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Über den Wolken ist ganz schön was los. bild: zvg

Review

Warum dieses zauberhafte Schweizer Game auf jede Playstation, Xbox oder den PC gehört

Die Zürcher «Blindflug Studios» haben wieder zugeschlagen und feiern auch noch eine Premiere: Mit «Airheart: Tales of broken Wings» werden Spielerinnen und Spieler in einen einzigartigen Sog gezogen – wenn sie es denn möchten.



Ein Videospiel ist ein digitales Produkt, das aus unterschiedlichen Entscheidungen von Menschen mit ganz viel Herzblut und Kreativität entsteht. Diese Weisheit sollte man sich viel öfters vor Augen halten. Egal ob grosser Game-Blockbuster oder kleine Projekte von Indie-Entwicklern, ein Videospiel ist immer eine Summe von individuell geprägten Bausteinen, wo schlussendlich viele engagierte Menschen dahinter stehen.

Auch wenn dies bei den grossen Titeln, die massenweise auf den Markt geschwemmt werden, ebenfalls gilt, sind es doch die eher kleineren Spiele von unabhängigen Entwicklern, wo diese Tatsache immer wieder schön durchschimmert. So auch bei «Airheart: Tales of broken Wings», dem neusten Videospiel von Blindflug Studios.

Spielspass statt Sozialkritik

Die Zürcherinnen und Zürcher haben schon diverse Spielperlen auf den Markt gebracht und verdienterweise auch Preise und Auszeichnungen gewonnen. «First Strike», «Cloud Chasers» oder «(Re)format Z» zeichnen sich alle nicht nur durch eine wunderschöne Spielbarkeit aus, sondern heben auch regelmässig den moralischen Zeigefinger. Auch beim jüngsten Streich ist die Sozialkritik in der künstlich erschaffenen Welt vorhanden. Dieses Mal wurde sie aber behutsamer eingebaut. Denn im Vordergrund steht der Spielspass über den Wolken. Doch der Reihe nach.

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Über den Wolken ist es nicht nur friedlich. bild: zvg

Ein erstes Sequel aus Zürich

«Airheart» ist eigentlich eine Fortsetzung zum Mobile-Game «Cloud Chasers». Heldin Amelia ist mittlerweile eine junge Frau geworden und in der mysteriösen Welt in den Wolken angekommen. Ohne ihren Vater Francisco macht sie mit einem kleinen Flugzeug Jagd auf fliegende Fische, die in der illustren Wolkenwelt Granaria herumirren. Das ist leichter gesagt als getan, denn gierige Piraten, Kampfdrohnen und auch sehr nervige Gesetzeshüter kommen ihr dabei regelmässig in die Quere.

Bewaffnet mit einem Ballermann und einer Harpune fliegt oder kämpft sie sich von Stockwerk zu Stockwerk, um bis ganz nach oben zu gelangen. Je höher sie steigt, desto schwieriger wird es an die Objekte der Begierde zu gelangen und desto grösser wird die Gefahr, dass sie abstürzt und wieder von ganz unten anfangen muss.

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Pilotin Amelia in ihrer Werkstatt, wo es allerhand zu entdecken gibt. bild: zvg

Kleine Probleme mit der Steuerung

«Airheart» ist das erste Spiel von Blindflug, das es auch für eine Spielkonsole gibt. Da müsste es eine Leichtigkeit sein das fliegende Vehikel mit dem Controller zu steuern. Doch um ohne Kollision in den Welten über den Wolken zu navigieren, braucht es seine Zeit. Während man mit dem linken Stick das Flugzeug punktgenau steuern kann, wird gleichzeitig der rechte Stick zum Zielen gebraucht. Das will anfangs nicht genau klappen und man muss zusehen, wie man öfters immer wieder abstürzt. Aber an einem etwas herausfordernden Schwierigkeitsgrad gibt es nicht viel zu kritisieren. Und mit ein bisschen Übung flutscht dann auch alles wie aus einem Guss und die Jagd kann beginnen.

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Die verschiedenen Ebenen haben auch ihre unterschiedlichen Designs. bild: zvg

Die Liebe zum Detail

Wer übrigens trotzdem abstürzt, sollte den Controller nicht einfach beiseite legen. Denn donnert man an seinem heimischen Landeplatz vorbei, kann man gleich wirklich total von vorne, inklusive Tutorial, beginnen. Immerhin lässt sich das Tutorial in diesem Fall überspringen. Wer genau zielt und in seine alte Werkstatt kracht, hat einen klaren Vorteil.

