Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Webshop Fischerei- und Jagdverwaltung Kanton Zürich (FJV).
Screenshot: https://www.efj.zh.ch/webshop (2. Mai 2018)

Der Webshop der Fischerei- & Jagdverwaltung des Kantons Zürich wird von Fischern, Jägern, Jagdaufseher und Pächtern genutzt. Bild: watson

watson-Leser stösst auf Datenleck beim Kanton Zürich – diese Daten waren betroffen

Im Webshop der Zürcher Fischerei- & Jagdverwaltung waren die Namen der Kunden und ihre Bestellungen während rund drei Wochen frei einsehbar. Der Kanton bestätigt die Datenpanne und versucht zu beschwichtigen.



In einem Webshop des Kantons Zürichs klaffte während rund drei Wochen ein Datenleck: «Ja, es gab ein kleines Datenleck, welches unmittelbar nach Bekanntwerden behoben wurde», sagt Urs Philipp, Abteilungsleiter beim Amt für Landschaft und Natur. Betroffen war der Webshop der Fischerei- & Jagdverwaltung, der – no­men est omen – von Jägern und Fischern genutzt wird.

Die Lücke wurde am Dienstag von einem Nutzer gemeldet und ist inzwischen geschlossen. «Das Problem wurde am 1. Mai erstmals entdeckt. Es sind insgesamt 23 betroffene Nutzer des rapportierten Falles vom 1. Mai bekannt», sagt Philipp. Es sei «eher unwahrscheinlich, aber zumindest theoretisch denkbar, dass noch einige Nutzer mehr betroffen sein könnten». Die Betroffenen wurden bislang nicht informiert, auch auf der Webseite findet sich kein Hinweis zur Datenpanne.

Bei der Fischerei- & Jagdverwaltung kann man derzeit nicht gänzlich ausschliessen, dass die Lücke zuvor nicht schon von anderen entdeckt und ausgenutzt wurde. Potenziell hätte es weit mehr als 23 Nutzer treffen können, da alle Fischer und Jäger im Kanton über diesen Webshop ein Fischereipatent oder einen Jagdpass beziehen können. 

So wurde das Datenleck entdeckt

Wer im Kanton Zürich fischen will, braucht für die meisten Seen und Flüsse ein Patent. Hobby-Fischer können diese Fangerlaubnis im Webshop der Fischerei- & Jagdverwaltung bestellen. Genau dies wollte am 1. Mai auch Hobby-Fischer Ric Daniel tun. Er meldete sich wie gewohnt im Webshop an und staunte nicht schlecht: Statt auf das eigene Profil hatte er Zugriff auf die aktuellen Bestellungen der Jäger und Fischer, die den Webshop nutzen.

«Ich wollte ein Patent online kaufen und konnte Namen, Rechnungsstatus usw. der anderen Shop-Nutzer einsehen», sagt Daniel. Wegen eines Software-Fehlers im Webshop hatte er Zugriff auf die Fischerei- und Jagdverwaltungssoftware, wie der folgende Screenshot zeigt. Die hier zu sehenden Patent-Bestellungen (die Namen wurden von uns geschwärzt) sollten eigentlich nur Angestellte des Kantons mit den entsprechenden Rechten einsehen können.

Bild

Frei einsehbar: Wer hat wann was im Webshop der Fischerei- & Jagdverwaltung bestellt. screenshot: zvg

Er habe kein Passwort geknackt oder irgendetwas gehackt, betont Daniel im Gespräch mit watson. Ein paar Mausklicks hätten gereicht, um in den Administratoren-Modus des Webshops zu gelangen. So waren plötzlich Kundennamen, Bestelldatum, das bestellte Produkt sowie der Rechnungsstatus einsehbar.

Urs Philipp von der Fischerei- & Jagdverwaltung sagt, dass weitere Nutzerdaten wie Geburtsdatum, Postadresse, E-Mail-Adresse, Telefonnummern etc. nicht einsehbar gewesen seien. «Es war nicht möglich irgendwelche weiteren Daten zu sehen, zu verändern oder zu speichern», sagt Philipp.

Daniel vermutet hingegen, dass er noch weit mehr Daten hätte aufrufen können: Etwa Heimatort, Nationalität und weitere Daten, welche die Nutzer bei der Registration angeben müssen. Zum Beispiel der Name der Versicherung, den die Jäger bei der Erstellung des Nutzer-Kontos angeben müssen.

Ausprobiert habe er es nicht, zumal dies auch illegal wäre. Auf seinem Screenshot des Webshops ist zumindest zu sehen, dass ihm nebst dem Webseiten-Reiter «Auftrag» – also die aktuellen Bestellungen – auch die Bereiche «Person», «Revier» und «Dokument» angezeigt wurden. 

