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Keine Schamhaare, keine Brustwarzen – wie Instagram das weibliche Schönheitsideal steuert

Obszön, grotesk, ironisch: Auf Instagram verhandeln junge Netzkünstlerinnen neu, was schön ist und welche Darstellung von weiblicher Sexualität akzeptabel. Eine Leipziger Schau zeigt ihre Arbeiten.

Angela Gruber



Das sind die meistgelikten Bilder auf Instagram

Ein Artikel von

Spiegel Online

Zwei Finger massieren über die Grapefruithälfte, sie werden schneller, dann sticht einer tief ins rosarote Fruchtfleisch. Für solche kurzen Videos ist die amerikanische Künstlerin Stephanie Sarley bekannt. Ihre Plattform: Instagram.

Sarley greift mit ihrer Arbeit den insbesondere auf Instagram verbreiteten Food-Porn-Trend auf, das Veröffentlichen optisch ansprechender Essensfotos. Daraus schafft sie provokative Videos - mit Fruit Porn. Die Früchte, die Sarley mit den Fingern bearbeitet, erinnern den Betrachter unwillkürlich an eine Vulva. Während halbnackte Frauen in nahezu jeder TV-Werbepause auftauchen und auf Plakaten in der Innenstadt, sind Sarleys Frucht-Videos für manche Instagram-Nutzer offenbar zu viel: Sie wurden nach Nutzer-Meldungen mehrfach gesperrt.

Bitte sei einfach keiner dieser Selfie-Typen!

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Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Lya Saxer

Neben Sarley gibt es eine ganze Reihe junger Netzkünstlerinnen, die auf Plattformen wie Instagram Fragen zu Identität, Schönheit und Weiblichkeit auszuloten versuchen. Ihre Kunst zeigt ab Donnerstag das Museum der bildenden Künste Leipzig, unter dem Titel «Virtual Normality».

Instagram will keine Brustwarzen zeigen - von Frauen

Die sozialen Netzwerke sind für die Künstlerinnen dabei Fluch und Segen zugleich. Sie schaffen neue Möglichkeiten, sich unabhängig von Galerien schnell und einfach zu präsentieren und Fans zu gewinnen. Die privaten Plattformen aus dem Silicon Valley legen den Frauen aber auch neue Beschränkungen auf, beschreibt die Kuratorin der Leipziger Schau, Anika Meier.

Diese Komikerin imitiert Promis auf Instagram beinahe perfekt

Auf Instagram herrscht gemäss der Unternehmensrichtlinien eine gewisse Prüderie, Nacktheit ist verboten. Auch Promi-Fotografen wie Ryan McGinley posten ihre Fotografien mit schwarzen Balken über den weibliche Brustwarzen. Bei Brustwarzen von Männern ist das Netzwerk nicht so streng. Doch Instagram reguliert nicht nur die Frage von Nacktheit, sondern bestimmt darüber hinaus auch, wie der weibliche Körper gezeigt werden darf - und was zu obszön ist.

Als die kanadische Fotografin Petra Collins 2013 beispielsweise ein Foto von sich im Bikinihöschen veröffentlichte, wurde ihr Post von Instagram gelöscht. Nutzer hatten das Foto offenbar als anstössig gemeldet, weil Schamhaar am Rand des Bikinis hervorlugte.

«Die sozialen Medien haben den Schönheitswahn verstärkt»

Nicht immer reagiert das Netzwerk so harsch. Eine der ausstellenden Künstlerinnen, Arvida Byström, postete erst vor wenigen Tagen ein Bikini-Foto, das zufällig an das von Fotografin Collins erinnert - hier blieb das Motiv mit sichtbarem Schamhaar stehen. Trotzdem sagt Kuratorin Meier: «Auf Instagram sind Schamhaare immer noch ein Problem.»

