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Piew! Piew! Der «Krieg der Sterne» geht weiter. Bild: zvg/electronic arts

Review

«Star Wars Battlefront 2» im Test: Die Macht ist nicht mit diesem Spiel

Nicht nur die umstrittenen Mikrotransaktionen lassen das Gamer-Blut kochen. Auch die schwache Kampagne für alle Singleplayer sorgt bei Star-Wars-Fans für Kopfschütteln.



Ich gestehe: Ich bin ein riesiger Star-Wars-Fan. Seit ich denken oder gehen kann, sauge ich fast alles auf, wenn es um den «Krieg der Sterne» geht. Die Vorfreude auf die bald in den Lichtspielhäusern erstrahlende Episode 8 ist bei mir gigantisch. Auch auf eine zünftige Kampagne habe ich mich bei «Star Wars Battlefront 2» immens gefreut. Vergessen war der narrative Ausrutscher des Vorgängers, der storytechnisch nichts geliefert hat. Nun sollte alles besser werden. Doch es kam irgendwie alles schlimmer.

Endlich böse sein

Aber von vorne: Der Start der Kampagne ist alles andere als schlecht, im Gegenteil. Ich darf in die Rolle von Iden Versio schlüpfen. Eine treue Soldatin des Galaktischen Imperiums, die von ihrer Truppe getrennt und gefangen genommen wurde. Der Inferno-Trupp ist eine kleine Gruppe von äusserst loyalen Soldaten, die dem Imperator bis in den Tod ihre Treue schwor. Bevor ich mit der taffen Iden herumballern darf, befreie ich sie in der Rolle eines kleinen, fliegenden Droiden und schleiche mich auf einem Rebellenschiff herum. Endlich darf ich mal auf der bösen Seite stehen und den Rebellen in den Hintern treten. Sehr cool.

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Iden Versio ist dem Imperium treu ergeben. bild: zvg/electronic arts

Nach der Befreiungsaktion geht aber alles sehr schnell. Die drei Mitglieder der Inferno-Truppe (ja, es sind nur drei und warum es nicht mehr gibt, will sich mir auch nicht ganz erschliessen) müssen während einer Mission auf dem Waldmond Endor zusehen, wie der zweite Todesstern explodiert. Fassungslos blicken sie nach oben. Der Schock sitzt tief. Rache. Jetzt geht es aber richtig los! Nein, tut es eben nicht.

Keine Spoiler!

Keine Angst, wer die Kampagne noch nicht gespielt hat, wird hier nicht gespoilert. Ich werde keine Storydetails verraten. Aber was nach dieser aus der Sicht des Imperiums äusserst traurigen Szene passiert, ist eine dramaturgisch verpasste Chance. Hauptprotagonistin Iden hätte definitiv sehr viel Potential ein Charakter zu sein, der Star-Wars-Geschichte schreiben könnte. In dieser Figur schlummert ganz viel. Aber anstatt alles herauszulassen, wird hier eine interessante Figur einfach ohne Kompromisse verpulvert. Der Spieler, die Spielerin wird viel mehr in einen konventionellen Story-Topf geschmissen, der langweiliger nicht sein könnte. Sehr, sehr schade.

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Bekannte Schauplätze und Raumschiffe warten auf die Fans. bild: zvg/electronic arts

Trotz Kritik, man muss zugeben, dass es im Spiel ein paar Abschnitte gibt, wo das Fan-Herz herumhüpft. Auch hier will ich nichts verraten, aber wenn ich, auch wenn es nur ganz kurz ist, in die Haut eines von mir hoch verehrten Charakters schlüpfen darf und dabei auch noch die mir vertraute Synchronstimme aus den Lautsprechern kommt, bekomme ich mein Grinsen kaum mehr aus dem Gesicht. Es sind solche kleinen Momente, die das Kind in mir wecken und dafür sorgen, dass ich den Controller fest umklammere, das Spiel weiterspiele und mich sehr gerne noch mehr überraschen lasse. Auch wenn das Gameplay stupider nicht sein kann.

Stupides Ballern

Die Solokampagne verkommt schliesslich zur stumpfen Tunnel-Ballerei. Der Feind spuckt reihenweise dumme KI-Gegner heraus, die man auch einfach mal frontal wegballern kann. Zwar kann man auch strategisch vorgehen und die Masse flankieren, aber warum, wenn es auch einfach und schneller geht. Wie ein Berserker kann man einfach durchrennen und ohne Verluste ans Ziel kommen. Eine zünftige Herausforderung sieht anders aus.