Diese Liebe zum Detail schimmert auch an anderen Stellen im Videospiel durch. Fliegt einfach mal regelmässig durch die Bäume und erfreut euch an der niedlichen Animation, wenn die Blätter fallen. Generell sollte man sich die unterschiedlichen Welten genauer ansehen, denn es gibt viel zu entdecken. Audiovisuell besitzt dieser Indie-Titel sowieso einen ganz eigenwilligen Charme, der gefällt. Vor allem die Audio-Abteilung sollte wirklich eine Gehaltserhöhung erhalten. Egal auf welcher Ebene man Fische fängt oder sich in die Gefechte begibt, jeder einzelne Track hat eine Ohrwurmgarantie.

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Bunt und knallig: Manchmal geht es über den Wolken so richtig schon ab. bild: zvg

Gemütlichkeit und Action

Auch wenn der Ballerspass von Ebene zu Ebene intensiver wird, es ist dieses geschmeidige Herumfliegen in den wunderschön gezeichneten Welten hoch oben in den Lüften, die so sehr begeistern. Regelmässig habe ich mich dabei ertappt, wie ich gemächlich auf die Fischjagd gehe und immer wieder durch die Bäume fliege, um mich an den losen Blättern zu erfreuen. Dem Kampf bin ich immer wieder aus dem Weg gegangen, bis ich endlich alles in den einzelnen Ebenen entdeckt und eingesammelt habe.

Aber auch wer auf knackige Action steht, kommt natürlich auf seine Kosten. Die Gefechte arten dabei in keiner stumpfen Ballerorgie aus, sondern brauchen Geschick und Taktik, um immer weiter nach oben zu gelangen. Vor allem die grösseren Piratenschiffe, die den Weg versperren, sind eine kleine aber feine Herausforderung, können aber auch zu Hassobjekten werden.

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Bitte anschnallen: Dieser Brocken braucht volle Konzentration. bild: zvg

Pimp my Flugzeug

Auch für Tüftler gibt es einiges zu tun. Wer fleissig sammelt und sowieso eine bessere Chance gegen die Gegner haben möchte, darf in der Werkstatt an seinem Flugzeug herumbasteln und sich so für den Kampf besser wappnen. Das wird dann im späteren Verlauf des Spiels sogar zu einem Muss, wenn man nicht gerade wieder zusehen möchte, wie sein fliegender Stuhl in seine Einzelteile zerbricht. Kurz: «Airheart» hat für jeden Genre-Fan eine passende Spielmechanik auf Lager und wird auch nach mehreren Stunden nicht langweilig.

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Was darf's denn sein? Bitte toben Sie sich aus ... bild: zvg

Kaufen, weil made in Switzerland

Fazit: Auch wenn im neuen Blindflug-Spiel der moralische Zeigefinger wieder da ist, «Airheart» ist in erster Linie ein Spiel mit simpler aber auch umfangreicher Spielmechanik, das einfach Spass macht. Dass man die Fisch-Population selber immer mehr verkleinert und so für ein natürliches Ungleichgewicht sorgt, wird vermittelt und macht Sinn. Aber die Moral bleibt dieses Mal zum grössten Teil draussen. Denn in erster Linie ist das neue Kind von Blindflug ein knackiger Ballerspass hoch oben in den Wolken oder einfach nur eine willkommene, leichtfüssige Erkundungstour in der Luft, wo man einfach die herrlichen Animationen geniessen und sich an einem Videospiel made in Switzerland erfreuen darf.

Fliegt ihr schon oder ist dieser Indie-Titel gar nichts für euch? Rein mit euren Meinungen in die Kommentarspalte.

«Airheart: Tales of broken Wings» ist für knapp 20 Franken erhältlich für Playstation 4, Xbox One, PC und Mac.