Wer nicht den Schönheitsidealen entspricht, wird gemobbt

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Video: srf/SDA SRF

Als attraktiv gelte, wer auf Fotos jung, schlank und stoppelfrei ist. Diesem Ideal eifern etliche der Nutzer nach und präsentieren sich und ihr scheinbar makelloses Leben auf per Filter optimierten Bildern.

«Die sozialen Medien haben den Schönheitswahn sogar noch verstärkt», sagt auch Meier. Als Beispiel nennt sie Hashtag-Aktionen wie #Thighgap. Dabei animieren sich Nutzerinnen gegenseitig zum Abnehmen. Auf Fotos sollen sich die Oberschenkel nicht gegenseitig berühren, sondern eine Lücke (Englisch: gap) zu sehen sein.

Die Leipziger Ausstellung zeigt, wie die Künstlerinnen - jede auf ihre Weise - Widerstand gegen diesen Wahn leisten.

Sexy - und Künstlerin?

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Bild: instagram

Das erfordert Mut, sagt Meier. Denn Frauen würden immer noch deutlich häufiger als Männer für Verstösse gegen Abweichungen von der Norm abgestraft. Gleichzeitig gilt ihrer Meinung nach: «Wenn Frauen sich in ihrer Kunst zu sexy zeigen oder zu explizit werden, hiess es schon immer schnell: Das ist Porno und keine Kunst.»

Für weitere in der Ausstellung vertretene Künstlerinnen wie Molly Soda besteht das Aufbegehren gegen alte Regeln schon darin, überhaupt als Frau in der Öffentlichkeit Platz zu beanspruchen. «Auch das ist eine Form von Aktivismus: Einfach zu existieren und sich als Frau in die Öffentlichkeit zu stellen, und sich dabei nicht dafür zu schämen, wer du bist und worum es dir geht», wird Soda in einem Begleittext zur Ausstellung zitiert. Das ist es auch, worum es allen Künstlerinnen der Leipziger Ausstellung geht: Sie wollen ein Recht auf ihre ganz eigene Definition von Schönheit.

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38Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Nfnn Fnff 11.01.2018 22:39
    Highlight Highlight Villeicht sollte man den Typen der diese regeln bestimmt hat mal auf seine Sexuelle oreinetierung checken.
    Hört sich nähmlich an, als wäre Instagramm der perfekte Ort um Bilder von nackten Mädchen im Vorppupertären alter zu posten.
    Was worum er uns zwar nicht offen bitte, aber so seine andeutungen diesbezüglich macht. So im sinn von ohne brustwarzen und schaamhare
  • fabsli 11.01.2018 21:09
    Highlight Highlight Böse Brustwarzen! Weg mit euch. Wir wollen euch nicht auf Insta. Aber sonst mögen wir euch schon. Von Baby bis Greis, Mann und Frau. Alle mögen euch! Brustwarzen sind schön.
    Aber auf Insta nicht!
    In was für einer Welt leben wir eigentlich?
    • Es ist Nachgerichtet 12.01.2018 20:44
      Highlight Highlight In einer Welt in der Leute instagram für wichtig halten?
  • Waedliman 11.01.2018 19:39
    Highlight Highlight Manchmal könnte man wirklich den Eindruck bekommen, dass Frauen grundsätzlich doof sind. Sie hecheln Bachelors hinterher, identifizieren sich mit gefotoshoppten Beauties, zeigen sich grenzüberschreitend nackt, verfallen aber in die absolute Panik, wenn ein Mann sie auf der Straße anlächelt. Ist das das Bild, das Männer bekommen sollen? Dann kann ich wirklich jedem nur empfehlen, den Fall Lysistrata einfach umzukehren - Liebesentzug, bis die Damen wieder vernünftig werden. Ich habs übrigens leicht - ich schlaf nur mit Männern
  • Jokerf4ce 11.01.2018 19:36
    Highlight Highlight Ist das nicht ganzschön sexistisch?!
    #metoo #feminazi #genderwagelie #communism
  • MaskedGaijin 11.01.2018 17:38
    Highlight Highlight Netzkünstlerinen?
  • Jaspar Stupan 11.01.2018 16:42
    Highlight Highlight Ich freue mich auf den Tag wenn das weibliche Volk entlich begreift das sie nicht allen Menschen gefallen müssen und das sie nicht jedem scheiss Trend nachlaufen müssen um "dabei" zu sein. Seit einfach so wie ihr seit und ihr müsst niemanden auf Instagram fragen ob ihr gut ausseht oder nicht. Man will nur Geld mit euch verdienen und ihr lasst das mit euch machen. Eine Woche müsst ihr dünn (dumm) sein wie Miley und die nächste Woche braucht ihr einen Kim-Arsch damit ihr sexy seit. Das geht nicht! Ihr braucht auch nicht 12 Crems damit eure Haut gut aussieht, die Haut macht das schon selber.
    • SemperFi 11.01.2018 17:55
      Highlight Highlight Seid, es heisst SEID! Aber mit dem Rest bin ich völlig einverstanden.
    • Es ist Nachgerichtet 11.01.2018 18:26
      Highlight Highlight Da ist bestimmt das fiese Patriarchat schuld
  • Emanzipator 11.01.2018 14:21
    Highlight Highlight An dem Tag an den Bikinioberteile inexistent sind und ich Frau mit dem selben selbstverständnis an die Brust fassen darf wie sie mir, an dem Tag setze ich mich dafür ein, dass die Brustwarze der Frau gleichberechtigt ist....

