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Schule - Bildung

Schweizer Schule setzt auf Chromebooks statt Windows-PCs

In Schweden sind Chromebooks seit 2016 die meistverkauften Schul-Rechner.
In Schweden sind Chromebooks seit 2016 die meistverkauften Schul-Rechner.bild: blog.google.com

Warum diese Schweizer Schule auf Chromebooks statt Windows-PCs setzt

Im Lehrplan 21 gehört das Fach Medien und Informatik zum Stundenplan und die Digitalisierung macht nicht vor dem Schulzimmer halt. Eine der kleinsten Aargauer Gemeinden setzt auf Budget-Laptops mit Google-Software.
05.07.2018, 08:5305.07.2018, 08:56
Eddy Schambron / az Aargauer Zeitung

Die kleine Schule Kallern nimmt eine Vorreiterrolle wohl im ganzen Kanton Aargau ein: Mit der Anschaffung von zehn Google-Chromebooks und mit einem aktualisierten Konzept zur Informations- und Kommunikationstechnologie spielt sie ab dem neuen Schuljahr in Sachen Digitalisierung und Datenverarbeitung an der Schule in der ersten Liga.

Der digitale Fortschritt macht nicht vor der Schulhaustüre Halt und der neue Aargauer Lehrplan 21 führt das Fach Medien und Informatik auf dem Stundenplan. «Aber die heutige Vorstellung von EDV-Unterricht im separaten Informatikzimmer ist einfach nicht mehr zeitgemäss», sagt Schulpflegepräsident Daniel Schwegler, der auch im Gemeinderat sitzt. Also wurden neue Wege gesucht und zugleich der Beweis erbracht: «Die Digitalisierung an der Schule muss nicht teuer sein.» Kallern hat dafür 4000 Franken ausgegeben.

Der Aufwand, Laptops «am Leben» zu erhalten, wie sich Schwegler ausdrückt, wurde in Kallern immer grösser. Da musste wieder etwas installiert werden, dort funktionierte ein Audioausgang nicht. «Da haben wir nach einer kostengünstigen, zukunftsgerichteten Lösung gesucht», erklärt der Datenbankspezialist.

«Wir haben gemerkt: Es muss nicht immer Microsoft oder Apple sein.»

Die Schulpflege wurde unter anderem in Konolfingen BE fündig, wo man mit Chromebooks arbeitet. Diese browserbasierten Notebooks sind leicht zu bedienen und zu administrieren. Sie sind günstig (an der Oberstufe Konolfingen können die Schülerinnen und Schüler die Geräte nach drei Jahren Schulzeit gleich behalten) und erlauben es den Lehrkräften, sich auf den Unterricht zu konzentrieren, ohne sich mit Hard- und Software herumschlagen zu müssen.

«Wir haben gemerkt: Es muss nicht immer Microsoft oder Apple sein», sagt Schwegler. Und zieht Bilanz: «Chrome OS überzeugt mit der einfachsten Handhabung und ausgezeichnetem Preis-Leistungs-Verhältnis.»

Es bestehe keine Abhängigkeit zu einem bestimmten Gerätehersteller und es gebe für wenig Geld explizit für den Bildungsbereich konzipierte und stabile Endgeräte.

Bei den Lehrkräften wurde der Vorschlag offen und positiv aufgenommen.

Der Datenschutz sei gewährleistet

Gespeichert wird in der Cloud. Schwegler ist sich bewusst, dass bei diesem Stichwort, zumal in Zusammenhang mit Google, bei vielen die Alarmglocke läutet. «Wenn die gespeicherten Daten aber klar klassifiziert werden, gibt es keine Probleme», erklärt er.

Eine separate Datenhaltung auf einem eigenen Server sei für die kleine Schule einfach zu aufwendig und zu teuer. Alle schützenswerten Daten wie Noten, Beurteilungen, Adresslisten usw. werden an der Schule in der Lösung «LehrerOffice» gehostet, wie es im ganzen Kanton üblich ist. Für die Internetnutzung gibt es ein Regelwerk und eine Filterung, die grösstmögliche Sicherheit bietet.

«An der Schule Kallern werden die Schülerinnen und Schüler auf das Leben in der Mediengesellschaft vorbereitet. Dazu gehört ein kompetenter und verantwortungsvoller Umgang mit Medien und Informatiksystemen», heisst es im aktualisierten Konzept zur Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT-Konzept).

