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2017, das Jahr der nächsten Tech-Blase?

Snapchat, AirBnB, Uber, Dropbox, Spotify: Viele Tech-Konzerne der nächsten Generationen könnten 2017 an die Börse drängen. Doch nun wachsen die Zweifel, wie nachhaltig ihre Geschäftsmodelle sind.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Einhörner? Voll langweilig. Die Zukunft gehört den Zehnhörnern. Im Zauberwald der globalen IT-Industrie tummeln sich rund ein halbes Dutzend Super-Start-ups, die nicht nur unicorns sind, wie die Risikokapitalgeberin Aileen Lee Firmen mit einem geschätzten Wert von mehr als einer Milliarde Dollar taufte. Die Start-ups sind längst zu decacorns geworden: Zu Zehn-Milliarden-Plus-X-Unternehmen, die als reif, manchmal überreif für die Börse gelten.

Der Taxischreck Uber, geschätzter Firmenwert 68 Milliarden Dollar, zählt dazu. Ebenso der Wohnungsvermittler AirBnB, der auf bis zu 30 Milliarden Dollar taxiert wird. Auch mit dabei: Das weniger bekannte, weil ultrageheime Start-up Palantir (20 Milliarden Dollar), das Regierungen hilft, Terroristen aufzuspüren.

Das Fotonetzwerk Pinterest (11 Milliarden Dollar) und der Online-Speicher-Dienst Dropbox (10 Milliarden Dollar) gelten ebenfalls als mögliche Börsendebütanten, genau wie die Musik-Streaming-Plattform Spotify (8 Milliarden Dollar) und das Videoportal Vice Media (4 Milliarden Dollar).

Sollten 2017 wirklich mehrere dieser Firmen an die Börse gehen, könnte der globale Tech-Boom die nächste Stufe erreichen. Die IT-Giganten der nächsten Generation könnten, befeuert von den Milliarden der Aktionäre, ihr Wachstum beschleunigen und die Digitalisierung der Gesellschaft vorantreiben.

Genauso gut aber könnte 2017 das Jahr der Enttäuschungen werden, das Jahr, in dem die Tech-Blase platzt. Denn Zweifel an den Geschäftsmodellen der hochgehandelten Tech-Firmen sind zuletzt stark gewachsen. Viele unicorns könnten als unicorpses, als Kadaver, enden, spottete Risikokapitalgeberin Lee kürzlich.

Die Schwächen

Snap, die Mutterfirma des Chat-Dienstes Snapchat, peilt den Sprung aufs Parkett im Frühjahr an – mit einer Bewertung von angeblich mindestens 25 Milliarden Dollar. Ein Sozialmedium für flüchtige Fotonachrichten und lustige Filter soll in etwa so viel wert sein wie die Deutsche Bank? Echt jetzt? Investoren sind skeptisch.

So funktioniert Snapchat

Denn der Dienst wächst zwar rasant, vor allem in der begehrten Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen, und er kommt inzwischen auf mehr tägliche Videoaufrufe als Facebook. Mit einem tragfähigen Geschäftsmodell aber experimentiert Snap erst seit ein paar Monaten. Seit Juni können Werbekunden zwischen den Kurzvideos der Nutzer Anzeigen schalten. Wie ertragreich das ist, muss sich erst zeigen.

25 Snaps, die so schlecht sind, dass sie einen Printscreen verdient haben

Auch die Hype-Firmen Uber und AirBnB müssen erst noch beweisen, dass sich ihre Geschäftsmodelle tragen. Bei dem Fahrdienstvermittler sollen im laufenden Jahr gar Verluste von mindestens zwei Milliarden Dollar angefallen sein.

Beide Dienste haben dasselbe Problem: Sie gelten als Prototypen der sogenannten On-Demand-Economy – einem Marktmodell, das auf die sofortige Wunscherfüllung des Kunden setzt. «Sofort! Gut! Günstig!», lautet die Devise. Doch Uber findet nicht schnell genug Fahrer, AirBnB nicht schnell genug Gastgeber. Die Pioniere der On-Demand-Ökonomie haben ein Angebotsproblem. Es wird für sie immer teurer, genug neue Anbieter zu rekrutieren.