Grund für Datenpanne ist bekannt

Webshop Fischerei- und Jagdverwaltung Kanton Zürich (FJV).
Screenshot: https://www.efj.zh.ch/webshop (2. Mai 2018)

Für den Datenzugriff musste der Hobby-Fischer auf einen kleinen runden Button am unteren Seitenrand klicken. Über diesen Link erhielt er offenbar Administrator-Rechte. Bild: watson

Wegen eines Fehlers im Webshop konnte man als normaler Nutzer in den Administrator-Modus gelangen. «Gemäss unseren Recherchen hat das Problem seit dem letzten Software-Release bestanden, also seit zirka drei Wochen», sagt Philipp. Der Webshop wurde von einer externen Firma entwickelt.

Die Fischerei- & Jagdverwaltung erklärt die Datenlücke wie folgt:

«Das Problem trat auf, weil ein ‹normaler› Benutzer im Webshop den Regelsteuerelemente-Admin-Modus aktivieren konnte und dann ins eFJ (Hauptanwendung) gewechselt hat, ohne den Browser zu schliessen. In diesem Fall hat er einige Daten gesehen, für welche er eigentlich keine Berechtigung hätte. Das Wechseln in den Regelsteuerelemente-Admin-Modus war für ‹normale› Benutzer nie vorgesehen, aber infolge eines Fehlers in der Konfiguration der Steuerelemente möglich (dies war der Bug). Selbstverständlich wurde der Fehler umgehend korrigiert.»

Urs Philipp, Abteilungsleiter Fischerei & Jagd

«Ein Betreiber eines Angler-Shops wäre vermutlich äusserst interessiert an diesem Datenschatz», sagt Daniel. Er habe die Nutzerdaten selbstverständlich nicht geklaut, sondern das Datenleck der Fischerei- & Jagdverwaltung gemeldet.

Beim Kanton hat man umgehend reagiert. Ein Test am Mittwoch zeigte, dass die Lücke im Webshop inzwischen geschlossen ist. Zumindest diese Lücke, denn bei unseren Tests traten gleich zwei Mal «unerwarteter Fehler» auf. Der Webshop spukte Zeilenweise Fehlercode aus.

Richtig vertrauenserweckend ist dies nicht. Auch der Umstand, dass man es beim Amt für Landschaft und Natur nicht als notwendig erachtet, die Jäger und Fischer über das Datenleck zu informieren, auch wenn vielleicht gar keine Daten abgeflossen sind, ist ebenfalls wenig vertrauenserweckend.

Die Vermutung liegt nahe, dass man in der aktuellen Diskussion um die Einführung des E-Votings in der Schweiz eine gravierende Schwachstelle im Webshop des Kantons Zürich nicht an die grosse Glocke hängen will. 

Er habe auch die Nutzer eines Fischerforums auf Facebook über die Datenpanne informiert, sagt Daniel. Ein ihm nicht bekannter Nutzer habe sich zuerst amüsiert gezeigt. «Als ich ihm sagte, welches Patent er für welches Gewässer wann gekauft hat, fand er die Sache nicht mehr ganz so witzig.

Das könnte dich auch interessieren:

Fotograf schiesst DAS Foto der Notre-Dame und muss sich nun gegen Fake-Vorwürfe wehren

Link zum Artikel

«SRF Deville» verkündet Pfadi-Putsch in Liechtenstein – diese finden's gar nicht lustig

Link zum Artikel

Mit diesen 21 Fakten kannst du beim kommenden «Game of Thrones»-Marathon angeben

Link zum Artikel

Vergiss Tinder! Hier erfährst du, welches Potenzial deine Fassade hat 😉

Link zum Artikel

Das grösste Verdienst von Tesla sind nicht die eigenen Autos

Link zum Artikel

17 katastrophale Tinder-Chats, die definitiv niemanden antörnen

Link zum Artikel

Schluss mit Lügen! So lässt sich die ganze Welt allein mit grüner Energie versorgen

Link zum Artikel

Wie rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke instrumentalisieren

Link zum Artikel

Brauchen wir einen Green New Deal, um eine Rezession zu vermeiden?

Link zum Artikel

Vermisst und wieder aufgetaucht – 9 Fälle von Kindern, die verschwunden waren

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
sentifi.com

Watson_ch Sentifi

Abonniere unseren Newsletter

19
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Bits_and_More 03.05.2018 14:35
    Highlight Highlight Via Cache ist das besagte Fenster noch zu finden / öffnen.
    Was sonst noch so zu finden ist, habe ich nicht ausprobiert.
    Benutzer Bild
  • fischbrot 03.05.2018 13:00
    Highlight Highlight Leute, lasst die Kirche im Dorf! Es ist lächerlich, die Sicherheit von eVoting in Zusammenhang mit dieser unbedeutenden Datenpanne zu bringen.

    Wir sprechen hier von einem Webshop eines unbedeutenden Amtes mit Daten, die nicht mal wirklich schützenswert wären. Kaum vergleichbar, mit einer eVoting-Infrastruktur, welche mit einem tausendfachen an Budget und von Anfang an mit Fokus auf höchster Datensicherheit konzipiert wird.

