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A man poses with a magnifier in front of a Facebook logo on display in this illustration taken in Sarajevo, Bosnia and Herzegovina, December 16, 2015. REUTERS/Dado Ruvic/File Photo

Was passiert eigentlich mit Beiträgen, die bei Facebook als Missbrauch gemeldet werden? Bild: Dado Ruvic/REUTERS

Das «Löschteam» von Facebook

Die «Süddeutsche Zeitung» wagte sich tief in die Gefilde des sozialen Netzwerks vor. Mit dem Titel «Inside Facebook» berichtet ein Reporterteam über das 600 Mann starke Löschteam in Berlin, das tagtäglich das soziale Netzwerk von Hasskommentaren, Kinderpornos und Fake-News säubert.



Auf Druck des deutschen Bundesjustizministers Heiko Maas (SPD) wurde im Herbst 2015 die Firma Arvato mit dem Löschen von Hassbeiträgen auf Facebook beauftragt. Zuvor wurden problematische Beiträge von Dublin, Texas, Kalifornien oder dem indischen Hyderabad aus entfernt. 

Einblick in die Tätigkeit des Berliner Löschteams, Informationen über Löschregeln oder über die Qualifikationen und Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter sind indes gänzlich unbekannt. Den Mitarbeiten ist es zudem untersagt, mit Journalisten oder Behördenvertretern zu sprechen. 

Das Schweigen wird gebrochen

Doch einige Angestellte von Arvato haben sich nun zu Wort gemeldet und wollen ihre Arbeitsbedingungen öffentlich machen. Sie leiden unter Stress und Überlastung, heisst es, einige sogar unter psychischen Problemen. Die tägliche Flut an oftmals schockierenden Inhalten hinterlässt Spuren.

Die Mitarbeiter, so die «Süddeutsche Zeitung», fühlen sich mit ihren Problemen allein gelassen. Bilder und Beiträge über Folter, Mord, Kindsmissbrauch oder Sex mit Tieren gehören zur Tagesordnung  – und es fehlt an professioneller und psychologischer Betreuung. Mit Aussagen wie den folgenden berichten die Angestellten von ihren Erlebnissen:

«Seit ich die Kinderpornovideos gesehen habe, könnte ich eigentlich Nonne werden – an Sex ist nicht mehr zu denken. Seit über einem Jahr kann ich mit meinem Partner nicht mehr intim werden. Sobald er mich berührt, fange ich an zu zittern.»

Mitarbeiter Löschteam Berlin  Süddeutsche zeitung

«Ich habe Sachen gesehen, die mich ernsthaft am Guten im Menschen zweifeln lassen. Folter und Sex mit Tieren.»

Mitarbeiter Löschteam Berlin süddeutsche zeitung

Neben den belastenden Inhalten, die jeden Tag gesichtet werden, ist auch das Arbeitspensum extrem hoch. Pro Tag müssen rund 2000 Beiträge geprüft werden. Dabei haben vor allem höher gestellte Mitarbeiter, die auch Videos anschauen müssen, nur etwa acht Sekunden Zeit für ihre Löschentscheidung. 

Auch nach welchen Grundsätzen gelöscht wird, ist ein Buch mit sieben Siegeln. Das Regelwerk besteht aus Hunderten von Beispielen und Details. So werden etwa Kommentare, die Gewalt bejubeln, entfernt. Aber auch die Kombination von Kommentar und Bild spielt eine wichtige Rolle. Schreibt zum Beispiel jemand unter ein Bild eines Sterbenden «Fuck yeah», wird der Beitrag gelöscht – aber nur dann. Ansonsten bleibt das Bild online.  

Auf Anfrage bei Facebook Deutschland erhielt die «Süddeutsche Zeitung» lediglich die Antwort «Kein Kommentar». Unter  #insidefacebook ruft die Zeitung auf Twitter nun zur Diskussion auf und wartet weiterhin auf eine offizielle Stellungnahme zu den Vorwürfen. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • NiemandWirklich 19.12.2016 18:39
    Highlight Highlight Idee: Flashmob, bei dem Facebook Nutzer Beiträge verfassen, die das Vertrauen in die Menschheit wiederherstellen und mit einem Hashtag versehen, der die Erlaubnis zum melden des Beitrages erteilt. Wenn Facebook nicht durch Übermasse an Meldungen ein anderes System sucht, so hätten die Prüfer doch wenigstens einige erheiternde Beiträge zum Testen...
  • http://bit.ly/2mQDTjX 16.12.2016 13:19
    Highlight Highlight Bei der Müllabfuhr auf den Philippinen arbeiten die Content-Moderatoren 50% effizienter als in Berlin. Zu einem Bruchteil der Kosten. Und ein Vielfaches mehr.

    "Laut der US-Wissenschaftlerin Sarah T. Roberts arbeiten mindestens 150.000 Menschen auf den Philippinen als Content-Moderatoren."

    http://www.swr.de/swr2/kultur-info/netzkultur-digitale-muellabfuhr-david-siebert/-/id=9597116/did=17402462/nid=9597116/tq53f/index.html

    Mir scheinen diese Non-Disclosure-Agreements/Arbeitsverträge von Facebook wenn nicht sogar strafrechtlich relevant, dann doch zumindest sittenwidrig.
  • Moudi 16.12.2016 12:53
    Highlight Highlight Da werden ganz viele Posts nicht veröffentlicht, bei Blick und 20 min ist das schon klar, leider zieht Watson immer mehr nach.. Schade.
    • Moudi 16.12.2016 16:39
      Highlight Highlight Die zwei vorherigen Posts werden auch nicht gezeigt.. hat da jemand aber auch angst.. man könnte sich noch eine eigene Meinung bilden..
      Und nicht die der MEDIEN!
  • Maett 16.12.2016 09:47
    Highlight Highlight Solche Berichte sind nicht neu, nur haben sie bisher z.B. eher Google, Bing oder Yahoo gegolten. Bei allen Diensten wird von Menschen aussortiert, welche wohl nicht minder darunter leiden, wie die hier erwähnten im Auftrag von Facebook handelnden Personen; soweit ich mich erinnere, gehörte psychologische Hilfe und ähnliches nirgendwo zum Standard, es ist also falsch, Facebook zu verteufeln, während man den Rest unerwähnt lässt, der genau gleich handelt.

    Hier wäre die Politik in der Verantwortung, um Rahmenbedingungen für diese Form von Arbeit zu definieren und die Einhaltung zu kontrollieren.
  • N. Y. P. D. 16.12.2016 09:37
    Highlight Highlight Ich informiere mich immer direkt auf den jeweiligen Websites. Tagi / Spiegel / ARD / Watson / Süddeutsche / CNBC etc.
    Hier habe ich Zugang zu allen Informationen.
    Facebook aber bestimmt selber, wer welche Nachrichten zu Gesicht bekommt. Das finde ich doch sehr grenzwertig. Und dann noch der ganze Müll*, den sich die User gegenseitig zuschicken. Da gehe ich lieber mit Kollegen einen trinken.
    So, genug gelästert über Facebook.

    *vielleicht ein zu starkes Wort, für die zartbesaiteten Seelen, die sich in der Facebookblase bewegen ;-)
    • N. Y. P. D. 16.12.2016 10:49
      Highlight Highlight I like my friends, my friends like me. We have a good time together. We are all not on Facebook. And that's good.

      N. Y. P. antworten, bitte.
      wäre die Höflichkeitsfloskel

      oder falls Du es tatsächlich im Befehlston rüberbringen willst, wäre ein ! angebracht ;-)

      N. Y. P. Antworten !

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