So kann man schön auf Emotionen spielen.
    26 8 Melden
  • benjo46 24.02.2016 14:07
    Highlight Seit längerem habe ich Mühe mit Medien. Ob bei Abstimmungen oder in diesem Rechtsstreit ihr versucht die Leser in eine bestimmte Richtung zu lenken. Für mich sollten Medien eine andere Funktion haben (aufklären aber neutral). Für diese Frage bei Apple-FBI gibt es meiner Meinung nach eine einfache Lösung...
    10 9 Melden
    • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 24.02.2016 15:05
      Highlight Welche?
      4 1 Melden
    • benjo46 24.02.2016 15:15
      Highlight Apple kann bei sich intern die Daten entschlüsseln. Und rein die Daten an das FBI weitergeben. Keine Entschlüsslungssoftware oder sonst was... Bei weiteren Anfragen wird sich zeigen von wem das FBI Daten will (Terrorist oder Normalnutzer). Abgesehen davon sollte das hochgelobte FBI in der Lage sein, ein Iphone zu entschlüsseln... Apple bewundere ich wegen dem Marketing und auch diese Situation nutzen sie zu ihrem Besten. Für das FBI ist es peinlich.
      6 11 Melden
    • rabatt13 24.02.2016 15:34
      Highlight Es handelt sich hier um einen Kommentar, logisch versucht der Autor seine Meinung darzulegen
      7 3 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Fumo 24.02.2016 13:29
    Highlight Kennt jemand eine Firma die öffentlich gegen seine Kunden spricht?
    Die meisten kennen Microsoft halt nur als Windowshersteller im privaten Bereich, aber sie verdienen auch viel mit Firmen und Institutionen. Eine davon ist die US Regierung, wahrscheinlich auch die Zahlungskräftigste.
    15 2 Melden
  • Lowend 24.02.2016 12:15
    Highlight Microsoft hat sicher schon, ob bewusst oder unbewusst, ettliche Hintertüren eingebaut und Bill Gates hat doch nur Angst, dass ihm die Kunden davonlaufen!
    25 13 Melden

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