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Libre Office: Nicht so hübsch wie Microsoft Office, aber gratis.  bild: wikipedia

Darum solltest du Libre Office auf keinen Fall aus dem Windows Store herunterladen

Wer sich das Geld für Microsofts Office-Programme sparen will, kann sich die Gratis-Alternative Libre Office auf den PC oder Mac laden. Nun findet man die freie Bürosoftware auch im App-Store von Windows 10. Aber die Sache hat einen Haken.



Libre Office ist seit Jahren eine populäre Gratis-Alternative zu Microsoft Office. Zum Büropaket gehören Programme für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation und zum Erstellen von Zeichnungen. Das Open-Source-Programm wird von der Libre-Office-Gemeinschaft entwickelt und kann für Windows, Mac und Linux heruntergeladen werden

Seit einigen Tagen gibt es auch im App-Store von Windows 10 eine Libre-Office-Version, die man allerdings für 3.10 Franken kaufen soll. Gleichzeitig wird eine kostenlose, zeitlich unlimitierte Testversion angeboten. 

Betrug im Microsoft Store mit eigentlich kostenfreier Open-Source-Software?

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screenshot: microsoft store

Bei der App-Beschreibung heisst es: «Der Einkauf unterstützt uns.» Bloss, wen unterstützt man mit dem Kauf? Denn Libre Office wurde nicht von den Entwicklern selbst in den Microsoft Store gestellt, wie diese auf Twitter klarstellen.

Wenn Libre Office im Microsoft Store nicht von den Entwicklern stammt, stellen sich mindestens zwei Fragen:

Die Libre-Office-Entwickler schreiben:

«Wir wurden auf eine inoffizielle Version von Libre Office im Windows Store aufmerksam gemacht. Wir untersuchen den Vorfall noch, aber um es deutlich zu sagen: Dies ist keine offizielle Version von uns, daher ist die App irreführend. Die einzige offizielle Quelle der Software (die kostenlos heruntergeladen werden kann) ist die Libre-Office-Webseite: https://www.libreoffice.org. Das Geld aus der Windows Store Version wird nicht von uns eingesammelt.»

Italo Vignoli, The Document Foundation bleepingcomputer

So wurde Libre Office gekapert

Fest steht: Libre Office wurde gekapert und ohne Wissen der offiziellen Entwickler, der Document Foundation, im Microsoft Store veröffentlicht. Als Herausgeber der Software ist ein unbekannter Entwickler namens .net angegeben.

Unklar ist das Motiv dahinter: Will sich jemand an der Open-Source-Software bereichern oder geht es im Gegenteil darum, Libre Office durch die Portierung in den Microsoft Store von Windows 10 bekannter zu machen? 

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Stand heute sieht es ganz danach aus, dass sich ein unbekannter Entwickler Libre Office geschnappt und via Microsofts Desktop Bridge in den App-Store von Windows 10 gestellt hat. Microsofts Desktop Bridge ist ein Tool, welches Software-Entwicklern erlaubt, ihre bisherigen Desktop-Programme bequem in den Microsoft Store zu portieren. Dies können sich aber auch Dritte zu Nutze machen. 

Alles ganz legal?

Grundsätzlich darf man mit Open-Source-Software machen, was man will und damit auch Geld verdienen, sofern alle anderen Lizenzvereinbarungen eingehalten werden. Für Libre Office stellt sich nun die Frage, ob man gegen den Unbekannten vorgehen kann und will. Genau dies prüfen die Libre-Office-Entwickler aktuell, wie sie auf Twitter schreiben.

Doch selbst wenn die Aktion von .net legal sein sollte, bleibt sie fragwürdig. Denn aus seiner App-Beschreibung wird nicht ersichtlich, dass es sich um eine inoffizielle Libre-Office-Version handelt. Nutzer, die mit dem Kauf für ein Open-Source-Projekt spenden wollen, zahlen also allenfalls in die Taschen eines Trittbrettfahrers. 

