Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Das Schreckgespenst des Spulverbots für TV-Werbung ist vorerst vom Tisch.
bild: nein-zum-spulverbot 

Du kannst die Werbung weiter spulen. Nationalrat versenkt das Replay-TV-Verbot

Am Freitagmorgen kam es im Nationalrat zum Showdown ums Replay-TV. Das Parlament hat das geplante Spulverbot mit 182 zu sechs Stimmen abgeschmettert.



TV-Sender sollen nicht verhindern können, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer beim zeitversetzten Fernsehen die Werbung überspringen. Der Nationalrat hat es am Freitag abgelehnt, eine Regelung zum Replay-TV im Urheberrecht zu verankern.

Was hat der Nationalrat beschlossen?

Die überwiegende Mehrheit des Nationalrats will, dass die TV-Sender auch künftig nicht direkt mit TV-Verbreitern über die Bedingungen des Replay-TV verhandeln können – und somit das zeitversetzte Fernsehen weder einschränken noch blockieren können. Vorerst vom Tisch ist somit das angedachte Spulverbot für Werbung beim zeitversetzten Fernsehen. Dies hätte schlussendlich wohl auch den Sendern selbst geschadet.

Die Regelung wurde mit 182 zu sechs Stimmen bei neun Enthaltungen abgelehnt. Die Mehrheit befürchtete, dass die Fernsehsender das Überspulen der Werbung nicht mehr erlauben oder dafür Gebühren erheben würden, die auf die Konsumentinnen und Konsumenten abgewälzt würden.

Davon betroffen gewesen wären die grossen TV-Verbreiter wie UPC, Swisscom, Sunrise und Quickline sowie TV-Streaming-Dienste wie Zattoo, Teleboy oder Wilmaa. Sie hätten damit rechnen müssen, künftig die Zustimmung jedes einzelnen Senders für Replay-TV einholen und die Bedingungen individuell verhandeln zu müssen.

Wer war gegen das Spulverbot?

Alle Parteien. Der Vorschlag der Kommission war im Rat chancenlos: Die Regelung wurde mit 182 zu sechs Stimmen bei neun Enthaltungen abgelehnt.

Beat Flach (GLP) stellte fest, für Junge sei lineares Fernsehen etwas von vorgestern. Sie wüssten gar nicht, mit welchen Schmerzen das früher verbunden gewesen sei, wenn man eine Folge von «Bonanza» verpasst habe. Replay-TV dürfe nicht verhindert oder eingeschränkt werden.

Andrea Gmür-Schönenberger (CVP/LU) befand, es gehe nicht an, einen Werbekonsumzwang im Gesetz zu verankern. Ausserdem sei nicht klar, um wie hohe Einbussen es gehe. Christa Markwalder (FDP/BE) stellte fest, Replay-TV entspreche einem Kundenbedürfnis.

Justizministerin Simonetta Sommaruga stellte sich ebenfalls gegen die Regelung. Das zeitversetzte Fernsehen sei beliebt, und die Öffentlichkeit würde es nicht verstehen, wenn Replay-TV nicht mehr angeboten oder teurer würde, sagte sie.

Warum stand die beliebte Spulfunktion überhaupt auf der Kippe?

Anfang November wollte die Rechtskommission des Nationalrates im Gesetz verankern, dass die Kabelnetzunternehmen das Überspulen der Werbung nur dann ermöglichen dürfen, wenn der TV-Sender dem zugestimmt hat.

Kommissionssprecher Matthias Aebischer (SP/BE) betonte heute jedoch, niemand wolle Replay-TV verbieten, auch nicht das Überspulen der Werbung. Die Kommission wolle vor allem Verhandlungen herbeiführen zwischen TV-Sendern und Kabelnetzunternehmen. Er wies darauf hin, dass letztere – insbesondere Swisscom und UPC – mit Replay-TV viel Geld verdienten. Dies auf Kosten der Sender, die bei den Bedingungen über die Replay-Nutzung kein Mitspracherecht hätten.

Das angedrohte Spulverbot war ein Druckmittel der Sender gegenüber Swisscom, UPC und Co.

Worum geht's beim Replay-TV-Streit wirklich?

