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Interview

Wann gibt es ein vollkommen fair produziertes iPhone, Tim Cook?

Bei einem seiner seltenen Europa-Besuche kam Apple-Chef Tim Cook nach Berlin. Im Interview spricht er über Gefahren durch Datendiebe, App-Store-Regeln und faire Smartphone-Produktion.

Matthias Kremp / spiegel online



Bild

Tim Cook stellt sich den Fragen von Spiegel-Online-Redaktor Matthias Kremp. bild: Brooks Kraft/ Apple

Ein Artikel von

Spiegel Online

Keine Limousine, keine Bodyguards, keine Entourage, der Chef des wertvollsten Unternehmens der Welt kommt in Turnschuhen und Matrosenjacke um die Ecke geschlendert. Wir sind vor dem Brandenburger Tor in Berlin verabredet, Apple-Chef Tim Cook hat dort einen Termin mit einem App-Entwickler.

Cook ist erst kurz zuvor mit dem Firmenjet in Berlin gelandet. In der Hauptstadt startet seine kurze Europareise, die ihn auch nach Paris und Brüssel führen wird. Dort will er – das ist der Anlass der Reise – bei der 40. Internationalen Konferenz der Datenschutzbeauftragten eine Keynote halten. Damit sich der Flug lohnt, besucht er einige Entwickler, zwei davon in Berlin. Cook lässt sich neue Apps vorführen, stellt Fragen, probiert aus.

Wir führen das Interview in einem Berliner Luxushotel. Es ist 8 Uhr morgens, trotz des Jetlags, den er eigentlich haben müsste, wirkt Cook ausgeruht und konzentriert. Er ist Frühaufsteher, offenbar auch «on the road». Für das Gespräch ist ein Nebenraum reserviert. Auch der europäische Pressechef ist dabei. Und ein Apple-Fotograf, der Cook auf Reisen begleitet.

Zuerst unterhalten wir uns über Datenschutz und Privatsphäre, darum geht es in seiner Rede in Brüssel. Man müsse den Hackern immer einen Schritt voraus sein, sagt Cook.

Wie sicher sind iCloud und iMessage?

Herr Cook, es gibt immer noch viele Nutzer, die Apples Cloud-Dienst iCloud nicht nutzen, weil sie um die Sicherheit ihrer Daten fürchten. Wie begegnen Sie dieser Skepsis?
Tim Cook: iCloud ist kein Datenstaubsauger, der Daten wahllos aufnimmt, sie dann Nutzern zuordnet. iCloud zeichnet beispielsweise nicht auf, welche Seiten Sie mit ihrem Browser aufrufen. iCloud ist nur da, wenn man sich bewusst dafür entschieden hat es zu nutzen, um dort etwa ein Backup seiner Nachrichten und Fotos abzulegen. Das ist etwas völlig anderes, als die Nutzer zu überwachen und daraus Profile abzuleiten.

Aber manchmal versuchen auch Aussenstehende, kriminelle Hacker beispielsweise, diese Daten auszulesen. Wie gehen Sie dagegen vor?
Die einzige Möglichkeit, um die Daten der Nutzer effektiv zu schützen – egal ob in der Cloud, auf einem Gerät oder bei der Übertragung – ist die Verschlüsselung. Mag sein, dass wir in Zukunft eine bessere Methode entwickeln, aber Stand heute ist das die einzige Möglichkeit. Die Verschlüsselung auf unseren Geräten ist stark, denn wir speichern den Schlüssel nicht auf dem Gerät. Nur der Nutzer hat diesen Schlüssel und kann das Gerät entsperren. Würde man uns drängen, es zu entschlüsseln, könnten wir das nicht.

Gilt das auch für Chats?
Wenn man eine Nachricht mit iMessage verschickt oder jemanden per Facetime anruft, ist der Datenaustausch von Ende zu Ende verschlüsselt. Nur der Sender und der Empfänger können sehen oder hören, was geschrieben oder gesprochen wird, und auch die Übertragung ist verschlüsselt. Wir überwachen nicht, was Sie sagen, um anhand der Schlüsselwörter herauszufinden, welche Werbung man ihnen einspielen könnte und diese Informationen an Millionen von Firmen weiterzugeben. Bei manchen anderen Diensten ist das genau das Geschäftsmodell.