Hätte .net klar deklariert, dass es sich um eine inoffizielle Libre-Office-Version handelt und der Käufer somit für die Portierung in den App-Store bezahlt, sähe die Sache etwas anders aus: Denn schliesslich hat .net Libre Office in den Microsoft Store gebracht, sprich die Arbeit übernommen, die man eigentlich von den Libre-Office-Entwicklern hätte erwarten können. Der App-«Dieb» muss Microsoft zudem Gebühren für seinen Entwickler-Account entrichten und hat allenfalls weitere Aufwände, beispielsweise bei kommenden Updates. 

Microsoft kontrolliert zu wenig

Die Libre-Office-Entwickler haben Microsoft inzwischen über den Vorfall informiert. Es dürfte daher nur eine Frage von Stunden sein, bis die inoffizielle App aus dem Microsoft Store verschwindet. 

Bleibt festzuhalten, dass Microsoft seinen App-Store offenbar zu wenig kontrolliert. Die gekaperte Libre-Office-App wurde bereits am 9. Juli 2018 in den Store gestellt und ist erst aufgeflogen, als sie ein Journalist entdeckt hat.

Microsoft macht es Software-Entwicklern bewusst sehr einfach, ihre Programme in den Microsoft Store zu bringen – offenbar etwas zu einfach. Vor wenigen Tagen wurde bereits bekannt, dass eine Firma mehrere Google-Apps gekapert und ohne Erlaubnis in den Microsoft Store gestellt hat. Google selbst boykottiert den App-Store für Windows 10 nach wie vor, um seinem eigenen Betriebssystem einen Vorteil zu verschaffen.

Die Verwirrung um Libre Office hätte zudem von Anfang an vermieden werden können, wenn die Entwickler-Community ihr Programm selbst in den Microsoft Store gebracht hätte – schliesslich wäre es in ihrem eigenen Interesse, dass ihre Office-Alternative von den Kunden gefunden wird.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Daniel Caduff 24.07.2018 10:16
    Highlight Highlight Einen OEM-Key für Microsoft Office 2016 Professional Plus erhält man aktuell ab ca. 2 USD via E-Bay.

    Eine Office 365 Lizenz für 5 Geräte erhält man aktuell ab ca. 1.50 USD.

    Da frage ich mich dann schon, wer freiwillig mit LibreOffice oder OpenOffice arbeitet. Und dafür dann noch 3 CHF zu verlangen, ist schon ziemlich dreist.
    • Mitz en place 24.07.2018 12:55
      Highlight Highlight Z.B das Bundesgericht in Lausanne.
    • Daniel Caduff 24.07.2018 13:23
      Highlight Highlight Meines Wissens benutzt das Bundesgericht nicht LibreOffice, sondern Apache OpenOffice, wo wiederum IBM im Hintergrund steht. siehe: https://www.inside-it.ch/articles/37508

      Versteh mich nicht falsch, ich habe überhaupt nichts gegen Opensource. Ich finde einfach LibreOffice im Vergleich zu MS Office immer noch um Welten schlechter. Formatierungen werden nicht korrekt übernommen, automatisierte Integration von Dateiinhalten aus anderen Programmen ist "Pain in the ass", von automatisierten Inhalts- und Literaturverzeichnissen bis hin zu Tablet- oder Webapps, Sharpoint, etc. ganz zu schweigen.
  • NotWhatYouExpect 24.07.2018 09:59
    Highlight Highlight Der Ausdruck "gekaperte" passt hier einfach nicht, denn weder wurde ein Account von LibreOffice gehackt oder die Software selber.