Im Grunde geht es bei der Debatte weniger um ein Replay-Verbot, sondern darum, wie der Kuchen zwischen TV-Sendern und TV-Verbreitern aufgeteilt wird. Fernsehsender, Telekomfirmen, Kabelnetzbetreiber und TV-Streamingdienste streiten um die Verteilung der wachsenden Erlöse aus dem boomenden Replay-TV-Geschäft. Es geht darum, wie der Gewinn aus den teuren Replay-TV-Abos zwischen Sendern und Verbreitern künftig verteilt werden soll. Für Sender und Netzbetreiber stehen Millionen auf dem Spiel.

TV-Verbreiter wollen mit Replay-TV attraktive und teure TV-Abos verkaufen. Die Sender hingegen möchten die Nutzer auf ihre eigenen Internetseiten oder Apps locken, um mit ihren Mediatheken Geld zu verdienen.

Schlussendlich hat die Politik entschieden, ob Replay-Nutzer künftig mehr in die Taschen der TV-Sender oder TV-Verbreiter zahlen. Swisscom und Co. können jubeln, die Sender haben aber immerhin einen Teilerfolg erzielt. Sie können darauf hoffen, dass die TV-Verbreiter Hand zu neuen Werbeformen bieten (siehe Punkt 7).

SRF erklärt den Streit ums Replay-TV in diesem Beitrag von «10vor10». 

Warum wollen die Sender Replay-TV einschränken?

Beim Replay-TV schalten viele Zuschauerinnen und Zuschauer bei Werbung auf Schnellvorlauf. Dadurch entfielen ihnen Werbeeinnahmen, die durch pauschale Urheberrechts-Entschädigungen bei Weitem nicht kompensiert würden, klagen die TV-Sender. Die Sendeunternehmen behaupteten, jährlich entgingen ihnen wegen Replay-TV Werbeeinnahmen von über 100 Millionen Franken. Sie wollen daher direkt mit Swisscom, UPC und Co. über die Bedingungen des zeitversetzten Fernsehens verhandeln dürfen: Etwa über die Höhe der Lizenzgebühren für ihre Replay-TV-Programme und neue Werbeformen. Bislang blieb ihnen dieses Recht verwehrt. Die Telekom- und Kabelnetzanbieter konnten die Forderungen der Sender daher jahrelang ignorieren. 

Die Fernsehsender haben zudem alles Interesse daran, die Zuschauerinnen und Zuschauer auf ihre eigenen Internetseiten zu locken. Dort ist Replay-TV unbeschränkt nutzbar – allerdings mit saftigen Kostenfolgen. 

Warum wurde das Spulverbot abgeschmettert?

Erstens: Die Höhe der Ausfälle für die Sender sei unklar, warnte Justizministerin Simonetta Sommaruga. Die Sendeunternehmen behaupteten, jährlich entgingen ihnen wegen Replay-TV Werbeeinnahmen von über 100 Millionen Franken. Die Kabelnetzbetreiber bestritten diese Summe. Niemand wisse, um wie viel Geld es tatsächlich gehe. Und niemand wisse, wie sich der Werbemarkt angesichts der veränderten Konsumgewohnheiten entwickle.

Weiter wies Sommaruga darauf hin, dass die Kabelvertreiber den Rechteinhabern schon heute 35 Millionen Franken bezahlten für das zeitversetzte Fernsehen. Darin eingeschlossen sei ein Beitrag für Werbeausfälle.

Zweitens: Das zeitversetzte Fernsehen ist beliebt und die Öffentlichkeit würde es nicht verstehen, wenn Replay-TV nicht mehr angeboten oder teurer würde. Der Konsumentenschutz drohte gar Politiker an den Pranger zu stellen, die Replay-TV einschränken. 

Wie wollen die TV-Sender Geld verdienen, wenn die Werbung übersprungen wird?

Einen Teilerfolg konnten die Sender schon vor der heutigen Abstimmung verbuchen: Ihr Lobbying führte dazu, dass der Dachverband der TV-Verbreiter erstmals Bereitschaft zeigte, über neue Werbeformen zu verhandeln. Beispielsweise kurze Werbeclips vor der Replay-Nutzung, die nicht übersprungen werden können. Die Sender versprechen sich so Zusatzeinnahmen, um die Verluste bei der klassischen TV-Werbung zu kompensieren.

