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Musikhören in den 80ern.

Als Sony vor 40 Jahren den ersten Walkman baute – und der Erfinder beinahe im Ruin endete

Das erste Gerät, in das jede und jeder jederzeit und allerorts die Kassette nach Wahl einlegen und sich über Kopfhörer zu Gemüte führen konnte. Vor 40 Jahren kam der erste Walkman auf den Markt. Er markiert den Beginn einer Ära.

Niklaus Salzmann / ch media



Vor vierzig Jahren hat das Individuum die endgültige Herrschaft über die Musik gewonnen. Zuvor mussten sich junge Leute in Discos dem Geschmack der DJs unterwerfen. Sie waren an Konzerten von der Tagesform der Band abhängig. Oder sie mussten in der elterlichen Stube darum kämpfen, zwischen Mozart und Beethoven an der Stereoanlage ein Zeitfenster für «YMCA» und «Stayin’ Alive» zu erhalten.

Dann, am 1. Juli 1979, kam ein Gerät auf den Markt, in das jede und jeder jederzeit und allerorts die Kassette nach Wahl einlegen und sich über Kopfhörer zu Gemüte führen konnte: der Walkman. Genau genommen der Sony Walkman TPS-L2, wie das erste Modell hiess. Es war der Beginn einer Ära, in der Musik mit kleinen, tragbaren Geräten abgespielt wird, jener Ära, in der wir bis heute leben.

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Sonys Walkman TPS-L2 von 1979. bild: via ericwrobbel

Zuvor hatten Jugendliche auf ihren Radiorekordern an belebten Plätzen in voller Lautstärke «Highway To Hell» abgespielt und damit der Welt gesagt: Hier bin ich, ob es euch passt oder nicht. Die Generation Walkman dagegen zog den Kopfhörer über die Ohren und signalisierte damit: Lasst mich in Ruhe, so wie ich euch in Ruhe lasse.

Damit wurde das Musikhören von einem kollektiven zu einem persönlichen Erlebnis. Doch es ging nicht nur um Musik, sondern auch um Stil. Die Stereoanlagen und Radiorekorder der Siebziger mussten gross, ja wuchtig sein, um gut zu wirken. Der Walkman kam dagegen – für damalige Verhältnisse – klein und chic daher. Schon das erste Modell sah mit seiner blauen Farbe eher nach Spielzeug als nach Maschine aus. Spätere Ausgaben wurden etwas eleganter, runder und kleiner, doch der Miniaturisierung waren durch die Dimensionen der Audiokassetten Grenzen gesetzt.

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Die Original-Verpackung des ersten Sony-Walkman. bild: ebay

Hinzu kam die eine oder andere technische Spielerei; Geräte, bei denen die Kassette nicht mehr gewendet werden musste, was Musikgenuss in Endlosschlaufe ermöglichte. Equalizer und Knöpfe zur Verstärkung der Bassfrequenzen, welche die miserable Qualität der miniaturisierten Kopfhörer wettmachen sollten. Und der Suchlauf, der automatisch den Beginn des nächsten Liedes fand. Letzteres war für Kassettenliebhaber ein Segen: Endlich waren sie nicht mehr gezwungen, auch die weniger genehmen Songs anzuhören oder durch mühsames Hin- und Herspulen das Lieblingsstück zu suchen.

Doch im Grunde war diese Funktion ein verzweifelter Versuch, mit Kassetten den CDs nachzueilen, bei denen in Sekundenbruchteilen auf jedes Lied zugegriffen werden konnte. Drei Jahre nach dem Walkman kamen die ersten CDs auf den Markt, und bereits nach weiteren zwei Jahren gab es auch für sie mobile Abspielgeräte zu kaufen.

Walkman-Erfinder kam aus Deutschland

Jedes Unternehmen, das Unterhaltungselektronik herstellte, musste damals ein Walkman-Modell anbieten. Doch nur eines durfte die Geräte so nennen: Sony hielt die alleinigen Rechte für den Begriff. Es waren Glanzjahre für die japanische Firma. Weniger glänzend ging es derweil einem gewissen Andreas Pavel aus Deutschland. Er hatte bereits im Jahr 1977 ein Patent für ein tragbares Gerät zum Abspielen von Musikkassetten eingereicht, die «körpergebundene Kleinanlage für hochwertige Wiedergabe von Hörereignissen».

Seine Pläne trug er ein Jahr zuvor an einer Messe in Düsseldorf vor – auch Vertretern von Sony. Es kam zu einem jahrelangen Rechtsstreit, der Pavel fast ruinierte. Bis man sich schliesslich aussergerichtlich einigen konnte: Sony zahlte ihm einen zweistelligen Millionenbetrag – und gab so indirekt zu, dass Pavel den Walkman erfunden hatte.