    • owlee 11.01.2018 18:45
      Highlight Highlight Also ich fasse Männern auch nicht einfach an die Brust 🤔 Ich fasse fremde Menschen grundsätzlich nicht einfach so an.
    • Emanzipator 11.01.2018 19:09
      Highlight Highlight Och, wenn bei einer Anekdote ein „und jetzt stell dir mal vor“ oder ähnlich eingefügt wird, landet schon hie und da eine Hand mit ausholender bewegung auf der Brust. Und von fremden habe ich ja nicht gesprochen.
    • Sherlock.H 11.01.2018 20:51
      Highlight Highlight Also ich wurde schon von einer feministischen Aktivistin ohne Nachfrage an der Brust angefasst... Hätte ich das gemacht... auweia
  • 2fel 11.01.2018 13:13
    Highlight Highlight Geradezu stereotypisch dass die weibliche künstlerische Aufarbeitung an niederen Oberflächlichkeiten hängenbleibt. Find ich jetzt nicht gerade deep. Schade.
  • Rocco Zumstein 11.01.2018 13:13
    Highlight Highlight und wenns jetzt ein haar vom kopf ist welches runtergefallen ist? woran erkennt man ein schamhaar? die dummheit ist echt unendlich....
    • Dharma Bum(s) 11.01.2018 15:13
      Highlight Highlight Schamhaare sind Körperhaare; wenn die Lady rote Augenbrauen hat, dann weisst du was für welche Farbe die zwischen deinen Zähnen haben werden.

      FacstAreBrutal
    • Rocco Zumstein 11.01.2018 16:01
      Highlight Highlight Muss man diese Antwort verstehen? Ich seh jedenfalls keine Bezug zu meinem Kommentar. Ausser du wolltest meinen letzten Satz gleich bestätigen. Immerhin dies ist dir gelungen.
    • Dharma Bum(s) 11.01.2018 16:57
      Highlight Highlight Kopfhaare und Schamhaare sind verschieden.

      Augenbrauen und Schamhaare sind dieselben.