    Es wurde einfach nur ausgenutzt, dass es noch keine Software mit dem Namen LibreOffice im App-Store von Windows gab.
  • Bjoern Aeschlimann 23.07.2018 23:48
    Highlight Highlight Open Office ist sowie so besser
  • Nick Name 23.07.2018 23:07
    Highlight Highlight Wegen des offensichtlich nicht ganz koscheren Angebotes im App-Store LibreOffice vorzuhalten, die Community hätte ihr Programm selbst in den Store bringen können, finde ich – nun, chly bumerangig argumentiert.
    Eine solche Haltung hat kein Ende: Es gibt so gut wie immer überall noch etwas, das man hätte tun können, um etwas Mögliches zu vermeiden (oder zu ermöglichen) ... ;-)
  • Alpöhy 23.07.2018 22:04
    Highlight Highlight Open Office und Libre Office kann man auch von Portableapps.com runterladen, als portable Version, die auch auf einem Stick oder SD Karte läuft und keine Registry Einträge macht.
    Dort gibts sehr viel Software die portable ist, z.B. auch Firefox, Thunderbird, Gimp, VLC uvm.
    • Rasty 23.07.2018 22:23
      Highlight Highlight Eignet sich auch sehr gut, um Programme zu installieren auf PCs, auf denen man keinen Admin hat.
  • meine senf 23.07.2018 19:18
    Highlight Highlight Ich nutze Windows seit 3.1 (neben Linux), wäre aber noch nie auf die Idee gekommen, einen Microsoft-App-Store zu benutzen.

    Eine Berechnung von Vertriebskosten ist meinens Wissen von der GPL aber gestattet. Man kann es ja jederzeit gratis von LibreOffice herunterladen. Ein anderes Thema sind natürlich nicht deklarierte Abänderungen (sofern es nicht unter einem geändertem Namen vertrieben wird, siehe Firefox/Iceweasel etc.)

    Aber heute sind sich wohl viele nur noch die AppStores gewohnt und kommen gar nicht auf die Idee, nach anderen Quellen zu schauen.
  • Mah0niz 23.07.2018 18:58
    Highlight Highlight ...oder man kauft auf ebay.ch eine Lizenz für die Installation auf bis zu 5 Geräte ;-) Suche nach „Office 365 lifetime“ viel vergnügen
  • The Count 23.07.2018 18:42
    Highlight Highlight OpenOffice installieren und gut ist.
    • Midnight 23.07.2018 18:51
      Highlight Highlight OpenOffice wird nicht mehr regelmässig gepflegt. Der OpenOffice Fork LibreOffice hingegen schon.
    • meine senf 23.07.2018 19:11
      Highlight Highlight Das war tatsächlich mal so. OpenOffice gehörte aufgrund der Sun-Übernahme Oracle, die kein grosses Interesse daran hatten. So entstand der Fork LibreOffice.
      Mittlerweile wurde OpenOffice von Apache übernommen.
      Unter diesen Umständen wäre es eher gut, man würde sie wieder zusammenführen. Ich weiss nie, wo die Unterschiede sind und was besser ist.
    • The Count 23.07.2018 20:19
      Highlight Highlight Midnight, meines Erachtens muss es auch nicht gepflegt werden. Es verrichtet seinen Dienst zuverlässig und dies auch heute noch.
    Weitere Antworten anzeigen
  • You will not be able to use your remote control. 23.07.2018 17:51
    Highlight Highlight Eine richtige Distribution tut halt (Open Source) Software selbst in ihr Archiv einpflegen und aktuell halten und macht das nicht für irgendwelche Fremden möglichst einfach.

    Die Geschichte zeigt nur, wie wenig dieser Windows Store taugt.
    • zeromaster80 23.07.2018 18:44
      Highlight Highlight Welcher App-Store taugt denn mehr und hat weniger illegale oder geklaute Inhalte? Er ist so gut/schlecht wie die anderen bzw. Hat man halt die Option vollwertige Programme darüber zu beziehen ohne dutzende Launcher dritter...
    • Midnight 23.07.2018 19:31
      Highlight Highlight @zeromaster Der Mac App Store zum Beispiel.
  • Scaros_2 23.07.2018 17:49
    Highlight Highlight Ha! Ich gucke diese Apps eh nie an weil es findet sich doch eh nur Müll darunter.

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