Das war 2004, zu einer Zeit, als der iPod das portable Musikgerät der Stunde war. Und als Sony 2010 bekannt gab, die Produktion von Walkmans einzustellen, interessierte dies niemanden; Musik kommt heute aus dem Smartphone. Doch auf Plattformen wie Ebay werden für den TPS-L2 gut und gern 500 Franken oder mehr bezahlt – was ziemlich nahe am Preis eines Smartphones liegt. (aargauerzeitung.ch)

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13
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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • RoboCop 15.01.2019 21:09
    Highlight Highlight Danke für diesen Beitrag *praise*
    Damals schleppte meine ältere Schwester einen TPS-L2 von ihrem Freund an. Ich war total fasziniert von dem Teil! Mir wurde erst Jahre später bewusst, dass ich den allerersten Walkman live gesehen (und natürlich gehört) hatte...
    Die ersten Modelle hatten noch keinen "WALKMAN" Schriftzug, dafür stand gross "STEREO" über dem Kassettensichtfenster.
  • Kong 15.01.2019 00:18
    Highlight Highlight Astell & Kern... als Bsp mal weg vom Mainstreaming aus der Dose hin zu audiophilem Genuss 😀... so für mich ein Nachfolger für den, der wieder so ein Format zur Erinnerung möchte.
  • Findolfin 14.01.2019 21:40
    Highlight Highlight Dass der TPS-L2 heutzutage 500 Franken kostet, hat er zu einem grossen Teil dem Film Guardians of the Galaxy zu verdanken. Bevor dieser Film raus kam, bekam man diesen Walkman weitaus günstiger.
  • B-Arche 14.01.2019 21:21
    Highlight Highlight Der erste Sony Discman war ein Flop. Mobiles Musikhören unmöglich - die Laserdioden/der Pickup sprang zu oft bei der kleinsten Bewegung. Es sollten nochmal 3 Jahre ins Land gehen bis CDs schnellere gelesen wurden und die Geräte einen RAM-Puffer bekamen um 30 Sekunden bis 5 Minuten voraus zu lesen um das Ding mobil bewegt einsetzbar zu machen.

    Der erste Discman hatte auch einen Extra-Akkupack der nochmal richtig klobig viel Platz wegnahm wenn man nicht von einer Steckdose abhängig sein wollte. Elegant und klein war da nix mehr ;-)
    • Wunderwuzzi 15.01.2019 07:43
      Highlight Highlight Zum Glück gab es später Minidisc,damit konnte man rumhüpfen.
  • schuldig 14.01.2019 20:56
    Highlight Highlight Aaaaarrrw!
    Habe damals Stunden und Tage zugebracht, um DAS perfekte Tape zu
    produzieren...
    Aufnehmen, nächster Song, zurückSPULEN, nein doch nicht...
    Was hätte ich damals für mp3 gegeben...😂
  • Absintenzler 14.01.2019 20:07
    Highlight Highlight Bis Anfang der 2000er war Sony auch noch so ziemlich das Mass aller Dinge in der Home-Electronic-Mittelklasse. Dann: praktisch kaum noch Innovationen; teilweise massiver Schrott, der unter dem Markennamen ausgeliefert wurde; und mittlerweile haben ihnen die Koreaner (& Kalifornier) in den meisten Produktkategorien den Rang abgelaufen.
    • B-Arche 14.01.2019 21:23
      Highlight Highlight Das stimmt so nicht. Sony machte den Fehler sich viel zu lange auf den Memory Stick festzulegen und dann machten sie den Fehler einen Contentanbieter (Columbia) zu kaufen, und der diktierte dann alles das was die Geräte nicht mehr können dürfen wegen "die ganzen Kopien!!!!!".

  • I_am_Bruno 14.01.2019 20:04
    Highlight Highlight "Zuvor hatten Jugendliche auf ihren Radiorekordern an belebten Plätzen in voller Lautstärke «Highway To Hell» abgespielt" ... oder auf der Turntable Boombox die "sugar hill gang"
    • Spellbinder 15.01.2019 06:48
      Highlight Highlight Nix von beidem zuvor
      Beides kam erst ein bisschen nach dem walkman.
    • I_am_Bruno 15.01.2019 21:26
      Highlight Highlight Besserwisser ;-)
  • HugiHans 14.01.2019 19:18
    Highlight Highlight Walkman war ein must have zu dieser Zeit, keine Frage! Einziger Wermutstropfen war der horrende Batterieverbrauch, der einem regelmässig am Kiosk vor die Entscheidung stellte: Rauchen oder Musik hören? Für beides reichte es leider nicht immer ...
    • fw_80 14.01.2019 20:59
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