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Endlich mal auf der Seite der Bösen ballern. bild: zvg/electronic arts

Einen Vorteil hat das Ganze: Man kann sich auf die wunderschönen Umgebungen konzentrieren, die mit fantastischer Grafik und sehr detaillierter Flora und Fauna punkten. Wenn ich durchs Unterholz auf dem Waldmond Endor schleiche und auf die Umgebungsgeräusche achte, komme ich mir wie im Film vor. Oder wenn ich in Richtung Bespin fliege und dabei die vertraute Melodie meinen Ohren schmeichelt, wird mir als Fan einfach warm ums Herz.

Apropos Luftkämpfe: Wie es sich für ein Star Wars-Game gehört, gibt es natürlich auch hier zünftige Gefechte. Dabei nimmt man beispielsweise in den bekannten Raumschiffen wie X-Wing oder TIE-Jäger Platz und ballert auf alles, was vor das Zielfernrohr fliegt. Das macht Spass. Doch der Schein trügt auch hier. Völlige Luftfreiheit ist fehl am Platz. In Schlauchlevels fliegt man zu einem bestimmten Ziel und muss dies und das wegballern. Hört sich einfach an und ist es auch.

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«Krieg der Sterne», wie man es liebt. bild: zvg/electronic arts

Die Brücke bröckelt

«Star Wars Battlefront 2» spielt zwischen der sechsten und siebten Star Wars-Episode. Das bedeutet, dass hier einige Brücken geschlagen werden. Zwar werden keine grossen Storygeheimnisse gelüftet, aber als Star Wars-Fan saugt man irgendwie dann doch alles auf, was einem serviert wird.

Doch auch hier wird eine grosse Chance verpasst: Das Videospiel konzentriert sich zu sehr darauf, eine Brücke zwischen Episode 6 und 7 zu sein. Warum man hier nicht wenigstens versucht hat in Richtung Episode 8 zu gehen, ist mir ein Rätsel. Auch wenn es nur ein klitzekleiner Happen gewesen wäre, der noch neugieriger auf das bald jüngste Sternen-Epos im Kino gemacht hätte, ich wäre im Wohnzimmer aufgestanden und hätte applaudiert. Aber vielleicht sehe ich auch das Licht vor lauter Lichtschwertern nicht mehr.

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Weiter aufs Ziel zu! bild: zvg/electronic arts

Verpasste Chance

Fazit: Die Kampagne hat den Geschmack einer Mogelpackung. Natürlich ist sie in erster Linie eine simple Einstiegsdroge für den Multiplayermodus und will den Spieler oder die Spielerin heiss auf bestimmte Charaktere machen, mit denen man zünftige Online-Schlachten bestreiten darf. Jenseits dieser voraussehbaren Konstruktion hätte der Singleplayer-Modus aber auch ein Fest für die vielen Star-Wars-Fans da draussen werden können. Endlich einmal eine intensive Geschichte auf der Seite der Bösen erleben. Doch schon nach ein paar Spielminuten wird einem bewusst, dass die Macher diesen Weg nur sehr kurz beschritten haben. Sehr schade, denn die Ausgangslage hätte viel Potential gehabt, hier eine etwas andere Geschichte aus der «Krieg der Sterne»-Welt zu erzählen.

Nach ca. fünf bis sechs Stunden Spielzeit sieht man den Abspann und ist enttäuscht. Auch wenn man liebgewonnene Charaktere wiedersieht und mit ihnen agieren darf, die Kampagne bleibt weit hinter ihren Möglichkeiten. Die Macht geht manchmal wirklich sonderbare Wege.

Der Trailer zu «Star Wars Battlefront 2»

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Der Trailer zur Kampagne. Video: YouTube/EA Star Wars

«Star Wars Battlefront 2 »ist erhältlich für Playstation 4, Xbox One und PC.

«Star Wars: Die letzten Jedi» (Trailer) 

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Der Typ 21.11.2017 16:02
    Highlight Highlight Wenn wunderts? BAttlefron 1 war der Witz des Jahrhunderts... Ein Bulls*** Spiel von einer Bulls*** Firma. So ist es halt...
  • YB98 21.11.2017 06:11
    Highlight Highlight Simon, ich empfehle dir das Buch "Battelfront 2: Inferno Squad" von Christie Golden, es beantwortet einige Fragen, zum Beispiel auch wieso Inferno Squad nur (noch) 3 Mitglieder hat.