Sollten die TV-Verbreiter den Sendern nicht entgegenkommen, ist es nur eine (kurze) Frage der Zeit, bis die Sender den nächsten Angriff starten.

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA.

Diese Serien verschlingt die Netflix-Community jeweils sofort

Das könnte dich auch interessieren:

Fotograf schiesst DAS Foto der Notre-Dame und muss sich nun gegen Fake-Vorwürfe wehren

Link zum Artikel

Das grösste Verdienst von Tesla sind nicht die eigenen Autos

Link zum Artikel

Schluss mit Lügen! So lässt sich die ganze Welt allein mit grüner Energie versorgen

Link zum Artikel

Vergiss Tinder! Hier erfährst du, welches Potenzial deine Fassade hat 😉

Link zum Artikel

17 katastrophale Tinder-Chats, die definitiv niemanden antörnen

Link zum Artikel

Vermisst und wieder aufgetaucht – 9 Fälle von Kindern, die verschwunden waren

Link zum Artikel

Mit diesen 21 Fakten kannst du beim kommenden «Game of Thrones»-Marathon angeben

Link zum Artikel

«SRF Deville» verkündet Pfadi-Putsch in Liechtenstein – diese finden's gar nicht lustig

Link zum Artikel

Brauchen wir einen Green New Deal, um eine Rezession zu vermeiden?

Link zum Artikel

Wie rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke instrumentalisieren

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
sentifi.com

Watson_ch Sentifi

Abonniere unseren Newsletter

37
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
37Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mimimimi 15.12.2018 01:13
    Highlight Highlight Alter, wer hat denn heutzutage noch einen fernseher? (Ausser meine eltern, aber die schlafen eh schon vor dem meteo.)
  • Pointer 14.12.2018 15:45
    Highlight Highlight Damit hat der Nationalrat das Leben der Linearen Bewegtbildmedien noch etwas verlängert.
  • Volkan Aydın 14.12.2018 12:57
    Highlight Highlight Also ich bin ja erst 35, aber dieses Thema ist ein Streit ums UKW. Wer heute sich noch vorsetzten lässt, was er zu schauen hat, ob replay oder nicht. Ist selbst schuld. Mein Tv läuft in der woche 2h, 1,5 davon Netflix. die andere halbe stunde youtube.
    Das erstaunliche ist ja eigentlich, das gerade die Staatlichen TV betriebe zugelegt haben, während die Privaten mittlerweile ein Niveau halten, das jeder der solche Sender schaut, dringend eine therapie brauchen.
  • Pazuzu 14.12.2018 12:37
    Highlight Highlight Ich lasse die Werbung laufen, unterdessen lese ich eZeitung, usw.
  • Redback 14.12.2018 12:24
    Highlight Highlight Vielleicht sollte die Sender mal über die Qualität Ihres Programmes nachdenken bevor diese die Schuld für sinkenden Einnahmen dem Replay geben.
    • SanRemo7 14.12.2018 12:49
      Highlight Highlight Meinst du die Qualität der Sendungen wird besser wenn die Werbe-Einnahmen in Zukunft sinken?
    • Astrogator 14.12.2018 21:48
      Highlight Highlight @SanRemo7: Das ist ja die Schweinerei, die Einnahmen sind in den letzten Jahren gestiegen. Man hoffte einfach die Zuschauer abzocken zu können.
  • 54er 14.12.2018 11:58
    Highlight Highlight Nach all den Entscheidungen die der NR so getroffen hat in letzter Zeit, hatte ich wircklich meine Zweifel. Das wäre der Untergang vom normalen TV gewesen und wenn auch viel Schrott ist, gibt es immernoch gewisse Sendungen die ich gerne nach der Arbeit schaue.

    und darf man auch wiedermal sagen was schon fast eine Seltenheit war. Danke! gut gemacht Bern 👌