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lord Grizzly 31.07.2018 11:03
    Highlight Highlight Wenns auf der Switch wäre würd ichs wohl probieren, sieht schon noch witzig aus. Aber wenn ich PC oder PS4 einschalte spiel ich normalwrweise nur andere Kaliber.
  • alex DL 31.07.2018 09:32
    Highlight Highlight Zum Thema Zeigefinger.
    Liebe Entwickler,
    wir sind erwachsen und entscheiden selbst, wann wir uns mit den grossen Fragen auseinandersetzen und wann wir eine Pause einlegen/aka Spass haben. Ihr macht keine Kunst, auch wenn euch die ZHdK das beigebracht hat, und nein, es ist nicht „schon noch gut, wenns eine Message hat“ - das ist so anmassend wie ein Verganer, der mir eine in Schnitzel-Form gebrachte Soja-Pampe unterjubelt.
    • MikoGee 31.07.2018 12:16
      Highlight Highlight 1. haben Videospiele schon immer zum nachdenken angeregt, dass ist jetzt wirklich nichts neues.
      2. entscheiden Sie selbst ob Sie sich von der "Message" angesprochen fühlen während Sie das Spiel spielen.
      3. sind Videospiele sehr wohl Kunst; "Ori and the Blind Forest", "Hollow Knight" und viele andere sind klar als Kunstwerke zu betrachten.
      und 4. machen Sie dem Koch keinen Vorwurf weil Sie die Speisekarte nicht richtig lesen können. ;)
    • satyros 31.07.2018 13:54
      Highlight Highlight Videospiele sind vor allem eine moderne Form des Geschichtenerzählens. Statt dem Held auf dem Bildschirm oder der Leinwand zuzuschauen oder ihn auf seiner Reise in einem Buch zu begleiten, greift man selber ins Geschehen ein und macht sich seine Geschichte im Rahmen des durch das Spiel Ermöglichten selbst. Und genauso wie es Geschichten mit einer Botschaft gibt, gibt es auch Videospiele mit einer. Und solche ohne. Und natürlich ist das eine Kunstform. Genauso wie es künstlerisch anspruchsvollere und weniger anspruchsvolle Filme, Bücher, Theaterstücke etc. gibt, gibt es das auch bei Spielen.
    • alex DL 31.07.2018 19:55
      Highlight Highlight @MikoGee:
      1. Ja, zum Nachdenken anregen ist aber nicht das selbe wie belehren. Selbst wenn die Intension die gleiche ist.
      2. Ich sehe als nicht gänzlich Unbeteilgter ein Muster im Kunst- und Medienschaffen in der CH: allzu oft schwingt eine moralinsaure, zwinglianische Schulmeisterlichkeit mit.
      3. Über dir Begriffe Kunst und künstlerischer Anspruch müssten wir ausserhalb zeichenbeschränkter Formate sprechen
      4. Das ist genau mein Punkt: solange die Speisekarte klar deklariert was ich bekomme, habe ich kein Problem - nur tut sie das in diesem und vielen andern Fällen eben nicht.


    Weitere Antworten anzeigen
  • Madison Pierce 30.07.2018 23:23
    Highlight Highlight Tönt interessant, aber Steam kommt mir nicht auf die Kiste.
    • bebby 02.08.2018 06:43
      Highlight Highlight Also lieber gleich Origin?
      Steam ist immer noch die unabhängigste Plattform im Netz und mit dem besten UI. Das grösste Risiko ist, dass einem jemand den Account klaut.
  • Martin Frey 30.07.2018 22:49
    Highlight Highlight Diesmal nicht für iOS? :(
  • MikoGee 30.07.2018 22:35
    Highlight Highlight Für die Switch hätte ichs gleich gekauft, das Spiel wäre sicher super für Unterwegs und die Switch ist ja mittlerwiele auch die bevorzugte Plattform von Indy-Games nach dem PC.
    Nintendo will zuekünftig ja eh 30 (DREISSIG!!!!) Indy-Spiele pro Woche in den Store werfen, da sehe ich keinen Grund wieso Airheart nicht auch seinen Platz dort finden sollte. Wenn man es denn zwischen all dem Müll findet. Echt jetzt Nintendo, dreissig!?!? Die überkompensieren wohl den Vorwurf dass es nicht genug Spiele gibt, die den Kauf der Konsole rechtfertigen....
    • Martin Frey 31.07.2018 08:09
      Highlight Highlight 30 pro Woche ist nicht so viel, da muss Nintendo sicher kuratieren und der Müll wird sich sehr in Grenzen halten.

      Steam liegt inzwischen bei 180 und iOS bei 500 Games pro Woche, DAS ist (zu) viel ;)

      Hat alles seine Vor- und Nachteile.

    • MikoGee 31.07.2018 08:31
      Highlight Highlight Es ist nur ungewohnt bei Nintendos üblichen Qualitätsstandards, dass unter anderem auch "Spiele" mit Gallerien von leicht bekleideten Frauen ihren Weg in den Store finden.
    • bebby 02.08.2018 06:45
      Highlight Highlight Nintendo kommt aus Japan, MikoGee. :-)
  • Rolf Meyer 30.07.2018 21:58
    Highlight Highlight schade nicht für die Switch :(
  • LittleGreenBuddha 30.07.2018 21:51
    Highlight Highlight https://www.stern.de/digital/technik/amelia-earhart---ihre-letzten-verzweifelten-funksprueche-sind-aufgetaucht-8185880.html

    Tolle Idee dieser Ikone der Fluggeschichte ein Spiel zu widmen!
  • Alnothur 30.07.2018 20:37
    Highlight Highlight Und wann ist's auf GOG?
    • Simon Dick 30.07.2018 21:27
      Highlight Highlight Ist für den Moment gerade noch nicht vorgesehen, aber durchaus in absehbarer Zeit denkbar. Drücken wir mal die Daumen. Grüsse.

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