Wie verhält sich das in Ländern, deren Regierungen gern Zugriff auf die Kommunikation ihrer Bürger hätten?
Unser Messaging-Service ist auf der ganzen Welt verschlüsselt, nicht nur in Demokratien. Bei uns steht im Kleingedruckten nicht: «Wir können das Gerät in diesem Land entschlüsseln, aber nicht in jenem.»

Sind die Daten auch bei Ihrem Onlinedienst iCloud so gesichert wie auf den Geräten?
Dort haben unsere Nutzer einen Schlüssel, und wir haben einen. Das machen wir so, weil manche Nutzer ihren Schlüssel verlieren oder vergessen und dann von uns Hilfe erwarten, um wieder an ihre Daten zu kommen. Es ist schwer abzuschätzen, wann wir dieses Praxis ändern werden. Aber ich glaube, dass wird künftig wie bei den Geräten geregelt wird. Wir werden also auch dafür künftig keinen Schlüssel mehr haben.

«Unser Ziel ist es, dass alles in unseren Produkten recyclingfähig ist.»

Wollen Sie nicht mit den Daten Ihrer Kunden Geld verdienen? Das scheint doch lukrativ zu sein.
Wir betrachten Privatsphäre als einen Grundwert. Das ist ein Teil unserer Sicht auf die Welt und daraus haben sich unsere Geschäftsmodelle abgeleitet. Wenn es uns nur darum ginge, mit Kundendaten Geld zu verdienen, müssten wir einiges anders machen.

Warum gewisse Apps nicht für den App Store zugelassen werden

Apple wird dafür kritisiert, bestimmten Apps den Zugang zum App Store und damit zu iPhones und iPads zu verwehren.
Das ist so, als würde man in den Laden an der Ecke gehen: Da hat auch jemand entschieden, was angeboten wird. Dasselbe gilt für einen Zeitschriftenkiosk oder einen Zeitschriftenredakteur, der auswählt, welche Geschichten gedruckt werden. Was du auswählst, sagt etwas über dich aus. Wir haben unsere Online-Angebote vom ersten Tag an kuratiert, weil wir wussten, wie stark sich diese Produkte über uns verbreiten. Damit gehen die Verantwortung und die Verpflichtung einher, sie gut zu machen.

Über faire Produkte

Verantwortung haben Sie ja aber nicht nur gegenüber ihren Kunden, sondern auch gegenüber Ihren Herstellern und deren Angestellten. Wird es irgendwann ein vollkommen fair produziertes iPhone geben, entstanden unter guten Arbeitsbedingungen und Ressourcen schonend?
Unsere Bemühungen in dieser Richtung sind vielfältig. Das ist eine Reise, deren Ziele man nach und nach erreicht. Erstens sind uns Menschenrechte wichtig. Wir führen regelmässig Überprüfungen unserer Lieferkette durch und kontrollieren, ob die Mitarbeiter dort gut behandelt werden. Zweitens kümmern wir uns intensiv um die in unseren Produkten verwendeten Materialien. Noch sind wir nicht so weit, aber unser Ziel ist es, dass alles in unseren Produkten recyclingfähig ist.

epaselect epa07115536 Chief Executive Officer of Apple Tim Cook gives a speech during the 40th International Conference of Data Protection and Privacy Commissioners at the European Parliament in Brussels, Belgium, 24 October 2018.  EPA/STEPHANIE LECOCQ

Am Mittwoch warb der Apple-Chef in Brüssel für seine Firma. Bild: EPA

Trotzdem werden Sie nicht umhinkommen, natürliche Ressourcen intensiv zu nutzen.
Bei unseren Herstellungsprozessen berücksichtigen wir unter anderem den Wasserverbrauch. Aber wenn man es richtig macht, muss man den Verbrauch vieler natürlicher Ressourcen betrachten. Das Holz für unsere Verpackungen etwa stammt aus nachhaltigem Anbau, unser Unternehmen nutzt ausschliesslich erneuerbare Energie. Aber selbst das reicht nicht aus. Jetzt müssen wir diese Technik auch zu unseren Zulieferern bringen.

Das war Tim Cooks «Keynote» vor den europäischen Datenschutzbeauftragten:

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Video: YouTube/European Data Protection Supervisor

Der Apple-Chef gab auch noch dem «Stern» ein Interview. Das deutsche Magazin zitiert ihn mit den Worten: «Wir wollen nicht, dass die Menschen unsere Produkte zu viel benutzen».