Ähnlich grosse Probleme hat auch Spotify. Um Zugriff auf die Rechtekataloge der Musikverlage zu bekommen, muss das Unternehmen rund 70 Prozent seiner Umsätze an die Plattenindustrie abführen. Gleichzeitig drängen Konkurrenten wie Apple, Google und Amazon in den Markt, und das sogenannte Stream-Ripping, bei dem Millionen Menschen die gestreamte Musik per Software mitschneiden, breitet sich aus. Der lang gehypte Streaming-Dienst gilt inzwischen vielen als riskantes Investment.

Auch dem einst viel gelobten Speicherdienst Dropbox droht eine Krise. Etablierte Tech-Giganten wie Amazon, Microsoft, IBM oder Google machen der Firma, die seit 2007 noch nie schwarze Zahlen geschrieben hat, zusehends Kunden abspenstig. Dropbox-Chef Drew Houston versucht die Konkurrenz mit speziellen Lösungen für Firmenkunden auf Abstand zu halten – mit leidlichem Erfolg.

Mit dem Hype wächst die Unsicherheit

Die Probleme der neuen Tech-Pioniere sind im grossen und ganzen bekannt. Die Öffentlichkeit weiss aber nicht, wie es um die Firmen genau bestellt ist. Denn solange sie nicht an der Börse sind, müssen sie über ihr Innenleben kaum Auskunft geben. Analysten können kaum nachprüfen, wie realistisch die wolkigen Zukunftsversprechen von Uber, Snap & Co sind.

Schlimmer noch: Es ist sogar möglich, dass das eine oder andere Einhorn noch irgendein ein dunkles Geheimnis hat. Ähnlich wie das Blutanalyse-Start-up Theranos, das einst mit neun Milliarden Dollar bewertet wurde und sich dann als möglicher Betrug entpuppte. Das angeblich revolutionäre Bluttest-Verfahren der Firma hat es vermutlich nie gegeben. Seit der vermeintliche Schwindel aufgeflogen ist, gilt Theranos als Paradebeispiel eines Start-ups, das zu lange unter Ausschluss der Öffentlichkeit agierte.

Für Snap, Uber, AirBnB, Spotify, Dropbox & Co indes dürfte bald die Stunde der Wahrheit schlagen. Denn es gibt nicht mehr viel Luft für neue private Finanzierungsrunden. Alle üblichen Wagniskapitalgeber haben schon Geld in diese Firmen gesteckt, dazu Hedgefonds und, im Falle Uber, sogar der saudi-arabische Staat. «Irrational» hat Uber-Chef Travis Kalanick das Verhalten der Investoren genannt.

Den Zehnhörnern läuft also die Zeit davon. Sie müssen an die Börse, so lange Aktionäre ihrem Geschäftsmodell noch trauen. Verpassen sie den Absprung, droht ihnen das Geld auszugehen.

Entsprechend versuchen viele Tech-Firmen gerade, sich für potenzielle Aktionäre attraktiv zu machen. Die Strategie dafür ist meist dieselbe: Die Firmen mühen sich zu zeigen, dass ihre Einkünfte nicht von einem einzigen Geschäftszweig abhängen.

Und so ist es kein Zufall, dass Snap gerade jetzt eine Sonnenbrille auf den Markt bringt, die kurze Videos filmen kann. Dass AirBnB-Chef Brian Chesky öffentlich damit liebäugelt, bald auch Exkursionen, Restaurantreservierungen, Flüge oder Mietwagen zu vermitteln. Dass Spotify auf Netflix macht und eigene TV-Serien produziert. Dass Uber mit selbstfahrenden Autos und Essenslieferungen experimentiert – und kürzlich sogar den Entwurf eines fliegenden Taxis veröffentlicht hat.

«Aufhübschen der Braut» heisst solch PR-Geklingel im Börsensprech. Mehr Sicherheit für Investoren entsteht dadurch nicht. Denn die Kernprobleme der Tech-Pioniere sind nach wie vor nicht gelöst. Wie es um Dropbox, Snap & Co wirklich steht, werden Anleger erst erfahren, wenn die Zehnhörner ihre Börsenprospekte vorlegen. Denn in diesen müssen sie erstmals harte Kennziffern nennen.

Die grössten Flops der Tech-Geschichte

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dagobert Duck 02.01.2017 14:31
    Highlight Highlight Twitter, Snapchat, Facebook.... Alles Firmen, die die Welt nicht braucht. Was würde mir fehlen? Ach ja, nichts... Snapchat habe ich mal angeschaut und mich gefragt, was der Sch*** denn soll... Facebook habe ich vor einem Monat definitiv verloren. Twitter? Wüsste nicht, was ich wichtiges verpasst hätte... alles nur Zeitfresser... ich geh jetzt raus aufs Bike, mit meiner Herzallerliebsten...
    20 15 Melden
    • phreko 02.01.2017 17:10
      Highlight Highlight Mountainbikes, braucht niemand, werden aber trotzdem gekauft.

