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Microsoft bringt Skype Bots für Windows, Android und iOS. Firmen können Chat-Bots entwickeln, die automatisch Kundenfragen beantworten oder Bestellungen aufnehmen.

Microsoft lässt die Bots los: «Bald wird jede Firma einen Chat-Bot haben, so wie sie heute eine Website hat»

Microsoft glaubt, dass wir künftig immer öfter mit Chat-Bots kommunizieren – etwa, wenn wir online eine Pizza bestellen. Wie das genau funktioniert, zeigt das Unternehmen auf seiner Entwicklerkonferenz.

Matthias Kremp, san francisco 



Ein Artikel von

Spiegel Online

Haben Maus und Tastatur bald ausgedient? Nach Microsofts Ankündigungen auf der Build-Konferenz in San Francisco könnte man das meinen. Viel wurde dort darüber gesprochen, wie man den PC in Zukunft bedienen wird. Microsoft setzt dabei neuerdings vor allem auf digitale Stifte und Sprache, während dem Windows-Hersteller zufolge ausgerechnet das Betriebssystem weiter in den Hintergrund rückt. «Gespräche als Plattform» ist eines der derzeit wichtigsten Microsoft-Stichworte.

Was man sich darunter vorstellen kann, hat der Konzern in San Francisco mit einigen Demos gezeigt. Da erkannte Cortana, die sprachgesteuerte Assistenzfunktion von Windows 10, beispielsweise anhand von E-Mails automatisch anstehende Termine. Wie eine gute Assistentin, trug sie diese in den Kalender ein und hatte auch gleich zum Termin passende Vorschläge parat – etwa, wo man zum Mittagstermin Essen bestellen oder einen Tisch reservieren könnte.

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Cortana erkennt zum Beispiel anhand von E-Mails automatisch anstehende Termine und warnt, wenn es Terminkonflikte gibt. 
bild: thenextweb

Cortana soll bald noch mehr können. So erinnerte sie sich im Beispielszenario auch daran, in welchem Spielzeugladen von San Francisco der Präsentator im Vorjahr einkaufen war und wusste, an welcher Powerpoint-Präsentation er am Vorabend gearbeitet hatte. Damit das alles funktioniert, muss man der Software freilich weitreichende Rechte einräumen: Man muss sie etwa E-Mails mitlesen und auf den Kalender zugreifen lassen.

Was darf Cortana wissen?

Ein Microsoft-Sprecher beteuerte zwar, das geschehe alles unter Wahrung der Datenschutzregeln und man würde diese Daten nur zu Analysezwecken für Cortana nutzen. Manch einem Anwender wird das als Sicherheit aber nicht reichen. Selbst bei Microsoft ist man sich offenbar noch nicht sicher, wie man mit dem Thema umgehen soll.

Man werde das jetzt erst einmal mit einer Vorabversion ausprobieren, die an die sogenannten Windows Insider verteilt wird, sagte der für Cortana zuständige Manager Marcus Ash in einer Diskussionsrunde. Wie die Freigabe persönlicher Daten an Cortana am Ende tatsächlich gehandhabt werde, sei noch nicht entschieden.

Wo treibt sich Cortana rum?

So oder so: Man wird die neuen Fähigkeiten von Cortana bald selbst ausprobieren können. Im Jubiläums-Update von Windows 10, das am 29. Juli veröffentlicht wird, sollen sie bereits enthalten sein. Vorerst bezieht sich das nur auf Windows, aber nicht nur auf PC.

«Wir gehen davon aus, dass Cortana in vielen unterschiedlichen Umgebungen funktionieren wird», sagt Microsofts Bing-Chef Derrick Connell. «Mit dem Jubiläums-Update beispielsweise auch auf der Xbox One, später auch in Autos.»

Doch auch dabei soll es nicht bleiben. Ergänzend zu Cortanas neuen Fähigkeiten kündigte Microsoft an, vieles von der künstlichen Intelligenz, die für das System entwickelte wurde, Drittanbietern zur Verfügung zu stellen. Ein bemerkenswerter Schachzug, schliesslich dürfte die Entwicklung dieser Technik beträchtliche Millionenbeträge gekostet haben. Der Betrieb der für Cortana nötigen Rechenzentren wird mit beachtlichen Summen in Microsofts monatlichen Abrechnungen stehen.

Uneigennützig sind aber zumindest Angebote wie die sogenannten Cognitive Services nicht: Ab einer bestimmten Zahl von Praxiseinsätzen mancher Microsoft-Software müssen Drittanbieter dem Konzern eine Gebühr zahlen.

«Wir glauben, dass bald jede Firma einen Bot haben wird, so wie sie heute eine Website hat.»

In Microsofts Vision werden sich künftig Heerscharen kleiner «Bot»-Programme der Intelligenz von Cortana bedienen, um spezifische Aufgaben im Dialog mit dem Anwender zu erledigen. Gezeigt wurde ein Bot, bei dem man mit normaler Sprache eine Pizza bestellen kann. Ein anderes Beispiel zeigte, wie die Technologie helfen kann, ein Hotelzimmer zu bestellen. Laut Bing-Chef Connell ist das das nächste grosse Ding: «Wir glauben, dass bald jede Firma einen Bot haben wird, so wie sie heute eine Website hat.»