Keinen Empfang? Akku leer? Bus verpasst? 

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Video: watson/Lya Saxer

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    Alle Leser-Kommentare
  • Sherlock_Holmes 26.10.2018 01:01
    Highlight Highlight Ich verwende nach wie vor ein iPhone 5s. Habe im Frühling den Akku austauschen lassen.
    Läuft gut auf dem neusten System, mit wenigen Einschränkungen.

    Es lohnt sich zudem von Anfang an ein wenig mehr in ein Gerät zu investieren, welches ausgereift ist und am Ende einer Versionsreihe steht. Muss darum auch nicht das neuste sein.

    Habe bisher gute Erfahrungen gemacht und hoffe, dass es noch möglichst lange von der Hard- und Software her läuft.

    Möglichst langer Gebrauchszyklus schont Ressourcen und Portemonnaie.
  • Decke 25.10.2018 20:40
    Highlight Highlight Antwort auf den Titel:
    Wenn die Menschen bereit sind dafür den Preis zu bezahlen und nicht nur an sich selber denken.
  • pontifex_maximus 25.10.2018 18:43
    Highlight Highlight Es kommt. Für 5'260.-.
  • Typu 25.10.2018 17:59
    Highlight Highlight Ich finde Apple macht das vergleichsweise saugut und für mich sind sie der glaubhafteste Tech-Weltkonzern.
  • BossAC 25.10.2018 17:50
    Highlight Highlight Die wirklich bissigen & interessanten Fragen fehlen leider, aber das war wahrscheinlich auch Voraussetzungen für das Interview...
    • Flötist 25.10.2018 19:28
      Highlight Highlight Was wären bissige Fragen?
  • 01vinc09 25.10.2018 17:30
    Highlight Highlight Apple könnte doch z.B. mit Fairphone zusammenarbeiten. Da hätte Apple die fairen Lieferketten und Fairphone ein hochwertigeres Handy, aber ich fürchte das mit dem Fair und Nachhaltig ist kein wirkliches Ziel, sondern wird behauptet um ein besseres Image zu bekommen, ansonsten hätten Alle das nämlich schon längstens gemacht...
    • fireboltfrog 25.10.2018 20:57
      Highlight Highlight Wenn man 100 Telefone im Tag herstellt, ist es etwas einfach seine Zulieferer zu prüfen, als wenn man 100 in der Sekunde herstellt. Ich denke nicht das Fairphone irgendwelches Know-how besitzt, das Apple bei einem faireren iPhone helfen kann.
  • Sarkasmusdetektor 25.10.2018 16:53
    Highlight Highlight Noch besser wäre, wenn die Produkte nicht nur recyclebar, sondern auch reparierbar wären.
    • Clife 25.10.2018 23:04
      Highlight Highlight *und bezahlbar für den normalen (Familien-)Menschen :)
    • Supermonkey 26.10.2018 13:14
      Highlight Highlight Ein iPhone wie auch apple Computer mögen teuer sein in der Ansc affing.. Aber dafür ist die Nutzungsdauer lang. Wenns man rechnet sind sie im Endeffekt günstiger...
    • Clife 26.10.2018 16:51
      Highlight Highlight Die Nutzungsdauer ist aber auch nur so lange, bis man dann den Akku auswechseln muss, der Bildschirm zerstört wird oder sonstige Investierungen durchgeführt werden müssen. Im Endeffekt kommen da nach ca. 2 Jahren gewiss einige zusätzliche Franken dazu
  • Supermonkey 25.10.2018 16:42
    Highlight Highlight Ein Grund warum ich Apple gut finde: Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit ist in der Unternehmensstrategie festgeschrieben. Bravo!
    • amore 25.10.2018 17:14
      Highlight Highlight Festgeschrieben reicht nicht.
    • wuschel1984 25.10.2018 18:42
      Highlight Highlight Hahahah ja genau!
    • Gsnosn. 25.10.2018 20:55
      Highlight Highlight Marketing
    Weitere Antworten anzeigen
  • Normi 25.10.2018 16:06
    Highlight Highlight Solange für Schaltkreise seltene Erden gebraucht werden, ist es leider kaum möglich ein 100% Fair produziertes Tech Device zu bekommen...
    • RichPurnell 26.10.2018 15:12
      Highlight Highlight Das wird wohl noch ein paar Nobelpreise gehen bis man soweit ist.

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