      So einfach ist es nicht, da fehlt es noch ein bisschen an Perspektive und Phantasie.
      12 8 Melden
    • jjjj 02.01.2017 19:55
      Highlight Highlight Du bist ja sooo einzigartig und speziell!
      11 3 Melden
  • Commander 02.01.2017 13:37
    Highlight Highlight Ist doch alles ein Witz. Entweder muss Substanz oder ein Ertragswert aufgrund NACHHALTIGER Gewinne vorhanden sein. Irgend eine App oder eine Geschäftsidee (so gut sie auch sein mag) sind vielleicht Millionen aber nicht Milliarden wert. Klar, dass bei einem IPO alle die grosse Kohle machen wollen; wo der Aktienkurs in 2 Jahren ist, kann man sich aber gut vorstellen...
    21 1 Melden
    • mrmikech 02.01.2017 15:07
      Highlight Highlight Ein witz worauf unsere renten basiert sind.... leider werden unsere renten so auch ein witz...
      6 2 Melden
  • LubiM 02.01.2017 13:34
    Highlight Highlight Wer bewertet denn diese Firmen? Das sind Zahlen, welche man nie und nimmer trauen kann.
    Ganz im Ernst, was ist, wenn es solche Firmen "lupft"? Nichts, klar für die Mitarbeiter ist es nicht schön, aber für die Menschheit, für die Welt ändert sich null, nix!
    28 2 Melden
  • N. Y. P. D. 02.01.2017 13:32
    Highlight Highlight Uber und AirBnB, ihr seid mir lustige Firmen. Ihr beide habt ein Angebotsproblem. Die Verluste sind gross. Und ihr wollt jetzt an die Börse. Bestimmt findet ihr irgendwelche NULPEN*, die euren Versprechen und Hochglanzprospekten glauben. Von mir gibts kein Geld.
    Die anderen Firmen stecken teilweise auch in Schwierigkeiten und schwups, auch sie gehen an die Börse. Da warte ich mal das IPO ab und chrömle dann nach einer Woche 50% tiefer ein paar Aktien. Vielleicht sehen das einige KOMMENTARNULPEN* anders.

    *😂😂😂
    12 8 Melden
    • mrmikech 02.01.2017 15:05
      Highlight Highlight Von dir gibt's mehr geld als du denkst... unsere renten sind für ein grosses teil auf diese aktien basiert...
      10 2 Melden
    • N. Y. P. D. 02.01.2017 16:24
      Highlight Highlight Wenn ich mich nicht täusche, ist der Obligationenanteil bei den Pensionskassen noch etwas höher, als der Aktienanteil. Bei den Aktien kommen noch die Dividenden dazu. Eine gute Sache also, zumal gute Aktien über die Jahre 4-6% per anno im Schnitt zulegen.
      3 0 Melden
  • Pitsch K. Matter 02.01.2017 13:20
    Highlight Highlight Wieso tut z.B. Coca Cola in Spotify investieren. Was soll man den sonst mit 11 Mia. Gewinn im Jahr machen. Finanzmärkte, Rostoffe und Immobilien alles unsichere Investition. Einige Konzerne haben einfach zu viel Geld oder wie soll man sich das sonst erklären, dass man Milliarden in Firmen investiert die keinen Dollar gewinn machen wie z.B. Spotify.
    18 4 Melden
    • _kokolorix 02.01.2017 22:09
      Highlight Highlight Generell ist viel zu viel Geld auf ein paar viel zu wenigen Haufen. Wenn die Reichsten pro Jahr mehr zulegen als die Wirtschaft hergibt, ist eine Blase am laufen. Was AirBnB und Uber machen ist nichts anderes als Betrug. Sie preisen ein Angebot an welches sie niemals aufrechterhalten können. Die Werbeeinnahmen von Snapchat und co sind sehr unsicher, da sie jederzeit von einem neuen Hype überrollt werden können. Gratiskunden sind eben nur Steigbügelhalter für Werbekunden und damit höchst unsicher. Bei jedem geringfügig besseren Angebot sind sie weg, sie haben null Bindung zum Anbieter
      7 0 Melden

Tesla ist jetzt mehr wert als BMW 💰

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