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Cortana kann künftig zum Beispiel automatisch das Mittagessen ins Büro bestellen.

Microsofts Chat-Software Skype soll dabei als eine Art Vermittler zwischen den vergleichsweise einfach gestrickten Bots, der Intelligenz von Cortana und dem Anwender agieren. Wenn etwa der Bot eines Pizzaservices nach der Lieferadresse fragt, kann sie ihm diese Information geben und dem Anwender gleichzeitig Status-Updates zum Liefervorgang senden.

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Über die neue Skype-Bot-Plattform können Entwickler eigene Text- und Video-Chatbots für Skype erstellen. Der Nutzer merkt allenfalls gar nicht, dass er seine Pizza nicht bei einem Menschen, sondern beim Bot des Pizzaservices bestellt.
YouTube/Skype

Unklar ist noch, wie und ob Anwender im Gespräch oder Chat merken werden, ob sie mit einem Bot oder einem Menschen kommunizieren. Es sei durchaus denkbar, dass ein Bot den Anwender bei einer kniffligen Frage an einen menschlichen Chat-Partner weiterreicht, der das Gespräch nach Lösung des Problems wieder an den Bot zurückgibt, erklärte Lili Cheng von Microsofts FUSE-Labor.

Microsofts neuer Weg

All diese Ideen zeigen, dass Microsoft mitten im Umbau steckt – und für das Duell mit Konzernen wie Google bereit ist, die Dritten ebenfalls in bemerkenswertem Umfang eigene Software zu Verfügung stellen. Google beispielsweise ermöglicht es Drittentwicklern seit kurzem, seine Spracherkennungstechnologie zu nutzen.

Microsoft erfindet neue Technologien für den Umgang mit Computern und definiert sich damit selbst neu. Bezeichnend dafür war die fast völlige Abwesenheit von Windows-Smartphones in den Präsentationen. Stattdessen wurden immer und immer wieder Android und iOS als zu Windows gleichwertige Plattformen gezeigt.

Das kann man so deuten, dass Microsoft den Kampf ums Smartphone aufgegeben hat. Viel zu holen ist für das Unternehmen in diesem Bereich ohnehin nicht: Die Marktforscher von IDC prognostizieren für 2016 einen weltweiten Marktanteil von 1,6 Prozent für Windows-Smartphones, bei insgesamt nachlassenden Wachstumsraten.

Man kann es aber auch positiv sehen: Statt weiter zu versuchen, eigene Smartphones im Markt zu etablieren, platziert sich Microsoft mit seinen Cloud-Angeboten auf den Geräten der Konkurrenz und macht seine Dienste damit unabhängig vom jeweiligen Betriebssystem.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Hexentanz 01.04.2016 00:58
    Highlight Highlight «Wir glauben, dass bald jede Firma einen Bot haben wird, so wie sie heute eine Website hat.

    Seelig sind die im Glauben starken? Oder wie war das?

    Ich frag mich wann der tech Wahnsinn aus SiliconValley endlich aufhört und die mal wieder was entwickeln das uns vorwärts bringt (occulus und so mal ausgelassen).. Ich mein halt 98% sind sinnlose gadgets.
    • Fumo 01.04.2016 08:29
      Highlight Highlight Weil Oculus ja kein reines Spielzeug ohne Sinn ist...
  • Imfall 01.04.2016 00:16
    Highlight Highlight hatte letztens mit dem Kundendienst der Swiss zu tun... Ich könnte schwören das ich mich mit einem Bot "Unterhalten" habe
    • JohnDoe 01.04.2016 15:38
      Highlight Highlight Wenn sowieso nur starr Prozessabläufe durchgearbeitet werden müssen, kommt es auch nicht mehr darauf an, ob nun ein Bot oder ein Mensch am anderen Ende ist (zumindest für einen selbst)

      --> Daher, es benötigt ein Konzept für die Zukunft --> Alternative Konzepte wie kürzere Arbeitswochen und bedingungsloses Grundeinkommen sind zu prüfen
  • Kookaburra 31.03.2016 22:56
    Highlight Highlight Besonders interessant war der kürzlich von microsoft auf Twitter losgelassene bot "Tay". Sie lernte von den anderen Usern.

    Long story short:
    Nach nicht einmal 24h hatte sie sich zu einem durchschnittlichen Internetkommentar-Troll entwickelt und war absolut rasisstisch und ein totales Arschloch. Die AI wurde dann "offline" genommen...

    googelt es, herrliche Geschichte :)
  • Gipfeligeist 31.03.2016 21:59
    Highlight Highlight Haha, also wenn jede Konversation wie beim "Cleverbot" endet :D Kann man (glaub) auf cleverbot.com benutzen

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