Medienbildung ist Teil einer ganzheitlichen Bildung. «Es geht nicht darum, die Digitalisierung von 0 auf 100 zu pushen», sagt Schwegler. Vielmehr soll sie situationsgerecht eingesetzt werden. «Digitalisierung ist kein Allerheilmittel, nur eine Ergänzung. Wir legen viel Wert auf unseren guten bisherigen Unterricht.»

Zwar ist Kallern im Kanton jetzt in einer Vorreiterrolle, aber Schwegler weiss auch, dass andere, vor allem im Ausland, viel weiter sind. Um nochmals das Beispiel Konolfingen zu nennen: Dort werden an der Oberstufe bereits heute die Schulaufgaben teilweise digital abgegeben. «Davon sind wir noch ein Stück entfernt.» Aber er ist sicher: Das wird an den Schulen genauso Standard wie der persönliche Laptop für jede Schülerin und jeden Schüler.

In diesem Zusammenhang sieht er im Moment allerdings nicht das Bring Your Own Device (BYOD)-Prinzip, also die Nutzung privater Endgeräte, sondern das Leave Your Own Device (LYOD)-Prinzip, die Ausstattung aller Schülerinnen und Schüler mit identischen Endgeräten. «BYOD geht aus meiner Sicht schon aus sozialen Gründen nicht, ganz abgesehen von der Belastung der Lehrpersonen mit unterschiedlichen Geräten und aufkommenden technischen Problemen.»

Mit zehn neuen Google Chromebooks, ergänzend zu den bisherigen Windows Laptops, hat die Schule Kallern den ersten Schritt in ihre digitale Zukunft getan.

Chromebooks im Klassenzimmer – eine gute Lösung?
Nach Alter abgestufte Lernziele
Die Schülerinnen und Schüler sollen einen stufengerechten und sinnvollen Umgang mit digitalen Medien erlernen. Das ICT-Konzept in Kallern sieht vor, dass im Kindergarten bis zur zweiten Klasse auf den Einsatz von Informatiksystemen so weit wie möglich verzichtet wird. Sie können aber die Medien benennen, welche sie zur Unterhaltung, zur Information und zur Kommunikation nutzen. Ein massvoller Einsatz von Tablets ist erlaubt.

In der Mittelstufe sollen die Schülerinnen und Schüler Medien als Werkzeuge nutzen, die sie beim Lernen unterstützen können. Ebenso sollen sie ab der 4. Klasse in die Grundlagen Textverarbeitung, Präsentationstools oder Bildbearbeitung am Computer eingeführt werden. Sie sollen schliesslich unter anderem Folgen medialer und virtueller Handlungen erkennen und benennen, mit grundlegenden Elementen der Bedienungsoberfläche umgehen und Gefahren erkennen können sowie wissen, dass Inhalte digitaler Medien mit einfachen Mitteln veränderbar sind.

Auf Stufe Primarschule müssen Schülerinnen und Schüler noch kein persönliches Arbeitsgerät erhalten. «Wir gehen heute von einem Gerät für zwei Kinder aus», hält das Konzept fest. «Mit den generell an der Schule vorhandenen Geräten kann jedoch auch gezielt für einzelne Fächer auf ein Gerät pro Kind gewechselt werden.» Den Schülerinnen und Schülern ist es nicht erlaubt, eigene Geräte im Schulbetrieb einzusetzen.
(aargauerzeitung.ch)

Weiterführende Infos: Pilotprojekt Chromebook, Abschlussbericht Schule Konolfingen BE (Mai 2016, PDF).

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21 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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giandalf the grey
05.07.2018 09:11registriert August 2015
WhatsApp ist an Schulen ein riesiges Problem, aber ein browserbasiertes OS von Google soll datenschutztechnisch genügen? Da habe ich irgendwie meine Zweifel...
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Wilhelm Dingo
05.07.2018 09:44registriert Dezember 2014
Im Fach Medien und Informatik ist die verwendete Hard- und Software absolut zweitrangig. Es ist bezeichnend, dass über die verwendete Hardware und Software ein Bericht erscheint, nicht aber über innovative Inhalte des Faches.
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Madison Pierce
05.07.2018 11:28registriert September 2015
Interessant. Es wäre schön, die Kantone würden mal eine Studie über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme verfassen. Aktuell ist jede Schule auf sich alleine gestellt. Das ist unnötiger Aufwand und überfordert kleinere Schulen.

Dann kauft man entweder iPads (weil die junge Lehrerin diese vom Studium kennt) oder man kauft Notebooks (weil der Schulpflegspräsident zuhause auch Windows hat und das "schon recht ist").

Richtig evaluiert wird mangels Zeit und Kompetenz selten.

Deshalb bin ich immer froh um solche Erfahrungsberichte.
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