    Und wenn man sich so die Namen der 6 anschaut.. naja soviel dazu vonwegen die Partei für das Volk.. das hat man davon!
  • kuhrix 14.12.2018 11:44
    Highlight Highlight Könnt ihr bei solchen Artikeln jeweils den Link zu der Abstimmung von Parlament.ch hinzufügen?
    Die richtige Abstimmung zu finden ist bei grossen Vorlagen nicht immer leicht. Würde im Hinblick auf die wahlen gerne sehen wie die Vertreter aus meinem Kanton so abstimmen. Danke vielmals.
  • MarkusPaul 14.12.2018 11:12
    Highlight Highlight Genial!
  • goschi 14.12.2018 10:40
    Highlight Highlight Welche 6 NR haben dafür gestimmt?
  • qolume 14.12.2018 10:30
    Highlight Highlight So, und damit auch alle wissen, wer die 6 Oberschlauen waren (alle SVP):
    - Claudio Zanetti
    - Pirmin Schwander
    - Gregor Rutz
    - Natalie Rickli
    - Thomas Matter
    - Manfred Bühler

    -> Darf gerne bei den Wahlen nächstes Jahr berücksichtigt werden ;-)
    • Licorne 14.12.2018 11:10
      Highlight Highlight Danke! Habe deinen Kommentar auf 20min im entsprechenden Artikel gepostet. Freigeschaltet wurde er aber nicht.. ein Schelm, wer Böses denkt.
    • Basubonus 14.12.2018 11:15
      Highlight Highlight Was für ein Zufall, dass es wieder allesamt Leute jender Partei waren, die nach eigener Aussage mehr Markt, weniger Verbote und vor Allem Alles zum Wohle des "Volches" will...
      Verlogene Bande.
    • H.P. Liebling 14.12.2018 11:42
      Highlight Highlight Wenn ich diese Namen lese, komme ich grad auf eine gute Idee: Wir setzen alle 6 in ein Ruderböötli, geben ihnen in der Normandie einen kleinen Schubser und dann können sie mal eine kleine Atlantiküberquerung machen. Alle hätten gewonnen: Die 6 SVPler könnten ihre eigene kleine Welt schaffen, ohne einen einzigen "Störer" darin, und wir wären sie auf einen Schlag los :)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Joe Smith 14.12.2018 10:27
    Highlight Highlight Ich finde es irgendwie pikant, dass Watson die Verhinderung des Spulverbots abfeiert, gleichzeitig aber selber laufend Videos mit nicht-überspulbarer Werbung aufschaltet.
    • @schurt3r 14.12.2018 10:50
      Highlight Highlight ...
      Benutzer Bildabspielen
    • Roterriese 14.12.2018 11:06
      Highlight Highlight Die Verhinderung des Spulverbots online nennt sich Adblocker ;)
    • 54er 14.12.2018 12:00
      Highlight Highlight Smith der grosse Unterschied ist, für die TV-Angebote zahle ich schon genug hohe Abogebühren da will ich nicht noch gezwungen werden mir Werbung anzuschauen. Watson ist dagegen gratis und nur verständlich dass man hier Werbung hat.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Pasch 14.12.2018 10:26
    Highlight Highlight .
    Benutzer Bildabspielen
  • Scaros_2 14.12.2018 10:20
    Highlight Highlight Für einmal hat der NR was wirklich gutes Getan. Vernunft obsiegt der Naivität.
  • Xonco 14.12.2018 10:13
    Highlight Highlight Beispielsweise kurze Werbeclips vor der Replay-Nutzung.

    Was ja dann auch Replay hinfällig macht, weil in diesem Falle gibts "kurze Werbeclips von 30 Sekunde+" vor der Sendung, später auch während der Sendung :)
  • Nicosinho 14.12.2018 10:09
    Highlight Highlight DANKE!

Sony enthüllt Details der Playstation 5: 8K-Grafik, SSD und kompatibel mit PS4

Dass Sony an einer neuen Playstation arbeitet, ist ein offenes Geheimnis. Nun plaudern die Japaner erstmals aus dem Nähkästchen.

Die kommende Playstation 5 unterstützt 8K-Grafik, 3D-Audio, superschnelle SSDs – und sie ist kompatibel mit Playstation-4-Spielen. Dies hat Mark Cerny von Sony dem renommierten Tech-Magazin wired.com verraten. Im Gespräch stellt Cerny klar, dass die neue Konsole, anders als die PS4 Pro, kein Upgrade der PS4 sei, sondern eine neue Konsolen-Generation darstelle.Die Playstation 5 verfüge demnach über neue Hardware, darunter eine Achtkern-CPU auf Basis der dritten Generation der Ryzen-Linie …

Artikel lesen
Link zum Artikel