    Mir hat der Singelplayer gefallen, aber das liegt wohl daran, dass ich Star Wars nicht in Frage stelle, sondern es einfach liebe wie es ist.
    • Simon Dick 21.11.2017 10:21
      Highlight Highlight Das Buch kommt sofort auf meine Liste! :-) Merci für den Hinweis!
  • Sapere Aude 20.11.2017 23:51
    Highlight Highlight Leider gibt es seit Jahren die Tendenz, dass mit der besseren Grafik oft die Story darunter leidet. Vor 15 - 20 Jahren sah alles noch wie ein Pixelhaufen aus, entsprechen Mühe musste man sich bei der Story geben.
  • Pasch 20.11.2017 21:06
    Highlight Highlight Schade schade schade... um es mit den Worten eines unserer neuzeitlichen YT-Nerds auszudrücken:

    What do they thinking???
    • The Destiny // Team Telegram 20.11.2017 21:52
      Highlight Highlight WHAT ARE THEY THINKING***
    • Pasch 20.11.2017 22:21
      Highlight Highlight Auf dem Klo ist mein Englisch immer etwas schlechter....

      Benutzer Bild
  • TanookiStormtrooper 20.11.2017 19:37
    Highlight Highlight Metacritic hat 71% bei den Reviews (allgemein gilt alles unter 80 als schlecht) und mickrige 0.8/10 Punkte bei über 5500 Userwertungen.
    In den UK hat sich das Spiel am Wochenende (es zählen nur physische Versionen) 60% schlechter verkauft als Teil 1 von 2015 und 50% schlechter als Battlefield 1 letztes Jahr. Scheint als wäre EA mit ihrem Konzept den Spieler immer mehr auszupressen ordentlich auf die Schnauze gefallen. Ich gönne es ihnen!
    "Well, that escalated quickly!"
    Benutzer Bild
    • Tiny Rick 21.11.2017 00:06
      Highlight Highlight Wahre Worte! Es musste ein zeichen gesetzt werden und es wurde eines gesetzt. Hoffe das die Publisher nun merken, dass irgendwann die Grenzen auch bei Gamer und Fans erreicht ist.
    • birdiee 21.11.2017 13:37
      Highlight Highlight also "quickly" ist ja eigentlich anders... aber bin froh, dass die Bewertungen so ausfallen... HOFFENTLICH ändert sich zukünftig was!
      hab die letzten Tage wieder Borderlands hervorgeholt, einfach weils spass macht!
  • Caturix 20.11.2017 19:34
    Highlight Highlight Also mir gefällt die Geschichte. Ich bin auch froh das ich nicht auf der Looser Seite das Game durchspielen muss.
  • Gebietsvertreter 20.11.2017 19:33
    Highlight Highlight ich habe das spiel nicht und dieser artikel liefert einen weiteren grund, es nicht zu holen. allerdings nimmt es mich wunder, ob man sich wirklich einfach frontal durchballern kann. gibt es keinen höheren schwierigkeitsgrad? denn wenn ja, dann finde ich diesen kritikpunkt etwas schwach. ich kann mich zb in halo auf einfach ohne probleme durchballern, wenn ich lust auf eine wirkliche herausforderung habe, spiele ich halt auf legendär.
    • Alnothur 20.11.2017 20:01
      Highlight Highlight Naja das scheint etwas aus der Mode gekommen zu sein. Bei Destiny 2 z.B. gibt es auch keine Schwierigkeitsgrade. Es spielt sich zwar wie ein Halo, ist aber viiiel zu einfach.

Warum ich von «Control» (zuerst) enttäuscht wurde

Der neue Mystery-Thriller aus dem Hause Remedy ist verwirrend, nervenaufreibend und oft einfach nur hässlich unfair. Doch je länger man sich in dieser verschachtelten Welt aufhält, desto mehr darf man «Control» geniessen.

Was habe ich mich auf «Control» gefreut. Ich war voller Zuversicht. «Alan Wake» aus dem Jahr 2010 war für mich ein Meisterwerk und hat mich in eine Welt gesogen, die mir unvergessliche Erlebnisse bescherte. Als «Quantum Break» 2016 auf uns losgelassen wurde, war die Vorfreude ebenfalls gross. Doch so ganz konnte diese Mischung aus Videospiel und TV-Serie nicht überzeugen. Das Ganze war unterhaltend, ohne aber irgendwelche grossen Fussabdrücke zu hinterlassen.

«Control» ist da wieder …

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