    Weitere Antworten anzeigen
  • Pain in the Ass 11.01.2018 13:05
    Highlight Highlight Immer die alte Leier bei Frauen.
    Eigenkritik = 0
    Ichwillalleshaben Einstellung = 100
    Frauen unterdrücken Frauen mit ihren oberflächlichen Werten. Viele Frauen wollen sich einfach nur nackt zeigen und dafür Geld und Anerkennung erhalten. Das soll dann Kunst sein. Dass es für Frauen soziale Regeln bezüglich Kleider gibt, hat nichts mit Diskriminierung zu tun. Was gewisse Frauen unter Bikini verstehen, sind nichts weiteres als drei Briefmarken miteinander verbunden. Frau Gruber versucht garnicht erst diesen Blödsinn kritisch zu hinterfragen. Wieso berichtet sie nicht über richtige Künstlerinnen?
    • Es ist Nachgerichtet 11.01.2018 18:25
      Highlight Highlight Twitch ist das beste Beispiel, Anfangs ein Streaming-Dienst für Gamer wo vielleicht in der Ecke das Gesicht des Spielers (der Spielerin) gezeigt wurde, um die Mimik usw mitzubekommen.

      Heute teilweise ein Softporno/Striptease-Portal wo sich Schlämplis in Bikini usw. vor Kameras räkeln und um Geld betteln. Und stellt euch vor: Kein Mann hat sie dazu gezwungen, Twitch würde wohl am liebsten all dieser Nutzerinnen sperren. Männliche Schlampen habe ich übrigens bisher keine gesehen auf Twitch
    • daenu 12.01.2018 06:54
      Highlight Highlight aha und du definierst also wer jetzt künstlerin ist und wer nicht oder was? oder noch besser was blödsinn ist und was nicht? oder was soziale regeln sind? noburka und prouniform fraktion?
  • Scaros_2 11.01.2018 13:02
    Highlight Highlight Dieses Video ist faszinierend
  • El diablo 11.01.2018 12:49
    Highlight Highlight Ist es so einfach ein "Künstler" zu sein? Cool, dann habe ich ja einen alternativen Karriereplan. Man muss ja offenbar nichts können, ausser sich nicht zu rasieren und das dann posten.
    • Nick Name 11.01.2018 15:33
      Highlight Highlight Wer sagt, dass das Kunst ist?
    • El diablo 11.01.2018 15:55
      Highlight Highlight Watson. Lies den Artikel. Da steht es mehrfach ;)
    • Nick Name 11.01.2018 17:40
      Highlight Highlight @ElDiablo: Falsch. Ich hab den Artikel gelesen, du offenbar nicht wirklich. Extra für dich rezitiere ich alle Stellen mit "Schamhaar":
      Nutzer hatten das Foto offenbar als anstössig gemeldet, weil Schamhaar am Rand des Bikinis hervorlugte.
      (…)
      Eine der ausstellenden Künstlerinnen, Arvida Byström, postete erst vor wenigen Tagen ein Bikini-Foto, das zufällig an das von Fotografin Collins erinnert - hier blieb das Motiv mit sichtbarem Schamhaar stehen. Trotzdem sagt Kuratorin Meier: «Auf Instagram sind Schamhaare immer noch ein Problem.»
    Weitere Antworten anzeigen
  • My Senf 11.01.2018 12:37
    Highlight Highlight So viel zu #MeToo Debatte.

    Wird von den Instagram-Künstlerinnen ad absurdum geführt...
  • amore 11.01.2018 12:31
    Highlight Highlight Schamhaare sehe ich gerne. Lieber würde ich die Bilder über Krieg und Greueltaten nicht mehr sehen.
  • Eskimo 11.01.2018 11:52
    Highlight Highlight Schamhaare sind nicht nur auf Instagram ein Problem😉
    • bandra 11.01.2018 13:07
      Highlight Highlight Die BlitzerInnen möchten wir wohl nicht in der Badi treffen ;-)
    • Walter Sahli 11.01.2018 13:53
      Highlight Highlight Warum meinst Du, Eskimo? Bist Du schon mal mit einem dunklen Schamhaar zwischen den Zähnen rumgelaufen obwohl Dein Liebster/Deine Liebste blond ist?
    • Dharma Bum(s) 11.01.2018 15:15
      Highlight Highlight Die einen stehen auf Jungletrekking, andere auf Golfrasen und Dritte auf die Wüste Gobi.

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