    Aus dem Vorkommnis des einen Vorhersagen über die Datensicherheit des anderen abzuleiten ist einfach nur lächerlich und zeigt, dass man wenig Ahnung von der Materie hat.
    • AlteSchachtel 03.05.2018 13:17
      Highlight Highlight Die Datensicherheit wird generell nicht mehr so ernst genommen, wie einst wo alles auf Papier in Aktenschränken verschlossen werden musste. Nicht wenige im öffentlich-rechtlichen Bereich sind von der elektronischen Datenverteilung im Alltag schon so abgestumpft, dass sie schlicht vergessen in Ämtern auf erhöhte Datensicherheit zu achten.
      Elektronisch werden viel mehr Daten verwaltet als dies mit Papier in vernünftiger Weise möglich war und je mehr Daten, desto weniger Überblick.

      Es ist nur Zufall ob es "unbedeutende" oder eben bedeutende Datenpannen sind.
    • fischbrot 03.05.2018 14:38
      Highlight Highlight "Es ist nur Zufall ob es "unbedeutende" oder eben bedeutende Datenpannen sind." --> Genau DAS ist eben nicht korrekt.

      Ebensowenig hat der Wunsch nach Datensicherheit mit Abgestumpftheit der Arbeitnehmer zu tun, das sind Ängste, welche nicht auf Tatsachen beruhen (ich darf das sagen, ich bin Insider).

      Datensicherheit hat schlicht nur mit 2 Dingen zu tun: Expertise und Geld. Je mehr vorhanden, desto besser die Datensicherheit, desto kleiner das Restrisiko.

      Beides hat im obigen Beispiel gefehlt, wird aber im Aufbau des eVoting zur Genüge vorhanden sein. Alles andere ist schlicht Panikmache.
    • AlteSchachtel 03.05.2018 15:13
      Highlight Highlight "Datensicherheit hat schlicht nur mit 2 Dingen zu tun: Expertise und Geld. Je mehr vorhanden, desto besser die Datensicherheit, desto kleiner das Restrisiko. "

      Eben: Unsicherheit!
      weil heute überall gespart wird, auch beim Personal (beim internen wie beim externen).
    Weitere Antworten anzeigen
  • aglio e olio 03.05.2018 12:24
    Highlight Highlight "Die Vermutung liegt nahe, dass man in der aktuellen Diskussion um die Einführung des E-Votings in der Schweiz eine gravierende Schwachstelle im Webshop des Kantons Zürich nicht an die grosse Glocke hängen will."

    Die grosse Glocke würde mir aber zeigen, dass offen kommuniziert wird und man nicht geneigt ist so einen Vorfall zu verschweigen.
    So aber wird Skepsis zu Misstrauen.
  • Skater88 03.05.2018 12:19
    Highlight Highlight Wieso wusste er wo klicken, was es bewirkt und macht das dann auch?
    • Eine_win_ig 03.05.2018 12:57
      Highlight Highlight Interesse? Hast du dich noch nie in deinem Leben gefragt, was passiert wenn...
      Ich hoffe du hast :) sonst veroasst du viel vom Leben :)
  • fischbrot 03.05.2018 12:14
    Highlight Highlight Gott sei Dank, dass diese hochsensiblen Daten nicht in die falschen Hände gerieten. Man stelle sich vor was geschehen wäre, wenn die Russen erfahren würden, dass Herr Stöckli eine Jagdpacht im Hürniwald hätte 😁
  • E-Smoking 03.05.2018 12:08
    Highlight Highlight Datenleck beim Kanton Zürich - aber eVoting soll sicher sein?
    • fischbrot 03.05.2018 12:15
      Highlight Highlight Denkst du nicht, dass du hier Äpfel mit Birnen vergleichst?
    • Töfflifahrer 03.05.2018 13:05
      Highlight Highlight Es zeigt einfach auf, dass idiotische kleine Fehler, sei es in der Software und/oder beim Bedienen und Konfigurieren sehr schnell zu fatalen Fehlern führen kann.
    • DerRabe 04.05.2018 08:47
      Highlight Highlight es zeigt nur, dass bei jedem system abgewägt werden muss, wie sicher es zu sein hat und damit auch wie viel es kosten darf. bei einem fischer/jäger e-Shop hätte auch ich gesagt; sooo sicher muss das jetzt nicht sein. Bei eVoting würde wohl niemand so eine Behauptung aufstellen.

Sony enthüllt Details der Playstation 5: 8K-Grafik, SSD und kompatibel mit PS4

Dass Sony an einer neuen Playstation arbeitet, ist ein offenes Geheimnis. Nun plaudern die Japaner erstmals aus dem Nähkästchen.

Die kommende Playstation 5 unterstützt 8K-Grafik, 3D-Audio, superschnelle SSDs – und sie ist kompatibel mit Playstation-4-Spielen. Dies hat Mark Cerny von Sony dem renommierten Tech-Magazin wired.com verraten. Im Gespräch stellt Cerny klar, dass die neue Konsole, anders als die PS4 Pro, kein Upgrade der PS4 sei, sondern eine neue Konsolen-Generation darstelle.Die Playstation 5 verfüge demnach über neue Hardware, darunter eine Achtkern-CPU auf Basis der dritten Generation der Ryzen-Linie …

Artikel lesen
Link zum Artikel